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Kaninchenhaltung und -anschaffung: Was muss beachtet werden?

Kaum ein Haustier löst derart spontane Emotionen aus, wie das Kaninchen. Erinnert es uns doch durch sein niedliches Aussehen, das weiche Fell und sein sanftes Gemüt an ein kuscheliges Stofftier. Doch die natürlichen Vorbilder haben ganz andere Ansprüche an Beschäftigung, Pflege und Unterbringung, die weder billig noch einfach ist. Jedoch belohnt uns ihre Haltung, denn sie lassen uns an ihrer einzigartigen Harmonie teilhaben.

Im Wohnbereich werden heutzutage meist Zwergkaninchen gehalten. Sie sind eine spezielle Züchtung der größeren Stallkaninchen, die in der deutschen Landwirtschaft etwa seit 1870 überwiegend als Nutztiere in kleinen Käfigboxen gehalten werden. Diese Stallkaninchen stammen ursprünglich vom europäischen Wildkaninchen ab, das um das Jahr 300 nach Europa kam. Anders als ihre größeren Artgenossen sind Zwergkaninchen kleinwüchsig und wiegen nur zwischen 1.200 und 1.800 Gramm, was sie zu idealen Haustieren macht. Mittlerweile ist die Vielfalt bei den Zwergkaninchen-Rassen groß und fast alle Farbenschläge und Zeichnungsarten sind vertreten.

Die Vielfalt der Zwergkaninchen-Rassen

Widderkaninchen - tierglueck HaustierratgeberInsbesondere bei Kindern sind heute Widderkaninchen sehr beliebt, die im Gegensatz zu anderen Rassen Schlappohren haben und als extrem sanftmütig, ausgeglichen und gemütlich gelten. Das typische Kaninchen ist jedoch der weit verbreitete Farbenzwerg mit seinem kurzen, pflegeleichten Fell in allen möglichen Schattierungen. Es ist sehr aktiv und flink, zuweilen auch etwas schreckhaft und ängstlich. Dagegen ist das Angorakaninchen aufgrund seines langen Haares pflegeintensiver, sein Charakter gilt als ausgeglichen. Das beliebte Löwenköpfchen aus modernen Züchtungen mit seiner wuscheligen Kopfmähne, ist sehr aktiv und kann zuweilen etwas frech sein. Das schneeweiße Hermelin gehört mit seinen roten oder blauen Augen und seinem kurzen, dichten Fell zu den kleinsten und ältesten Zwergrassen. Es ist extrem vorsichtig und leicht schreckhaft. Dies sind nur einige Beispiele aus der großen Rassevielfalt.

Und darüber hinaus gibt es noch viele weitere Querzüchtungen, die keiner anerkannten Rasse angehören, dadurch aber nicht minder interessant sind und über gute Eigenschaften verfügen. Letztendlich ist aber die Wahl der Rasse nicht immer ausschlaggebend wenn man sich für eine Kaninchenhaltung entscheidet.

Kaninchenhaltung – Das muss man vor der Anschaffung bedenken

Oft sind es Kinder, die sich Kaninchen wünschen. Doch die Eltern sollten sich darüber im Klaren sein, dass die Begeisterung insbesondere jüngerer Kinder irgendwann nachlässt und tägliche Pflichten, wie Fütterung und Säuberung der Hoppelmänner den Erwachsenen zufallen. Gesunde Kaninchen werden zwischen 8 und 11 Jahre alt. Auch sind sie keine Spielzeuge, daher sollten Kinder grundsätzlich nicht zu jung sein, wenn sie die Verantwortung für diese Lebewesen übernehmen. Manche Zuchtvereine bieten auch Lehrgänge für Kinder und erwachsene Erstbesitzer an, um ihnen den Umgang mit ihrem neuen Haustier näherzubringen. Überdies sind Kaninchen nacht- und dämmerungs-aktiv, viele Tagesstunden verbringen sie daher mit Schlafen oder Dösen.

Gibt es im Haushalt Familienmitglieder, die speziell auf Kaninchenhaare allergisch reagieren, sollte eine Haltung sehr genau überlegt werden. Diese ist nur dann möglich, wenn die Kaninchen in einem separaten Raum oder noch besser im Garten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon in einem dafür geeigneten Stall mit Gehege untergebracht sind. Bei Unsicherheit kann man zuvor auch einen Allergietest beim Hausarzt durchführen lassen.

Ein wichtiges Kriterium vor der Anschaffung ist auch die Platzfrage. Kaninchen sind sehr bewegungsaktive Tiere, sie sollten daher nicht in einem kleinen Käfig gehalten werden, sondern genügend Auslauf haben. Ideal ist ein Stall oder größerer Käfig mit einem umliegenden Gehege – sofern die Kaninchen nicht im gesamten Zimmer oder der Wohnung laufen dürfen. Als Faustregel gelten zwei Quadratmeter pro Schnüffelnase, die idealerweise rund um die Uhr zur Verfügung stehen sollten.

Und Kaninchen niemals einzeln halten

Kaninchen sind sehr gesellige Tiere, die die Gesellschaft ihrer Artgenossen beim Futtern, Schlafen oder Kuscheln benötigen und sich dadurch gegenseitig Sicherheit geben. Kaninchen verbringen viel Zeit damit, sich gegenseitig bei der Fellpflege zu unterstützen. Daher sollte man zum Wohl des Tieres niemals ein Kaninchen einzeln halten. Auch wenn der Bezug zum Menschen dann nicht ganz so stark ausgeprägt ist. Selbst wenn der Halter viel Zeit für seinen vierbeinigen Hausgenossen aufbringen kann, vermag er keinen Artgenossen zu ersetzen. Beobachtet man das Miteinander der Kaninchen, ist man schnell wieder versöhnt, wenn man als Mensch nicht die erste Geige bei seinem Haustier spielt. Immer wieder wird man Zeuge einer einzigartigen Harmonie, die ihresgleichen in der Tier- und Menschenwelt vergeblich sucht.

Ideal ist eine Paarhaltung eines weiblichen Tieres, der Häsin und eines kastrierten Männchens, dem Rammler. Auch eine Gruppenhaltung von vier oder mehreren Kaninchen kann sehr gut funktionieren. In diesem Fall sollten die Geschlechter ausgewogen verteilt sein. Von einer gemeinsamen Haltung von Kaninchen mit Meerschweinchen oder anderen Nagern ist in jedem Fall abzuraten. Jede Tierart kommuniziert auf unterschiedliche Weise miteinander und hat verschiedene Gewohnheiten, die nicht miteinander in Einklang zu bringen sind. Das Resultat einer solchen Mix-Haltung wären permanente Futter- und Revierstreitigkeiten.

Wo kaufe ich meine Kaninchen?

Beim Kauf von Kaninchen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zunächst sollte man für sich entscheiden, ob es Jungtiere sein sollen oder etwas ältere. Beim Züchter oder in der Zoologie, beziehungsweise der zoologischen Fachabteilung bekommt man meist Jungtiere zu kaufen, die ca. 6 bis 8 Wochen alt sind. Ab diesem Alter fressen Kaninchen eigenständig und sind nicht mehr auf die Säugung durch das Muttertier angewiesen. Jung- oder Baby-Kaninchen sind zwar besonders putzig, benötigen in den ersten sechs bis zehn Lebensmonaten aber auch einen erhöhten Zeitaufwand durch den Halter. Das ist vergleichbar mit kleinen Kindern, die gerne alles ausprobieren möchten und noch viel lernen müssen. Wie zum Beispiel stubenrein zu werden.

In der Zoologie oder der zoologischen Fachabteilung (zum Beispiel in gut ausgestatteten Baumärkten) kann man meist sehr preisgünstig Jungkaninchen zwischen 35 und 50 Euro kaufen, je nach Rasse. Dazu kommt dann noch allerdings noch die Impfung. Beim Züchter kostet ein Jungtier zwischen 60 und 90 Euro. Dieser Preis beinhaltet meist die Erstimpfung (ca. 30 Euro) sowie eine gründliche tierärztliche Untersuchung, die zum Beispiel Zahnfehlstellungen ermitteln, bzw. ausschließen kann. Ab der 10. bis 12. Woche kann man Rammler dann kastrieren lassen. Die Kosten hierfür belaufen sich auf ca. 60 bis 80 Euro.

Wer sich nicht unbedingt auf quirlige Jungtiere einlassen möchte, ist vielleicht mit etwas älteren Kaninchen besser beraten. Diese kann man beispielsweise auch bei der Tiernothilfe oder im örtlichen Tierheim gegen eine Schutzgebühr mit nach Hause nehmen. Man tut dabei nicht nur etwas Gutes, sondern hat auch noch den Vorteil, dass Kaninchen bei der Abgabe bereits mit allen nötigen Impfungen versehen sind und Rammler bereits kastriert sind. Die Schutzgebühr beträgt zwischen 25 und 50 Euro pro Tier, je nach Bundesland und Geschlecht des Kaninchens (kastrierte Rammler sind meist etwas teurer als Häsinnen).

Das brauchen Kaninchen zum Glücklichsein

Bei der Ausstattung der Kaninchen muss man sich zunächst die Frage der Innen- oder Außenhaltung stellen. Zur Grundausstattung der Kaninchen gehört entweder ein Holzstall oder größerer Käfig mit Einstreu und ein Gehege, das als Auslauf dient. Bei Innenhaltung kann man alternativ ein größeres Gehege aufbauen und auf den Käfig verzichten, indem man flache Schalen mit Streu in das Gehege stellt. Bei permanenter Außenhaltung ist der Stall jedoch Pflicht, um auch während der kalten Jahreszeit einen wetterfesten Schutz zu bieten. Dazu kommen Futter- und Trinknäpfe, eine Heuraufe und ein bis zwei Häuschen, die als Zuflucht und Schlafplatz dienen und idealerweise jeweils zwei Ein-/Ausgänge besitzen. Die Grundausstattung für ein Kaninchenpaar in der Innenhaltung beläuft sich auf ca. 150 Euro und in der Außenhaltung auf ca. 250 Euro.

Neben der Aufmerksamkeit durch den/die Menschen benötigen die mümmelnden Hausgenossen noch eine Auswahl von Frisch- und Trockenfutter, immer frisches Heu, kaninchengerechte Leckerchen und Einstreu, das je nach Verschmutzung alle paar Tage ganz oder teilweise gewechselt werden sollte. Die monatlichen Haltungskosten belaufen sich auf ca. 50 Euro für zwei Kaninchen.

Wenn man nicht gerade Angorakaninchen hält, sind die possierlichen Hausgenossen recht pflegleicht. Ein Kaninchen verbringt viel Zeit damit, sich selbst zu putzen und die Artgenossen helfen tatkräftig mit. Langhaarkaninchen sollten einmal in der Woche mit einer weichen Bürste gekämmt werden, um Fellknoten zu entfernen. Bei den Kurzhaarrassen ist zusätzliches Bürsten eigentlich nur während des Fellwechsels, der zweimal im Jahr stattfindet, als Unterstützung notwendig. Baden ist nur dann erforderlich, wenn das Fell durch Kot (zum Beispiel bei Durchfall) oder Urin verklebt ist.

Ansonsten sollte man seine Kaninchen immer gut beobachten und sehen, wie sie sich verhalten. Futterverweigerung ist immer ein Zeichen von Krankheit oder Unwohlsein. Krampft ein Kaninchen sichtbar, kann man ihm ungesüßten Kamillentee anbieten oder wenige SabSimplex Tropfen einflößen. Beides sollte sich immer in der Hausapotheke des Kaninchenhalters befinden.

Tierarztbesuche zweimal im Jahr erforderlich

Um zu gewährleisten, dass es den Kaninchen immer gut geht, sollte man sie neben der eigenen Kontrolle zweimal im Jahr zum Tierarzt bringen. Dieser führt nicht nur die jährlichen Impfungen gegen Myxomatose und RHD (Chinaseuche) durch, sondern kontrolliert auch Schneide- und Backenzähne der Kaninchen sowie den allgemeinen Gesundheitszustand. Auch sollten die Krallen regelmäßig gestutzt werden. Dies übernimmt ebenfalls der Tierarzt, wenn man es als Halter nicht selbst kann. Pro Kaninchen muss man mit Tierarztkosten von ca. 50 -70 Euro im Jahr rechnen – sofern sich keine Krankheiten einstellen.

Rechnet man alle Kosten für Anschaffung, Ausstattung, Pflege und den Tierarzt zusammen, sind Kaninchen sicher keine billigen Haustiere. Wer jedoch einmal mit Kaninchen gelebt hat, möchte sie nicht mehr missen, denn Ihre Gesellschaft ist jeden Cent wert. 

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