Wichtige Impfungen beim Kaninchen - tierglueck-Haustierratgeber

Welche Impfungen benötigt mein Kaninchen?

Unsere Zwergkaninchen erfreuen uns täglich mit ihrem munteren und einnehmenden Wesen. Wenn es ihnen gut geht, sind auch wir glücklich. Anders verhält es sich, wenn die possierlichen Hoppelmänner krank werden, nicht mehr fressen mögen und sich zurückziehen. Da Kaninchen immer erst spät anzeigen, dass etwas nicht stimmt, ist Eile geboten, da eine Erkrankung zumeist schon weit fortgeschritten ist. In manchen Situationen kommt aber buchstäblich jede Hilfe zu spät und auch der Tierarzt kann nichts mehr ausrichten. Denn es gibt zwei Erkrankungen bei Kaninchen, die nicht heilbar sind und tödlich enden. Gemeint sind die beiden gefährlichen Viruserkrankungen Myxomatose und RHD (Rabbit Haemorrhagic Disease). Einzig eine vorausschauende Impfung kann das unweigerliche Schicksal abwenden.


Mancher Tierhalter reagiert zurückhaltend, wenn er erfährt, dass er seine Kaninchen impfen lassen soll. Eine solche Reaktion ist nicht ganz unverständlich, wenn man bedenkt, dass die Anschaffung eines Zwergkaninchens je nach Rasse in Deutschland zwischen 25 und 50 Euro kostet und eine Jahresimpfung in etwa mit dem gleichen Betrag zu Buche schlägt. Schnell wird klar, dass der Unterhalt eines Langohrs nicht günstiger ist, als der von Hunden oder Katzen. Vergessen sollte man zudem nicht, dass es sich um Lebewesen handelt und man als Tierhalter eine Verantwortung für diese Lebewesen übernimmt. Zudem möchte man sicher nicht erleben, wie sie qualvoll verenden – Tod durch Ersticken oder durch massiven Organzerfall ist kein schöner Anblick. Wer also Kaninchen halten möchte, sollte sich auch über die Folgekosten im Klaren sein, selbst wenn beabsichtigt ist, die Nager ausschließlich in der Wohnung zu halten. Ein wirksamer Schutz vor einer Viruserkrankung ist diese Maßnahme nicht.

Was ist Myxomatose und wie verläuft eine Erkrankung?

Myxomatose wird umgangssprachlich auch Kaninchenpest genannt. Dahinter verbirgt sich eine Viruserkrankung, die durch Pockenviren ausgelöst wird. Sie wird deshalb als Kaninchenpest bezeichnet, weil andere Säugetiere und Menschen immun gegen eine Erkrankung sind, diese aber dennoch auf Kaninchen übertragen können. Als Tierhalter bemerkt eine Erkrankung seines Kaninchens erst verhältnismäßig spät. Üblicherweise, wenn die Fellnase das Fressen einstellt. Hat eine Infektion stattgefunden, treten die ersten Symptome der Myxomatose nach drei bis neun Tagen auf. Erstes äußeres Anzeichen der Erkrankung sind Schwellungen und rötliche Entzündungen im Bereich der Augen, die sich dann auf Nase, Maul, Ohren und die Genitalien ausweiten. Es folgen Fieber und Atemnot, meist einhergehend mit einer Lungenentzündung. Innerhalb von zwei bis drei Wochen stirbt ein Kaninchen an den Folgen der Myxomatose.

Seit Mitte der 1950er Jahre ist das aus Südamerika stammende Pockenvirus in Europa bekannt. Eingeführt wurde es damals bewusst, um die überhandnehmende Population von Wildkaninchen einzudämmen. Im Laufe der Jahrzehnte hat es sich flächendeckend auch in Deutschland verbreitet. Feldhasen sind weitestgehend befreit von der Ansteckung, doch vor unseren Hauskaninchen macht das Virus leider nicht halt. Übertragen wird es von einem erkrankten Kaninchen auf ein gesundes, durch Stechmücken, Kaninchenflöhe, Fliegen und andere stechende oder beißende Insekten. Kaninchen, die nicht geimpft sind, können sich auch über infiziertes Futter, Heu oder Gräser anstecken, die im Garten gesammelt wurden.

Kann Myxomatose geheilt werden und ab wann empfiehlt sich eine Impfung?

Die Kaninchenpest kann nur in leichten bis mittelschweren Fällen behandelt werden. Die Aussichten auf Heilung sind jedoch gering. Die Erkrankung schwächt das Kaninchen extrem und binnen weniger Tage, so dass eine Behandlung bei schwerwiegender Erkrankung für das Tier zu belastend wäre. Aus Tierschutzgründen sollte man daher ein leidendes Kaninchen besser erlösen, auch da die Heilungschancen gleich null tendieren. Ob und in wie weit eine Behandlung sinnvoll ist, sollte mit dem Tierarzt besprochen werden.

Seit Anfang der 1990er Jahre sind in Deutschland zugelassene Impfstoffe gegen Myxomatose erhältlich, die für eine ausreichende Immunisierung der Kaninchen sorgen. Je nach Impfstoff muss entweder alle sechs oder zwölf Monate nachgeimpft werden.

Was verbirgt sich hinter der Erkrankung RHD und wie verläuft sie?

Die Viruserkrankung Rabbit Haemorrhagic Disease oder kurz RHD, wird auch Chinaseuche genannt. Sie trat erstmals 1984 in China auf und verbreitete sich in nur vier Jahren auch nach Europa. Das verantwortliche Calicivirus befällt gleichermaßen Wild- und Hauskaninchen sowie Feldhasen. Andere Tiere oder wir Menschen, sind hingegen immun. Das Virus verhindert die Blutgerinnung und löst Blutungen in den Atemwegen der Kaninchen aus, die einmal erkrankt, binnen weniger Tage an akutem Organversagen sterben.

Der Krankheitsverlauf geht derart schnell vor sich, dass der Tierhalter kaum etwas mitbekommt. Wie bei der Myxomatose-Erkrankung, stellen infizierte Kaninchen das Fressen ein und ziehen sich teilweise apathisch zurück. Als einziges, von außen erkennbares Anzeichen für eine RHDV-Erkrankung kann man blutigen Nasenschleim feststellen. In der Folge bekommen die Tiere erst hohes Fieber, dann Untertemperatur und leiden an schwerer Atemnot. Von der ersten Ansteckung bis zum Tod durch komplettes Herz-/Kreislaufversagen, vergehen nur drei bis fünf Tage. Eine Behandlung ist daher nicht möglich. Auch eine Schnellimpfung bringt keine Besserung, es belastet das ohnehin stark angegriffene Immunsystem zusätzlich.

Das RHD-Virus wird durch erkrankte Kaninchen übertragen. Ebenso verbreiten Insekten, wie Mücken, Zecken oder Stechfliegen die Krankheit. Verunreinigtes Heu, Futter oder Gräser sind ebenso Träger des Virus. Auch andere Tiere, wie Hunde oder Katzen und sogar wir Menschen können Kaninchen anstecken, auch wenn wir selbst durch unser Immunsystem geschützt sind.

Seit Anfang der 1990er Jahre wird in Deutschland gegen das RHD-Virus geimpft. Zwar können Kaninchen weiterhin an der Chinaseuche erkranken, jedoch verläuft die Erkrankung eines zuvor geimpften Tieres vergleichsweise harmlos und kann oft erfolgreich behandelt werden. Ab der achten Lebenswoche können Kaninchen mit dem RHDV-Impfstoff behandelt werden. Kaninchenbabys sind durch die Muttermilch noch geschützt.

RHDV2 – die gefährliche Mutation der Chinaseuche

Seit 2010 sind darüber hinaus heimtückische Mutationen des bekannten RHD-Virus in Europa aufgetaucht. Die gefährlichste Mutation wurde erstmals in Frankreich entdeckt und wird in Fachkreisen als das RHD2-Virus bezeichnet, das sich schnell über ganz Europa ausgebreitet hat und inzwischen auch Deutschland erreicht hat. Viele Züchter, Tierheime oder auch private Tierhalter beklagen seither ein erhebliches Kaninchensterben. Ganze Bestände werden Opfer des RHD2-Virus'.

Anders als bei RHDV sind bei der weiter entwickelten Form RHDV2 vor allem auch Jungtiere betroffen. Die Krankheit verläuft so rasend schnell, dass infizierte Kaninchen innerhalb von 24 bis 48 Stunden sterben – ohne das der Tierhalter äußerliche Anzeichen erkennen kann. Oft findet man morgens verständnislos ein totes Kaninchen, das sich am Vortag noch ganz normal verhalten hat. Meist kann nur ein Bluttest oder eine Obduktion die Todesursache eindeutig feststellen.

Kaninchen jetzt gegen RHDV2 impfen lassen!

Eine Impfung gegen RHDV schützt die Kaninchen zwar vor den bekannten Virus-Stämmen, jedoch nicht vor RHDV2. Tierärzte raten daher dazu, die Impfung mit dem RHD2-Serum baldmöglichst nachzuholen. Erst seit Ende 2016 ist der in Frankreich entwickelte Impfstoff auch in Deutschland zugelassen und verfügbar. Durch die übergroße Nachfrage aus ganz Europa stockt eine flächendeckende Verteilung des Serums jedoch und es kommt weiterhin zu langen Wartezeiten bei der Terminvergabe. Wissen sollte man, dass auch bei einer Impfung noch kein hundertprozentiger Schutz vor einer Erkrankung besteht. Der Impfstoff wird derzeit noch weiterentwickelt.

Wie können Kaninchen zusätzlich vor Myxomatose und RHD geschützt werden?

Da beide Krankheiten überwiegend durch stechende Insekten übertragen werden, sollte man erwägen, zumindest noch nicht mit dem RHDV2-Serum geimpfte Kaninchen vorübergehend nur innen zu halten. Das trifft ganz besonders auf Neugeborene zu, die erst mit vier Wochen geimpft werden können. Insektenschutzgitter vor den Fenstern oder offenen Bereichen, können die ungeliebten Plagegeister zudem draußen halten und so die Gefahr deutlich minimieren. Auch bei der Futterauswahl kann man zum Schutz seiner Kaninchen beitragen. Gräser und Kräuter sollten nur dann aus dem eigenen Garten geerntet werden, wenn diese ganz sicher nicht mit Wildkaninchen in Kontakt gekommen sind. Ansonsten sollte man auf die Gabe von frischem Grün lieber verzichten und stattdessen frisches Gemüse anbieten.

Tipps und Wissenswertes zum Impftermin

Egal gegen welche Krankheit Sie Ihre Kaninchen impfen lassen möchten, wichtig ist, dass sie gesund sind. Denn jede Impfung greift das Immunsystem der Schnüffelnasen an und schwächt dies. Gewissenhaft arbeitende Tierärzte erkundigen sich vor Gabe der immunisierenden Spritze beim Halter nach jedem einzelnen Kaninchen und unterziehen es einer allgemeinen Untersuchung. Erst wenn keine Auffälligkeiten erkennbar sind, wird auch tatsächlich geimpft.

Auch Stress kann die Aufnahme des Serums und den Allgemeinzustand von Kaninchen beeinträchtigen. Daher sollten sie nicht unmittelbar nach einer Vergesellschaftung, einem Ortswechsel oder gar einer Operation geimpft werden. Die Fahrt zum Tierarzt bedeutet für die meisten Kaninchen Stress genug.

Bringen Sie zu jedem Impftermin die Impfpässe aller Kaninchen mit. Hier trägt der Tierarzt die Zusammensetzung des Serums ein und das Datum der Verabreichung. Wenn Sie für eines Ihrer Kaninchen noch keinen Impfpass besitzen, fragen Sie Ihren Tierarzt danach. In der Regel liegen ihm die nützlichen Faltkarten vor.


Lassen Sie sich nicht entmutigen und verlieren Sie nicht die Freude an der Haltung von Kaninchen. Das Thema ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Eine gute Immunisierung schützt in den allermeisten Fällen vor lebensbedrohlichen Erkrankungen. Denken Sie daher rechtzeitig über die notwendigen Impfungen nach und stimmen Sie Termine mit Ihrem Tierarzt ab. Die kuscheligen Langohren werden es Ihnen danken und weiterhin munter durchs Leben hoppeln.

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