Der Reiz der Gefahr:  Exotische Giftschlangen sicher halten - tierglueck-Haustierratgeber

Der Reiz der Gefahr: Exotische Giftschlangen sicher halten

Wer der Faszination Giftschlange einmal erlegen ist, den lässt sie nie wieder los. Doch die Haltung von exotischen Giftschlangen ist mehr als ein reines Hobby. Denn da es bei der Giftschlangenhaltung in Deutschland viele Vorschriften einzuhalten gilt, ist nicht nur reines Interesse sondern absolute Hingabe erforderlich. Wir zeigen auf, was potentielle Giftschlangenhalter vor der Entscheidung für eines der reizvollen Tiere wissen sollten.

Giftschlangen sind faszinierend, keine Frage. Doch sie sind zudem auch eine potentielle Gefahrenquelle. Hochgiftig können sie bei einem Angriff ihr Opfer vollkommen außer Gefecht setzen und sogar töten. Wer sich eine Giftschlange im Terrarium halten möchte, der sollte deshalb starke Nerven, einen eisernen Willen und vor allem viel Leidenschaft für ein zeitintensives und vor allem gefährliches Hobby mitbringen.

Was macht die Faszination Giftschlange aus?

Giftschlangen aus den Familien der Giftnattern, Seeschlangen oder der Vipern faszinieren uns Menschen seit jeher. Sie lösen entweder Angst oder Neugier und vor allem bei Schlangenfreunden eine besondere Faszination aus. Blitzschnell und mit erstaunlicher Eleganz greifen die unerschrockenen Jäger ihre Beute an. So muss dann auch jeder Halter einer Giftschlange aufpassen, dass er nicht unfreiwillig selbst zur Beute oder aber mit dieser verwechselt wird. Denn der Biss einer Giftschlange kann dem Halter nicht nur einen gehörigen Schrecken versetzen, sondern sogar tödlich enden. So sterben jedes Jahr tausende Menschen an einem Schlangenbiss.

Schlangengift wirkt auf unterschiedliche Weise, etwa auf die Nerven, das Herz oder die Blutgerinnung. So beeinträchtigen neurotoxische Gifte das zentrale Nervensystem und führen zu Lähmungserscheinungen, kardiotoxische Giftstoffe wirken auf den Herzmuskel und können zu einem Herzstillstand führen und hämotoxische Gifte beeinträchtigen Blut und Gewebe.

Während die weltweit giftigsten Schlangen in Australien zuhause und somit regulär weit entfernt sind, können die tödlichen Tiere in den meisten Bundesländern auch hierzulande gehalten werden. Die Entscheidung, sich eine potentiell lebensgefährliche Schlange als Haustier zu halten, ist jedoch nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und sollte wohl überlegt sein. Geht der Umgang mit den selbstbewussten Tieren doch mit einer großen Verantwortung einher.

Aus welchen Gründen halten Menschen Giftschlangen?

Wer eine Giftschlange halten möchte, der sollte sich die Gründe dafür genau überlegen. Beschränken sich die Gründe darauf, die Beutetiere durch Giftbisse sterben zu sehen, einfach ein exotisches Haustier zu besitzen und vor Freunden mit einem besonderen Terrarienbewohner zu glänzen, sollte von der Anschaffung einer Giftschlange besser abgesehen werden. Wer sich hingegen mit Leidenschaft der Faszination Giftschlange widmen möchte und bereit ist, die großen Umstände und Gefahren - auch für das eigene Leben, die mit einer solchen Haltung verbunden sind – auf sich zu nehmen, der sollte sich zunächst über die Voraussetzungen dazu informieren.

Wer die selbstbewusste Ausstrahlung von Giftschlangen zu schätzen weiß und sich zutraut, die gefährlichen Tiere ohne Angst zu versorgen, der ist bereits auf dem richtigen Weg. Viele Schlangenhalter möchten mit der Anschaffung einer Giftschlange ihr Hobby auf eine höhere Ebene bringen oder beschäftigen sich mit der Arterhaltung und möchten sich der Nachzucht bedrohter Arten widmen.

Welche gesetzlichen Bestimmungen zur Haltung von Giftschlagen gibt es?

Giftschlangen können nicht so ohne weiteres im heimischen Terrarium einziehen, denn ihre Haltung ist in Deutschland streng geregelt. Sowohl auf Bundes- wie auch auf Landesebene gibt es Gesetze, die sich mit der privaten Gifttier-Haltung beschäftigen. In den Bundesländern Hessen und Schleswig-Holstein ist die Haltung von Giftschlangen sogar komplett verboten. Darüber hinaus ist im OWiG, dem Bundesdeutschen Gesetz für Ordnungswidrigkeiten im § 121 folgendes zu lesen:

„(1) Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig 1. ein gefährliches Tier einer wildlebenden Art oder ein bösartiges Tier sich frei umherbewegen lässt oder 2. als Verantwortlicher für die Beaufsichtigung eines solchen Tieres es unterlässt, die nötigen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um Schäden durch das Tier zu verhüten. (2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße geahndet werden.“

Im Gesetz zum Schutz vor gefährlichen Stoffen wird im § 18 ausgeführt, dass die Einfuhr und Haltung gefährlicher Tierarten ganz verboten oder unter besondere Auflagen gestellt werden kann. Abgesehen von diesen Regelungen auf Bundesebene, gibt es auf Landesebene oftmals noch konkretere Vorgaben oder gar Verbote zur Haltung von Giftschlangen.

Welche Anforderungen müssen Halter von Giftschlagen erfüllen?

Potentielle Giftschlangenhalter müssen außerdem volljährig sein und unter Umständen über mindestens zwei Jahre Terraristik-Erfahrung und einen Sachkunde-Nachweis verfügen. Der Sachkundenachweis kann durch den Besuch eines Kurses zum Umgang mit giftigen Tieren erworben werden. Zudem kann ein polizeiliches Führungszeugnisses nötig sein. Auch muss die Haltung bei der zuständigen Artenschutzbehörde angezeigt werden und es müssen Haltungsgenehmigungen von Seiten der Behörden, des Vermieters und sämtlicher Hausbewohner vorliegen. Dieses Einverständnis zu erlangen kann ein Hindernis darstellen und sollte daher einer der ersten Schritte sein.

Zudem gibt es bestimmte gesundheitliche Voraussetzungen zu erfüllen. Wer unter Herz-, Kreislauferkrankungen oder Suchtkrankheiten leidet, dem dürfen die Behörden keine Berechtigung zur Giftschlangenhaltung erteilen. Die rechtzeitige Information über die gesetzlichen Vorgaben ist äußerst wichtig. Wer sich umfassend über die Gesetzeslage und Haltungsbedingungen informieren möchte, der sollte sich am besten beim örtlichen Ordnungsamt oder bei der Naturschutzbehörde einen Termin geben lassen. Die Voraussetzung zur Haltung einer Giftschlange ist zudem ein separater, abschließbarer Giftschlangenraum.

Der Mut zur Giftschlange

Wer eine Giftschlange zu Hause halten möchte, der sollte sich gut überlegen, ob er sich den Umgang mit einem potentiell lebensbedrohlichen Tier wirklich zutraut. Wer bei dem Gedanken an eine Giftschlange ein ungutes Gefühl in der Bauchgegend bekommt, der sollte besser Abstand davon nehmen. Es ist klar ein Vorteil, bereits Erfahrung in der Schlangenhaltung zu haben, bevor das Gifttier einzieht, doch was den Zeitraum der Vorerfahrung angeht, gehen die Meinungen auseinander. Gut ist es sich vor der Entscheidung bei einem Züchter oder Giftschlangenhalter genau umzusehen, sich zu informieren und zu schauen, wie Giftschlangen gehändelt werden.Exotische Giftschlange - tierglueck-Haustierratgeber

Wer sich dann zutraut eine Giftschlange zu halten, der kann bereits mit recht überschaubarer Vorerfahrung in der Schlangenhaltung sehr erfolgreich sein. Demgegenüber kann auch langjährige Erfahrung in der Terraristik eventuell bestehende Ängste nicht aus der Welt schaffen. Es ist in erster Linie also eine individuelle und nicht unbedingt eine rein auf Erfahrung basierende Entscheidung, auch wenn im Idealfall der Mut zur Giftschlange und die jahrelange Erfahrung zusammenkommen. Ein gewisser Grad an Sachkenntnis durch die Vorerfahrung mit ungiftigen Schlangen ist aber unbedingt notwendig.

Was wird benötigt, um Giftschlagen artgerecht und sicher zu halten?

In erster Linie benötigen Giftschlangen, genau wie ihre ungiftigen Verwandten, einen nach ihren Bedürfnissen eingerichteten und artgerechten Lebensraum. Dieser sollte den natürlichen Bedingungen in Freiheit entsprechen und passende Ausstattung und Bepflanzung, sowie Luftfeuchtigkeit und Temperaturen aufweisen. Vor allem die Temperatur ist essentiell wichtig, da Schlangen ihre Körpertemperatur nicht selbstständig regeln können und verschiedene Temperaturzonen in ihrem Terrarium vorfinden müssen um sich, je nach Tageszeit, innerhalb des Temperaturgefälles bewegen und entweder aufwärmen oder abkühlen zu können.

Handelt es sich um Giftschlangen, sind weitere Vorkehrungen nötig. Denn anders als ungiftige Schlangen dürfen die giftigen Verwandten nicht einfach im Wohnzimmer-Terrarium gehalten werden. Allgemein ist von der Haltung in aktiv bewohnten Räumen Abstand zu nehmen. Vielmehr ist ein separater Raum mit Fluchttür erforderlich, ein Giftschlangenraum sozusagen, der abschließbar ist und in dem ein Telefon vorhanden sein sollte, um im Notfall den regionalen Giftnotruf benachrichtigen zu können. Ein Schild an der Tür sollte zudem vor den gefährlichen Bewohnern warnen und die Fenster sollten vergittert sein. In diesem Raum sollte das Terrarium dann so platziert werden, dass es immer gut einzusehen ist und dass rundherum keine Lücken oder Versteckmöglichkeiten entstehen, falls die Schlange doch einmal aus ihrem Terrarium ausbrechen sollte. Das gilt natürlich auch dann, wenn mehrere Terrarien in dem Raum aufgestellt werden. Jedes Terrarium selbst muss übrigens auch abschließbar sein, verstärkte Lüftungsschlitze besitzen und zwischen Terrarium und Wand sollte sich ein Mindestabstand von einem Meter befinden, so dass es im Falle eines Angriffs möglich ist, noch auszuweichen.

Auch sollte es möglich sein, die Schlange immer im Auge zu haben, um dadurch Überraschungsangriffen so gut wie möglich vorzubeugen. In der Regel wird ein zuständiger Veterinär persönlich vor Ort überprüfen, ob alle Auflagen erfüllt sind und ob der Giftschlangenraum vorhanden ist und ausschließlich zur Giftschlangenhaltung genutzt wird.

Zusätzliche Ausstattung zum Schlangenhandling

Bei der Haltung von Giftschlangen hat im Allgemeinen auch das nötige Equipment einen größeren Umfang als bei der Haltung von ungiftigen Arten. Abwehr- und Fanggeräte gehören hier zur Grundausstattung. So kann es durchaus Sinn machen, eine sogenannte Schlupfbox im Terrarium zu platzieren. Diese dient nicht nur als willkommene Rückzugsmöglichkeit für das zischende Haustier, sondern kann bei der Reinigung des Terrariums wertvolle Dienste leisten, da die Schlange währenddessen in der Box eingeschlossen werden kann. Auch ist es ratsam, beim Handling Schlangenhaken, die es in verschiedenen Längen und Stärken gibt, oder auch Pinning Hooks zum Fixieren zu benutzen, um sich selbst aus der Gefahrenzone herauszuhalten. Um die Schlange zu transportieren oder auch in sicherem Abstand zu halten, etwa während der Reinigung des Terrariums, können beispielsweise auch große Plastikröhren oder Allzwecktonnen verwendet werden.

Das Öffnen des Terrariums muss für alle außer den Halter selbst ein Tabu darstellen und sollte durch Schlösser an jedem einzelnen Terrarium sowie einen abgeschlossenen Gifttierraum abgesichert werden. Denn während die giftigen Haustiere, bei aller Vorsicht, schon für den Halter selbst ein großes Risiko darstellen, kann eine persönliche Begegnung mit ahnungslosen Beobachtern mit einem tödlichen Biss enden.

Welche Giftschlangen eignen sich zum Einstieg?

Insgesamt gilt bei der Auswahl der geeigneten Art zum Einstieg in die Giftschlangenhaltung, dass sich die eigenen Vorlieben mit dem Anspruch der entsprechenden Art die Waage halten müssen. Vor allem weniger giftige Arten, die für den Menschen zwar nicht tödlich sind, aber dennoch ernsthafte allergische Reaktionen auslösen können, werden als Anfänger-Giftschlangen bezeichnet. Dazu zählt etwa die Hakennasennatter. Auch Kupferköpfe oder Weißlippen-Bambusottern zählen zu den eher friedfertigen Tieren, die von Anfängern recht gut gehandhabt werden können. Während Giftschlangen-Anfänger zunächst von Mambas und Kobras Abstand halten sollten, gilt hier aber insgesamt, ähnlich wie bei der Entscheidung für eine Giftschlange selbst, dass letzten Endes die Leidenschaft für die jeweilige Art da sein muss.

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