Zwergponys als Haustiere? | tierglueck-Haustierratgeber

Ein Zwergpony im Wohnzimmer?

Der Song "Little Man" des amerikanischen Popdous Sonny & Cher untermalt die Handlung eines bekannten TV-Werbespots um ein Miniaturpony. Die Geschichte: Es harmoniert nicht so mit den großen Pferden auf der Weide, die nichts von dem kleinen Mann wissen wollen und ihm die kalte Schulter zeigen. Das kann die Besitzerin des Zwergs nicht mit ansehen und baut kurzerhand eine Hundeklappe in Ihre Haustür ein. Von nun an spaziert das Pferdchen regelmäßig ins Haus zu seinen Menschen und ist nicht mehr allein. Im Video funktioniert das ganz gut und wirkt authentisch. Zumal Miniponys nur etwa so groß wie eine Deutsche Dogge werden. Andererseits sind sie trotz ihrer geringen Körpergröße immer noch Pferde, die eine natürliche und artgerechte Umgebung bevorzugen. Genau wie ihre großen Artgenossen, können sie aber zu Menschen eine sehr enge Bindung aufbauen. Der Fernsehspot macht allerdings auch deutlich, dass das Zwergpony die Gesellschaft seiner Artgenossen sucht und das ist tatsächlich authentisch. Denn Tiere kommunizieren auf unterschiedliche Art miteinander und nur Artverwandte verstehen sich untereinander.


Obwohl die kleinen Vertreter von Pferden und Ponys insbesondere in Deutschland erst seit einigen Jahrzehnten bekannt sind, verfügen sie über eine lange Geschichte. Bereits im 17. Jahrhundert wurden Kleinpferde an den europäischen Königshöfen gehalten und waren Spielgefährten der Kinder. Erst viel später, in den 1970er Jahren wurden sie auch hierzulande populär und kamen auch nach Deutschland. Die meisten Zwergpferde stammen heute vom American Miniature Horse ab, das seit 1970 in den USA gezüchtet wird. Parallel dazu wird seit etwa 1870 das Minishetlandpony in England gezüchtet, das als ältester Rassevertreter der Zwergponys gilt. Daneben wird in Argentinien das Falabella gezogen, eine besondere Miniaturponyrasse, die als besonders intelligent und umgänglich gilt. Falabellas werden unter anderem als Blindenführponys ausgebildet.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Pferden und Ponys?

Abgesehen von den kleinwüchsigen Tieren, wird im Prinzip alles unter einem Stockmaß von 148 Zentimetern als Pony eingestuft. Die Unterschiede zum Pferd liegen aber eher in den Körperproportionen. Bei Pferden ist die Widerristhöhe größer als die Körperlänge von Brust bis zur Hinterbacke, während die Beine im Verhältnis gesehen länger sind als der Brustumfang. Bei Ponys ist es genau anders herum, weshalb sie eher kompakt und gedrungen wirken. Ansonsten gibt es keine Unterschiede zwischen beiden Arten. Egal ob Pony oder Pferd, beide können über gute oder weniger gute Charaktereigenschaften verfügen, freundlich, gelehrig oder zickig sein. Während Pferde allgemein aufgrund ihrer längeren Beine als gute Springer gelten, sind Ponys vielleicht etwas wendiger. Im Anschaffungspreis sind Ponys meist auch etwas günstiger als Pferde. All diese Punkte treffen auf die Zwergrassen ebenso zu.

Was ist das Besondere an Minipferden?

Zwergponys und Zwergpferde haben den gleichen Körperaufbau wie ihre großen Artverwandten, nur das alles entsprechend kleiner ist. Ansonsten ist alles an ihnen dran und sie sind voll ausgebildet. Dadurch sehen sie besonders niedlich aus, insbesondere als Fohlen. Sie verhalten sich auch exakt wie die Großen und zeigen die gleichen Bewegungen. Nach geltenden Zuchtkriterien darf ein Miniaturpferd oder -pony ein Stockmaß von 87 Zentimetern nicht überschreiten. Gemessen wird, wie bei normalgroßen Tieren, die Höhe vom Boden bis zum Widerrist. Die Miniaturausgaben sind genauso robust und widerstandsfähig wie die Großen. Dennoch sind sie allenfalls für sehr kleine Kinder als Reittier geeignet. In erster Linie werden sie im Fahrsport mit leichten Kutschen eingesetzt oder als Therapiepferd. Darüber hinaus eignen sie sich gut als Gesellschafter oder zum Beobachten. Auch sportliche Aktivitäten sind mit den Minis möglich, wie beispielsweise geführte Dressur oder Freispringen ohne Reiter.

Das Verhalten der Kleinen ist ebenso ausgeprägt, wie bei ihren normalgroßen Vertretern. Grundsätzlich gilt, dass Ponys egal welcher Größe schon mal etwas eigensinnig sein können. Durch die Kleinzüchtung können diese Eigenschaften bei den Zwergen auch verstärkt auftreten. Dennoch sind sie die idealen Spielfreunde für Kinder. Kleinstpferde gelten als sehr gelehrig und intelligent. Sie sind ebenfalls menschenbezogen und bewegen sich sehr anmutig. Ein gesundes Minipony oder Zwergpferd wird zwischen 25 und 30 Jahre alt. Auch in dieser Hinsicht gibt es keinen Unterschied zu den Großen.

Können Miniaturpferde im Haus gehalten werden?

Pferde und Ponys werden allgemein im Stall, in einem offenen Verschlag oder auf der Weide gehalten. Das hängt nicht nur mit ihrer Größe zusammen, sondern auch mit ihrer Einstufung als Nutz- oder Reittier. Anders als bei Kühen oder Schweinen gibt es jedoch keine eindeutigen Richtlinien zur Haltung von Pferden. Entscheidend ist jedoch, dass sie ihrer Art und ihren Bedürfnissen nach angemessen und verhaltensgerecht untergebracht sein sollten.

Rein theoretisch könnten Minis daher auch im Haus gehalten werden. Eine Wohnungshaltung würde jedoch nur Sinn machen, wenn diese ebenerdig liegt, denn Treppensteigen zählt nicht gerade zu den Stärken der Pferdchen. Berücksichtigen sollte man allerdings, dass Pferde und Ponys nicht stubenrein werden können und einfach da äpfeln, wo sie sich gerade aufhalten. Darüber hinaus sind sie es gewohnt, im Gras oder Stroh zu liegen. Ein großes Hundebett wäre zwar größenmäßig passend aber nicht gerade artgerecht.

So sehr man sich als Tierhalter ein enges Miteinander mit seinem Minipony wünscht, wäre es doch etwas artfremd, es permanent im Haus zu halten. Zumal alle Pferde sehr naturverbunden sind und sich ihr Fell den herrschenden Witterungsverhältnissen anpasst. Die beste Unterbringung ist daher immer noch der Stall – idealerweise ist es ein Offenstall mit Weide. Es spricht natürlich nichts dagegen, die Zwerge auch mal mit in die Küche oder das Wohnzimmer zu nehmen. Berücksichtigen sollte man allerdings, dass sie auch Fliegen und andere Insekten von draußen reinbringen können und dass sich in ihren Hufen auch so einiges an Dreck ansammelt. Anders als Hunde oder Katzen sind Miniponys jedoch keine Kuscheltiere, es sind und bleiben Pferde mit all ihren tollen Eigenschaften, nur eben im Kleinformat.

Was ist bei der Ernährung von Zwergpferden zu beachten?

Auch in puncto Ernährung unterscheiden sich die Zwerge nicht von ihren großen Artgenossen. Alle Pferde und Ponys sind Vegetarier und ernähren sich in der Hauptsache von Raufutter. In der warmen Jahreszeit von März bis Oktober ist ihre Hauptnahrungsquelle frisches Wiesengras. Im Herbst und Winter wird Heu gefüttert. Mohrrüben und mal ein Apfel sind gute Snacks für zwischendurch, und spezielles Ergänzungsfutter aus dem Fachhandel rundet den Speiseplan ab. Pferde und Ponys haben nur einen sehr kleinen Magen. Je nach Körpergröße sind dies zwischen 10 und 15 Liter Volumen. Bei Zwergen fällt der Magen entsprechend kleiner aus. Dementsprechend ist die Aufnahme von Futter begrenzt. Ist der Magen voll, wird erst einmal eine Pause eingelegt und verdaut. Erst dann kann es weitergehen. Auf diese Weise nehmen Pferde und Ponys über den gesamten Tag immer wieder Futter zu sich, während sie in der Nacht überwiegend schlafen.

Miniponys nicht alleine halten

Wie alle Pferde sind auch die Miniaturen Herdentiere, die die Gesellschaft ihrer Artgenossen benötigen. Es muss nicht unbedingt ein zweites Minipony sein, ein Pony oder Pferd passt auch, wobei viele Pferde die Minis nicht unbedingt in ihrer Nähe dulden. Wenn man nicht züchten möchte, empfehlen sich ein Wallach und eine Stute beziehungsweise zwei Stuten oder zwei Walache, als optimale Paarung. Zwei Hengste würden permanent Revier- und Machtkämpfe austragen, weshalb eine solche Paarung nicht empfohlen wird. Selbstverständlich ist auch eine Gruppenhaltung möglich.

Beachten sollte man jedoch, dass man zwei oder mehrere Pferde nicht einfach so vergesellschaften kann, indem man sie zusammen auf die Weide lässt. Das ist durch ihr natürliches Rangfolgesystem und ihr instinktives Herdenverhalten begründet. Die Leitstute führt meist die Herde an, während sich die anderen Tiere unterordnen. Der Hengst hat die Aufgabe, seine Herde zu beschützen. Kommt ein Fremder dazu, wird er zunächst von den anderen ausgegrenzt und verjagt. Die Zwerge bilden hierbei auch keine Ausnahme. Am besten schafft man zwei Fohlen oder Jährlinge an, die miteinander aufwachsen können. Bei erwachsenen Tieren muss der Halter vor allem Geduld haben, denn bis sich die Zwerge mögen, kann schon mal etwas Zeit ins Land gehen, während sie sich langsam und über die Entfernung aneinander gewöhnen.

Wie hoch sind die Kosten und welches Zubehör wird benötigt?

Die Anschaffungspreise für ein Zwergpferd sind etwa identisch mit den Kosten für normalgroße Pferde und Ponys. Die Preise beginnen bei 500 Euro und können je nach Rasse oder Züchtung, bis einige Tausend Euro betragen. Auch Tierheime vermitteln oft Miniponys gegen eine geringe Schutzgebühr. Dazu kommen noch monatliche Unterhaltskosten von circa 300 Euro für Futter, Hufschmied, Impfungen und Wurmkuren sowie Tierarzt und Pferdehaftpflichtversicherung. Übrigens kümmert sich der Hufschmied nicht nur um die Eisen – auf die könnte man bei einem Zwerg sogar verzichten – doch das Horn muss regelmäßig getrimmt werden, damit es nicht zu lang wächst.

Etwas Ausstattung braucht auch das kleinste Pferdchen. Sie werden nicht mit Halsband und Leine geführt wie ein Hund, sondern tragen Pferdehalfter und Führstrick wie die Großen. Ein Sattel wird in der Regel nicht benötigt, dafür aber Putzzeug und Pflegeprodukte sowie eventuell eine Pferdedecke.


Miniponys und Zwergpferde begeistern uns mit ihrem ganz speziellen Charme. Pferde sind ganz besondere Tiere, die von jeher eine wichtige Rolle für den Menschen gespielt haben. Ihre Miniaturausgaben wirken wie die Kombination aus Schaukelpferd und lebendig gewordenes Stofftier. Dennoch sind es keine Kuscheltiere, sie wollen artgerecht behandelt werden wie die Großen, auch wenn man die Kleinen mit ins Wohnzimmer nehmen könnte.

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