Kaninchenverhalten verstehen | tierglueck-Haustierratgeber

Das Verhalten von Kaninchen und seine Bedeutung

So wie alle Lebewesen haben auch Kaninchen ihre ureigene Sprache, mit der sie sich verständigen. Dazu verwenden sie nur wenige Laute, sie kommunizieren eher über Gesten und Körperhaltung. Durch ihr Verhalten drücken sie Stimmungen und Befinden aus. Kaninchen machen Männchen, schlagen Haken, springen in die Luft, wälzen sich über den Boden oder schieben ihren Kopf unter das Kinn des Partnertieres. Unter einander verstehen sie die Gesten des anderen und ganz selbstverständlich kommunizieren sie auf die gleiche Weise mit den Menschen in ihrem Umfeld. Wobei wir die Kaninchensprache nicht immer gleich verstehen. Insbesondere Einsteiger tun sich oft noch schwer, die Zeichen der Langohren zu deuten. Wie praktisch wäre es doch, eine Anleitung aus erster Hand, respektive aus erster Pfote zu bekommen. Hier ein Versuch der Übersetzung:


Von links nach rechts:  Maxi, Gino und LiluGuten Tag liebe Leserinnen und Leser! Zunächst möchte ich mich Ihnen gerne vorstellen. Ich heiße Gino und bin ein knapp sieben Jahre alter Zwergkaninchen-Bock. Meine Rasse nennt sich Teddy-Löwenkopf – das sind Hoppelmänner mit reichlich Fell am ganzen Körper – aber das sei hier nur am Rande angemerkt, denn es soll ja hier um eine Nachhilfe in Sachen Kaninchensprache gehen und dabei spielt das Aussehen keine große Rolle. Obwohl wir alle Individuen sind, will sagen, jeder von uns hat so seine eigenen Marotten. Ich lebe mit den beiden Zwergdamen Maxi und Lilu sowie unserem Frauchen am schönen Niederrhein. Wir Kaninchen haben ein eigenes Zimmer für uns und können auch auf den angrenzenden Dachbalkon nach draußen. Das genießen wir immer sehr, egal ob die Sonne scheint oder ob es regnet oder stürmt. Schließlich haben wir ein Fell, das uns schützt.

In den Ruhephasen bitte nicht stören!

Aber genug der Vorrede, Sie wollen ja etwas über uns erfahren. Wir Kaninchen zeigen eine ganze Reihe von Aktionen, die unterschiedliche Bedeutungen haben. Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist das Kuscheln mit meinen Freundinnen. Gerne liege ich dazu bequem ausgestreckt auf dem Bauch, habe meine Vorderpfoten nach vorne und die Hinterläufe seitlich nach hinten ausgestreckt. Schön ist es, wenn eine der beiden Damen neben mir ist und wir Seite an Seite liegen. Manchmal liegen wir auch zu dritt beieinander und genießen die Nähe und Wärme des anderen. Wenn ich gerade mit Aufpassen dran bin, sind meine Augen geöffnet und auch meine Ohren befinden sich in guter Lauschhaltung. Sie müssen wissen, dass wir immer gegenseitig auf uns aufpassen, wenn wir gemeinsam ruhen, so dass einer auch immer seine Augen schließen und richtig schlafen kann. Wenn Gefahr droht, warnen wir die anderen in der Gruppe. Im Grunde wissen wir natürlich, dass uns zu Hause nichts passieren kann, aber wir folgen da unserem angeborenen Instinkt. In dieser Ruhephase werden wir übrigens ungerne gestört. Saubermachen kann unser Frauchen auch später noch. Manchmal mache ich es mir auch so richtig gemütlich und bette meinen Kopf in den Nacken meiner Partnerin Maxi, dann fühle ich mich total sicher.

Nach dem Nickerchen wird erst einmal ausgiebig gegähnt, mit etwas Gymnastik. Dazu werden die Vorderpfoten abwechselnd nach vorne gestreckt und das Mäulchen vorzugsweise weit aufgerissen. Der Rücken biegt sich dabei nach unten durch und der Kopf liegt im Nacken. Unser Frauchen lacht dann immer, es muss wohl urkomisch aussehen. Entweder geht es dann gleich ans Futter fassen oder es wird erst noch eine Putzrunde eingelegt. Sich zu waschen, ist für Kaninchen immer wichtig, denn wir sind sehr reinliche Tiere. Oft putzen wir uns auch gegenseitig. Die beiden Mädchen legen dabei immer besonderen Wert auf Augen- und Ohrenreinigung. Die sind bei mir immer top-gepflegt, kann ich Ihnen versichern. Kaninchen putzen sich übrigens auch oft, wenn sie unsicher sind oder zur Ablenkung, denn das beruhigt.

Aufmerksamkeit gewinnen durch Männchen machen, Stupsen oder Verfolgen

Zugegeben, wir Kaninchen sind extrem neugierig und müssen immer alles ganz genau wissen. Das hängt mit unserem ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis zusammen. Denn nur wo wir uns gut auskennen, fühlen wir uns auch wohl und können unbeschwert leben. Insbesondere wir Zwerge sind ja nicht gerade die Größten, aber wenn wir uns auf unsere Hinterläufe stellen – das nennt Ihr wohl Männchen machen – haben wir einen viel besseren Rundumblick. Unsere Hinterpfoten sind ja deutlich länger, als die vorderen, so hat man einen sicheren Stand und kann sich kerzengerade aufrichten. Diese Haltung zeigen wir auch Menschen gegenüber, die uns vertraut sind. Unser Frauchen weiß zum Beispiel, dass wir dann gerne ein Leckerli hätten. Ich glaube das sieht sehr niedlich aus, denn wir kriegen auch ganz oft was.

Aufmerksamkeit möchten wir auch gewinnen, wenn wir unser Frauchen durch den Raum verfolgen oder es mit der Nase anstupsen. Das ist dann Aufforderung zum Spielen oder der Wunsch nach Streicheleinheiten. Manchmal umkreisen wir auch ihre Füße und brummen dabei, dann kann sie gar nicht mehr weg. Mit diesem Verhalten zeigen wir normalerweise unseren Partnertieren die Bereitschaft zur Paarung an, doch dem Menschen gegenüber bedeutet es eher Zutrauen. Übrigens zeigen dieses Verhalten nicht nur Männchen, sondern auch Weibchen.

Was bedeutet auf die Seite werfen oder über den Boden wälzen?

Der erste Eindruck täuscht, wenn wir mit dem Kopf zucken, dann tut uns nichts weh. Ganz im Gegenteil, mit diesem Verhalten leiten wir eine ganz besondere Aktion ein. Im nächsten Moment werfen wir uns nämlich mit dem ganzen Körper auf die Seite und manchmal wälzen wir uns dabei auch mehrfach mit dem Rücken über den Boden. Das machen wir Kaninchen immer dann, wenn wir uns ganz besonders wohl fühlen und es uns richtig gut geht. Dabei zeigen wir dann unsere verwundbarste Körperstelle, nämlich den Bauch. Dann fühlen wir uns ganz sicher. Manche von uns mögen es auch, in dieser Haltung gestreichelt zu werden.

Aufforderung zum Putzen oder Streicheln und die Sache mit dem gegenseitigen Rammeln

Wenn wir den Kopf ganz nach unten drücken, hat das unterschiedliche Bedeutungen. Zum einen gehört es zum klassischen Gruppenverhalten unter uns Kaninchen. Damit zeigen wir einem eher dominanten Artgenossen unsere Unterwerfung an. Schieben wir unsere Köpfe hingegen unter das Kinn des anderen, ist das Aufforderung zum Putzen und Schmusen. Das machen wir auch bei unserem Frauchen so, wenn wir gekrault werden wollen. Ist die Hand in Bodennähe, schieben wir den Kopf darunter. Selbstverständlich revanchieren wir uns auch für die Liebkosung, indem wir die Hände anschließend mit unserer Zunge putzen.

Gerammelt wird natürlich auch, schließlich sind wir Kaninchen. Die meisten Männchen sind allerdings kastriert, weshalb es keinen Nachwuchs geben kann. Ach ja, damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Nicht nur Böckchen berammeln die Weibchen, das kann auch bei gleichgeschlechtlichen oder kastrierten Kaninchen vorkommen und ist ganz einfach Dominanzgehabe.

Luftsprünge machen, Haken schlagen oder rennen

Dass Kaninchen gerne und viel Kuscheln bedeutet nicht, dass sie nicht auch sehr aktiv sein können und einen großen Bewegungsdrang haben. Wenn wir gut drauf sind, dann rennen wir was das Zeug hält durch die Gegend und schlagen währenddessen Haken, so schnell, dass Ihr Menschen es teilweise gar nicht mitbekommt. Dann ändern wir so rasant und unvermittelt die Richtung, dass dabei schon mal Haarbüschel wegfliegen. Unsere Freundin Lilu bezieht bei der Aktion sogar auch Kaninchenhäuser, Ebenen oder andere Einrichtungsgegenstände mit ein. Zwar ist dies teilweise Ausdruck von Ausgelassenheit, jedoch folgen wir damit auch wieder unseren Instinkten. Denn Fluchtwege genau zu kennen, ist von Vorteil. Dazu muss jedes Kaninchen diese aber von Zeit zu Zeit austesten

Bei unseren Tempoübungen produzieren wir auch schon mal Luftsprünge, die gewaltig hoch sein können. Unser Frauchen glaubt dann immer, es mit hüpfenden Kängurus zu tun zu haben. Auch damit zeigen wir unseren Übermut und große Freude, dazu gehört auch das übermütige Werfen des Kopfes.

Sorry, aber das muss sein: mit dem Kinn reiben, Böhnchen fallen lassen und Urin verspritzen

Egal ob Kaninchen nun in einem Innen- oder Außengehege leben oder wie wir drei in einem Zimmer, alle folgen sie ihren Instinkten und wollen ihr Revier abstecken. Bei dominanten Vertretern unserer Art ist dieses Verhalten weit mehr ausgeprägt, als bei eher passiven Gesellen. Dann werden Gegenstände mit den Drüsen am Kinn durch darüber Reiben markiert. Das machen Mädchen genauso wie Jungs. Menschen können das aber weder sehen noch riechen, ihre Nasen sind dafür nicht fein genug – unsere eigenen jedoch schon, für uns sind die Duftstoffe unverkennbar.

Obwohl wir brav unsere Kaninchentoiletten benutzen, müssen wir hin und wieder auch einige Böhnchen fallen lassen. Auch das haben wir mit unseren wildlebenden Verwandten gemein, damit wird das Revier markiert. Den gleichen Zweck erfüllt das Urinverspritzen, was Ihr Zweibeiner nicht so gerne mögt, aber das gehört nun mal bei uns dazu. Hierzu tragen wir unsere Blume (Anmerkung vom Frauchen: das Schwänzchen des Kaninchens) hoch erhoben, damit wir genau zielen können. Liegt die Blume hingegen flach auf dem Boden, sind wir entspannt oder haben uns ergeben.

Achtung Gefahr lauert, es wird geklopft

Wenn wir Angst haben oder wir etwas Ungewöhnliches bemerken, klopfen wir so laut wir nur können mit unseren Hinterläufen ein paarmal auf den Boden. So machen wir unsere Artgenossen und auch unser Frauchen darauf aufmerksam, dass etwas nicht in Ordnung ist. Das ist besonders wichtig, wenn man in der Gruppe lebt und alle gleichzeitig vor Gefahren gewarnt werden müssen. Manchmal klopfen wir aber auch wenn wir ärgerlich sind. Beispielsweise wenn uns unser Frauchen hochnehmen und in die blöde Transportbox sperren will, um uns zum Tierarzt zu bringen – das mögen wir nämlich gar nicht. Dann lassen wir auch schon mal ein unwilliges Murren hören. Unsere Augen sind dann auch meist weit aufgerissen, als Zeichen der Furcht.

Einige Kaninchen legen auch die Ohren nach hinten an und zeigen eine Drohgebärde, wenn sie ärgerlich sind. Das geschieht insbesondere den Artgenossen gegenüber, wenn man seine Ruhe haben will und sie einem nicht zu nahekommen sollen. Menschen gegenüber zeigen wir das hingegen eher selten, man will ja schließlich sein Futter haben.

So, liebe Leserinnen und Leser, das wäre es nun von meiner Seite zu den typischen Gesten und Aktionen, die wir Kaninchen so an den Tag legen. Abschließend erfahren Sie von unserem Frauchen noch, welche Töne wir von uns geben können.

Tipps vom Frauchen: Die Laute der Kaninchen einordnen

Wie Sie von Gino erfahren konnten, sind es weniger die Laute, mit denen sich Kaninchen verständlich machen. Hin und wieder lassen die Langohren dann aber doch mal von sich hören. Ein leises Mahlen mit den Zähnen bedeutet, dass es ihnen gut geht. Oft lassen sie es beim Streicheln hören. Knirschen sie hingegen laut mit den Zähnen ist dies Ausdruck großer Schmerzen und man sollte rasch zum Tierarzt fahren. Unwilliges Fiepen oder Murren kann man hören, wenn Kaninchen miteinander spielen oder sie ihre Rangfolge untereinander ausfechten. Meist passt ihnen dann irgendetwas nicht. Dann ertönt auch schon mal ein lauteres Fauchen oder Knurren. Das kommt auch zuweilen bei Häsinnen vor, die schweinschwanger sind und ihre Ruhe beim Nestbau haben möchten. Einen schrillen Schrei stößt ein Kaninchen nur aus, wenn es in übergroßer Panik ist oder Todesangst empfindet.


Das Verhalten von Kaninchen zu deuten, ist nicht immer ganz einfach. Doch wenn sich der Tierhalter ein wenig intensiver mit seinen Langohren beschäftigt, wird er die Unterschiede ihrer Aktionen erkennen. Ebenso wird er begreifen, dass sie alle irgendwo verschieden sind und jedes seine besonderen Vorlieben oder Abneigungen hat, auf die er individuell eingehen kann.

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