Warum sind Hunde so auf Menschen geprägt? | tierglueck-Haustierratgeber

Beste Freunde: Warum sind Hunde so auf Menschen geprägt?

Bewundern uns Hunde insgeheim dafür, dass wir Dosen öffnen können oder Tür und Tor keine Hindernisse für uns darstellen? Sind wir für sie nur Ersatz für den vierbeinigen Sozialpartner? Oder sind unsere Hunde abhängig von uns, weil sie sonst verhungern und verwahrlosen würden? All diese Fragen kann man weder mit ja noch mit nein pauschal beantworten. Ein bisschen von allem trifft sicher zu, aber der Grund, weshalb Hunde so stark auf den Menschen geprägt sind, ist viel tiefer zu suchen und in erster Linie davon abhängig, welchen Bindungsgrad wir selbst zu ihnen pflegen. Denn ist es nicht so, dass selbst wir Menschen, anderen verstärkt unsere Zuneigung schenken, nur weil sie uns mögen? Das ist auch bei Hunden auch nicht anders und sogar noch wesentlich stärker ausgeprägt.


Seit Urzeiten leben Menschen und Hunde zusammen. Ursprünglich haben uns Hunde bei der Jagd geholfen, unser Vieh gehütet oder das Hab und Gut bewacht. Später wurden sie als Spürhunde eingesetzt oder zur Unterstützung für behinderte und kranke Menschen. Heute werden Hunde überwiegend deshalb gehalten, weil sie für uns Freude bringen und ideale, nahezu unersetzbare Gesellschafter geworden sind. Eben die besten Freunde des Menschen. Aber ist der Mensch auch ihr bester Freund? Hunde wollen uns gefallen, sie schmeicheln sich gerne ein. Das wird umso deutlicher, wenn wir sie ignorieren. Dann tun sie alles, um unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen. Und mancher Hundehalter steht fassungslos daneben, wenn sein Vierbeiner mal wieder völlig aus dem Häuschen gerät, wenn der Nachbar vor der Tür steht, während er selbst abgemeldet scheint. Es wird immer derjenige vom Hund umgarnt, der Desinteresse zeigt.

Hunde kopieren unser Verhalten

Doch Hund ist nicht gleich Hund, jeder hat seinen eigenen Charakter und ist mal mehr, mal weniger auf Menschen geprägt. Manche Rassen, wie beispielsweise Malteser, Golden Retriever oder viele Hütehunde werden speziell als Gesellschaftshunde für den Menschen gezüchtet. Tatsächlich zeigen diese Hunderassen ganz allgemein eine engere Bindung zu ihren Herrchen oder Frauchen. Doch auch Rassen, die für andere Aufgaben gezogen wurden, wie zum Beispiel Dackel, Terrier oder Rotweiler, können wahre Schmuser sein, die ihren Menschen nicht mehr von der Seite weichen. Die Fähigkeit, Zweibeiner zu lieben, ist also nur bedingt hunde- beziehungsweise rassespezifisch. Vielmehr sind es die Menschen in seinem direkten Umfeld, die ihn prägen, ihn zum Schmusehund, zum Sportler oder zum Einsiedler werden lassen. "Wie der Herr, so das Gescherr" – heißt es in einem alten Sprichwort. Auf das Verhalten von Hunden trifft das ganz besonders zu. Oder anders ausgedrückt: Bemüht sich der Mensch um den Hund, tut der Hund es ihm gleich, er kopiert quasi dessen Verhalten.

Hunde zeigen den Menschen ihre Gewogenheit jedoch auf ganz unterschiedliche Weise. Sie folgen auch hierbei ihren naturgegebenen Instinkten. Echte Zuneigung spiegelt sich nicht nur darin, dass sie ihren Menschen auf Schritt und Tritt folgen, sondern auch durch ein ausgeglichenes Wesen, die Fähigkeit, sich zu entspannen, Geborgenheit zu empfinden oder immer bereit zu sein, sein Herrchen zu beschützen. Auch wenn sie ihren Menschen teilweise die kalte Schulter zeigen, bedeutet es nicht, dass sie kein Vertrauen haben oder die Menschen ablehnen – dieses Verhalten wäre wider ihrer Natur.

Prägung auf den Menschen beginnt im Welpenalter

Der Schlüssel liegt darin, dass sie den Menschen als ihren Rudelführer akzeptiert haben. Was nebenbei auch förderlich für eine gute und erfolgreiche Erziehung des Vierbeiners ist. Ist das Eis in dieser Hinsicht erst einmal gebrochen, kann nahezu jeder Hund in eine bestimmte Richtung geprägt werden – als Kuschelhund, Aufpasser oder Gesellschafter. Das beginnt bereits im Welpenalter des Hundes, etwa ab der sechsten bis achten Lebenswoche, wenn sich die Mutterhündin nicht mehr um die Erziehung der Junghunde kümmert und der Tierhalter diese Aufgabe übernimmt.

Je intensiver sich der Hundebesitzer mit seinem Vierbeiner beschäftigt, ihn an seinem Leben teilhaben lässt, mit ihm spielt und ihn ausbildet, desto enger wird die Beziehung des Hundes zu ihm. Wichtig sind klare Regeln, eine eindeutige und für den Hund verständliche Kommunikation, eine konsequente Erziehung und die angemessene Belohnung zur richtigen Zeit. Während die Prägung eines Welpen auf seine Menschen noch spielerisch und verhältnismäßig einfach erfolgt, kann dieser Prozess bei einem erwachsenen Hund deutlich langwieriger und schwieriger sein.

Können auch erwachsene Hunde noch auf Menschen geprägt werden?

Klassisches Beispiel hierfür ist die Adoption eines Hundes aus dem Tierheim. Der Vierbeiner ist in der Regel noch auf seinen Vorbesitzer geprägt, der vielleicht verstorben ist oder die Hundehaltung aus wichtigen Gründen aufgeben musste. Wieder folgt der Hund seinen Instinkten und verhält sich nach dem von ihm gelernten Strukturen. Bei einem neuen Herrchen oder Frauchen passt dieses Verhaltensmuster aber unter Umständen nicht. Zwar wäre es aus tierischen Gesichtspunkten besser, wenn sich der Mensch dem Hund anpassen würde, jedoch ist dies in der Realität so nicht umsetzbar.

Die Umprägung eines erwachsenen Hundes auf einen neuen Herrn erfordert vor allem viel Geduld vom Hundehalter, der sich immer auch in die Situation des Hundes hineinversetzen sollte. Schließlich hat der bereits einiges mitgemacht, und wenn er könnte, dann würde er sicher seine traurige Geschichte erzählen. Da die meisten Hunde aber extrem anpassungsfähig sind, sollte eine Umprägung ganz oder teilweise möglich sein, notfalls mit professioneller Hilfe eines Hundetrainers.

Tipp: Verhätscheln Sie Ihren Hund in dieser Situation nicht, sondern lassen sie ihn an Ihrem Leben teilhaben. Geben sie ihm Aufgaben und fördern Sie seine Intelligenz durch entsprechende Spiele oder durch ein Agility-Training – das sorgt schnell für eine enge Bindung zwischen Herrchen und Hund.

Etwas anders verhält es sich bei der Adoption eines Hundes aus dem Ausland. Diese Hunde haben bislang noch wenig Erfahrung mit Menschen und wenn doch, waren es eher negative. Sie verlassen sich eher auf sich selbst. Ihr Vertrauen nachhaltig zu gewinnen, ist eine echte Aufgabe. Auch hier ist Geduld der Schlüssel. Die Prägung auf den Menschen sollte jedoch auch in diesem Fall gelingen, wenngleich sie länger dauern wird und unter Umständen nicht in vollem Umfang möglich ist.

Kann es sein, dass mein Hund mich nicht mag?

Egal ob wir arm oder reich, schön oder hässlich sind oder mit einer Behinderung durchs Leben gehen, den Hunden ist das alles völlig egal. Die Hauptsache ist, dass man dem Vierbeiner ein treuer und verlässlicher Partner ist. Dazu ist eine konsequente Haltung erforderlich und das richtige Maß an Fürsorge und Belohnung. Hunde spüren die Zuneigung ihrer Menschen, sie fühlen sich sicher und geborgen in ihrer Nähe.

Natürlich kann es immer mal vorkommen, dass ein Hund bestimmte Menschen nicht mag. Dass diese jedoch aus dem direkten Umfeld des Vierbeiners stammen, gar sein Herrchen oder Frauchen sind, ist relativ unwahrscheinlich. Doch ebenso, wie sich Zuneigung auf den Hund überträgt, kann auch die eigene Unsicherheit reflektieren. Wenn Hunde also einen Menschen nicht mögen, kann das daran liegen, dass sie dessen Zurückhaltung spüren und sich innerlich zurückziehen. Wenn man das Gefühl hat, von seinem Hund nicht gemocht zu werden, sollte man immer sein eigenes Verhalten dem Vierbeiner gegenüber auf den Prüfstand stellen und schauen, was man verändern kann.

Welchen Stellenwert hat der Mensch für den Hund?

Aber brauchen uns Hunde wirklich? Wären sie nicht viel besser ohne uns dran, ohne ständig Rücksicht zu nehmen und ohne sich unterzuordnen? Die Antwort lautet ganz klar: Nein, denn unsere Hunde sind domestiziert, nicht über Generationen frei geboren und können nicht für sich selbst sorgen. Welche Schicksale herrenlose Hunde ereilen können, wird am Beispiel der Straßenhunde in südlichen Ländern deutlich. Ohne die Fürsorge von Menschen verhungern sie oder erliegen ihren Verletzungen und Erkrankungen. Deshalb suchen sie unsere Nähe und sehen uns als ihre Rudelführer an. Ihre Prägung auf uns ist gewissermaßen ihre Lebensversicherung.

Überdies züchten wir Hunde ganz bewusst als Haustiere für unsere Bedürfnisse, daher ist es unsere Pflicht, dass wir uns adäquat um sie kümmern. Ob Hunde die Menschen nun mehr brauchen, als umgekehrt, ist im Grunde eine müßige Überlegung. Das Verhältnis ist wohl ausgewogen. Unsere Vierbeiner bekommen von uns ein hohes Maß an Zuneigung, vielfach Familienanschluss, werden versorgt und gefüttert. Vielfach sind es tatsächlich unsere besten Freunde. Im Gegenzug erhalten wir ihre fast bedingungslose Treue. Uns zuliebe unterdrücken sie so viele ihrer Instinkte: Sie jagen nicht mehr, wälzen sich nicht mehr im Aas, stellen auf Kommando das Bellen ein oder kommen zu uns, wenn wir sie rufen. Sie dulden, dass wir sie in die Arme nehmen, obwohl dies in ihrer eigenen Körpersprache so viel wie Unterdrückung bedeutet. So gesehen geben sie uns eigentlich viel mehr, als wir ihnen. Es ist wohl eine besondere Art der Synergie, die ihresgleichen in der Welt sucht.


Braucht der Mensch den Hund mehr als anders herum? Die meisten Hundebesitzer würden nahezu alles für ihre Vierbeiner tun. Das ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass sie ihren Frauchen und Herrchen im Grunde vorbehaltlos ihre Zuneigung schenken. Warum uns Hunde so mögen, darüber können wir im Grunde nur spekulieren. Vielfach reflektieren sie ganz einfach unsere eigenen Gefühle für sie. Dass sie uns nur mögen, weil wir Dosen mit Hundefutter öffnen können, kann man hingegen ausschließen.

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