Diabetes bei Katzen: Bei ersten Anzeichen schnell handeln - tierglueck-Haustierratgeber

Diabetes bei Katzen: Bei ersten Anzeichen schnell handeln

Wie wir Menschen können auch Katzen an Diabetes mellitus erkranken. Die Zuckerkrankheit ist sogar eine der häufigsten Stoffwechselerkrankungen bei Katzen und etwa zwei von hundert Katzen in Deutschland sind betroffen. Bei rechtzeitiger Diagnose und mit der richtigen Behandlung und Pflege können die geliebten Samtpfoten aber auch mit der Krankheit ein erfülltes und glückliches Leben führen. Wichtig ist, dass wir die Anzeichen einer beginnenden Diabetes früh erkennen und unsere vierbeinigen Freunde so gut es geht unterstützen.

Wie kommt es zu Diabetes bei Katzen?

Genau wie beim Menschen, ist auch bei unseren Stubentigern Insulinmangel die Ursache für die Erkrankung. Dabei kann der Mangel relativ oder absolut sein. Das Hormon Insulin ist wesentlich, um Energie zu produzieren indem es Glukose, also Zucker, aus dem Blut heraus in alle Körperzellen transportiert. Von der Bauchspeicheldrüse aus wird es in das Blut abgegeben und in alle Körperzellen transportiert. Wenn aber die Bauchspeicheldrüse nicht genügend Insulin produziert, bekommen auch die Zellen nicht genug Futter, um Energie zu produzieren. Dadurch steigt der Zuckerspiegel im Blut an. Wenn sich wiederum zu viel Zucker im Blut befindet, dann weichen die Zuckermoleküle in den Urin aus. Und dieser Zucker zieht Wasser mit in den Urin und sorgt dafür, dass an Diabetes erkrankte Tiere übermäßig viel Urin abgeben und dadurch auch großen Durst haben und übermäßig viel trinken. Katzen, die einen Insulinmangel haben, trinken und fressen deshalb besonders viel, lassen übermäßig viel Urin und verlieren dabei meist sichtbar an Gewicht.

Die verschiedenen Diabetesformen bei Katzen

Ebenso wie bei Menschen können auch Katzen an zwei unterschiedlichen Formen von Diabetes erkranken, immer ist jedoch der Blutzuckerspiegel ständig erhöht. Bei der ersten Form herrscht absoluter Insulinmangel. Die insulinbildenden Zellen sind zerstört und die Samtpfote braucht eine Insulintherapie. Diese Form wird Typ-1-Diabetes, Insulin-abhängiger Diabetes oder juveniler Diabetes genannt und kommt eher selten vor. Im Gegensatz dazu produziert die Bauchspeicheldrüse beim relativen Insulinmangel zwar Insulin, doch ist seine Wirkung entweder eingeschränkt oder aber es ist schlicht nicht genug und die Zellen reagieren auf das vorhandene Insulin weniger gut. Diese Diabetesform wird Typ-2-Diabetes, nicht-insulin-abhängiger Diabetes oder Alters-Diabetes genannt und kommt recht häufig vor.

Wie erkennt man, dass die Katze Diabetes hat?

Der Diabetes mellitus beeinträchtigt die Gesundheit einer Katze ungemein. So ist beispielsweise das Immunsystem geschwächt und die Samtpfote ist anfällig für die verschiedensten anderen Krankheiten oder kann sich allgemein geschwächt und Energie- und Kraftlos fühlen. Recht typisch können Haut- oder Harnwegsinfektionen und Entzündungen der Bauchspeicheldrüse sein und möglicherweise heilen auch Wunden nur schwer. Dies sind Anzeichen, bei denen jeder Katzenhalter aufmerksam werden sollte.

Gerade zu Beginn der Erkrankung sind die Diabetes-Symptome schlecht zu erkennen, da sie sich eher schleichend zeigen. Auffällig ist jedoch meist der gesteigerte Appetit der Tiere, der sich in regelrechten Heißhungerattacken äußern kann. Zudem ist das Fell der geliebten Samtpfoten oft stumpfer als normal. Auch das vermehrte Trinken, Polydipsie genannt, sowie das vermehrte Absetzen von Urin, Polyuris genannt, ist auffällig und als Anzeichen einer Diabetes zu verstehen. Der Gang zum Tierarzt sollte dann nicht aufgeschoben werden. Neben diesen Auffälligkeiten können auch Durchblutungsstörungen auftreten und der Katze einiges an Unbehagen verursachen. Auch recht schnell auftretendes Übergewicht kann ein Hinweis sein. Allerdings besteht dann noch die Chance, die Diabetes von vornherein zu verhindern, da Übergewicht eher eine Ursache der Erkrankung ist und nicht so sehr als Folge gewertet werden kann.

Spätestens jedoch wenn die Katze anfängt, ungewöhnlich und ataktisch zu laufen, also die komplette Hinterhand anstatt lediglich die Zehen auf den Boden aufzusetzen, ähnlich wie Kaninchen das tun, ist dringender Handlungsbedarf angesagt. Diese sogenannte Hinterhandschwäche äußert sich in eckigen Bewegungen und tritt nur in Einzelfällen auf. Dann ist sie allerdings ein fast sicheres Zeichen für Diabetes und der Gang zum Tierarzt sollte umgehend erfolgen. Ein ebenso alarmierendes Anzeichen von Diabetes ist eine sogenannte dibetische Ketoazidose. Diese zeigt sich durch Austrocknungssymptome, oft gepaart mit Teilnahmslosigkeit. Wenn die Katze unbeteiligt herumsitzen ihr Bewusstsein allgemein getrübtes erscheint, ist eine Austrocknung möglich. In einigen Fällen kann die Katze sogar ins Koma fallen. Hier können wir auf Austrocknung testen, indem wir eine Hautfalte unseres vierbeinigen Freundes etwas anheben. Zieht sich diese nach dem loslassen nicht sofort wieder zurück, ist eine Austrocknung sehr wahrscheinlich. Auch hier herrscht absolut akuter Handlungsbedarf und das Tier muss umgehend in tierärztliche Behandlung.

Was ist zu tun, wenn bei der Katze Diabetes festgestellt wird?

Wenn die Katze Zuhause für den Diabetes typische Symptome zeigt, dann ist eine Überprüfung durch den Tierarzt nicht mehr zu vermeiden, ja sogar Überlebenswichtig. Und dann kann der Gang zum Tierarzt durchaus mit der Diagnose Diabetes mellitus enden. Da die Katze jedoch schon durch den Transport zum Tierarzt und die neue Umgebung in Stress geraten kann, reicht für eine Diagnose die Bestimmung des Nüchternblutzuckers nicht aus. Um ganz sicher zu gehen, werden vom Tierarzt deshalb verschiedene Harnuntersuchungen gemacht und Bluttests durchgeführt.

Ist die Diagnose dann gestellt, gilt es die geeignete Therapie zu finden. Die Grundpfeiler der Behandlung sind dabei Medikation und Ernährung. Beides sollte Hand in Hand gehen und sich gegenseitig unterstützen, denn mit der richtigen Ernährung ist es manchmal sogar möglich, die Medikamentendosis unserer Stubentiger langfristig zu senken. Dabei ist es gerade für den Halter äußerst wichtig, sich genau an die Anweisungen zu halten und das Haustier mit den entsprechenden Medikamenten oder auch dem geeigneten Futter zu versorgen. Das wiederum sorgt dafür, dass sich auch die Katze an ihren neuen Tagesablauf gewöhnt und sich durch die regelmäßige Insulingabe wieder fit und munter fühlen kann.

Die Insulintherapie für den Stubentiger

Eine Insulintherapie sorgt in der Regel dafür, den Blutzuckerspiegel konstant zu halten. Sie stabilisiert zudem den Energiehaushalt der Katzen. Dazu muss der Halter seiner Fellnase das Insulin zweimal am Tag unter die Haut spritzen, am besten direkt vor einer Mahlzeit. Hierzu wird eine kleine Hautfalte des Tieres nach oben gezogen und die Spritze im 45 Grad Winkel angesetzt. Das Insulin sollte übrigens am besten im Kühlschrank aufbewahrt werden, denn dort bleibt es frisch und ist keinen Schwankungen ausgesetzt. Es ist wichtig, dass dies immer zur gleichen Tageszeit geschieht, zweimal am Tag ist ideal. Wird eine Behandlung ausnahmsweise einmal vergessen, sollte diese aber keinesfalls nachgeholt werden. Stattdessen wird bei der nächsten Gelegenheit ganz regulär weiter behandelt.

Besondere Vorsicht ist bei der Gabe von Insulin allerdings geboten, wenn die Katze ein schlechter Esser ist. Denn bei fehlender Nahrungsaufnahme kann es leicht zu einer Unterzuckerung kommen. Die Gefahr einer Unterzuckerung besteht übrigens auch dann, wenn die Katze sich zu sehr anstrengt oder sich erbrechen muss. Frisst die Katze schlecht, ist es deshalb auf jeden Fall sinnvoll, erst nach der Mahlzeit zu spritzen. In der Anfangsphase der Krankheit können statt der Insulinspritze auch Tabletten gegeben werden. Diese werden orale Antidiabetika genannt und sollen die Bauchspeicheldrüse dazu anregen, körpereigenes Insulin zu produzieren.

Übrigens kann es bei dem vierbeinigen Haustier auch zu einer Insulinüberdosierung kommen, die sich dann meistens in einem erhöhten Schlafbedürfnis äußert. Zu einer Überdosierung kommt es meist dann, wenn sich der Diabetes der Fellnase unbemerkt rückläufig entwickelt. Regelmäßige Kontrollen beim Tierarzt, in denen der Blutzuckerspiegel getestet wird, sind deshalb absolut notwendig.

Ernährungsumstellung für den schnurrenden Patienten

Neben der Medikation ist die Ernährung ein Faktor, mit dem der Halter seinem Schmusetier das Leben langfristig erleichtern kann. Gerade bei zu Übergewicht neigenden oder übergewichtigen Katzen, sollte die Ernährung vor allem aus Proteinen und Fett bestehen und immer die gleiche Energiedosis haben, damit es weder zu Unter-, noch zu Überzuckern kommt. Denn die Insulintherapie wird auf den Energiegehalt der Nahrung abgestimmt. Um Schwankungen des Blutzuckers von vorne herein auszuschließen, ist insgesamt ist ein geregelter Tagesablauf mit festen Fütterungszeiten unerlässlich.

Eine Umstellung auf diese sogenannte Diabetesdiät kann das Leben der Katze besonders langfristig positiv beeinflussen. Denn wenn diese – sowohl eiweißreiche als auch stärkearme – Diät strikt eingehalten wird, kann es sogar möglich sein, die Insulindosis langfristig zu senken. Natürlich ist dazu immer auch der Tierarzt zu konsultieren, denn Fehler in der Diabetestherapie können schlimme Folgen für das schnurrende Haustier haben. 

Alarmstufe Rot: Wann die Katze sofort zum Tierarzt muss 

Es gibt verschiedene Alarmsignale, die eine akute gesundheitliche Verschlechterung der Fellnase bedeuten können, die Diabetische Ketoazidose und die Unterzuckerung. Ersteres äußert sich in Erbrechen und den Anzeichen einer Austrocknung. Trockene Schleimhäute und zäher Speichel sowie Teilnahmslosigkeit oder sogar Koma können diese Anzeichen noch verstärken.

Auch Unterzuckerung ist sehr gefährlich für die Katze. Dies äußert sich in Unruhe, Krämpfen oder Muskelzittern, bis hin zu Teilnahmslosigkeit, Lähmungen und komatösen Zuständen. Bei Unterzuckerung kann in Wasser aufgelöster Traubenzucker helfen, der dem Tier dann langsam eingeflößt wird.

Gute Aussichten: Ein glückliches Katzenleben trotz Diabetes

Insgesamt können wir unseren vierbeinigen Freunden auch trotz Diabetes ein erfülltes und glückliches Katzenleben ermöglichen. Wichtig ist, dass wir unsere Verantwortung als Halter voll erfüllen, indem wir uns um die korrekte Fütterung und Medikation bemühen. Es ist unsere Aufgabe auf die Uhr zu schauen und unser eigenes Leben an die Bedürfnisse des Haustieres anzupassen. Der Alltag mit einem zuckerkranken Stubentiger erfordert also Konsequenz und viel persönliches Engagement.

Und es gibt auch eine absolut gute Nachricht: Wenn der Diabetes frühzeitig erkannt und direkt behandelt wird, kann sich die Krankheit bei 30 bis 50 Prozent der Katzen sogar wieder zurückbilden. Es lohnt sich also in jedem Fall, die Samtpfote genau im Auge zu behalten und auch kleinen Verhaltensänderungen auf den Grund zu gehen.

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