Achtung Attacke: Wenn der Vogel plötzlich bissig wird - tierglueck-Haustierratgeber

Achtung Attacke: Wenn der Vogel plötzlich bissig wird

Vögel sind faszinierende Mitbewohner und können sich zu zutraulichen und gar verschmusten Haustieren entwickeln. Nichtsdestotrotz steckt immer auch viel der ursprünglichen Wildheit in unseren gefiederten Freunden. So handelt der geliebte Vogel in sämtlichen Lebensbereichen instinktiv und es kann dadurch zu erheblichen Missverständnissen zwischen Vogel und Mensch kommen. Gerade wenn der gefiederte Mitbewohner zubeißt, heißt es genau Beobachten und die Gründe dafür herausfinden. Denn Bisse sind nicht unbedingt auf Aggression zurückzuführen, sondern können auch Liebesbekundungen sein.

Missverständnisse zwischen Vogel und Mensch

Welcher Vogelhalter wünscht sich nicht einen zahmen Hausgenossen, der aktiv und neugierig ist, gerne mal schmust und sich erfreut auf der Hand herumtragen lässt? Doch diese Wunschvorstellung ist nicht immer realistisch, denn auch das Verhalten regulär zahmer Vögel kann von der jeweiligen Tagesform abhängig sein. Oftmals überschreiten Vogelhalter die persönlichen Grenzen ihrer gefiederten Freunde, indem sie sie immer wieder anfassen und streicheln und ihnen, meist unbewusst, ihre eigenen Bedürfnisse aufzwingen wollen.

Doch auch Vögel haben ihren eigenen Kopf und sind, genau wie wir Menschen, nicht immer in der Stimmung um in gemütlicher Eintracht nebeneinander zu sitzen. Manchmal möchte der Vogel einfach mal in Ruhe gelassen werden, vor sich hin dösen oder aber auch seinen Bewegungsdrang voll ausleben. Auch sind die meisten Vögel, vor allem die etwas größeren Papageienarten, sehr Freiheitsliebend und bestehen auf den ihnen gebührenden Raum, den sie sich notfalls auch erkämpfen. In solchen Momenten, etwa wenn der Vogel ruht und sich vor einer sich nähernden Hand erschreckt, kann der Vogel durchaus auch einmal zubeißen, denn der Einsatz seines Schnabels ist die für ihr natürlichste Sache der Welt.

Schließlich ist der Schnabel nicht nur zum fressen und trinken da, sondern ist das Allzweck-Werkzeug unserer gefiederten Freunde schlechthin. Mit ihm wird die tägliche Gefiederpflege betrieben, mit ihm werden Freunde und Partner freundschaftlich gekrault oder auch mal gezwickt und mit ihm werden Feinde bedroht und notfalls auch abgewehrt. Nicht zuletzt werden Schnabel und Zunge eingesetzt um Neues zu entdecken, zu erfühlen und genau zu erkunden.

Warum werden Vögel bissig und was kann gegen die Aggressivität unternommen werden?

Es gibt verschiedene Gründe dafür, warum Vögel bissig werden können. Die häufigsten sind wohl Liebesbekundungen, Balzverhalten, Revierverteidigung und Grenzüberschreitung. Aber auch  wenn der Vogel krank ist kann es vorkommen, dass er sich aggressiv verhält. Wird die menschliche Bezugsperson plötzlich gebissen, kann das für beide Parteien sehr unangenehm werden. Denn während der Mensch den Biss als schmerzhaft empfindet und den Vogel in Reaktion darauf meist harsch zurückweist, reagiert auch der Vogel mit Unverständnis weil der Mensch entweder seine Liebesbekundungen oder aber seine Aufforderung zur Wahrung der Privatsphäre missversteht.

Bisse als Liebesbekundungen und im Balzverhalten

Ein Vogel, der seinem Menschen sehr nahe ist und großes Vertrauen in seinen menschlichen Freund hat, möchte seine Zuneigung natürlich auch zeigen. Die positive Aufregung und vermehrte Energie äußert sich dann jedoch meist in sanftem Knabbern bis hin zu herzhaften Bissen. Einem anderen Vogel können diese aufgrund des dichten Federkleides nichts anhaben, doch der Mensch fühlt ein unangenehmes zwicken oder wird, je größer der Vogel, sogar ernsthaft verletzt. Die Liebesbekundungen des Vogels sollten jedoch nie mit einer aggressiven Reaktion bestraft werden, da dies vor allem bei wiederholtem Auftreten zu einem erheblichen Vertrauensverlust führen kann.

Eine in solchen Situationen sinnvolle Reaktion des Vogelhalters kann es sein, für eine Weile auf sanfte Art und Weise einen etwas größeren Abstand zu dem Vogel zu wahren. Etwas weniger Streicheleinheiten, dafür mehr Möglichkeit zum Freiflug, um aufgestaute Energien freizulassen machen hier Sinn. Auch ist es für einen einzeln gehaltenen Vogel sinnvoll, ihm einen Partner, möglichst des anderen Geschlechts, an die Seite zu stellen. Es kann zwar einige Zeit dauern bis sich die beiden aneinander gewöhnt haben, doch meist sind hinterher alle glücklicher, denn diese sogenannten Liebesbisse sind eine Form des Balzverhaltens. Da gerade das Balzverhalten jedoch mit einem menschlichen Partner nie zum gewünschten Erfolg führen kann, ist ein Artgenosse sicher auf lange Sicht im Käfig mehr als Willkommen, auch wenn es unter Umständen einige Zeit dauert, bis der neue Partner akzeptiert wird. Das geliebte Haustier wird übrigens durch den neuen Partner nicht weniger zutraulich, vielmehr wird die Familie durch den Zuwachs noch erweitert.

Bisse zur Revierverteidigung und zur Wahrung der Grenzen

Eine andere, weitaus aggressivere Form der Bissigkeit, sind Bisse, die der Revierverteidigung oder auch der Verteidigung der eigenen Grenzen dienen sollen. Wenn der Vogel beispielsweise im Käfig sitzt und der Mensch ständig in diese ohnehin begrenzte Privatsphäre eingreift, etwa zum Überreichen von Leckereien oder zum Streicheln, sind Auseinandersetzungen quasi vorprogrammiert. Auch fühlen sich Vögel nicht wohl, wenn sie von einer Hand gefasst und gehalten werden, denn dies spricht den natürlichen Fluchtinstinkt an. Sind es doch sonst nur Raubvögel oder andere Fressfeinde, die sich den Vogel auf diese Art und Weise schnappen und festhalten. Hier sollte sich der Halter also nicht wundern wenn der Vogel beim Versuch, ihn aufzunehmen, mal herzhaft zubeißt.

Meist kommt der Biss jedoch nicht ohne Ankündigung. Es ist also wichtig, den gefiederten Freund gut zu beobachten und auf seine Art der Kommunikation einzugehen. Neigt sich das Tier etwa auf seinem Ast ausweichend nach hinten wenn sich eine Hand nähert, plustert seine Federn oder macht krächzende oder fauchende Geräusche, so sollte der Mensch dies durchaus als deutliches Nein verstehen und auch akzeptieren.

Dies ist natürliches Verhalten, das zur Wahrung der Grenzen eingesetzt wird. Eine ganz andere Qualität bekommt die Ausprägung der Aggression allerdings, wenn ein Brutkasten in der Nähe ist. Hier wird die Revierverteidigung mit wesentlich mehr Nachdruck ausgeführt und kann, gerade bei großen Papageienarten, für den Menschen eine Gefahr darstellen. Vor allem wenn Nachwuchs aufgezogen wird sind die männlichen Papageien besonders aggressiv, da sie instinktiv ihre Familie verteidigen. Hier wird der Halter unter Umständen schon angegriffen wenn er das tägliche Futter bereitstellt und sollte die Voliere nicht ohne Schutzanzug betreten.

Gerade bei der Pärchenhaltung von größeren Papageienarten ist es zudem wichtig, zu beobachten ob beide zeitgleich in Brutstimmung kommen. Sollte dies nicht der Fall sein, kann es vorkommen, dass das Männchen das Weibchen übermäßig jagt. In diesem Fall sollten die Tiere für einige Zeit getrennt werden. Gleiches gilt übrigens auch bei Revierkämpfen unter den Vögeln. Rivalen sollten niemals in einem Käfig gehalten werden, da dies für das unterlegene Tier, welches in Gefangenschaft keine Fluchtmöglichkeit hat, tödlich ausgehen kann.

Bisse als Anzeichen von Unwohlsein

Ein weiterer Grund für plötzliche Bissigkeit kann Unwohlsein oder Krankheit sein. Verhält sich der Vogel anders als sonst, ist er etwa apathisch oder auffällig appetitlos, döst viel und zeigt sich bei Körperkontakt dann aggressiv, kann dies auf Schmerzen hindeuten. Auch wir kennen das Gefühl, dass jeder Körperkontakt zu viel ist, wenn wir gesundheitlich angeschlagen sind. Wenn der Vogel also nicht nur bissig wird, sondern auch andere Anzeichen von auffälligen Verhalten an den Tag legt, sollte ein auf Vögel spezialisierter Tierarzt aufgesucht werden. Wenn dieser dem Vogel dabei hilft, schnell wieder gesund zu werden, wird sich auch die durch die unangenehme Situation entstandene Bissigkeit schnell wieder legen.

Wie sollte man sich bei einem Vogelangriff verhalten?

Wenn der eigene Vogel plötzlich zubeißt, ist die Überraschung groß. Für den Vogelhalter kann der Biss ein regelrechter Schock sein, denn dass der gefiederte Freund plötzlich zubeißt – aus welchen Grund auch immer – wird zumindest im ersten Moment wahrscheinlich als regelrechter Vertrauensbruch wahrgenommen. Die Bisse sind nicht nur schmerzhaft, sondern kratzen nicht zuletzt auch an unserem Ego.

Papagei - tierglueck-HaustierratgeberSchon das Zubeißen eines kleinen Wellensittich-Schnabels kann ganz schön zwicken, doch gerade bei größeren Papageienarten wie Aras, Amazonen oder Kakadus, kann der Schnabel die Haut sogar recht stark verletzen. Hier ist es keine Seltenheit, wenn unschöne Narben zurückbleiben.

Wichtig ist, in solchen Momenten Ruhe zu bewahren und nicht mit Aggression zu reagieren oder gar nach dem Vogel zu schlagen. Denn die Anwendung von Gewalt in Reaktion auf einen Biss könnte das Tier nicht nur ernsthaft verletzen, sondern zudem zu einem Vertrauensbruch führen. Denn das Tier hat in der Regel einen ganz natürlichen, wenn auch für uns schwer nachvollziehbaren Grund zuzubeißen und wird eine solche Reaktion gewiss nicht verstehen.

Es ist jedoch in jedem Fall wichtig, sich bestmöglich vor den Bissen zu schützen. Wer sich etwa während der Brutzeit oder der Aufzucht der Jungen in eine Ara-Voliere trauen muss, sei es zum Füttern oder Reinigen, der sollte entsprechende Schutzkleidung tragen, um sich vor dem männlichen Revierverteidiger zu schützen.

Die Gründe für die Aggressivität herausfinden und die Harmonie wiederherstellen

Je nach Größe des gefiederten Haustieres können die Bisse recht unangenehm sein. Am besten ist es also, wenn es gar nicht erst zu einem Angriff kommt, den Bissen also vorgebeugt wird. Wer seinem Vogel genügend Freiraum lässt und ihn nicht bedrängt, der sollte von vorne herein ungeschoren davonkommen.

Wenn das Tier jedoch plötzlich bissig wird oder sich aggressiv verhält, ist es wichtig, zunächst die weiter oben genannten möglichen Auslöser für dieses Verhalten durchzugehen und die Ist-Situationen abzuwägen.

Ist der Vogel bissig weil er unausgeglichen ist? Wird der Vogel unter Umständen gerade geschlechtsreif oder hat er nicht genügend Freiflug, um seinem natürlichen Bewegungsdrang nachzukommen? Ist er vielleicht krank oder leidet unter Einsamkeit, wünscht sich mehr Zuneigung oder würde sich über einen Partner zu einer artgerechteren Haltung freuen? Braucht er mehr Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten?

In jedem Fall ist es wichtig, die Umgebungsbedingungen anzupassen und die persönlichen Grenzen des gefiederten Freundes zu akzeptieren. Wenn der Bissigkeit auf den Grund gegangen und die Ausgangssituation entsprechend verändert wird, lässt sich die gute Freundschaft bestimmt schnell wieder herstellen.

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