Apportieren lernen - so gehts -  tierglueck-Haustierratgeber

Apportieren lernen - so gehts

Von Natur aus jagen die meisten Hunde gerne hinter einer Beute her. Dabei muss es sich nicht einmal um einen ausgeprägten Jagdhund, wie beispielsweise Beagle, Dackel oder Dobermann handeln. Der Jagdtrieb des Wolfes ist auch bei den meisten domestizierten Haus- und Familienhunden erhalten geblieben. Hundebesitzer können diese Eigenschaft ihrer Vierbeiner für ein ganz besonderes Spiel einsetzen: dem Apportieren von Gegenständen. Hierfür wird ein Ball, ein Stofftier, ein Spielseil oder auch ein Futterbeutel geworfen und der Hund jagt hinterher. Ziel des Spiels ist aber nicht, dass der Hund mit seiner Beute wegläuft, sondern sie zu Herrchen zurückbringt, damit er erneut werfen kann. Natürlich nicht, ohne vorher eine angemessene Belohnung zu erhalten. Das Apportieren kann man im Grunde jedem Hund beibringen. Wichtig ist nur, dass er mit Freude dabei ist und es ihm sichtlich Spaß macht. Durch das Apportieren kann eine noch engere Bindung zwischen Mensch und Hund entstehen und sich das Vertrauensverhältnis steigern.

Abgeleitet wurde das Apportierspiel von der Jagd. Der Jäger schießt das Wild und der entsprechend abgerichtete Jagdhund spürt die Beute auf und bringt sie seinem Herrn. Beim Familienhund geht es jedoch eher um das Aufspüren und Zurückbringen von Spielzeug. Nicht jeder Hund ist gleich gut zum Apportieren geeignet, mancher Vierbeiner verliert schon nach wenigen Minuten die Lust, zeigt Desinteresse oder absolviert die Übungen mit sichtlichem Unbehagen. Andere wiederum können gar nicht genug vom Apportierspiel bekommen und sind mit Feuereifer dabei. Als Hundehalter sollte man sowohl die Abneigung, als auch die Leidenschaft unterstützen und entsprechend fördern. Hat der Hund eine natürliche Begabung zum Apportieren und ist mit Begeisterung dabei, empfiehlt sich ein erweitertes Agility-Training, um sein Intelligenz und seinen Lernwillen zu fördern. Empfindet der Hund jedoch so gar keine Freude bei Apportieren, sollte man ihn auch nicht dazu zwingen. Sicher findet sich eine andere Beschäftigung, die ihm mehr liegt.

Das Geheimnis der Gegenleistung

Ob sich der eigene Hund zum Apportieren eignet, kann der Halter spielerisch feststellen. Wichtig ist zunächst die Klärung der Frage, was man denn eigentlich erreichen will. Möchte man den Hund nur beschäftigen, eine engere Bindung zu ihm aufbauen oder ihn fördern und zu einem echten Sozialpartner ausbilden? Hat man diese Frage für sich geklärt, muss man dem Hund nur noch begreiflich machen, dass er den Gegenstand, den er gerade erjagt hat, wieder zurückbringt und darüber hinaus auch noch abgibt. Das ist im Grunde viel verlangt von einem Hund, der seine Beute viel lieber für sich behalten und zerkauen oder für später verbuddeln würde. Aber gerade das soll er ja nicht tun.

Was sich wie eine komplizierte Aufgabe darstellt, ist halb so wild, da die meisten Hunde intelligent sind, neugierig, verspielt und begierig sind, neues zu erlernen. Mit dieser Aufgabe rennt man also quasi offene Türen ein. Das Geheimnis ist nämlich ganz einfach das, dass der Hund fürs Zurückbringen und Abgeben eine Gegenleistung erhält. Am Anfang sind dies sicherlich Lerckerli oder Futterbrocken – dafür wird die Beute immer am liebsten eingetauscht. Der positive Nebeneffekt ist, dass das Abgeben keinen Verlust für den Vierbeiner bedeutet, sondern eher einen Gewinn. Später ist dann das Lob von Herrchen, die Streicheleinheit oder schlichtweg die Aufmerksamkeit Belohnung genug – insbesondere, wenn dann auch noch weitergespielt wird.

Wie bringe ich meinem Hund die ersten Schritte zum Apportieren bei?

Nun zunächst einmal durch viel eigene Begeisterung, die sich im Idealfall auf den Hund überträgt. Dann muss man einen Gegenstand zum Apportieren auswählen, beispielsweise einen Spielknochen, den der Vierbeiner gerne mag. Für die ersten Versuche eignet sich ein kleineres Areal sehr gut, zum Beispiel die Wiese im Garten. Sind beide draußen, muss das Herrchen zunächst die Aufmerksamkeit des Hundes auf sich und auf den Spielknochen lenken. Wichtig für ein erfolgreiches Apportieren ist, dass der Hund die Kommandos "Sitz" und "Bleib" kennt und diese auch befolgt. Hat er diese Kommandos noch nicht gelernt, sollte man erst damit beginnen.

Denn die erste Lektion, die der Hund fürs Apportieren lernen sollte, ist den Gegenstand erst dann aufzunehmen, wenn sein Herrchen ihn dazu auffordert. Ein Hund, der das Kommando "Bleib" nicht beherrscht, wird nie auf diese Aufforderung warten, sondern gleich auf den Gegenstand zustürmen und ihn für sich beanspruchen.

Für die Vorbereitung zum Apportieren gibt Herrchen nun die Kommandos "Sitz" und "Bleib" und legt den Spielknochen etwa einen Meter neben sich ins Gras. Er muss sicherstellen, dass sein Hund ihn dabei auch beobachtet und auch den Knochen im Auge hat. Nach einer kleinen Weile soll der Hund dann den Knochen aufnehmen. Hierzu zeigt das Herrchen auf das Spielzeug und gibt ein weiteres Kommando, wie zum Beispiel "Bring". Nimmt der Vierbeiner den Spielknochen wie gewollt auf, wird er überschwänglich gelobt. Nun soll er das Spielzeug allerdings wieder abgeben und hier kommt die Gegenleistung ins Spiel, ein appetitlicher Futterbrocken, der dem Hund mit einem begleitenden "Aus" oder "Gib'" angeboten wird. Gibt der Vierbeiner den Knochen frei oder lässt ihn sich freiwillig abnehmen, wird er natürlich wieder gelobt und bekommt sein Leckerli. Dieses Prozedere wiederholt man einige Male. So lernt der Hund am schnellsten die Kommandos und dass er fürs Abgeben seiner Beute auch eine Belohnung, also eine Gegenleistung erhält.

Bringt er mir den Gegenstand auch, wenn ich diesen werfe?

Im nächsten Schritt soll er dann den Gegenstand aus einer etwas weiteren Entfernung holen. Hierzu kann sich der Einsatz einer Schleppleine empfehlen, je nachdem, wo man mit seinem Hund trainiert oder wie vertraut Hund und Mensch bereits miteinander sind. Wieder gibt man seinem Hund an zu warten, was ihm besonders schwerfällt, wenn sein Herrchen den Gegenstand bereits geworfen hat. Wenn dann das erlösende Kommando, zusammen mit einem ausgestreckten Arm kommt, stürmt er los in die Richtung, in die der Knochen geflogen ist – das hat er genau verfolgt. Nun zahlt sich das vorangegangene Training aus, denn er hat gelernt, dass er Futter bekommt, wenn er den Spielknochen abgibt. Also nix wie zurück zum Herrchen und sehen, ob das wieder klappt. Sein Vertrauen sollte nicht enttäuscht werden. Und wenn er anfangs die Beute nicht gleich zurückbringt, kann ein leichter Ruck an der Schleppleine, zusammen mit einem "Komm" oder "Bring" positiv unterstützen.

Nun sollte der Hund aber nicht jedes Mal Futter bekommen, wenn er einen Gegenstand apportiert hat. Was am Anfang unerlässlich ist, sollte bald deutlich reduziert werden. Dann reichen Lob und die Fortsetzung des Spiels aus – und gelegentlich dann doch mal ein Leckerli. Wahlweise lässt sich auch ein Clicker einsetzen, der entweder begleitend zu den Kommandos betätigt wird oder beim Lob.

Welche Gegenstände eignen sich gut zum Apportieren, welche sind weniger gut?

Zum Apportieren eignen sich im Grunde alle Gegenstände, die der Hund mag und die die richtige Größe haben, um im Maul getragen zu werden. Viele Hunde spielen und apportieren gerne mit Bällen, da sie einerseits fest sind und andererseits weich im Maul sind. Manche Gummibälle springen auch noch, was zusätzlichen Spaß bereitet. Experten raten jedoch vom Einsatz mit klassischen Tennisbällen ab. Zwar haben sie eine gute Größe für die meisten Hundeschnauzen, doch ihr Filzbelag ist auf Dauer schädlich für die Zähne. Insbesondere die Fangzähne schleifen sich schnell ab.

Es gibt zahlreiche artgerechte Gummibälle, die ideal zum Spielen oder Apportieren sind. Viele Hunde jagen auch gerne hinter Frisbee-Scheiben her und fangen diese sogar, wenn sie noch durch die Luft fliegen. Hier sollte man allerdings spezielle Wurffrisbees verwenden, die speziell für die Hundeschnauze entwickelt wurden. Ansonsten eignen sich Ringe, Spielknochen, Stofftiere oder Seilknoten zum Apportieren. Und wenn Herrchen oder Frauchen den Ball nicht so weit werfen können, schafft eine Ballschleuder Abhilfe.

Beliebte Wurfgegenstände sind auch Futterbeutel. Der Inhalt riecht für Hunde meist so verführerisch, dass sie einfach hinterher müssen, wenn Herrchen wirft. Dumm nur, dass man als Vierbeiner nicht an den leckeren Inhalt kommt und daher auf jeden Fall mit dem Ding zum Zweibeiner zurückmuss. Daher eignen sich Futterbeutel besonders gut für die Anfangsphase des Trainings. Soll in Wassernähe gespielt werden, empfehlen sich schwimmfähige Apportiergegenstände, die entsprechend gekennzeichnet sind. Das sind meist Ringe oder Knochen, die etwas leichter sind und eine auffälligere Farbe haben.

Auf Naturäste lieber verzichten und den Apportiergegenstand rarmachen

Zwar nennt man das Apportieren von Gegenständen im Volksmund auch gerne Stöckchenspiel, doch sind Stöcke oder Äste, die man draußen findet nicht immer gut geeignet, da sie oft scharfe Kanten haben, die das empfindliche Hundemaul verletzen und Entzündungen hervorrufen können.

Der oder die Wurfgegenstände sollten für den Hund etwas Besonders sein und ihm nicht beispielsweise als Kau- oder Zerrspielzeug täglich zur Verfügung stehen. Auf diese Weise verbindet der Vierbeiner mit dieser speziellen Beute nur das Apportierspiel.

Den meisten Hunden macht das Apportieren von Gegenständen großen Spaß. Es kommt ihrem natürlichen Verhalten des Beutejagens entgegen. Das Spiel fördert die Intelligenz des Vierbeiners und hält ihn fit und ausgeglichen. Und so ganz nebenbei trägt es zum besseren Verständnis zwischen Mensch und Hund bei und schafft eine engere, harmonischere Bindung.

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