Hamster, Mäuse, Degus oder Ratten – welches Kleintier passt zu mir? | tierglueck-Haustierratgeber

Hamster, Mäuse, Degus oder Ratten – welches Kleintier passt zu mir?

Bereits in den 1940er Jahren waren Hamster beliebte Haustiere – insbesondere für Kinder. Die vermeintlich anspruchslosen Nager wurden in kleinen Käfigen gehalten, in denen sie nicht selten ihr gesamtes Dasein fristeten. Etwa seit dem Jahrtausendwechsel sind in Deutschland zunehmend auch andere Kleintiere, wie Mäuse, Degus oder Ratten populär. Zu der Artenvielfalt gesellte sich ebenfalls die Erkenntnis, dass Kleintiere heute artgerechter gehalten werden müssen. Dazu gehören in erster Linie Behausungen, die ihren natürlichen Lebensformen besser angepasst sind und die ihnen mehr Bewegungsfreiheit bieten. Auf den ersten Blick sehen sich die kleinen Nager alle ähnlich, doch gibt es zwischen den Arten Unterschiede, die bei Haltung und Fütterung von Bedeutung sind. Bei der Wahl des passenden Kleintieres spielen auch die Gewohnheiten der Nager sowie der eigene Anspruch nicht unerhebliche Rollen.


Zwar sind Katzen und Hunde die beliebtesten Haustiere, doch einer seriösen Studie zufolge lebten 2016 etwa fünf Millionen Kleintiere in deutschen Haushalten. Das macht gut sechs Prozent aller Haushalte aus. Allerdings handelt es sich dabei überwiegend um Kaninchen und Meerschweinchen, doch auch Hamster, Mäuse, Degus, Ratten oder Chinchillas sind in großer Anzahl vertreten. Alle haben eines gemeinsam: ihr possierliches Aussehen, das uns wie magnetisch anzieht und für das Muss-ich-haben-Gefühl verantwortlich ist. Für viele berufstätige Menschen sind die kleinen Nager die besten Hausgenossen. Denn anders als Hunde oder Katzen leben sie zumeist in ihren eigenen Bereichen und können für viele Stunden täglich alleine gelassen werden. Ohnehin verschlafen die meisten Kleintiere viele Stunden des Tages und werden zur Feierabendzeit wieder aktiv.

Über die Wahl des best-geeigneten Kleintieres entscheidet neben persönlichen Vorlieben vor allem auch der eigene Lebensstil, zu dem die Tierart passen sollte. Wer noch unentschlossen ist, sollte sich zunächst über die verschiedenen Kleintierarten informieren und sich mit ihren Besonderheiten vertraut machen. In den folgenden Absätzen stellen wir Ihnen Hamster, Mäuse, Degus und Ratten für Ihren persönlichen Vergleich vor. Erfahren Sie spannende Details zu ihren Gewohnheiten, zu Haltung und Pflege sowie zu ihrer Ernährung und Lebenserwartung.

Hamster: Einzelgänger mit viel Selbstvertrauen und großem Bewegungsdrang

Hamster sind die einzigen Kleintiere, die einzeln gehalten werden können und auch sollten. Je nach Rasse werden die zur Gattung der Mäuseartigen zählenden Nager mit dem Stummelschwänzchen zwischen 12 und 20 Zentimeter lang. Man unterscheidet zwischen Zwerghamstern, Mittelhamstern und Feldhamstern. Weit verbreitet ist der Goldhamster. Er gehört zu den mittelgroßen Hamstern und hat eine Lebenserwartung von 2 bis 3 Jahren.

Je nach Züchtung kann das Fell des Hamsters kurz oder lang, glatt oder gelockt sein und viele unterschiedliche Farben aufweisen, sowohl einfarbig als auch mehrfarbig. Während der ursprüngliche Hamster Goldfarben mit weißem Bauch war, sind durch Kreuzungen später auch weiße, schwarze, hellbraune und sogar gescheckte Fellfarben entstanden. Hamster benötigen in der Regel keine Fellpflege durch den Tierhalter, sondern putzen sich selbst täglich sehr ausgiebig. Ein Sandbad unterstützt sie dabei.

Hamster haben einen großen Bewegungsdrang, den sie gerne in ihrem Laufrad ausleben, das in keiner Hamsterbehausung fehlen darf. Den größten Teil des Tages verschläft der keine Nager in seiner Schlafhöhle, die er sich vorzugsweise selbst in die Streu gegraben hat. Daher sollte das Hamsterheim zumindest teilweise sehr hoch eingestreut werden. Im Fachhandel ist spezielles Hamsterfutter aus einem Mix von Sämereien, Kräutern, Getreide, Gemüse, Früchten und Insekten erhältlich. Achtung: Hamster legen Futterkammern an, wenn sie zu viel Futter bekommen. Heu steht nicht auf dem Speiseplan des Hamsters, doch es wird gern als Nestmaterial verwendet.

Mäuse: kleine Kletterkünstler mit ausgeprägtem Sozialverhalten

Die als Haustiere gehaltenen Farbmäuse werden circa 8 bis 11 Zentimeter lang, ihr dünner, haarloser Schwanz ist meist von gleicher Länge, wie der Körper und dient der Balance. Mäuse sind nämlich hervorragende Kletterer. Daher sollte ihr Nagerheim auch nach oben gut gesichert sein. Sie können zwischen eineinhalb und zweieinhalb Jahre alt werden und sollten in Gesellschaft ihrer Artgenossen gehalten werden. Bestens geeignet sind ein Weibchen und ein kastriertes Männchen und ausgewogene Gruppen sowie mehrere Weibchen. Mäuse besitzen ein starkes Sozialverhalten, putzen sich gegenseitig und übernehmen sogar die Aufzucht fremder Jungtiere.

Den meisten Tierfreunden dürfte die Albinomaus mit dem weißen Fell und den roten Augen als bekanntester Rassevertreter ein Begriff sein. Darüber hinaus sind jedoch alle möglichen Farben und Farbkombinationen entstanden, die alle etwa gleiche Eigenschaften besitzen. Daher können persönliche Vorlieben entscheiden. Ihr Futtermix besteht aus reichlich Getreide und Sämereien, Kräutern, Gemüse, Obst und Zweigen. Tierisches Eiweiß benötigen Mäuse nur gelegentlich. Heu ist nicht unbedingt die Leibspeise von Mäusen, doch knabbern sie gerne mal den einen oder anderen Halm. Mäuse sind neugierig und betteln gerne nach Futter. Das kann man ausnutzen, um mit ihnen in Kontakt zu kommen und Freundschaft zu schließen.

Degus: Die Seilartisten fühlen sich nur in der Gruppe wohl

Degus sind erst seit wenigen Jahren als Haustiere bekannt. Ihr Körperbau gleicht eher dem von Meerschweinchen, als dem von Mäusen. Ein ausgewachsener Degu wird etwa 15 Zentimeter lang, sein vollständig behaarter Schwanz misst nochmals die gleiche Länge. Ihr dichtes Fell ist überwiegend schwarz, grau, braun und weiß meliert. Die Ohren der Degus sind im Verhältnis zu Kopf und Körper relativ groß. Sie besitzen einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn, weshalb sie sogar auf Seilen balancieren können. Gesunde Degus werden zwischen fünf und sechs Jahre alt.

Degus sollten auf keinen Fall alleine gehalten werden. Sie benötigen die Geborgenheit und Sicherheit der Gruppe. Weibchen lassen sich sehr gut miteinander vergesellschaften. Eine männliche Gruppe sollte als Jungtiere zusammengebracht werden, da erwachsene Böcke nur sehr schwer zu integrieren sind und es in der Regel zu erbitterten Rangkämpfen kommt. Ein Degu-Pärchen zu halten ist nicht leicht, da sie sich rasant vermehren können und eine Kastration des Böckchens aufgrund der innen liegenden Hoden sehr kompliziert ist.

Da Degus zu Diabetes neigen, ist auf eine zuckerfreie Ernährung zu achten. Daher sollte man auch kein Obst füttern. Auf dem eher kargen Speiseplan sollten stattdessen eher Gräser, Kräuter, Zweige, Nüsse, Samen und vor allem Heu stehen. Degus sind aufgeschlossen und neugierig, daher werden sie schnell handzahm, müssen aber dann und wann in ihre Schranken verwiesen werden, sonst werden sie übermütig und beißen.

Ratten: Intelligente Nager mit scharfen Sinnen

Ratten sind viel besser, als ihr über Jahrhunderte entstandenes Image als Plagegeister und Überträger von Krankheiten. Längst schon besitzen die kuscheligen Nager eine große Fangemeinde und werden als Haustiere immer beliebter. Weit verbreitet sind Farbratten in unzähligen Farbkombinationen, beispielsweise als weißer Albino mit roten Augen, in Schokobraun, im zarten Englischblau, elegantem Ambersilber oder dunklem Schwarzsilber. Bis zu 26 Zentimeter lang können Ratten werden. Ihr nur spärlich behaarter Schwanz kann bis zu 22 Zentimeter lang sein. Ratten haben ähnlich wie Hamster und Mäuse nur eine Lebenserwartung von zwei bis drei Jahren.

Auch Ratten fühlen sich in der Gesellschaft ihrer Artgenossen am wohlsten. Da insbesondere erwachsene Böcke sehr streitlustig sind, sollte man am besten Jungtiere aneinander gewöhnen. Bei einer Paarhaltung empfiehlt es sich, das Böckchen zu kastrieren. Weibchen können problemlos miteinander gehalten werden, weibliche Geschwister harmonieren am besten miteinander. Ratten sind sehr intelligente Tiere, die schnell lernen und ein ausgezeichnetes Hör- und Geruchsvermögen besitzen.

Für Ratten ist im Fachhandel ein ausgewogenes Spezialfutter erhältlich, das einen hohen Anteil an unterschiedlichen, keimfähigen Getreidesorten und darüber hinaus Gemüse, Grassamen und Kräuter enthält. Ölsaaten, Kerne und wenig Nüsse runden das Rattenfutter ab. Heufresser sind Ratten jedoch nicht, sie bauen sich aus den weichen Halmen eher kuschelige Schlafnester. Ratten brauchen etwas länger, bis sie Menschen vertrauen. Hier ist Geduld angesagt.

Allgemeines zu Kleintieren

Die meisten Nager sind eher Tiere zum Beobachten als Streicheltiere. Dennoch werden sie mit etwas Geduld auch handzahm und lassen sich streicheln. Das geht wie so oft bei Haustieren am besten über Futter oder Leckerlis. Meist dauert es nicht lange und die ersten Bröckchen werden aus der Hand genommen. Und haben die kleinen Kerlchen erst einmal Vertrauen gefasst, lassen sie sich auch aus ihrem Stall und in die Hand nehmen. Doch Vorsicht, Kleinnager haben kein gutes Höhengefühl und ein Sturz aus bereits einem Meter Höhe könnte ihre kleinen Körper und Beinchen verletzen oder sie sogar töten. Die Erstkontakte sollten daher besser in Bodennähe stattfinden. Darüber hinaus macht es den meisten Kleintierbesitzern viel Freude, ihren Nagern bei der Einrichtung ihrer Schlaf- oder Ruheplätze, beim Fressen, beim täglichen Sandbad oder dem Erkunden ihrer Behausung zuzuschauen.

Für Kleinkinder sind Nagetiere nur bedingt zu empfehlen. Sie sind im Umgang mit den filigranen Körpern von Hamster, Maus oder Ratte noch zu unbeholfen und könnten sie unbeabsichtigt verletzen. Pflege und Fütterung sollten daher die Erwachsenen übernehmen, bis die Kinder alt genug sind. Außerdem sind Nager eigentlich erst dann munter, wenn Kinder allgemein zu Bett gehen und würden zudem ihren Schlaf stören.

Mäuse, Ratten und Degus sollten grundsätzlich nur Artgenossen als Sozialpartner zur Gesellschaft bekommen. Niemals sollte man die Arten untereinander mischen, nur weil sich die Nager ähnlich sehen. Jede Art kommuniziert auf eine andere Weise miteinander durch Laute oder Gesten, die eine andere Tiergattung nicht versteht. In der Folge kommt es zu Streitereien und Frust.

Die ideale Unterbringung von Nagetieren

Im Fachhandel sind verschiedene Nagerheime erhältlich. Da Hamster und Mäuse gerne buddeln und sich Schlafhöhlen graben, empfehlen sich Käfige mit besonders tiefen Wannen. Besser eignet sich ein Nagarium, das aus Holzwänden und Glaselementen besteht, aber ohne Gitterstäbe auskommt. Es sollte mindestens einen Quadratmeter groß sein und über ein bis zwei zusätzlich Ebenen verfügen, damit sich die Tiere ausreichend bewegen können. Ratten und Degus fühlen sich in höheren Käfigen oder Volieren wohler, denn sie klettern gerne und nutzen höher gelegene Schlafplätze. Eine Grundfläche von 100 x 80 Zentimeter wird empfohlen bei einer Höhe von 150 bis 180 Zentimetern.

Hamster, Mäuse, Ratten und Degus können nur bedingt draußen gehalten werden. Eine Überwinterung ist nicht ratsam, da die Nager nicht für kalte Temperaturen und Minusgrade gezüchtet werden. Idealerweise steht das Nagerheim in der Wohnung oder im Haus, ein Außengehege in den warmen Monaten kann zusätzlich genutzt werden.


Kleinnager wie Hamster, Mäuse, Ratten oder Degus sind die idealen Haustiere für Berufstätige oder ältere Kinder. Wenngleich sie auch zutraulich werden, sind es eher Tiere zum Beobachten als zum Streicheln. Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von zweieinhalb Jahren sind Ratten, Mäuse oder Hamster nur kurze Lebensbegleiter. Degus können etwas älter werden, dadurch kann eine engere Beziehung entstehen.

Beitrag jetzt teilen:

Newsletter

Folgt uns auf Facebook

Werde Fan von tierglueck.de auf Facebook und verpasse keine Neuigkeiten mehr.

Jetzt folgen Jetzt folgen