Hund: Anti-Bell-Training | tierglueck-Haustierratgeber

Anti-Bell-Training: Wenn Bellen zur Nervenbelastung wird

Hunde verständigen sich mit ihrem Umfeld durch eine ausgeprägte Körpersprache und durch verschiedene Laute, die sich im Laufe eines Hundelebens auch verändern können. Eine Lautäußerung kommt in der Verständigung mit Artgenossen eher selten vor, Hunde kommunizieren untereinander durch die Stellung ihrer Rute, die Kopfhaltung oder Heben einer Pfote. Mit Lauten wie Winseln, Fiepen, Brummen, Knurren oder Bellen wollen sie hingegen die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich ziehen. Schließlich verständigen die sich ja auch über Laute. Das Bellen ist dabei die extremste Form der Kommunikation und wird überwiegend zur Warnung eingesetzt. Etwa wenn es darum geht, Haus und Hof oder die geliebten Menschen zu verteidigen. Einige Hunde übertreiben es dabei maßlos, ständiges und übermäßiges Bellen wird zur Nervenbelastung – insbesondere dann, wenn sie gar nicht mehr aufhören können.


Jeder Hund bellt dann und wann, das ist eine ganz natürliche Lautäußerung, die man nicht unterbinden kann und sollte. Anders verhält es sich, wenn Hunde übermäßig und langanhaltend bellen, dann wird ein Einschreiten notwendig. Dazu muss der Tierhalter aber erst einmal verstehen, warum Hunde überhaupt bellen. Hierfür kann es verschiedene Ursachen geben, die in der Regel im Umfeld oder in der Haltung zu finden sind. Und zuweilen ist auch eine Erkrankung Auslöser für das unangebrachte Verhalten.

Warum und wann bellen Hunde?

Durch Bellen wollen Hunde in erster Linie Aufmerksamkeit erregen. Sie signalisieren ihren Menschen damit, dass etwas nicht in Ordnung ist. In jedem Vierbeiner steckt ein Wachhund mit einem mehr oder weniger stark ausgeprägten Beschützerinstinkt. Schließlich verfügen Hunde über ein exzellentes Hörvermögen und sind in der Lage, Geräusche zu hören, lange bevor wir etwas mitbekommen und können diese in der Regel auch zuordnen. Üblicherweise lassen sich die vierbeinigen Aufpasser schnell wieder durch uns beruhigen. Oder sie erkennen selbst, dass beispielsweise von der Paketzustellerin oder dem Pizzaboten keine wirkliche Gefahr ausgeht.

Unangemessenes Bellverhalten kann auch entstehen, wenn Hunde nicht ausgelastet sind und dadurch unter Umständen unruhig schlafen. Regelmäßige Spaziergänge und gegebenenfalls auch sportliche Aktivitäten können dem entgegenwirken. Werden gleichzeitig mehrere Hunde in einem Haushalt gehalten, stacheln sich die Vierbeiner schon mal gegenseitig an. Das heißt einer bellt – aus welchen Gründen auch immer – und ein anderer fällt aus Sympathie mit ein. Bei manchen Hunden ist anhaltendes Bellen und Heulen auch Ausdruck von Schmerzen. Besteht der Verdacht auf eine Erkrankung oder eine nicht offensichtliche Verletzung, sollte baldmöglichst der Tierarzt zu Rate gezogen werden.

Beobachten kann man, das ausgeglichene Hunde deutlich weniger zum Bellen neigen, als jene, die oft allein zu Hause sein müssen, weil sie ihre Menschen nicht zum Einkaufen oder an den Arbeitsplatz begleiten können. Einsamkeit und Langeweile können bei Hunden Frust auslösen, der dann oft an Möbeln oder anderen Gegenständen ausgelassen wird. Andere Hunde versuchen durch Bellen ihre Herrchen und Frauchen herbeizurufen, weil sie sich vernachlässigt fühlen. Mit Arglistigkeit oder einer Verhaltensstörung hat dies jedoch nichts zu tun. Denn als Rudeltiere verfügen Hunde über ein stark ausgebildetes Sozialverhalten und sind ungerne nur für sich.

Bei Hunden mit einer sehr engen Prägung auf Menschen können sogar arge Verlustängste entstehen. Diese äußern sich dann durch eine besonders intensive Begrüßung, wenn Herrchen und Frauchen heimkommen – einhergehend mit heftigem Bellen und lautem Winseln, das einem menschlichen Weinen ähnelt. Vierbeiner, die derart empfinden, werden ihren Menschen in den folgenden Stunden nicht mehr von der Seite weichen.

Ablenkung und Beschäftigung helfen gegen Alleinsein und Verlustängste

Nicht immer kann der Familienhund überall dabei sein, es kommt vor, dass er für kurze Zeit allein zu Hause bleiben muss. Generell sollten Hundehalter sich bemühen, so viel Zeit wie möglich mit ihrem Vierbeiner zu verbringen. Wenn man ihn dennoch stundenweise allein lassen muss, ist es wichtig, ihn allmählich an die Abwesenheit zu gewöhnen, in dem man die Zeit nach und nach etwas ausweitet.

Zudem sollte man das Weggehen positiv besetzen, damit der Hund nicht gleich Panik bekommt, wann immer Sie nach ihren Autoschlüsseln greifen und er bleiben muss. Dies lässt sich erreichen, wenn man ihm ein besonderes Spielzeug gibt, das er sonst nicht zur Verfügung hat. Das wird ihn trösten und beschäftigen, bis Sie wieder da sind – insbesondere, wenn das Spielzeug mit etwas Leberwurst, einem Snack oder einer anderen Delikatesse gefüllt ist, die sich der Vierbeiner erarbeiten muss. Wichtig ist, dieses besondere Spielzeug gleich wieder an sich zu nehmen, sobald Sie zurückkehren.

Wann ist Bellen unangebracht oder einfach zu viel?

Mancher Hund neigt dazu, das Melden zu übertreiben. Sobald die Türklingel geht, wird gebellt und der Besucher lautstark auf Distanz gehalten. Oft sperren Halter dann ihren Vierbeiner in ein anderes Zimmer. Das gefällt dem natürlich gar nicht und das macht er durch erneutes Bellen deutlich. Ein anderer Hund bellt Vögel an, die am Fenster vorbeifliegen, eine Katze, die durch den Garten streicht oder den Traktor, der auf dem Feldweg entlangknattert. Viele würden dies als Verhaltensstörung einstufen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass ein Erziehungsdefizit vorliegt und sich der Hund als Rudelführer sieht, der für alles verantwortlich ist. Diesem Verhalten muss dringend Einhalt geboten werden, das geht entschieden zu weit und hat mit angemessenem Melden nichts mehr zu tun.

Um dem Hund ein unangebrachtes Bellen wirksam abzugewöhnen, muss der Tierhalter erst einmal bei der Grundausbildung ansetzen, die ohnehin jeder Vierbeiner beherrschen sollte. Hat er die klassischen Kommandos wie Sitz, Platz, Bleib, Komm oder Nein erfolgreich gelernt, weiß er auch, wer das Sagen innerhalb des Mensch-Hund-Rudels hat. Voraussetzung ist allerdings eine konsequente Haltung mit klaren Ansagen, ohne mit dem Hund zu diskutieren. Das verunsichert ihn nur.

Wie lässt sich übermäßiges und anhaltendes Bellen abtrainieren?

"Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr", heißt es in einem bekannten deutschen Sprichwort. Zwar bezieht sich dies eigentlich auf die Lernfähigkeit von Menschen, doch auf Hunde trifft dies gleichermaßen zu. Denn Kläffer entstehen oft bereits im Welpen- und Junghundalter. Meist klingt das Weff-Weff dann auch noch sehr niedlich, weshalb viele Hundehalter ihren kleinen Lieblingen die Unart mit einem amüsierten Lächeln durchgehen lassen. Aber genau dies ist problematisch für die Erziehung von jungen Hunden. Gerade in den ersten Wochen und Monaten, wenn sich Hunde auf ihre Menschen prägen, ist es wichtig, ihnen Gehorsam beizubringen. Und dazu gehört auch, das Bellen nach Aufforderung zu stoppen.

Der Schlüssel für ein erfolgreiches Anti-Bell-Training liegt wie erwähnt in der Beherrschung der Grundkommandos. Hat der Junghund diese gelernt und befolgt sie auch, ist es relativ einfach, ihm weitere Kommandos, wie beispielsweise Ruhig! oder Still! beizubringen. Das geht wie bei den Standard-Befehlen anfangs am besten über Leckerlis. Hält sich der kleine Kerl also mal wieder mit Bellen dran, halten Sie ihm einfach ein Leckerli oder einen Futterbrocken vor die Nase, das lenkt ihn in der Regel sofort vom Bellen ab. Sobald er ruhig ist, sprechen Sie den ausgewählten Befehl aus und geben ihm seinen Snack. Bleibt er ruhig loben Sie ihn überschwänglich. Diese Vorgehensweise muss solange wiederholt werden, bis der Vierbeiner verstanden hat. Später sollte er den Befehl auch ohne Leckerli befolgen und als Belohnung genügt dann das Lob allein.

Und was nun den "Hans", also den erwachsenen Hund betrifft, der als Welpe nicht gelernt hat, unangebrachtes Lautgeben zu unterlassen, so funktioniert das Training hier auf die gleiche Weise. Frauchen oder Herrchen müssen allerdings deutlich mehr Geduld aufbringen, als beim Welpen.

Hilfsmittel zur Unterstützung

Manchmal ist die Unart bei jeder Kleinigkeit zu bellen, tief im Bewusstsein eines Hundes verankert und auch das intensivste und geduldigste Training ist vergeblich. Auch können Nachbarn für zusätzlichen Druck sorgen, die sich über die Lärmbelästigung beschweren. Für derart schwere Fälle sind im Fachhandel spezielle Erziehungs-Halsbänder erhältlich, die mit einem geruchslosen Spray auf Wasserbasis ausgestattet sind. Den kleinen Behälter mit der Flüssigkeit trägt der Vierbeiner unter dem Kinn. Über den integrierten akustischen Sensor registriert das batteriebetriebene Gerät das Bellen des Halsbandträgers und gibt automatisch einen individuell dosierbaren Sprühstoß in Richtung Hund ab. Dies ist für ihn nicht nur unangenehm, es überrascht ihn zudem und lenkt ihn augenblicklich vom Bellen ab. Der Vierbeiner bringt dies in direkten Zusammenhang mit seinem Verhalten und lernt, dass er nicht bellen darf.

Bei vielen Hundehaltern ist diese Methode jedoch umstritten, wobei sie harmlos ist und den Hund nicht verletzt. Zudem sollte man darauf achten, das Anti-Bell-Halsband dem Vierbeiner nur in Extremsituationen oder zum Trainieren anzulegen. Anders verhält es sich mit elektrischen Halsbändern, die Hunden einen Stromstoß versetzen können. Diese Erziehungsmethode ist in Deutschland per Tierschutzgesetz verboten. Das betrifft zwar weniger Verkauf und Kauf der Halsbänder, aber deren aktive Nutzung.

Lärmbelästigung durch anhaltendes Hundegebell

Wenn der eigene Hund ständig bellt, ist das für den Halter mehr oder weniger unangenehm. Ist er nicht zu Hause, kann ihm das nervtötende Gebell eigentlich egal sein. Das sollte es aber aus zwei Gründen nicht. Zum einen gibt es wie beschrieben, Ursachen für das Fehlverhalten des Vierbeiners, denen man im Interesse des Hundes auf den Grund gehen sollte und andererseits sind da noch die Nachbarn. Nun kann man einem Hund nicht das gelegentliche Bellen verbieten, doch hält dies unkontrolliert an und wird nichts dagegen unternommen, können sich die Mitbewohner beschweren. Entsprechenden Gerichtsurteilen zufolge, kann der Hundehalter sogar zu Maßnahmen verpflichtet werden, um seinen Hund ruhig zu stellen. Auch aus diesem Grund sollte man die Unart seines Vierbeiners nicht auf die leichte Schulter nehmen.


Hunde weisen uns durch Lautgeben auf ungewöhnliche Situationen hin und gerne nehmen wir ihren Schutz an. Doch dies hat seine Grenzen, wenn unangemessen häufig oder ohne Unterlass gebellt wird. Ein Anti-Bell-Training kann Abhilfe schaffen, doch dazu müssen Herrchen oder Frauchen verstehen, warum ihre Lieblinge bellen. Nur gegenseitiges Verständnis hilft bei der Lösung des lautstarken Problems.

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