Aus dem Tagebuch einer trächtigen Hündin - tierglueck-Haustierratgeber

Aus dem Tagebuch einer trächtigen Hündin

In einer Zeit, in der unsere Haustiere einen immer größeren Stellenwert einnehmen, sind streunende Hunde und ihr unbeabsichtigter Nachwuchs in Deutschland eher eine Seltenheit geworden. Von professionellen Züchtern einmal abgesehen, entschließen sich heute auch private Hundehalter ganz bewusst zur Nachzucht ihrer treuen Hausgenossen. Etwa weil ein zweiter Hund dazukommen soll oder man rechtzeitig für einen Nachfolger sorgen möchte. Oder auch einfach, weil man seiner Hündin zumindest einmal im Leben die Freude des Mutterglücks bereiten möchte. Es heißt, Tiere gebären in der Freude und wer einmal eine Hundemutter bei der liebevollen und fürsorglichen Aufzucht ihrer Welpen beobachtet hat, kann dies bestätigen. Die Natur hat eigentlich alles perfekt eingerichtet, so dass Tragezeit und Geburt der Welpen problemlos auch im Privathaushalt möglich sind.

Nicht selten bringt eine Hündin gleich bei ihrem ersten Wurf fünf bis acht Welpen zur Welt. Und wenn geklärt ist, wo jedes der Welpen später bleibt und der passende Rüde zum Decken der Hündin gefunden wurde, beginnt die spannende Phase der Trächtigkeit, die gut zwei Monate dauert. In dieser Zeit verändert sich die Hündin, in ihrem Aussehen, ihrem Wesen und ihren Fressgewohnheiten. Frauchen und Herrchen nehmen an diesen Veränderungen teil und können maßgeblich unterstützen. Was sich im Detail verändert und welche Aufgaben den Hundehaltern zufallen, erfahren Sie hier aus erster Hand, respektive aus erster Pfote.

Die ersten beiden Wochen meiner Trächtigkeit

Hallo liebe Leserinnen und Leser, mein Name ist Fiene, ich bin eine dreijährige Zwergrauhaardackel-Hündin und in 58 bis 63 Tagen erwarte ich meinen Nachwuchs. Einmal abgesehen vom Deckakt, nach dem ich sehr müde war und den restlichen Tag verschlafen hatte, ist meine erste Woche als werdende Hundemutter im Grunde nicht anders verlaufen als sonst. Meine Menschen haben übrigens darauf geachtet, dass gerade keine Impfungen, Wurmkuren oder Behandlungen mit Insektiziden anstehen, die in dieser Zeit sowohl mir, als auch meinen Kleinen schaden könnten.

Von meinen Babys spüre ich eigentlich noch nichts. Das sind zu diesem Zeitpunkt ja auch erst befruchtete Eizellen, die sich gerade auf dem Weg in den Gebärmutterhals befinden. Dementsprechend bekomme ich auch ganz normal mein Futter, darf spielen und mit Frauchen und Herrchen spazieren gehen. Daran ändert sich auch während der zweiten Woche noch nichts, außer, dass sich an deren Ende die Eizellen zu Embryos entwickelt und die Gebärmutter erreicht haben.

Woche 3 und 4: Manchmal ist mir morgens übel

In meiner Gebärmutter hat sich offensichtlich etwas verändert und mein Hormonhaushalt spielt verrückt. Daher ist mir manchmal morgens etwas übel und ich muss mich übergeben. Das tut mir sehr leid, weil meine Menschen das dann immer aufwischen müssen. Überhaupt tue ich mir gerade selbst sehr leid und brauche viel mehr Streicheleinheiten und Zuwendungen als sonst. Aber Frauchen und Herrchen sind einfach toll und ganz besonders lieb zu mir.

Statt zweier normal großer Portionen bekomme ich mein Futter nun in mehreren kleinen Mengen über den Tag verteilt. Mein Frauchen meint, das ist besser für meinen Magen. Recht hat es, denn damit ist mir nicht mehr ganz so übel und ich habe momentan auch keinen so großen Appetit. Außerdem bekomme ich jeden Tag einen Napf mit Welpenmilch. Das ist so ein proteinhaltiges Pulver aus der Zoologie, das mit Wasser angerührt wird. Sehr lecker! Außerdem gibt es mir zusätzliche Kraft.

Meine Föten entwickeln sich indes weiter. Sie haben nun etwa die Größe von Walnüssen und ihre kleinen Organe bilden sich zu dieser Zeit, ebenso wie ihre Augen sowie die Nervenstränge im Rückenmark. Da dies eine wichtige Entwicklungsphase ist und ich meine Kleinen nicht gefährden will, verhalte ich mich eher ruhig und schlafe viel.

Tipp: Ultraschall und Röntgen

In den ersten Wochen ist die Trächtigkeit der Hündin für den Halter nur anhand ihres Verhaltens erkennbar. Ihre gesteigerte Anhänglichkeit, das Erbrechen und zuweilen eine schleimige, klare Absonderung können Hinweise auf den Nachwuchs sein. Die Embryonen liegen in der Gebärmutter in voneinander getrennten Taschen oder Blasen. Dadurch sind sie auf dem Ultraschallbild für einen begrenzten Zeitraum gut als einzelne Körper erkennbar. Der ideale Zeitpunkt für die Ultraschalluntersuchung beim Tierarzt liegt zwischen dem 22. und 26. Trächtigkeitstag. Verpasst man dieses Zeitfenster nur um einen Tag, sind die Welpen schon nicht mehr voneinander zu unterscheiden und ihre Anzahl nicht mehr eindeutig zu bestimmen. Dann könnte nur noch ein Röntgenbild Klarheit bringen. Davon ist jedoch abzuraten, da die Strahlen für Hündin und Welpen gefährlich sind.

Woche 5 und 6: Ich bin dicker geworden

Nun kann es jeder sehen, dass ich trächtig bin, denn mein Bauch ist ganz rund geworden. Aber nicht etwa, weil ich zu viel esse. Meine Menschen passen schon gut auf, dass sie mich nicht überfüttern, denn ein überfüllter Magen würde in meinem Zustand auf die Gebärmutter drücken. Es fällt mir zunehmend schwer, meine Hinterbeine anzuziehen. Außerdem strampeln die Welpen gegen meine Bauchdecke und drehen sich zuweilen. Das können meine Menschen sogar von außen ganz gut sehen und fühlen. In solchen Phasen bin ich dann immer sehr liebebedürftig und brauche die Nähe und Zuwendung von Frauchen und Herrchen ganz besonders. Das kann dann auch schon mal mitten in der Nacht sein. Außerdem kann man beobachten, dass meine Zitzen angeschwollen und dunkler geworden sind.

Bei meinen Babys bilden sich in dieser Zeit die Pfötchen, das Fell und die Barthaare. Schließlich sind sie völlig ausgebildet und sehen bereits aus wie richtige kleine Hündchen. Aber natürlich müssen sie noch größer und stärker werden. Mit dem Stethoskop können Herrchen und Frauchen den Herzschlag meiner Kleinen hören, aber nicht voneinander unterscheiden.

Tipp: Wurfkiste und Welpenbox bereitstellen

Damit sich die Hündin zum Werfen nicht die Couch oder das Ehebett aussucht, sollte man eine Wurfkiste bereitstellen. Diese sollte nicht zu groß sein, damit die Hündin sich während der Geburt mit den Vorder- und Hinterpfoten an den Wänden der Box abstützen kann. Es kann eine flache Holzkiste gebaut werden, die mit einer weichen Unterlage und Handtüchern ausgelegt wird. Genauso gut eignet sich aber auch die Unterschale einer Hunde-Transportbox, die man in der Regel ohnehin hat.

Wenn die Welpen dann einige Tage alt sind, sollten sie mit der Hündin in die Welpenbox umziehen. Dies ist meist ein größerer geschlossener Käfig mit einer weichen Unterlage, die zudem an den Seiten gut abgepolstert ist, so dass die winzigen Jungtiere in der ersten Zeit nicht durch das Gitter fallen können. Den Welpenkäfig erhält man in der Zoologie in unterschiedlichen Größen, je nach Rasse. Eine Wärme- oder Rotlichtlampe sollte man ebenfalls bereithalten, da die Welpen schnell frieren. Die Hündin verbringt die ersten Wochen gemeinsam mit ihrem Wurf in diesem Käfig und kümmert sich selbst um die Sauberhaltung von Welpen und Lager. Nur selten und sehr kurz verlässt sie in dieser Zeit ihren Wurf.

Woche 7 und 8: Meine Bauchhaare fallen aus

Herrchen mahnt mich zur Ruhe. In dieser Phase meiner Trächtigkeit sollte ich nicht mehr springen oder allzu wild mit den anderen Familienhunden toben und spielen. Mein Frauchen misst nun jeden Tag meine Körpertemperatur und schreibt die Werte zur Kontrolle für den Tierarzt auf. So lässt sich der Geburtstermin leichter berechnen und meine Menschen haben bessere Vergleichswerte, wenn der Tag X dann kommt.

Ich verbringe nun viel Zeit des Tages mit meiner Körperpflege. Meine Zitzen haben sich weiter vergrößert und nach und nach fallen meine Haare am Bauch und rund um die Zitzen aus, damit meine Babys besser trinken können. Ich kann nur noch kleine Portionen Futter zu mir nehmen, denn Bauch und Magen sind sehr beengt. Meine Welpenmilch bekomme ich immer noch täglich, sie unterstützt mich bei der Produktion meiner Muttermilch.

Tipp: Geburtstermin und Erreichbarkeit mit dem Tierarzt besprechen

Normalerweise verläuft die Geburt der jungen Hunde völlig problemlos und sogar ohne, dass der Halter eingreifen muss. Für den Fall, dass es doch einmal zu Komplikationen kommt, sollte man den Geburtstermin mit dem Tierarzt besprechen und seine Erreichbarkeit oder die eines Kollegen sicherstellen.

Woche 9: Die Geburt meiner Babys steht bevor

Die letzte Phase meiner Trächtigkeit hat begonnen und ich bin entsprechend unruhig. Immer öfter suche ich nun die von meinen Menschen vorbereitete Wurfkiste auf und ordne die Handtücher darin optimal an, so dass ein richtiges Nest entsteht. Meine Menschen messen nun morgens und abends meine Körpertemperatur. Wenn diese deutlich fällt, ist das ein Zeichen dafür, dass die Geburt innerhalb der nächsten Stunden beginnt.

Und dann ist der große Tag endlich gekommen. Mein Frauchen ist plötzlich ganz aufgeregt und lässt mich gar nicht mehr aus den Augen. Dabei ist das überhaupt nicht nötig, denn ich habe alles im Griff. Wir Hunde wissen nämlich genau, wie das geht. Ich lecke meinem Frauchen über den Handrücken, damit es sich wieder beruhigt, denn dann bin auch ich viel entspannter. Später ziehe ich mich dann in meine Wurfkiste zurück und werde meine Babys zur Welt bringen – doch das ist eine andere Geschichte, die Sie hier auf tierglueck.de lesen können.

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