Aus dem Tagebuch einer Hundemutter - tierglueck-Haustierratgeber

Aus dem Tagebuch einer Hundemutter

Eine Hundegeburt ist für uns Menschen eine aufregende Sache. Haben wir doch während der zurückliegenden zwei Monate alle Phasen der Trächtigkeit unserer Hündin quasi mit durchgestanden und können den großen Tag kaum noch erwarten. Und dann ist es endlich soweit, nachdem es in den letzten Tagen immer wieder mal falschen Alarm gab. Die Hündin hatte sich in eine Ecke gesetzt und heftig gehechelt, einige Minuten später war der Spuk schon wieder vorbei. Doch nun sind die Zeichen eindeutig. Die Presswehen der Hündin haben eingesetzt und sind auch für den Laien gut von außen erkennbar.

Hat die Hündin in dieser Phase der Geburt die vorbereitete Wurfkiste noch nicht bezogen, sollte der Tierhalter ihr die Box nochmals zeigen oder sie direkt hineinsetzen. Während der Geburt liegt die Hündin dann meist auf der Seite, manchmal steht sie auch. Herrchen und Frauchen können beobachten, wie sich die Bauchmuskeln der Hündin wechselnd anspannen und wieder entlasten. Befindet sich der erste Welpe im Geburtskanal, presst die Hündin stärker. Das Erstgeborene hat es dabei besonders schwer, denn der Gebärmutterkanal ist noch nicht geweitet.

Jeden Welpen umschließt eine grünliche Fruchtblase, die entweder beim Austritt reißt oder sofort von der Hundemutter zerstört wird, damit das Baby atmen kann. Sobald der Welpe geboren ist, befreit ihn die Hündin von den Resten der Fruchtblase und beißt mit ihren Backenzähnen die Nabelschnur durch. Anschließend wird das Neugeborene penibel sauber geleckt. Dies regt insbesondere auch den Kreislauf des Kleinen an, das zwar blind und taub zur Welt kommt, aber wie ferngesteuert direkt zum Gesäuge seiner Mutter robbt und sofort trinkt. Etwa 15 Minuten später folgt die Nachgeburt, die meist von der Hündin gefressen wird. Auch wenn das manchem Hundehalter unangenehm ist, enthält die Plazenta wichtige Vitamine und Inhaltsstoffe, die die Milchförderung unterstützten.

Dieser Vorgang wiederholt sich bei jedem Welpen. Herrchen und Frauchen können gar nicht viel tun, außer zu beobachten, ob auch wirklich zu jedem Welpen eine Nachgeburt abgegangen ist und im Falle von Komplikationen einzugreifen, beziehungsweise gegebenenfalls den Tierarzt um Hilfe zu bitten. Ansonsten weiß die Hündin dank ihres Instinkts selbst, was zu tun ist. Zwischendurch kann man vorsichtig die Handtücher wechseln, sollte die Hündin aber bei den Geburten nicht stören. Zwischen den einzelnen Austreibungen können 30 bis 60 Minuten vergehen, die gesamte Geburtsphase dauert meist mehrere Stunden. Anschließend ist die Hündin sehr geschwächt und muss neue Kräfte sammeln, die sie zur Aufzucht ihrer Welpen auch dringend benötigt. Und wie die unterschiedlichen Entwicklungsphasen der Welpen aussehen, erfahren Sie nun erneut aus erster Hand – pardon, aus erster Pfote.

Woche 1 und 2: Meine Welpen sind da

Hallo liebe Leserinnen und Leser, hier ist wieder die Fiene. Wer mich noch nicht kennt, ich bin eine dreijährige Zwergrauhaardackel-Hündin und habe vor gut zwei Monaten meinen zweiten Wurf zur Welt gebracht. Es sind zwei stramme Jungs und zwei zierliche Mädchen. Zwischen 250 und 320 Gramm haben die Winzlinge bei der Geburt gewogen. Meine Menschen haben sie Berti, Benny, Bonnie und Belinda genannt. Dass die Namen alle mit B anfangen hat mich auch gewundert, aber das hat damit zu tun, dass dies mein zweiter, also mein B-Wurf ist.

Die Geburt der Kleinen war ganz schön anstrengend, kann ich Ihnen sagen. Insbesondere Berti, der Erstgeborene hat viel Kraft gekostet. Aber Frauchen und Herrchen haben mich toll unterstützt, waren die ganze Zeit da, haben mit mir gesprochen und mich lieb gestreichelt. Obwohl es mitten in der Nacht und Schlafenszeit war. Ach so – haben Sie etwa gedacht, wir Hunde gebären nur tagsüber? Bei den anderen Dreien ging es dann deutlich leichter, doch alles in allem waren meine Menschen und ich gut fünf Stunden beschäftigt. Danach war ich sehr müde, aber auch sehr glücklich mit meinen Kleinen. Und nachdem sie alle getrunken hatten, konnte ich auch mal etwas dösen. Richtig schlafen tut man dann ja nicht, da sich immer einer regt und man als gute Mutter ständig aufpassen muss.

Aus dem Tagebuch einer Hundemutter. Wenige Wochen alter Hundewelpe - tierglueck-HaustierratgeberMeine Babys können anfangs noch nichts sehen oder hören. Ihre Augen und Ohren sind noch fest verschlossen. Das hat die Natur ganz bewusst so eingerichtet, damit sich die Welpen in ihrer ersten Zeit nur auf drei Dinge konzentrieren: Nämlich aufs Trinken, Schlafen und Wachsen. Während der ersten beiden Wochen verlasse ich meine Kleinen immer nur ganz kurz, wenn ich Hunger habe oder mein Geschäftchen verrichte. Meine Kinder und ich sind inzwischen in den bereitgestellten Welpenkäfig umgezogen. Der ist größer als die Wurfkiste und ich kann mich besser bewegen. Ich bin ganz gut damit beschäftigt, die Welpen trinken zu lassen, sie sauber zu halten und mit ihnen zu kuscheln. Ich reinige sie auch von Kot und Urin, wodurch auch unser Nest schön sauber bleibt. Durch das ständige Ablecken, insbesondere der Bauchgegend, rege ich übrigens die Verdauung meiner Kleinen an. Ich glaube, meine Menschen sind fast ein wenig neidisch, weil ich alles alleine mache. Die anderen Familienhunde dürfen mich und meinen Wurf momentan nicht besuchen. Wenn einer in die Nähe kommt, verbelle und verjage ich ihn. Zu ausgeprägt ist mein Beschützerinstinkt.

Tipp: Welpen täglich wiegen

Während sich die Hundemutter in den ersten beiden Wochen nahezu rund um die Uhr um die Welpen kümmert, hat der Tierhalter nicht viel mit dem Wurf zu tun. Wenn die Hündin ihren Herrchen vertraut, darf man die Kleinen auch mal kurz in die Hand nehmen, um sie näher anzuschauen. Man kann die Hündin auch durch Steicheleinheiten oder ein zusätzliches Leckerchen ablenken, wenn man einen Welpen aus der Kiste nimmt. Meist fällt ihr gar nicht auf, dass einer fehlt, da sie nicht zählen kann. Dies ist eine gute Gelegenheit, um die Welpen zu wiegen und zu schauen, welche Fortschritte sie machen. Am Ende der zweiten Woche sollten die kleinen Hunde ihr Geburtsgewicht mehr als verdreifacht haben.

Woche 3 und 4: Es wird lebhaft in der Kinderstube

Meine Welpen haben sich gut entwickelt und schmatzen laut beim Trinken. Mit ihren kleinen Pfoten treten sie mir immer heftiger gegen den Bauch, um die Milchproduktion anzuregen. Das nennt man den Milchtritt. Zu Beginn der dritten Woche öffnen sich langsam die Augen und meine Kleinen nehmen allmählich die unmittelbare Umgebung und ihre Geschwister wahr. Von Tag zu Tag nimmt ihre Seefähigkeit zu. Das Gleiche gilt auch für das Gehör: Der Ohrkanal öffnet sich und die Welpen reagieren zunehmend auf Umgebungsgeräusche.

Neugierig erkunden sie tapsig ihre neue bunte Welt mit so vielen neuen Eindrücken, die dann im Schlaf verarbeitet werden. Die Wurfgeschwister sind nun gleichermaßen Kuschelpartner und Spielkameraden. Doch ihre Nummer eins bin immer noch ich – klar, ich liefere ja auch die Milch. Ich pflege meine Kinder immer noch sehr intensiv, doch meine Menschen helfen nun tatkräftig mit, da Kot und Urin von vier Welpen auf Dauer zu viel für meinen Magen sind.

Tipp: Küchentücher, Zeitungspapier und Unterlagen sind unverzichtbare Helfer

Die Welpenkinderstube erfordert ab der dritten Woche mehr Einsatz von Frauchen und Herrchen. Um die kleineren und größeren Geschäftchen aufzufangen sind Papierküchentücher, Zeitungspapier und saugfähige Unterlagen aus der Zoologie wertvolle Helfer. Bereits in diesem frühen Alter können Herrchen und Frauchen den Welpen mit viel Geduld beibringen, stubenrein zu werden und die bereit gelegte Unterlage zu benutzen. Sobald man den Eindruck hat, dass der Welpe koten oder urinieren muss, setzt man ihn kurzerhand auf die Unterlage.

Woche 5 und 6: Kinderhüten kann ganz schön anstrengend sein

Aus dem Tagebuch einer Hundemutter. Rauhaardackelwelpen - tierglueck-HaustierratgeberDie kleinen Racker sind ganz gut gewachsen und putzmunter. Besonders die beiden Jungs haben es drauf, ziehen die Mädels ständig an der Rute oder an den Ohren. Woraufhin sich Bonnie und Belinda natürlich lauthals beschweren. Kaum zu glauben, wie laut die Kleinen schon bellen und jaulen können. Aber natürlich geben die Hündinnen den Rüden auch Saures und zahlen zurück. Da ist ständig was los. Gut, dass wir mit unseren Menschen auf dem Lande leben, in einer Mietwohnung wäre das gar nicht möglich.

Zwar säuge ich meine Welpen weiterhin, doch meine Menschen füttern inzwischen auch mit speziellem Welpenfutter aus der Zoologie dazu, das mir übrigens auch gut schmeckt. Darüber bin ich eigentlich ganz dankbar, denn die Kleinen sind inzwischen so wild und ihre kleinen Zähne so spitz, dass das Säugen zunehmend weh tut. Die Vier toben ziemlich heftig miteinander. Aber schließlich müssen sie ja auch ihre Rangfolge im Rudel ausfechten. Bei der Erziehung hilft mir meine erwachsene Tochter aus dem ersten Wurf, die ich inzwischen wieder in unserer Nähe dulde. Sie spielt ganz oft mit ihren kleinen Geschwistern, so dass ich mich auch mal zurückziehen kann.

Ich muss zugeben, dass ich ein wenig eifersüchtig auf meine Kleinen bin, denn Herrchen und Frauchen spielen und kuscheln fast nur noch mit den Welpen. Aber ich hole mir schon meinen Teil der Aufmerksamkeit. Schließlich habe ich den berühmten Dackelblick drauf und weiß ihn auch einzusetzen.

Tipp: Frühzeitig um neue Herrchen und Frauchen bemühen

Wahrscheinlich ist, dass nicht alle Welpen in ihrem Geburtshaus bleiben können. Stehen die neuen Herrchen und Frauchen noch nicht fest, sollte man sich spätestens nach der vierten Woche darum kümmern. Ein Hinweis in regionalen Anzeigenmedien und Foren bringt meist die gewünschten Interessenten. Auch ein Aushang beim Tierarzt oder in der Zoologie ist oft erfolgreich.

Woche 7 und 8: Auf dem Weg ins neue Zuhause

In dieser Zeit haben sich meine Welpen in die soziale Rangfolge innerhalb des Rudels eingefügt, ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten und ihr Temperament ausgebildet. Dies ist auch die Zeit, in der die Welpen etwas fürs Hundeleben lernen. Spielerisch werden die klassischen Kommandos wie "komm", "sitz", "platz", "bleib" und "gib' Pfötchen" erlernt und gemerkt. Herrchen und Frauchen sind zwar liebevoll zu den Kleinen, aber auch streng und konsequent. Überhaupt sind meine Menschen sehr zufrieden mit meinem Nachwuchs und wollen sie am liebsten gar nicht mehr hergeben. Die Vier sind nicht nur bildhübsch, sondern haben sich auch zu feinen Hundepersönlichkeiten entwickelt, die ihren neuen Familien sehr viel Freude bringen werden.

Meine Kinder sind am Ende der siebten Woche nicht mehr auf aufs Säugen angewiesen und kommen ganz gut mit ihrem Welpenfutter klar. Ein deutliches Zeichen, dass sie nun auf eigenen Pfötchen stehen und mich nicht länger brauchen. Und damit sie sich nicht auf meine Menschen, sondern auf ihre neuen Herrchen und Frauchen prägen können, müssen sie uns nun verlassen. Persönlich bringen meine Menschen und ich jeden Einzelnen in sein neues Zuhause. Da gibt es dann so viel Neues zu erschnüffeln und zu Aus dem Tagebuch einer Hundemutter. Zwei Hundewelpen - tierglueck-Haustierratgeberlernen, dass sie uns allenfalls kurz vermissen und nicht traurig sein werden.

Und wenn Sie mich nun fragen, ob ich traurig bin? Ja, schon ein wenig, denn die Erfahrung Babys zu haben, ist für eine Hündin einfach toll und ihre naturgegebene Bestimmung. Doch wenn ich ganz ehrlich bin – und das sind wir Hunde nun mal – bin ich ganz froh, meine Menschen nun wieder ganz für mich zu haben und nicht mit den kleinen Quälgeistern teilen zu müssen. Und eines Tages steht ja auch vielleicht neuer Nachwuchs an. Bis dahin genieße ich jedoch meine wohlverdiente Ruhe.

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