Allergien bei Hunden | tierglueck-Haustierratgeber

Häufiges Kratzen beim Hund: Kann eine Allergie der Grund sein?

Allergien bei Menschen werden als Volkskrankheit Nummer eins bezeichnet. Das liegt daran, dass so viele an Überempfindlichkeiten leiden, in Deutschland ist es Umfragen zufolge nahezu jeder Dritte. Und es scheint, dass auch unsere Familienhunde in diesem Punkt mit uns wetteifern wollten. Denn allergische Reaktionen sind bei Hunden fast ebenso weit verbreitet. Häufig werden Allergien durch Futterunverträglichkeiten ausgelöst, aber auch durch Umwelteinflüsse oder eine angeborene Immunschwäche, die sogar bei manchen Rassen stärker ausgeprägt sein kann. Auch ein Floh- oder Milbenbefall kann Auslöser sein. Anders als bei uns Menschen äußern sich Allergien beim Hund nicht durch Niesen oder tränende Augen, sondern einzig durch Juckreiz, weshalb sie vom Hundehalter nicht immer sofort erkannt werden. In der Folge können Erkrankungen des Magen-/Darmsystems entstehen. Allergien können zwar nicht geheilt, doch mit der passenden Therapie für den Hund auf ein erträgliches Maß eingedämmt werden.


Wenn sich der Vierbeiner häufig kratzt, denken die meisten Hundehalter an einen Floh- oder Milbenbefall. Und in den meisten Fällen liegt auch ein Angriff der winzigen Insekten vor, die sich in Fell und Haut des Hundes eingenistet haben und für heftigen Juckreiz sorgen. Als wäre der Befall noch nicht schlimm genug, reagieren viele Hunde zudem allergisch auf den Speichel der Plagegeister. Hat man Flöhe erfolgreich vertrieben, heißt es nicht immer, dass damit auch die Pein des Hundes ein Ende hat. Für manche fängt sie gerade erst an.

Die Verursacher von Allergien bei Hunden

Tatsächlich sind Flohbisse die häufigste Ursache für Allergien bei Hunden. Diese können beim Junghund ebenso auftreten, wie bei erwachsenen Hunden oder beim Senior. Nach der Überempfindlichkeit gegen Flohspeichel oder Zeckengift, sind Umweltallergene der zweithäufigste Grund für eine Erkrankung bei Hunden. Dazu zählen allergische Reaktionen auf Blüten, Gräser, Pollen, Hausstäube, Milben, die Hautschuppen anderer Tiere und sogar Menschenschuppen. Auch Überempfindlichkeiten gegen bestimmte Reinigungs- oder Waschmittel sind möglich. Haben Sie beispielsweise gerade die Decke ihres Lieblings gewaschen und er kratzt sich permanent, wenn er darauf liegt, spricht das für eine Unverträglichkeit gegen einen Zusatzstoff im Waschmittel. Ein parfümfreier Waschzusatz kann bereits Abhilfe schaffen.

Nummer drei auf der Bestenliste der Allergieauslöser sind Überempfindlichkeiten auf bestimmte Nahrungsmittelbestandteile. Wobei eine Futtermittelallergie noch am einfachsten zu bekämpfen ist. Die Schwierigkeit liegt eher darin, die Bestandteile herauszufiltern, auf die der Hund allergisch reagiert. Ist die Ursache geklärt, kann man ein anderes Futter testen und sollte auch Snacks und Leckerlis darauf abstimmen.

Bei einigen Hunderassen sind Allergien auch genetisch bedingt. So können beispielsweise West Highland Terrier unter Hautekzemen leiden, die durch Unverträglichkeiten gegen bestimmte Zusätze im Futter ausgelöst werden. Wenn Sie einen Westi haben, sollten Sie daher auf Nummer sicher gehen und ihm direkt das Spezialfutter für diese Rasse aus dem Fachhandel geben, auch wenn sich bislang keine Symptome gezeigt haben. Auch Irische Setter sind bekannt für ihre Getreide-Unverträglichkeit, daher sollten entsprechende Futterzusätze ebenfalls bereits prophylaktisch gemieden werden. Englische Bulldoggen können aufgrund von unkontrollierten Züchtungen ebenfalls vermehrt allergische Reaktionen zeigen, als andere Rassen. Generell kann man mehr Allergien bei so genannten Modehunden beobachten oder bei Hunden, die aus einer schnellen Nachzucht stammen, die aufgrund großer Welpennachfrage entstehen kann.

Was sind eigentlich Allergien und wie äußern sie sich bei Hunden?

Unter einer Allergie versteht man in der Veterinärmedizin eine Überreaktion des Immunsystems auf bestimmte Substanzen, die eigentlich gut vertragen werden sollten. Meist liegt eine Schwächung des Abwehrsystems in einem Bereich vor, bildlich gesprochen, hat die Kette eine Lücke. Daher ist es auch nicht möglich, Allergien dauerhaft zu heilen. Genetisch bedingte Überreaktionen müssen nicht zwangsläufig ausbrechen, meist ist ein erneuter Kontakt mit dem Allergen der Auslöser. Bei einer ausgebrochenen Allergie mobilisiert das Abwehrsystem alle verfügbaren Kräfte und kämpft massiv gegen den Eindringling an. Allergien durch Umwelteinflüsse bilden sich in der Regel erst nach einigen Jahren aus, während Futtermittel-Unverträglichkeiten in jedem Hundealter entstehen können – beispielsweise auch nach einer Futterumstellung.

Typisches Symptom aller Allergien bei Hunden ist Kratzen. Eine Flohspeichel-Allergie äußert sich meist durch einen massiven Juckreiz im Bereich von Lende, Kruppe und Rutenansatz. Immer wieder beißt sich der Hund selbst und sucht nach Linderung für seine Pein. Nicht immer kann man jedoch das Verhalten des Vierbeiners einer bestimmten Allergie zuordnen. Manche Allergien bewirken Juckreiz an den Beinen oder an den Pfoten, weshalb Hunde diese Bereiche verstärkt putzen und lecken. Auch Reiben der Augen und Ohren mit den Pfoten oder Wälzen und Schieben über den Boden, können Anzeichen einer Allergie sein.

Nicht immer sind dabei die betroffenen Hautpartien aufgekratzt, verschorft oder gerötet. Schiebt man das Fell seines Vierbeiners auseinander, ist oft gar nichts zu sehen. Leidet ein Hund wiederholt unter Ohrenentzündungen oder Atemproblemen und schnarcht, können auch dies Indizien für eine Allergie sein.

Die Symptome für Futterunverträglichkeiten sind meist Störungen des Magen-/Darmsystems mit teilweise heftigem Durchfall und Erbrechen. Diese Anzeichen sind häufig kurze Zeit nach der Nahrungsaufnahme zu beobachten. Auf die leichte Schulter nehmen, sollte man die akuten Merkmale nicht, denn oft ist der Allgemeinzustand eines an Durchfall erkrankten Hundes sehr schlecht. Fieber und Schüttelfrost können zusätzlich an seinen Kräften zehren und seinen Immunhaushalt zusätzlich schwächen. Fatal ist, dass sich allergische Reaktionen auf Nahrungsbestandteile quasi von einem auf den anderen Tag ergeben können und man die Anzeichen für eine Erkrankung zunächst nicht im gewohnten Futter suchen würde. Es ist allerdings auch möglich, dass eine Durchfallerkrankung auf eine allergische Reaktion zurückzuführen ist, die nicht im Zusammenhang mit dem Futter steht.

Die Ursache für eine Allergie herausfinden

Dies macht deutlich, dass es gar nicht so leicht ist, Anzeichen für Allergien zu finden, diese auszuschließen oder zuzuordnen. Genau genommen kann nur der Tierarzt durch eine eingehende Untersuchung eine genaue Diagnose stellen. Dies erfolgt meist im Ausschlussverfahren. Liegen keine Organschäden oder sichtbaren Erkrankungen vor und ist ein akuter Parasitenbefall auszuschließen, spricht vieles für eine Allergie. Der Veterinär wird Blut- und Allergietests durchführen, um dem Verursacher auf die Spur zu kommen. Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittel- oder -zusatzstoff-Allergie, wird er eine spezielle Schonkost vorschlagen, damit jene Inhaltsstoffe ausgeschlossen werden können, die dem Immunsystem des Vierbeiners zu schaffen machen.

Eine wie auch immer geartete Diät sollte grundsätzlich unter Rücksprache mit dem Tierarzt erfolgen. Durch die Reduzierung bestimmter Inhaltsstoffe können schnell Mangelerscheinungen auftreten, die das Abwehrsystem zusätzlich belasten, statt es zu entlasten. Zuweilen treten bei Hunden auch Kreuzallergien gegen gleich mehrere Verursacher auf, die zudem auch nur in Verbindung miteinander auftreten können. Der Ausschluss und die Bekämpfung einer Allergie ist in jedem Fall ein langwieriger Prozess.

Allergien beim Hund behandeln

Eine Therapie gegen allergische Reaktionen kann nur dann erfolgreich sein, wenn man den tatsächlichen Verursacher gefunden hat. Mit Hilfe von entsprechenden Medikamenten lassen sich die Symptome lindern, so dass der Hund wieder ein fast normales Leben ohne allzu große Beschwerden führen kann. Tinkturen und regelmäßige Bäder können den akuten Juckreiz mildern. Bei einer Futter-Intoleranz kann eine Schonkost oder der Umstieg auf eine BARF-gerechte Ernährung – das heißt mit rohen Fleisch- und Gemüsesorten – die Beschwerden des Vierbeiners ebenfalls weitestgehend lindern. Im Fachhandel ist zudem ein hypoallergenes Fertigfutter erhältlich, das bereits viele bekannte Allergene ausschließt, die typischen Symptome bekämpft und gut verdaut werden kann.

Zudem ist Vorbeugung die beste Heilung. Grundsätzlich sollten Hunde vor einem Floh- oder Zeckenbefall geschützt werden. Ein Spot-On-Präparat oder ein Flohhalsband aus dem Fachhandel beugt den nervigen Parasiten vor, so dass die Vierbeiner gar nicht erst einer Allergiegefahr ausgesetzt werden. Voraussetzung ist allerdings eine regelmäßige Anwendung und die Nutzung eines aktuellen, nicht veralteten Präparats.

Auch bei Hunden, die nicht an permanenten Allergien leiden, kann es zuweilen erforderlich sein, kurzzeitig ein Antihistaminikum einzusetzen. Denn auch ein Insektenstich, beispielsweise der einer Wespe, kann allergische Reaktionen hervorrufen. Bei Hunden, die auf Insektengift überempfindlich reagieren, kommt es zu schmerzhaften Schwellungen, die einige Tage anhalten können. Auch in einem solchen Fall sollte ein Tierarzt zu Rate gezogen werden. In der Hausapotheke sollte sich zudem für Notfälle immer ein Antiallergikum mit dem Cetirizin-Wirkstoff befinden, der für ein schnelles Abschwellen sorgen kann. Je nach Größe des Hundes ist eine halbe bis ganze Tablette pro Tag ausreichend. Weitere Auskünfte zur Anwendung kann der Veterinär geben.

Was passiert, wenn eine Allergie nicht behandelt wird?

Die scharfen Zähne und Krallen reiben in der Regel die Haut des Vierbeiners auf. Offene Wunden, die durch Kratzen und Beißen entstehen, können sich unbehandelt entzünden und Nährboden für Parasiten sein. Zudem können die Haare großflächig ausfallen und kahle Stellen im Fell bilden. Entzündungen der Ohren und Erkrankungen der Atemwege können chronisch und damit unheilbar werden, wodurch sich die Lebenserwartung eines erkrankten Hundes deutlich verringern kann.


Allergien bei Hunden sollten Sie die gleiche Aufmerksamkeit schenken, wie den eigenen Überempfindlichkeiten. Die Ursache für eine allergische Reaktion ist zwar selten auf den ersten Blick erkennbar, doch zusammen mit dem Tierarzt sollten Sie bald eine Diagnose stellen und mit der Behandlung beginnen können. Je früher, desto besser und größer sind die Aussichten, die ungeliebte Erkrankung für Tier und Mensch erträglich zu machen. Denn schließlich leiden wir ja mit unseren vierbeinigen Freunden, wenn es ihnen nicht gut geht.

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