Chinchillas: Flauschige Nager mit hohem Anspruch - tierglueck-Haustierratgeber

Chinchillas: Flauschige Nager mit hohem Anspruch

Mit bis zu 20.000 Haaren pro Quadratzentimeter hat das Chinchilla das dichteste Fellkleid im Tierreich. Wie passen so viele Haare auf diese winzige Fläche? Ganz einfach, weil sie gut 30-mal dünner sind als Menschenhaare. Zudem kann jede Haarwurzel bis zu 60 dieser dünnen Fasern ausbilden. Da denkt man spontan an einen Wattebausch und der Vergleich geht schon in die richtige Richtung, denn das Fell der Chinchillas ist so weich und flauschig, dass man es am liebsten den ganzen Tag lang streicheln würde. Doch genau das mögen die niedlichen Nager mit den großen, runden Ohren gar nicht so gerne. Das ist ein Grund, weshalb sie sich nicht als Kuscheltiere für Kinder eignen. Chinchillas werden lieber beobachtet und das in einer artgerechten Umgebung, die an den Tierhalter einige Ansprüche stellt.

Es ist erst knapp 100 Jahre her, da wurden Chinchillas noch ihrer Felle wegen gejagt und beinahe ausgerottet. Zwischen 170 und 200 Chinchillas mussten ihr Leben lassen, damit ein einziger Pelzmantel entstehen konnte. Dank Tierschutz und einiger engagierter Züchter haben sich die Populationen der ursprünglich aus den Höhenlagen Südamerikas stammenden Nager inzwischen wieder erholt. Das Chinchilla ist ein beliebtes Haustier geworden und die Menschen sehen das Fell heute lieber am ursprünglichen Besitzer als im Kleiderschrank.

Was muss man vor der Anschaffung eines Chinchilla bedenken?

Das Chinchilla ist im Grunde menschenscheu und es braucht schon eine Weile und viel Geduld, bis es Zutrauen zu seinen Menschen fasst. Chinchillas leben in freier Wildbahn häufig in sehr großen Gruppen von mehr als 100 Mitgliedern. Da sie ihre Artgenossen unbedingt zur Gesellschaft brauchen, sollten immer mindestens zwei gemeinsam gehalten werden. Empfehlenswert sind ein Weibchen und ein kastriertes Männchen oder alternativ zwei Weibchen. Zwei Böckchen verstehen sich in der Regel nicht ganz so gut, doch es gibt auch Ausnahmen. Möchte man eine kleine Gruppe haben, empfiehlt sich die Haremshaltung, also ein Kastrat zusammen mit mehreren Weibchen. Sind es zwei oder mehrere Männchen, würden sie sich immer um die Weibchen streiten und es wäre ständig Aufruhr im Gehege.

Anders als Kaninchen oder Mehrschweinchen werden Chinchillas zwischen 18 und 22 Jahre alt. Die Verantwortung, die man als Tierhalter übernimmt, verläuft also über einen sehr langen Zeitraum. Wissen muss man zudem, dass Chinchillas dämmerungs- und nachtaktiv sind und sie sich in ihren Gewohnheiten auch nicht dem Menschen anpassen – anders als beispielsweise Kaninchen. Chinchillas schlafen während des Tages und reagieren verstört und verängstigt, wenn man ihre Ruhezeit stört. Idealerweise passen sie also zu berufstätigen Erwachsenen, die den ganzen Tag außer Haus sind. Für kleine Kinder sind die possierlichen Nager mit ihren munteren Knopfaugen eher nicht zu empfehlen. Sie sind keine Schmuse- oder Kuscheltiere und lassen sich nur ungern auf den Arm nehmen. Allein das Hochnehmen eines Chinchillas erfordert Erfahrung, niemals dürfen sie beispielsweise am Schwanz hochgezogen werden – er könnte abreißen. Durch ihre ausgeprägte Nachtaktivität ist das Kinderzimmer zudem nicht der richtige Ort für das Gehege. Jugendliche oder Erwachsene finden jedoch Freude daran, Chinchillas bei ihren Kletterpartien, den urkomischen Sandbädern und dem gemeinsamen Kuscheln mit ihren Artgenossen zu beobachten und sie gelegentlich auch mal zu streicheln.

Wer bereits andere Haustiere hat, sollte bedenken, dass Chinchillas Angst vor Vögeln haben. Das sind ihre natürlichen Fressfeinde und ihre Laute machen die kleinen Nager extrem nervös. Dabei spielt es keine Rolle, ob es Kanarienvögel oder Papageien sind. Hunde und Katzen im selben Wohnumfeld, sind dagegen kein Problem, sofern sie keinen Zugang zum Chinchilla-Gehege haben. Eine gemeinsame Haltung mit Meerschweinchen kann sehr gut funktionieren, da beide Kleintiere mit einander verwandt sind. Jedoch leben sie eher nebeneinander her, als miteinander, da sich ihre Laute zur Verständigung und ihre Gewohnheiten stark unterscheiden.

Das brauchen Chinchillas zum Glücklichsein

Chinchillas werden zwischen 20 und 32 Zentimeter lang, ohne ihren Schwanz gerechnet, der je nach Art zwischen 10 und 20 Zentimeter lang sein kann. Man unterscheidet zwischen Kurz- und Langschwanz-Chinchillas. Mit ihren 400 bis 1.000 Gramm Körpergewicht zählen sie zu den kleineren Nagetieren, doch ihr Platzbedarf ist umso ausgeprägter. Ein Chinchilla-Pärchen benötigt mindestens 150 Kubikzentimeter für sich und zusätzlichen Auslauf. Ideal ist eine hohe Foliiere oder ein spezieller Chinchilla-Käfig, der deutlich höher als breit ist, da Chinchillas für ihr Leben gerne klettern. Daher sollte ihr Käfig über mehrere Etagen verfügen, die über Rampen oder Leitern erreichbar sind. Auch Sitzbretter in "luftiger" Höhe sind zum Ausruhen und Schlafen sehr beliebt. Eine Einrichtung aus Plastik eignet sich generell nicht so gut, Holz ist stattdessen zu empfehlen.

Der Käfig allein ist eine gute Ausgangsbasis, doch Chinchillas benötigen darüber hinaus noch einen Auslauf über mehrere Stunden am Abend oder in der Nacht. Da sie gerne an allem nagen, was ihnen vor die Pfötchen kommt, eignet sich die Wohnung nur bedingt als Auslauffläche. Es sei denn, man nimmt Bissspuren an Möbeln und Hinterlassenschaften auf dem Wohnzimmerteppich in Kauf, denn Chinchillas werden in der Regel nicht stubenrein. Besser ist daher ein ausreichend hohes Gehege, das den Käfig einschließt oder im Idealfall sogar ein ganzes Zimmer, in dem die Chinchillas toben und spielen können. Das hat wiederum den Vorteil, dass man sich dazugesellen und Kontakte knüpfen kann. Auf diese Weise werden die kleinen Fellwunder am schnellsten zutraulich, klettern sogar auf ihren Menschen herum und nehmen Futter aus der Hand.

Chinchillas: Flauschige Nager mit hohem Anspruch. Chinchilla auf Hand - tierglueck-HaustierratgeberChinchillas sind nur bedingt für die Außenhaltung geeignet. Zwar ist ihr dichtes Fell hervorragend isoliert, doch schützt es herkunftsbedingt eher bei trockener Kälte. Die in Deutschland üblichen feuchtkalten Winter würden das Fell sehr schnell verfilzen lassen und die natürliche Schutzschicht zerstören. Chinchillas sind zudem sehr hitzeempfindlich, daher sollte der Standort von Käfig und Gehege mit Bedacht ausgewählt werden. Bei Temperaturen von 18 bis 25°C fühlen sie sich am Wohlsten. Wird es im Sommer deutlich wärmer, bekommen sie Kreislaufprobleme und sind Hitzschlag-gefährdet. Das Chinchilla-Zimmer oder -Gehege sollte daher in den heißen Tagesstunden besser keine direkte Sonneneinstrahlung haben. Zur Kühlung kann man den quirligen Nagern auch einige Bodenfliesen in das Gehege legen, die meist etwas kühler sind als die übrige Umgebung.

Pflege: Chinchillas lieben und brauchen Sandbäder

Das Chinchilla pflegt sich selbst, der Tierhalter ist eher für die regelmäßige Reinigung von Käfig und Gehege zuständig. Eine Besonderheit beim Chinchilla ist das tägliche Sandbad, das für seine Fellpflege unerlässlich und für das seidig-feine Haar verantwortlich ist. Man stellt eine kleine Schale oder Schüssel mit einem speziellen Chinchilla-Sand in den Käfig oder das Gehege. In der Zoologie sind auch eigens konzipierte Badewannen erhältlich, die die richtige Größe haben, damit das Chinchilla gut rein und raus klettern kann. Der Sand ist extrem fein, seine winzigen Putzkörperchen können tief in das dichte Chinchillafell eindringen und reinigen es so von Hautschuppen- und Fettrückständen. Der benutzte Sand klumpt zusammen, die Klumpen können vom noch feinen Sand ausgesiebt und entsorgt werden.

Mit atemberaubendem Tempo wälzt und dreht sich das Chinchilla minutenlang in der Sandschale. Seine Bewegungen sind dabei so schnell, dass man schon genau hinschauen muss. Der Schwanz dient ihm dabei als Ruder und Ballanceelement. Da der Sand so fein ist, wird die nähere und weitere Umgebung rund um die Sandbadewanne natürlich mit einer dünnen Staubschicht überzogen. Dies kann man weitestgehend vermeiden, wenn man statt einer offenen Schüssel oder Wanne ein spezielles Badehaus aus der Zoologie verwendet, das natürlich auch selbst gebaut werden kann. Idealerweise ist dies nicht zu klein und besteht aus Nager-freundlichem Holz mit ein oder zwei runden Löchern, die als Ein- und Ausgänge dienen. Damit sich das muntere Sandbad dem Auge des Betrachters nicht vollständig entzieht, sind eine oder zwei Seiten des Hauses verglast. Auf diese Weise bleibt der meiste Sand im Haus. Doch der Staub lässt sich nicht völlig vermeiden. Spätestens, wenn das Chinchilla das Badehaus wieder verlässt, schüttelt es sich mehrfach, um den überschüssigen Sand aus seinem Fell zu bekommen.

Ausstattungs- und Anschaffungskosten

Ein Chinchilla-Pärchen ist ab ca. 40 Euro in der Zoologie oder direkt beim Züchter zu bekommen. Die beim Chinchilla nicht ganz einfache Kastration des Männchens ist meist nicht inbegriffen. Während man das Gehege gut selbst bauen kann, empfiehlt sich die Anschaffung eines fertigen Käfigs mit mehreren Ebenen. Dazu kommen die Einrichtungsgegenstände, wie Häuschen, Heuraufe, Tränke, Futternapf, Sandbadewanne oder Badehaus. Diese Kosten belaufen sich auf ca. 220 Euro, je nach Qualität und wie viel Eigenleistung man erbringt.

Chinchillas sind keine anspruchsvollen Futterverwerter, ihre Ernährung ist ihrer Herkunft gemäß eher karg. In erster Linie benötigen sie frisches Heu, dass ihnen rund um die Uhr und immer in ausreichender Menge zur Verfügung stehen sollte. Dazu kommt etwas Chinchilla-Alleinfutter und getrocknete Kräuter, sowie artgerechte Knabberstangen und Obstzweige für den natürlichen Zahnabrieb. Mit Leckerchen sollte man zurückhaltend umgehen und sie eher als Bestechung einsetzen, um in Kontakt zu kommen. Dazu eignen sich übrigens hervorragend getrocknete Hagebuttenfrüchte aus der Drogerie – eine Delikatesse für Chinchillas. Zusammen mit dem Einstreu für den Käfigboden und dem Spezialsand muss man monatlich etwa 30 bis 40 Euro für ein Pärchen aufwenden. Impfungen werden bei Chinchillas nicht vorgenommen, weshalb sich die Tierarztkosten in Grenzen halten und nur anfallen, wenn sie krank werden.

 

Chinchillas sind charmante kleine Wesen, die uns mit ihrem possierlichen Äußeren, ihrem ultraweichem Fell und ihren extravaganten Sandbädern bezaubern können. Ihre Haltung ist jedoch nicht anspruchslos, sowohl was ihren Platzbedarf als auch ihre Unabhängigkeit betrifft. Wer dies jedoch akzeptiert und sich darauf einstellt, findet mit dem Chinchilla das ideale Haustier, das ihn sehr lange begleitet.

 

 

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