Sorgen ohne Grund: Kot-Fressen bei Meerschweinchen ist normal - tierglueck-Haustierratgeber

Sorgen ohne Grund: Kotfressen bei Meerschweinchen ist normal

Kleine rundliche Fellknäuele, dunkle Knopfaugen, runde kurze Ohren und ein drolliger Gesichtsausdruck mit vorwitzig nach vorne geschobener Nase – diese Beschreibung ist charakteristisch für die freundlichen aber immer leicht ängstlichen Meerschweinchen. Und eben diesen liebenswerten Gesichtsausdruck lassen sie uns immer dann sehen, wenn sie auf ihren kurzen Beinchen mit leise lockendem Quiek-Quiek auf uns zugetrappelt kommen mit nur einer wichtigen Frage auf dem Herzen: Gibt es etwas Leckeres zu essen? Denn Meerschweinchen haben eigentlich immer Appetit und sind stets für einen Leckerbissen zu haben. Und damit sich die kleinen Nager immer bester Gesundheit erfreuen, hat die Natur eine eigenwillige Besonderheit eingerichtet. Meerschweinchen fressen nämlich zuweilen ihren eigenen Kot. Aber warum eigentlich?

Die meisten Tierhalter finden es nicht unbedingt appetitlich, wenn ihre Meerschweinchen Kot fressen. Was übrigens auch den meisten anderen Nagetieren wie zum Beispiel Kaninchen, Hamstern oder Chinchillas zu eigen ist. Sie gleichen damit ihren Vitaminhaushalt aus und tun aktiv etwas Gutes für ihre Verdauung. Aber Kot ist nicht gleich Kot, die Nager fressen längst nicht alle Böhnchen, die sie ausscheiden – eine ganz bestimmte Sorte muss es sein.

Zwei unterschiedliche Arten von Kot werden ausgeschieden

Pro Tag scheidet ein Meerschweinchen eine ganze Menge der kleinen länglichen Kotböhnchen aus. Das geschieht meist unbewusst und unkontrolliert, weshalb Meerschweinchen in der Regel auch nicht stubenrein werden können. Doch wir sehen es ihnen gerne nach, weil sie uns mit Ihrem freundlichen Wesen so bezaubern können.

Im Streu oder im Auslauf finden sich dann meist die zwischen eineinhalb und drei Zentimeter großen länglichen Kotbrocken, die bei einem gesunden Meerschweinchen von dunkelgrüner bis brauner Färbung sind. Dieser standardmäßig abgesetzte, eher feste Kot enthält nur noch das, was der Körper aus der aufgenommenen Nahrung nicht mehr verwerten konnte. Für die Nager ist dieser Kot völlig uninteressant und wird nicht weiter beachtet. Er wird immer dann ausgeschieden, wenn die Meeris aktiv sind, weniger in Schlaf- oder Ruhephasen.

Speziell während sie sich putzen scheiden sie dann noch eine andere Form von Kot aus, der etwas heller und weicher ist. Das ist der so genannte Blinddarmkot, der längere Zeit im Darmsystem der Meerschweinchen verweilt und vor dem Ausscheiden den Blinddarm durchläuft. Dadurch wird der Kot durch Vitamine und andere Nährstoffe angereichert. Nicht selten kommt es vor, dass die Meerschweinchen den Blinddarmkot beim Putzen direkt vom After aufnehmen und fressen.

Blinddarmkot ist gut für die Verdauung

Meerschweinchen folgen hier einem für ihre Gesundheit sehr wichtigen Instinkt, denn die Aufnahme von Blinddarmkot wirkt sich in erster Linie positiv auf ihre Verdauung aus. Der Verdauungstrakt von Meerschweinchen ist gemessen an anderen Säugetieren komplexer. Dort gibt es keine Muskelgruppen, die den Speisebrei transportieren, das so genannte Stopfmagen-/Darmsystem benötigt immer nachkommende Nahrung um das verwertete Futter ausscheiden zu können. Daher ist es auch nicht empfehlenswert, Meerschweinchen das Futter zuzuteilen oder gar hungern zu lassen, weil sie vermeintlich zu dick werden. Wenn nicht regelmäßig Futter nachgeschoben wird, kann es schnell zu Verstopfungen kommen. Artgerecht gehaltene Kleintiere mit genügend Auslauf überfressen sich nicht, sondern legen Pausen ein, wenn sie satt sind.

Der Verdauungstrakt eines Meerschweinchens macht etwa ein Viertel seines gesamten Körpervolumens aus. Er beginnt direkt unter der Leber und auf gleicher Höhe mit dem Magen. Grund für die enorme Größe des Darmsystems ist der Umstand, dass Meerschweinchen überwiegend Pflanzenfresser sind und große Mengen an Grün- und Raufutter bewältigt und ausgewertet werden müssen. Vom Magen aus gelangt der Speisebrei in den Zwölffingerdarm und wird von dort an den Dünndarm weitergeleitet wo der Speisebrei aufgespalten wird und die Enzyme freigesetzt werden. Der Dickdarm ist für die Aufspaltung von Zellulose zuständig. Und im Blinddarm schließlich werden die dafür notwendigen Bakterien und lebenswichtige Vitamine gebildet. Insgesamt kann es bis zu sieben Tage dauern, bis die Nahrung den Verdauungstrakt der Meerschweinchen vollständig passiert hat und ausgeschieden wird.

Das Besondere an Blinddarmkot

Blinddarmkot enthält wichtige B-Vitamine, die zuständig sind für einen gesunden Stoffwechsel, das seidig Fell und sorgen außerdem für das Körperwachstum und beugen Lähmungen vor. Der Kot beinhaltet außerdem Vitamin K, das Darmerkrankungen vorbeugt und die Blutgerinnung regelt. Er enthält außerdem Eiweiße und Bakterien für die Verdauung.

Bei einer Durchfallerkrankung des Meerschweinchens, ist es vorübergehend nicht in der Lage, den für ihn so wichtigen Blinddarmkot zu produzieren, der gleichzeitig auch den Durchfall bekämpfen würde. Meeris, die vom Durchfall noch nicht geschwächt sind kann man dabei beobachten, wie sie versuchen, Blinddarmkot von ihren Artgenossen zu stibitzen. Als Halter kann man sein an Durchfall erkranktes Meerschweinchen unterstützen und ihm den frischen Blinddarmkot gesunder Tiere anbieten. Für den Laien ist es allerdings nicht ganz einfach, Blinddarmkot von den ganz normalen Ausscheidungen zu unterscheiden. Doch wenn das kranke Tier den Kot nicht frisst, kann man davon ausgehen, dass es sich nicht um Blinddarmkot handelt.

Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig

Damit Meerschweinchen immer ausreichend Blinddarmkot produzieren können, ist eine ausgewogene, nicht einseitige Ernährung wichtig. Sie besteht aus einem hochwertigen, grünen Heu, dass den Meeris rund um die Uhr zur Verfügung stehen sollte. Als weitere Basis empfiehlt sich ein spezielles Meerschweinchenfutter, das nur aus gleichen grünen Pallets oder Brocken besteht. So ist gewährleistet, dass immer alle Nährstoffe gleichzeitig aufgenommen und nicht bestimmte Futterbrocken ausgewählt werden. Die Inhaltsstoffe sind gepresste Gräser und Wiesenkräuter. Trockenfutter, das schön bunt aussieht, ist meist eher ungesund, da es viele gesüßte Bestandteile enthält und insbesondere auch Getreide, das im Magen aufgärt und zudem dick macht. Getreidehaltiges Futter ist allenfalls bei reiner Außenhaltung und nur im Winter zu empfehlen. Bitte aber daran denken, dass das Meerschweinchen ursprünglich aus Südamerika stammt und harte Winter daher nur in soliden und ggf. geheizten Unterkünften übersteht.

Zu Heu und Trockenfutter sollten Meerschweinchen ihre tägliche Menge an frischem Grünfutter bekommen, das aus Gemüse, Salat, Kräutern, Wiesenblumen und etwas Obst besteht. Stichwort Salat: Meerschweinchen lieben Schlangengurke. Da insbesondere die Schale sehr viele Vitamine enthält, sollte man Gurke mit Schale füttern, aber beim Kauf unbedingt darauf achten, dass die Gurken ungespritzt sind, das heißt frei von Pestiziden.

Ihre Leidenschaft für Gurke kann man ausnutzen, wenn man einem Meerschweinchen Medikamente verabreichen muss. Medizin auf ein Stück Gurke geträufelt oder darin eingedrückt findet so mit großer Wahrscheinlichkeit und ohne große Anstrengungen oder Stress den Weg in den Magen. Meerschweinchen, die allerdings artgerecht und ausgewogen ernährt werden, können sich in der Regel durch verzehren ihres Blinddarmkots selbst helfen und werden deutlich seltener krank.

Wenn auch das Fressen des eigenen Kots für viele Tierfreunde unangenehm ist, den Meerschweinchen tut es sichtlich gut. Sie folgen ganz einfach ihrem Instinkt und sorgen so für einen gesunden Stoffwechsel. Der Tierhalter sollte auf gar keinen Fall eingreifen und versuchen seine Meerschweinchen vom Kotfressen abzuhalten. Vielmehr sollte er diese Laune der Natur durch die Gabe von artgerechtem, vielfältigem Futter unterstützen.

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