Können Meerschweinchen und Kaninchen zusammen leben? - tierglueck-Haustierratgeber

Kaninchen und Meerschweinchen: Ist ein friedliches Zusammenleben möglich?

Können Kaninchen und Meerschweinchen überhaupt zusammen leben?

Kleintiere wie Kaninchen und Meerschweinchen üben auf viele Menschen eine große Anziehung aus und sind beliebte Hausgenossen. Ihre possierliche Gestalt und ihre zurückhaltende, liebenswerte Art lädt uns zum Beobachten und auch zum Streicheln ein. Doch die kuscheligen Kleintiere haben ganz andere Bedürfnisse als Hunde oder Katzen. Es sind alles andere als anspruchslose Haustiere, die man im Käfig hält und um die man sich nur kümmern muss, wenn es gerade passt. Der Tierfreund, der über die Anschaffung von Kleintieren nachdenkt, sollte sich zuallererst die Frage stellen, ob es nun beispielsweise Kaninchen oder Meerschweinchen sein sollen. Denn eine gleichzeitige Haltung beider Arten ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Und der Tierhalter muss zunächst Verständnis für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Nager entwickeln.

Wer früher eine Zoologie mit der Absicht besuchte, Kleintiere zu erwerben, ging nicht selten mit einem Kaninchen und einem Meerschweinchen zur Gesellschaft nach Hause. Die Erkenntnis, dass man Kleintiere nicht allein halten sollte, war also schon früh gegeben. Durch die Gruppierung wollte man ungewollten Nachwuchs verhindern, beziehungsweise Streitigkeiten unter gleichgeschlechtlichen Artgenossen vermeiden.

Also wurde ein Käfig angeschafft, eingerichtet und die beiden ungleichen Tiere hineingesetzt. Meist wurde der Käfig zunächst im Kinder- oder Jugendzimmer aufgestellt. Doch es dauerte in der Regel nicht lange, bis der Käfig in einen anderen Raum oder gar in den Keller verbannt wurde. Denn schlafen konnte man bei der allgemeinen Unruhe nicht, die die Tiere verbreiteten. Das Kaninchen, reinlich wie es ist, machte nämlich immer von seiner dominanten Rolle des größeren Tieres Gebrauch und putzte das Meerschweinchen nach Herzenslust. Was auf den Laien wie ein drolliges Miteinander der Arten wirkte, bedeutete in Wirklichkeit für das Meerschweinchen permanente Angst und Unwohlsein, was es durch lautes Quieken und Weglaufen zum Ausdruck brachte. Viel half beides jedoch nicht, denn das Kaninchen hoppelte seinen kleineren und unterlegenen Käfiggenossen hinterher. Wilde Verfolgungsjagten auf engem Raum, ein verängstigtes Meerschweinchen und ein frustriertes Kaninchen waren das Resultat.

Um es vorweg zu nehmen, auch heute noch kann es passieren, dass in einer Zoologie dazu geraten wird, einem Kaninchen zumindest ein Meerschweinchen zur Gesellschaft zu geben und beide zusammen zu halten. Zum Glück können sich Tierhalter heute bereits vor der Anschaffung zum Beispiel über das Internet informieren und sich über die Haltung und die unterschiedlichen Bedürfnisse von Kleintieren kundig machen.

Kaninchen und Meerschweinchen kommunizieren auf unterschiedliche Weise

Genau wie wir Menschen, umgeben sich auch Tiere gerne mit ihren Artgenossen. Das gilt für Hunde gleichermaßen, wie für Katzen und Kleintiere. Doch Kleintiere sind nicht gleich Kleintiere. Da wäre zunächst einmal die Verständigung. Während Meerschweinchen sich untereinander durch verschiedene Laute verständigen, kommunizieren Kaninchen überwiegend durch ihre Körperhaltung und durch Gesten miteinander. Ein Kaninchen schreit nur dann laut auf, wenn es größte Todesangst oder Panik empfindet. Es wird auch mal gebrummt und geknurrt, um einen Artgenossen in seine Schranken zu verweisen. Ansonsten verläuft ihre Kommunikation eher tonlos. Anders bei Meerschweinchen, die sich durch ihre unterschiedlichen Laute regelrecht miteinander unterhalten können. Sie quieken in verschiedenen Tonhöhen, brummen, zirpen, gurren oder klappern mit den Zähnen. Und wenn zwei sich streiten, kann ihr Quieken auch schon mal sehr schrill und laut werden.

Senkt ein Kaninchen den Kopf, fordert es damit seine Artgenossen zum Putzen oder Schmusen auf. Bei Meerschweinchen hingegen bedeutet dies Unterwerfung. Schlägt ein Meerschweinchen mit dem Kopf nach oben, will es einfach nur in Ruhe gelassen werden. Kaninchen würden dies als Drohgebärde interpretieren und den vermeintlichen Gegner angreifen. Um seine Artgenossen vor einer Gefahr zu warnen, klopft das Kaninchen kurz mit seinen Hinterläufen auf den Boden. Meerschweinchen würden dem Geräusch neugierig folgen und auf das Kaninchen zulaufen, was diese Aktion wiederum als Bedrohung auffassen würde.

Führt man sich die unterschiedlichen Verständigungsweisen von Kaninchen und Meerschweinchen vor Augen, wird schnell klar, dass die Nager zwar äußerlich eine gewisse Ähnlichkeit aufweisen, sich ein Zusammenleben jedoch schwierig gestalten würde. Anders als wir Menschen, die in der Lage sind, fremde Sprachen zu lernen, ist dies in der Tierwelt und insbesondere den Kleintieren nicht möglich. Wer also denkt, dass sich Meerschweinchen und Kaninchen schon irgendwann an einander gewöhnen werden, irrt gewaltig.

Kleintiere stellen unterschiedliche Ansprüche an die Haltung

Über die Verständigung hinaus unterscheiden sich Kaninchen und Meerschweinchen auch in ihren Ansprüchen an die Haltung. Sie teilen jedoch das Bedürfnis, mit ihren Artgenossen in der Gesellschaft zu leben sowie ihren Bewegungsdrang. Daher ist eine reine Käfighaltung für beide Nagetiergattungen nicht empfehlenswert und nicht artgerecht. Als Faustregel bei der Kaninchenhaltung gilt: mindestens zwei Quadratmeter pro Tier und bei Meerschweinchen sind es mindestens ein bis eineinhalb Quadratmeter pro Tier.

Kaninchen haben den Urinstinkt, ihren Bau sauber zu halten, sie benutzen fürs Koten und Urinieren in der Regel dieselbe Stelle. Schnell gewöhnen sich Kaninchen daher an eine vom Menschen aufgestellte artgerechte Toilette – beispielsweise eine flache Schale mit saugfähigem Streu. Sie werden also stubenrein. Von Meerschweinchen kann man das leider nicht erwarten, da sie ihren Kot eher unbewusst absetzen. Dieser Umstand erfordert schon mal eine unterschiedliche Einrichtung von Käfig und Auslauf.

Anders als Kaninchen sind Meerschweinchen nur teilweise Vegetarier. Ihr Futter enthält viele Proteine und zusätzliches Vitamin C, was wiederum für Kaninchen ungesund ist und in erhöhter Menge zu Durchfall führen kann. Kaninchen sind es gewohnt, nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Artgenossen ausgiebig zu putzen. Sie verbringen einen großen Teil des Tages mit intensiver Fell-, Ohren- und Augenpflege. Dieser Drang ist bei Meerschweinchen nicht so ausgeprägt und gegenseitige Fellpflege eher eine Seltenheit.

Die Gesellschaft mit den Artgenossen bietet Schutz und Harmonie

Wer Meerschweinchen und Kaninchen einmal mit Ihren jeweiligen Artgenossen zusammen erlebt hat, weiß, wie wichtig eine Paar- oder Gruppenhaltung ist. Die Gesellschaft bietet ihnen gegenseitigen Schutz, Kuschelpartner und Spielkamerad – was nur durch die eigenen Artgenossen möglich ist.

Will man tatsächlich Kaninchen und Meerschweinchen zusammen halten, sollte man über eine Gruppentrennung nachdenken. Zwei Gehege, die nebeneinander angeordnet sind, können sehr gut funktionieren und die unterschiedlichen Reviere bilden. So ist gewährleistet, dass jede Art ihren Instinkten folgen und sich gegenseitig nicht in die Quere kommen kann.

Auch eine gemeinsame Haltung in einem sehr großen Gehege, in dem sich die Meerschweinchen und die Kaninchen aus dem Weg gehen können, ist nur bedingt empfehlenswert, denn die Gefahr durch Übergriffe besteht dennoch. Bei einer solchen Haltung muss darauf geachtet werden, dass sich die Meerschweinchen zurückziehen können. Beispielsweise durch den Einsatz von Röhren oder Häuschen, deren Eingänge zu klein sind für Kaninchen. Wobei sich Kaninchen auch gerne in eigentlich zu kleine Behausungen quetschen können – denn wo der Kopf durchpasst, geht auch der Körper der meist schlanken Tiere 'rein. Zudem besteht die Gefahr, dass sich die Meerschweinchen dann nur noch in den Häusern aufhalten und das Gehege nicht mehr nutzen. Und verlässt dennoch ein Meerschweinchen seine sichere Burg, wird es unter Umständen von den Kaninchen als Eindringling in deren Revier angesehen und gejagt. Solche Verfolgungsjagten können auf beiden Seiten böse Verletzungen hervorrufen, denn ein in die Enge gedrängtes Meerschweinchen kann sich auch wehren und zubeißen.

Weitere Möglichkeiten der gemeinsamen Haltung

Will man nicht zwei große Auslauf-Gehege einrichten, können die beiden Gruppen der Kaninchen und Meerschweinchen auch ein gemeinsames Gehege nutzen und erhalten abwechselnd den Zugang zum Freilauf. Diese Haltung sieht jeweils einen Käfig oder Stall für die Meerschweinchen und die Kaninchen vor, mit einem Verbindungsgehege dazwischen. Abwechselnd bekommen nun die Gruppen Zugang zum Freilauf. Vom Halter erfordert diese Art der Unterbringung aber ein besonders Maß an Aufmerksamkeit und genaue Kenntnis der Gewohnheiten seiner Tiere. Meerschweinchen schlafen meist in der Nacht einige Stunden und sind dämmerungs- und tagaktiv, während Kaninchen überwiegend nachaktiv sind und am Tag gerne dösen, sich aber auch umstellen können.

Diese Art der Haltung kann allerdings schnell in Stress für die Tiere ausarten, wenn sie nicht von allein in ihren Stall zurückkehren und jedes Mal eingefangen oder gejagt werden müssen. Mit den Lieblingsleckerchen lassen sich Meerschweinchen oder Kaninchen eigentlich immer gerne anlocken. Ein Automatismus lässt sich hier nur schwer einführen, vom Halter ist viel Einsatz gefordert. Zudem müssen die Ställe ausreichend groß bemessen sein, damit die Nager auch während der Ruhezeiten nicht beengt sitzen. Gefüttert wird wegen der unterschiedlichen Futter-Zusammensetzungen nur in den Ställen. Waren die Meerschweinchen draußen, empfiehlt sich zudem eine Säuberungsaktion, bevor die Kaninchen in den Freilauf dürfen.

Alles in Allem ist diese Art der Kleintierhaltung sehr aufwändig und nur bedingt empfehlenswert, da den Kaninchen oder Meerschweinchen nur zu bestimmten Zeiten ein artgerecht großer Freilauf zur Verfügung steht.

Anders als vermutet, verbindet Kaninchen und Meerschweinchen keine Artverwandtschaft. Das Kaninchen stammt ursprünglich vermutlich aus Spanien und zählt zur Gattung der Nesthocker. Während das Meerschweinchen seinen Ursprung in Südamerika hatte und eher zu den Nestflüchtern zählt. Als Tierfreund sollte man ihre unterschiedlichen Ansprüche respektieren und sie nicht gemeinsam halten. Entweder hat man genug Platz für zwei Gehege oder man entscheidet sich für die Haltung nur einer Art – die kuscheligen Nager danken es durch Ausgeglichenheit.

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