Hamster und ihr Bewegungsdrang | tierglueck-Haustierratgeber

Hamster – kleiner Einzelgänger mit großem Bewegungsdrang

Hamster werden bereits seit den 1940er Jahren als Haustiere gehalten. Im Laufe der Jahrzehnte wurden ihre Behausungen den neuen Erkenntnissen über eine ideale Tierhaltung immer wieder angepasst. Doch welchen Platzbedarf die Maus-ähnlichen Kleinsäuger tatsächlich haben, ist erst seit relativ kurzer Zeit bekannt. Es ist erst wenige Jahre her, da konnte ein Interessent in der Zoologie noch kleine, Käfige kaufen, die kaum eine Grundfläche von 30 mal 40 Zentimeter überschritten. Heute weiß man, dass Hamsterheime um ein vielfaches größer sein müssen und dass ein klassischer Käfig mit Gitterstäben alles andere als geeignet ist, um ihrer bevorzugten Lebensweise sowie ihrer für die geringe Körpergröße erstaunlichen Bewegungsfreude gerecht zu werden.


Das Missverständnis begann bereits beim Anschaffungsgrund. Eltern oder Großeltern kauften einen Hamster für ihre Kinder oder Enkel. Die Kleinen sollen den Umgang mit Tieren lernen und Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen. Der Hintergedanke war sicher gut und richtig, nur war die Auswahl des tierischen Hausgenossen damals wie heute nicht optimal. Denn wenn Kinder aufwachen, werden Hamster müde, dafür sind sie abends und nachts aktiv, wenn die Kinder zu Bett gehen. Das passt also nicht wirklich zusammen. Zudem sind Hamster keine Kuscheltiere, wie gemeinhin angenommen. Nur äußerst ungerne werden sie aus ihrer gewohnten Umgebung und auf den Arm genommen, wo sie sich sichtlich unwohl fühlen.

Hamster sind jedoch ideale Kleintiere, die Jugendliche oder Erwachsene bei ihren Aktivitäten beobachten können. Sie graben Höhlen und Kammern, klettern, buddeln nach Futter, genießen ihr Sandbad oder drehen ihre täglichen Runden im Laufrad. Dazu sehen sie dank ihrer charakteristischen Mimik und der Knopfaugen so niedlich aus, dass man ihnen stundenlang zuschauen könnte.

Die ideale Hamsterbehausung: Ein Nagarium oder tiefer Käfig

In der optimalen Behausung lassen sich die kleinen Fellknäule mit dem drolligen Gesichtsausdruck am besten beobachten. Dabei hat sich ein neuer Name etabliert: Der Begriff Nagarium setzt sich aus den Worten Nager und Terrarium zusammen und bezieht sich auf eine spezielle Kleintierbehausung, die überwiegend aus Glaswänden besteht. Boden und Seitenwände sind zumeist aus beschichtetem Holz gefertigt. Der Vorteil eines Nagariums im Vergleich zu einem Käfig besteht darin, dass es völlig ohne Gitterstäbe auskommt. Belüftet wird es durch Aussparungen oder Löcher in der Rückseite sowie über den aufklappbaren Deckel, der meist aus einem Holzrahmen mit bespannter Drahtmatte besteht. Oft hat ein Nagarium noch eine oder zwei zusätzliche Ebenen, die über Rampen oder Leitern erreichbar sind und den Bewegungsradius des kleinen Bewohners erweitern.

Nagarien sollten eine Grundfläche von 100 mal 50 Zentimetern bei einer Höhe von 40 Zentimetern nicht unterschreiten – gerne dürfen sie jedoch noch größer sein. Wobei dies der Anspruch eines einzelnen Hamsters ist, denn die kleinen Nager sind klassische Einzelgänger, die nur als Jungtiere die Gesellschaft von Artgenossen dulden. Tatsächlich stellen Nagarien die ideale Behausung für Hamster, Gerbils oder Mäuse dar. Wer dennoch lieber einen Käfig aufstellen möchte, solle ein Modell mit einer extra tiefen Wanne auswählen, die zudem im eigenen Interesse transparent sein sollte. Das hat den Vorteil, dass man den Hamster gut beobachten kann, wenn er unterirdisch seine Höhlen baut.

Ganz egal ob Zwerg- oder Goldhamster, die Haltung ist identisch

Die Tiefe des Hamsterheims ist wichtig, denn getreu ihren wildlebenden Artgenossen graben sich auch unsere Haushamster gerne in den Boden ein. Dabei legen sie verschiedene Kammern an, zum Schlafen, als Futterspeicher oder für ihre Ausscheidungen – also gewissermaßen das Badezimmer der unterirdischen Wohnung. Daher sollte man die Einstreu auch nur alle drei bis vier Wochen komplett wechseln und zwischendurch eher partiell reinigen. Schließlich muss das kleine Kerlchen sonst viel zu oft seine Bleibe neu einrichten. Dieses Verhalten zeigen übrigens alle Hamsterarten, ganz gleich ob Zwerghamster oder die weit verbreiteten mittelgroßen Vertreter, die unter dem Namen Goldhamster besser bekannt sind.

Um beste Voraussetzungen für Hamster zu schaffen, sollte man zirka ein Drittel des Nagariums vom übrigen Teil abtrennen. Dazu eignen sich breite Holzbrücken, Korkrinde oder andere Naturwände aus dem Fachhandel. Das Holz wird in eine Ecke gestellt und etwa 30 Zentimeter hoch mit Einstreu gefüllt. Hier kann sich der Hamster nach seinen Vorstellungen einrichten und Kammern anlegen. Erreichen kann er den Bereich durch eine Rampe oder eine höhere Ebene. Alternativ sind im Fachhandel auch befüllbare Buddeltürme erhältlich, die aufgrund ihrer Größe aber eher für Zwerghamster geeignet sind. Der Rest des Heims kann dagegen flach eingestreut werden. Dieser Teil dient ihm zur Erkundung, zum Essen, Spielen, für sportliche Aktivitäten oder um mit seinen Menschen in Kontakt zu kommen. Als überzeugter Einzelgänger benötigen Hamster jedoch keine Sozialpartner. Der Mensch wird eher als gern gesehener Futterlieferant akzeptiert.

Warum sind Laufräder so attraktiv für Hamster?

Kaum zu glauben, aber die wilden Verwandten unserer Hamster legen täglich mehrere Kilometer auf der Suche nach Nahrung zurück. Das ist umso erstaunlicher, da ein Hamster je nach Rasse mit etwa 15 Zentimetern komplett ausgewachsen ist und seine Beine im Verhältnis zu seiner Körpergröße extrem kurz sind. Auch beim Haushamster ist der Lauf- und Bewegungsinstinkt noch voll ausgeprägt. Bei einem derartigen Bedarf können Nagarium oder Auslauf noch so groß sein, der Hamster braucht mehr, um seinen Lauftrieb zu befriedigen.

Ein Laufrad, das in sein Heim gestellt oder an der Wandung befestigt wird, kann wesentlich dazu beitragen, dass sich der Hamster wohl fühlt. Hier kann er täglich mehrere Stunden joggen, trainieren und nach Herzenslust laufen. Und wenn er müde geworden ist, bleibt er einfach stehen und kann sich ausruhen. Ein Laufrad erfüllt aber nicht nur seinen Bewegungsdrang, sondern dient ihm auch zum Stressabbau. Wichtig ist aber unbedingt die richtige Größe des Laufrades, das zum Hamster passen sollte. Für Zwerghamster empfehlen sich Laufräder mit einem Durchmesser von mindestens 20 Zentimetern. Mittel- oder Goldhamster benötigen Räder von mindestens 25 Zentimetern. Läuft ein Hamster im Rad, sollte sein Rücken eine gerade Linie bilden. Weder Nacken noch Rücken sollte nach innen zur Spindel durchgebogen sein. Zu kleine Hamsterräder verursachen eine Verkrümmung der Wirbelsäule.

Wie sollte das ideale Hamsterrad aussehen?

Im Fachhandel sind Laufräder in unterschiedlichen Größen und aus verschiedenen Materialien verfügbar. Vielfach wird Kunststoff verwendet, immer öfter werden auch Hamsterräder aus naturbelassenem Holz angeboten, die durch eine solide Verarbeitung bestechen und besonders laufruhig sind. Dies ist kein unwichtiger Faktor, wenn das Nagarium im Jugendzimmer oder Schlafraum steht, denn der Hamster wird das Rad meist nachts nutzen.

Laufräder, die aus Gitterstäben bestehen, sollten jedoch nicht verwendet werden. Die Gefahr, dass die kleinen Hamsterpfoten durch das Gitter rutschen ist zu groß. Ebenso raten Experten von Rädern ab, bei denen die Lauffläche mit Sprossen ausgestattet ist. Auch hier könnten Hamster hängen bleiben. Gute Laufräder haben eine durchgehende, leicht raue Lauffläche, auf denen die kleinen Sportler guten Halt finden. Zudem sollte die Rückwand komplett geschlossen sein, damit kein Durchrutschen nach hinten möglich ist. Hamsterräder, bei denen die Lauffläche nach innen oder außen abfällt, sind ebenfalls ungeeignet. Ein gutes Laufrad stoppt, sobald der Hamster aufhört zu laufen. Die besten Eigenschaften vereinen Hamsterräder aus Holz, die den Pfoten einen guten Halt geben sowie ein optimales Laufgefühl, das nur ein Naturprodukt bieten kann. Zudem verfügen sie über ein recht hohes Eigengewicht, die Kippgefahr ist deutlich geringer als bei Kunststoffrädern.

Eine Alternative zum klassischen Hamsterrad sind geneigte Laufteller aus Kunststoff oder Holz, die auf einem Kugelgelenk sitzen und sich ebenfalls entgegen der Laufrichtung des Hamsters drehen. Sie gelten als besonders rückenschonend, da Hamster in gerader Haltung laufen können. Eine Gefahr besteht allerdings durch einsetzende Fliehkräfte, wenn ein ungeschickter Hamster abrupt stoppt. Dann gibt es kein Halten mehr und er fliegt in hohem Bogen durch seine Behausung. Ein Laufteller ist daher nur für geübte Tiere empfehlenswert.

Woher weiß mein Hamster eigentlich, wie man ein Laufrad benutzt?

Keine Sorge, Sie müssen Ihrem Hamster das Laufrad nicht vorführen. Hamster sind extrem neugierig und erkunden akribisch ihr Umfeld. Natürlich können sie nicht wissen, wozu dieses seltsame große Ding überhaupt da ist, weil es in ihrer natürlichen Umgebung nicht vorkommt. Doch ihre Neugier siegt, sie werden hineinklettern und ganz schnell raushaben, dass sie in dem Rad ohne Ende und so schnell sie wollen, flitzen können. Ein paar Anlaufschwierigkeiten insbesondere bei Jungtieren sind zudem völlig normal.

Was wird noch im Hamsterheim benötigt?

Neben den klassischen Einrichtungsgegenständen wie Futternapf und Wasserflasche, beschäftigen sich Hamster auch gerne mit artgerechten Spielzeugen, wie Röhren, Hängebrücken, Weidenrampen, Leitern oder Hängetunnel. Die flinken Kleintiere haben großen Spaß daran, immer neue Wege durch ihr Nagarium zu entdecken und gehen dabei äußerst geschickt vor. Hamsterhäuschen aus Holz bieten ihnen darüber hinaus tolle Verstecke und Rückzugsmöglichkeiten.

Zusammen mit dem Laufrad haben Hamster damit genügend Möglichkeiten, ihren Bewegungsdrang nachzukommen. Weitere Produkte, wie beispielsweise ein Joggingball oder eine Hamsterkugel sind für die kleinen Freunde nicht erforderlich und aufgrund ihrer Beschaffenheit auch nicht zu empfehlen. Hamster laufen darin meist mit weit durchgebogenem Rückrad und überschlagen sich nicht selten.

Ebenso wie Chinchillas, Ratten oder Mäuse baden Hamster gerne im Sand. Damit reinigen und pflegen sie ihr Fell und die Krallen. Geeignet ist entweder eine flache Schale oder ein Sandbadehaus, bei dem der Sand während des Bads überwiegend im Gehäuse bleibt. Zur Füllung eignet sich Quarz- oder Chinchilla-Sand.


Geben Sie den possierlichen Hamstern ein angemessenes Zuhause, in dem sie sich ihrem Naturinstinkt nach ausleben können. Dazu gehört eine ausreichend große Behausung und eine artgerechte Einrichtung inklusive Laufrad, zum Stressabbau und zur Erfüllung ihrer ausgeprägten Bewegungsfreude. Ihr Hamster wird es Ihnen durch Ausgeglichenheit und Wohlbefinden danken.

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