Was passiert, wenn sich Schlagen häuten - tierglueck-Haustierratgeber

Was passiert, wenn sich Schlangen häuten

Schlangen können im wahrsten Sinne des Wortes aus der Haut fahren. Doch sie tun das nicht wie wir aus Wut, sondern weil sie wachsen. Da die oberste Hautschicht einer Schlange nicht mit ihrer Trägerin mitwachsen kann, löst sie sich regelmäßig komplett ab. Von Kopf bis zum Schwanz wird die Haut dann abgestreift. Wer sich eine Schlange Zuhause im Terrarium hält, der kann sein Haustier dabei beobachten und sogar bei der Häutungsprozedur unterstützen.

Schlangen sind nicht nur faszinierende tierische Mitbewohner und Haustiere, sie haben auch eine interessante Art zu wachsen. Denn während der Körper der Schlange wächst, kann sich die obere Hautschicht nicht mit verändern. Sie bleibt so lange intakt, bis die Schlange nicht mehr in sie hineinpasst. Dann wird sie spröde, stirbt ab und wird schließlich abgestreift.

Die Schlange und die neue Haut: Warum häuten sich Schlagen?

Die Haut der Schlange können wir uns vorstellen wie unser eigenes Kleidungsstück. Solange wir nur um den Bauch herum ein wenig zulegen kann sich das Material gerade noch mitdehnen. Doch wenn es um das reguläre Wachstum geht, haben wir keine Chance das Lieblings-Kleidungsstück mit ins nächste Jahr zu nehmen. Ein neues Hemd muss her, genau wie bei Schlangen, die sozusagen ihr altes Hemd ablegen, um das darunter zum Vorschein kommende neue dann mit Stolz zu tragen. Zumindest solange es passt. Wie bei Menschenkindern kann das bei Jungschlangen, die sich im Wachstum befinden, in den ersten zwei bis drei Lebensjahren jeden Monat geschehen. Später im Schlangenleben dann weniger häufig, je nach Art etwa zwei- bis dreimal pro Jahr. Diese Zeitabstände hängen allerdings auch sehr von der Fütterung und von der Aktivität des zischenden Haustieres ab.

Der Häutungsprozess lässt sich im Allgemeinen hervorragend beobachten. Wer seine Schlange gut kennt, der wird die Veränderungen, die für die Häutungsphase typisch sind, bald gut erkennen können und zur richtigen Zeit vor Ort sein können, um das Schauspiel zu beobachten. Denn die Häutung an sich dauert nicht sehr lange – ganz im Gegensatz zu ihrer Vorbereitung.

Es ist soweit: Erkennen, dass sich die Schlange häuten will

Bleich sieht sie aus, die Haut der Schlange, wenn die Häutungsprozedur ansteht. Da die obere Hautschicht vor der Häutung abstirbt und zwischen zwei Hautschichten die sogenannte Häutungsmilch gebildet wird, verliert sie etwa drei bis sechs Tage lang ihre normale Farbintensität. Vorher noch schillernd und intensiv, wird die Haut dann stumpf und bleich. Auch die Augen sind milchig-trüb. Wenn der Körper die Häutungsmilch komplett aufgenommen hat, folgen auf diese blasse Zeit weitere drei bis sechs Tage, in denen die Schlange ihr normales Aussehen zurückgewinnt. Dann hat sich unter der oberen Schicht bereits eine komplett neue Hautschicht gebildet und die Schlange macht sich bereit zum Hautwechsel, dem Ablegen des sogenannten Schlangenhemdes.

Die Häutung an sich beginnt am Kopf und endet am Schwanz. Zunächst sucht sich die Schlange also einen passenden spitzen Stein oder Gegenstand oder einen rauen Untergrund und reibt ihren Kopf solange daran, bis sich die Haut zu lösen beginnt. Dann kriecht sie regelrecht aus der alten Haut heraus, die wie ein abgelegtes Hemd zurückbleibt. Manche Arten fressen ihre alte Haut, ein natürlicher Instinkt, denn gerade in der freien Natur kann es überlebenswichtig sein, keine Beweise der eigenen Existenz für eventuelle Fressfeinde zurückzulassen.

Aus der Haut und außer sich: Was bei der Häutung beachtet werden sollte

Da die Schlange, gerade in der ersten blassen Phase des Häutungsprozesses, nicht gut sehen kann, ist sie insgesamt angreifbarer und dadurch auch aggressiver. Dies ist auf die Unsicherheit auf Grund der schlechten Sicht zurückzuführen, die die Schlange mitunter auch ängstlicher macht. Daher sollte man dies nicht mit regulärer Aggressivität verwechseln. Auch sehr zahme Schlangen sollten in dieser Zeit nur behutsam gehandhabt werden, denn es kann auch bei richtigen Schmusetieren durchaus zu defensivem Verhalten oder gar unbeabsichtigten Bissen kommen, wenn die Schlange überrascht wird.

Diese Eigenart sollte ihr zugestanden werden, schließlich trägt das Gefühl einer zu engen Haut, gepaart mit schlechter Sicht, sicher nicht zum allgemeinen Wohlgefühl bei. Dass die Schlange zu dieser Zeit sehr reizbar ist liegt einfach in der Natur der Sache und sie sollte deshalb nicht unnötigem Stress ausgesetzt werden. Geeignete Versteckmöglichkeiten im Terrarium bieten dem kriechenden Haustier in dieser Zeit besonderen Schutz. Für Zeit und Ruhe um sich zurückzuziehen ist der zischende Mitbewohner dann auch besonders dankbar.

Helfende Hände: Was Schlangenbesitzer in der Häutungsphase tun können

Insgesamt gilt es, einige grundlegende Regeln zu beachten, um der Schlange den Häutungsprozess bestmöglich zu erleichtern. So sollte während der Häutungsphase das Terrarium möglichst feucht gehalten werden, denn das erleichtert dem Tier die Häutung ganz wesentlich. Gerade im Winter, wenn Heizungsluft vorherrscht, sollten daher vermehrt Wasser-Sprühflaschen zum Einsatz kommen. Auch auf eine angemessene und artgerechte Temperatur muss unbedingt großen Wert gelegt werden, speziell in der Häutungsphase.

Auf das Füttern sollte in dieser Zeit verzichtet werden. Da die Schlange für den Verdauungsprozess auf ihre Wasserreserven zurückgreifen muss, kann dies unangenehme Folgen, wie z.B. Häutungsprobleme, auslösen. Auch der neugebildeten Haut tut ein zu frühes Dehnen nicht gut und zu guter Letzt könnte ein lebendes Nagetier, das als Futtertier gedacht ist, die in ihrer Sicht eingeschränkte Schlange sogar verletzen.

Sofern dann genügend raue und spitze Oberflächen und Gegenstände im Terrarium angeboten werden, sollte die Schlange allerdings keine Probleme mit der Häutung haben. Jeder Schlangenhalter sollte sein Haustier in dieser Phase genau im Auge behalten, denn es ist wichtig, dass die Haut an allen Stellen des Körpers gleichmäßig abgestreift wird.

Wenn es mal nicht so klappt: Häutungsprobleme bei Schlagen

Wie immer und überall im Leben, kann es auch beim Häutungsprozess einer Schlange zu Problemen kommen. Sollte die Haut nicht gleichmäßig am Stück, sondern in Fetzen oder Streifen abgeworfen werden, deutet dies auf Probleme bei der Häutung hin. Zuerst sollten daher Dehydration, eine falsche Haltung, mangelndes Licht oder Krankheiten ausgeschlossen werden.

Kritisch für Häutungsprobleme bei Schlangen sind vor allem enge oder verwinkelte Körperstellen wie die Augenkapseln, das Analschild oder die Spitze des Schwanzes. Gerade an den Augen sollte die Haut jedoch vom Halter nicht einfach abgezogen werden. Man kann versuchen, die Schlange in 25 bis 27 Grad warmen Wasser zu baden, oder in ein feuchtes warmes Handtuch einzuwickeln und die Hautreste dann durch vorsichtiges reiben mit einem angefeuchteten Wattestäbchen, Küchentuch oder Waschlappen zu lösen. Funktioniert das nicht, darf keinesfalls Gewalt angewendet werden. Stattdessen steht der Weg zum Tierarzt an. Gleiches gilt natürlich auch bei anderen Anzeichen von Krankheit oder Unwohlsein. Gegebenenfalls muss das Haustier auf Parasiten oder Milbenbefall hin untersucht und entsprechend behandelt werden. Auch das Terrarium muss optimale Bedingungen erfüllen, um die Schlange glücklich und die Parasiten fern zu halten. Dafür sollte beispielsweise statt einer Bodenheizung lieber ein Heizstrahler verwendet werden.

Um den Häutungsprozess von Anfang an zu erleichtern, sollte auf jeden Fall auf eine angemessene Luftfeuchtigkeit Wert gelegt werden. Tropische Schlangen wie etwa Pythons oder Boas benötigen einen Feuchtigkeitsgrad von 70 bis 80 Prozent, Wüstenschlangen fühlen sich bei 40 bis 50 Prozent am wohlsten. Auch hier sind aber feuchtere Stellen und Höhlen im Terrarium ein absolutes Muss. Die Feuchtigkeit ist essentiell, damit die Schlange ihr Hemd abstreifen kann. Denn nicht vollständig abgestreifte Haut, eventuell aus mehreren Häutungsprozessen, führt auch am Körper der Schlange zu schmerzhaften Einschnürungen und Durchblutungsstörungen und kann sogar bis zum Tod führen. Ebenfalls vermieden werden sollten zu niedrige Temperaturen, denn die Schlange braucht bestimmte, an die Art angepasste Mindesttemperaturen, um ihren Stoffwechsel auf den Häutungsmodus hochzufahren.

Auch Konditionsschwäche kann zu Häutungsproblemen führen. Es ist deshalb von essentieller Bedeutung, der Schlange einen optimalen und vor allem artgerechten Lebensraum anzubieten, in dem sie alles hat, was sie für ein gesundes Schlangenleben benötigt. Dann stellt auch die Häutung keine große Herausforderung dar.

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