Halsband oder Geschirr, was passt am besten zu meinem Hund? - tierglueck-Haustierratgeber

Halsband oder Geschirr, was passt am besten zu meinem Hund?

Oft sehen wir faszinierende Bilder oder Videos, wie Herrchen und Hund ausgelassen am Strand spielen, wie Stock oder Frisbee durch die Luft fliegen und ein Golden Retriever in vollem Galopp und sandaufwirbelnd hinter dem Spielzeug herjagt nur, um es so schnell wie möglich seinem Herrchen zurückzubringen. In solchen Situationen bewegen sich Hunde meist frei, eine Leine würde nur stören. Doch ein Halsband tragen sie in der Regel dennoch, da ohnehin in den meisten Städten und Gemeinden die Anleinpflicht für Hunde aller Rassen und Größen besteht. Immer öfter sieht man heute aber auch Hunde, die statt eines klassischen Halsbandes ein Geschirr tragen, das Brust, Bauch und Vorderläufe des Vierbeiners einfasst, den Hals aber weitestgehend freilässt. Welches nun die bessere Lösung für den tierischen Freund ist, darüber ist die Welt der Hundebesitzer zweigeteilt, denn sowohl Halsband als auch Geschirr haben Vor- und Nachteile. Gesundheitliche Aspekte werfen ihre Argumente dabei ebenso in die Waagschale, wie erzieherische Erkenntnisse.

Über die Verordnung hinaus, dass Hunde in Städten und Gemeinden an der Leine geführt werden müssen, gibt es noch weitere Gründe, weshalb unsere vierbeinigen Hausgenossen beim Spaziergang ein Halsband oder ein Geschirr tragen sollten. Da wäre zum einen die Steuer-Identifikationsmarke, die ja nicht einfach so im Fell befestigt werden kann – was natürlich auch für die Leine gilt. Und für manchen Hundehalter sind es schlichtweg modische Erwägungen, denn so ein Halsband kann auch sehr schick und elegant aussehen. Der wichtigste Grund überhaupt dürfte jedoch auf die meisten Hundebesitzer zutreffen: Die Erziehung des Vierbeiners. Im Idealfall sind Halsband und Leine nur Beiwerk für den Notfall, denn ein gut erzogener Hund läuft artig neben Frauchen oder Herrchen mit locker durchhängender Leine und entfernt sich nie zu weit von seinen Menschen. Das ist der Idealfall wohlgemerkt, die Realität sieht jedoch meist anders aus. So kann man vielerorts beobachten, wie Hunde ihren Herrchen vorauseilen, mit stramm gespannter Leine, an dessen Ende der Mensch hinterher stolpert. Und der Betrachter fragt sich unweigerlich, wer hier wohl mit wem Gassi geht. Dass hier etwas falsch läuft, hat allerdings weniger mit der Frage zu tun, ob nun ein Halsband oder ein Geschirr besser geeignet ist, denn es macht keinen Unterschied. Fakt ist, dass Mensch und Hund zu einem Team werden müssen – beim Training ist anzusetzen.

Rufen Halsbänder gesundheitliche Schäden bei meinem Hund hervor?

Halsband oder Geschirr, was passt am besten zu meinem Hund? - Frenchie mit HalsbandHalsbänder gibt es in zahlreichen unterschiedlichen Formen und Farben, mal mit, mal ohne modisches Halstuch, mit Nieten und anderen Verzierungen aller Arten. Das klassische Lederband mit dem Gürteldurchzug gibt es weiterhin, doch mehr und mehr wird es von den leichteren und flexibleren Nylonbändern verdrängt, die heutzutage sehr stabil verarbeitet sind. Und sie haben den Vorteil, dass sie meist über einen Klickverschluss verfügen, der das Anlegen des Halsbandes sehr komfortabel und schnell erledigt. Die Nylonbänder sind zudem in der Weite zu regulieren, ohne dass ein Ende übrig bleibt, das noch durch eine Öse geschoben werden muss. Ein weiterer Vorteil gegenüber den Lederbändern ist die Pflegeleichtigkeit der Nylonvariante. Nach einem ausgiebigen Schlamm- oder Dreckbad des Hundes, kann man das Band ganz einfach per Hand oder in der Waschmaschine reinigen. Halsbänder aus Metallketten sind weniger gut geeignet, da sich in den einzelnen Gliedern oft Fell verfängt und dem Hund Haare ausgerissen werden. Sehr umstritten sind zudem Würge- oder Stachelhalsbänder, die allzu lebhafte oder schwer erziehbare Hunde maßregeln sollen. In Trainingsstunden in einer Hundeschule ist hier sicher besser investiert.

Wichtig ist, dass das Halsband gut zum Hund passt, beziehungsweise dem Hund passt. Modische Aspekte sollten eher zweitrangig sein. Es sollte weich oder gut gepolstert sein, damit es nicht scheuert und nicht zu schmal sein. Ein etwas breiteres Band verteilt den Druck gleichmäßiger und großflächiger. Bei der Weitenregulierung kommt es darauf an, dass das Band weder zu fest noch zu locker um den Hals des Hundes geschlossen wird. Wenn Herrchen ohne Probleme Zeige- und Mittelfinger gleichzeitig zwischen Band und Hund schieben kann, sitzt es optimal und schnürt die Luft nicht ab.

Die meisten erfahrenen Hundehalter ziehen ein Halsband einem Geschirr vor, da es in Kopfnähe des Hundes befestigt ist und sie ihn so besser "lenken" können. Hier ist es allerdings wichtig, dass sich Herrchen/Frauchen und Hund gut verstehen, sie idealerweise gemeinsam ein Training absolviert und den Umgang mit der Leine in Verbindung mit dem Halsband gelernt haben. Für ungeübte Tierhalter ist die Halsbandverwendung unter Umständen nachteilig, insbesondere, wenn die Erziehung des Vierbeiners noch ausbaufähig ist. Denn sind sich Herrchen und Hund nicht einig, kann es zu Verletzungen des Kehlkopfes kommen, dem Hund wird die Luft abgeschnürt und sogar die Halswirbelsäule kann durch heftige und unkontrollierte Bewegungen Verletzungen davontragen. Durch Schmerz und Luftmangel setzt nicht selten ein Dominoeffekt ein: Der Hund will seiner Pein entkommen und tritt im Wortsinne die Flucht nach vorne an, was alles nur noch schlimmer macht.

Kann ich mit einem Geschirr meinen Hund leichter erziehen?

In solchen Fällen empfiehlt sich dann die Anschaffung eines Rücken- oder Schultergeschirrs. Diese sind so konzipiert, dass sie nicht den Hals umschließen, sondern eine Verbindung zwischen Brust, Beinen und Rücken bilden. Der Druck, den der Tierhalter über die Leine auf den Hund ausübt, verteilt sich auf andere Körperregionen. Dies ist für den Hund, der gerne zieht, wesentlich angenehmer. Die Leine wird allerdings am Ende des Geschirrs im Rücken des Hundes eingehakt, was die Lenkbarkeit deutlich einschränkt und eine andere Leinenführung erfordert.

Halsband oder Geschirr, was passt am besten zu meinem Hund? - HundegeschirrIm Gegensatz zum Schultergeschirr hat das Rückgengeschirr einen Steg, der über den Rücken des Hundes verläuft. Es hat ebenfalls einen Bruststeg, zwei Schlaufen umfassen die Vorderläufe und werden direkt hinter dem Nacken zusammengeführt. Genau dort wird auch die Leine eingehakt – wodurch sich die Führung des Hundes wieder etwas mehr in Richtung seines Kopfes orientiert. Der Steg des Rückgengeschirrs hat jedoch den Vorteil, dass man seinen Hund mit einem Griff festhalten oder sogar am Steg hochnehmen kann, was in erster Linie bei kleinen Rassen funktioniert.

Ebenso wie beim Halsband kommt es beim Geschirr auf die Passform an. Es ist wichtig, dass die Gurte ausreichend weit von den Achseln der Vorderbeide entfernt verlaufen, damit der Bewegungsablauf nicht eingeschränkt ist und sie nicht scheuern können. Auch sollten die Stege nicht zu kurz sein, damit Druckstellen vermieden werden. Am besten passt man dem Hund das Geschirr in der Zoologie an, denn es darf nicht zu stramm sitzen und einengen. Auch hier gilt wieder die Faustregel, wonach Herrchen überall zwei Finger locker unter die Gurte schieben können sollte. Geschirre sind heute überwiegend aus Nylon gefertigt mit einer weichen Unterpolsterung. Auch hier sollten die Gurte nicht zu schmal sein, damit sie nicht einschneiden können. Ein gutes Geschirr lässt sich zudem an mehreren Stellen per Klickverschluss öffnen, damit man nicht die Beine des Hundes durch die Schlaufen anheben muss.

Geschirr im Auto, denn Sicherungspflicht gilt auch für Hunde

Wer seinen Hund im Auto transportiert, sollte sich der besonderen Sicherungspflicht für seinen Vierbeiner bewusst sein. Zwar besteht keine Anschnallpflicht wie für uns Menschen, doch auch Tiere müssen gemäß Ladungssicherung der Straßenverkehrsordnung im Auto fixiert sein, damit sie bei einer Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht durch den Innenraum geschleudert werden können. Verstöße werden mit Geldbußen von bis zu 75 Euro und sogar mit einem Punkt im Flensburger Register geahndet. Ungeachtet der Verletzungsgefahr für den Hund.

Halsband oder Geschirr, was passt am besten zu meinem Hund? - Hundebox für den KofferraumWenn der Hund im Auto mitfahren soll, kann er entweder in einer Transportkiste untergebracht werden, die beispielsweise auf dem Rücksitz festgeschnallt wird, oder durch einen speziellen Haltegurt gesichert werden, der in das Autogurtsystem integriert wird. Diese sind in der gut sortierten Zoologie erhältlich. Hierfür eignet sich dann auf jeden Fall ein Geschirr als Basis, während ein klassisches Halsband eher ungeeignet ist. Für große Hunde gibt es in der Zoologie inzwischen auch eine stattliche Auswahl an speziellen Autotransportkäfigen für den Gepäckraum, die so konzipiert sind, dass sie den Hund auch bei einem Fahrzeugüberschlag schützen können. Kleinere Rassen reisen heute sehr komfortabel in speziellen Autositzen, die ebenfalls mit einer Gurtdurchführung ausgestattet sind und sowohl den kleinen Liebling, als auch die Polster schützen.

Hundeschule und privates Training für beste Leinenführung

Ein unerfahrener Hundehalter sollte nie zu stolz sein, mit seinem Liebling gemeinsam eine Hundeschule zu besuchen oder ein privates Training bei einem Fachmann zu absolvieren. So lernen Frauchen und Herrchen, wie sie ihren Vierbeiner am besten an der Leine führen können und wie mit Halsband und Geschirr umzugehen ist, damit weder Tier noch Mensch beim Spaziergang gestresst sind und diesen genießen können.

So ganz nebenbei erfahren Hundehalter bei Training und Ausbildung noch viel über ihren vierbeinigen Begleiter und nicht selten führen die gemeinsamen Erfahrungen zu einem gesteigerten gegenseitigen Verständnis und Vertrauen zwischen Herrchen und Hund, damit aus ihnen letztendlich auch das Dreamteam werden kann, bei dem ständiges Rucken und Zerren an der Leine endlich der Vergangenheit angehören. Denn wer möchte schon ein Hundeleben lang mit seinem Vierbeiner um die Führung kämpfen? Tipp: Im Welpenalter lernt sich alles viel einfacher und schneller.

Die Frage, ob nun Halsband oder Geschirr besser geeignet sind, lässt sich pauschal nicht beantworten. Mensch und Tier sollten testen, womit beide sich wohl fühlen. Entscheidend ist jedoch, dass Herrchen und Hund ein gutes Team bilden, das sich auch ohne körperliche Anstrengung versteht.

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