Das eigene Kaninchenzimmer - tierglueck.de-Haustierratgeber

Highlight für Kaninchen: Das eigene Spielzimmer

Sie haben zu Hause viel Platz und ein Zimmer in der Wohnung oder im Haus steht überwiegend leer? Dann richten Sie dort doch ein Spielzimmer für Ihre Kaninchen ein! Kaninchen haben nämlich einen viel größeren Bewegungsdrang als gemeinhin angenommen. Sie lieben es, neue Winkel zu erkunden, mit den Artgenossen Fangen zu spielen oder nach Herzenslust zu rennen und zu springen. Aber dazu brauchen sie viel Platz und schnell kann der Auslauf für Luftsprünge oder Tempoübungen zu klein werden. Ein separater Raum, nahezu ohne Gitter oder Absperrungen, bietet viele Möglichkeiten der artgerechten Haltung und Einrichtung. Zudem ist der Kaninchenfreund ein gern gesehener Gast im Spielzimmer.


Als Richtwert benötigt ein Zwergkaninchen zirka zwei Quadratmeter, auf denen es sich frei bewegen kann. Hält man die Langohren artgerecht, also paarweise oder in Gruppen, kann ein Gehege schon mal stattliche Ausmaße erreichen. In der Wohnungshaltung stellt heute vielfach ein Käfig oder ein Stall die Basis für die Unterbringung dar und wird durch ein umlaufendes Gittergehege ergänzt. Da Kaninchen stubenrein werden können, kann man sie sogar auch frei in der Wohnung laufen lassen. Das erfordert vom Tierhalter aber eine Menge Kompromisse, was Möbel, Tapeten, Pflanzen und insbesondere Stromkabel betreffen, die allesamt geschützt oder ihrer Reichweite entzogen werden müssen.

Autarkes Leben im eigenen Zimmer – aber bitte mit Kontakt zum Menschen

Wer in der Wohnung oder im eigenen Haus mehr Platz hat, kann als Alternative seinen Kleintieren auch ein ganzes Zimmer zur Verfügung stellen, in dem sie sich frei bewegen können. Das hat den großen Vorteil, dass man es so ausstatten kann, dass keine Gegenstände in der Reichweite der Nager sind, die ihren scharfen Zähnen zum Opfer fallen oder ihrer Gesundheit schaden könnten. Einmal ausgestattet oder eingerichtet, können Kaninchen frei und nahezu autark leben. Was aber nicht heißt, dass der Mensch nun überflüssig geworden ist – weit gefehlt. Vielmehr hat der Kaninchenhalter bessere Möglichkeiten, mit seinen Mümmelmännern in Kontakt zu kommen. Denn wer klettert schon gerne in ein Gehege, außer um es sauber zu machen?

Um es vorweg zu nehmen: Eines der wichtigsten Einrichtungsgegenstände im Kaninchenzimmer ist ein niedriger Stuhl oder Hocker für Sie selbst. Schnell haben die Fellnasen raus, dass sie dort ihre Leckerchen und Streicheleinheiten bekommen, und Sie werden bestürmt, sobald Sie dort platznehmen.

Welche Größe sollte ein Zimmer haben und wie muss es beschaffen sein?

Die Faustregel von zwei Quadratmetern pro Tier gilt auch für das separate Kaninchenzimmer – auch wenn die possierlichen Nager in ihren Ruhephasen dicht an dicht liegen und dann fünf Kaninchen auf einer kleinen Fußmatte Platz genug hätten. Die Besenkammer leer zu räumen, wird also nicht ausreichen. Ein Pärchen oder eine Gruppe von drei oder mehr Kaninchen benötigt also einen Raum, der mindestens vier bis sechs Quadratmeter groß ist, im Idealfall wesentlich größer.

Wie jedes Lebewesen, mögen auch Kaninchen Tageslicht und Sonnenschein. Ein Fenster im Raum ist also von Vorteil. Der Raum kann in südlicher Richtung liegen, sollte aber genügend Schattenflächen zum Ausweichen bieten, damit es nicht zu warm wird. Besitzt das Zimmer eine Tür, kann entweder diese weiterhin zum Verschließen genutzt werden. Praktisch sind zudem so genannte Treppen- oder Türgitter, die man einfach nur in den Türrahmen oder den Durchgang klemmt. Sie besitzen in der Regel eine eigene Schwingtür, die der Tierhalter nur aufstoßen muss und sind in vielen Breiten erhältlich. Das bietet Ihnen den Vorteil, dass Sie Ihre Kaninchen auch vom Flur oder dem angrenzenden Zimmer aus beobachten können. Die eigentliche Zimmertür kann man dann sogar aushängen und wegstellen. Um speziell im Winter kalte Temperaturen auszugleichen, sollte ein Heizkörper mit Luftbefeuchter im Raum angeschlossen sein.

Welcher Bodenbelag eignet sich und was macht man mit den Wänden?

Keine Angst, den Boden sollen Sie nun nicht komplett mit Einstreu abdecken. Das wäre einerseits für zukünftige Reinigungsarbeiten viel zu aufwändig und zudem überflüssig. Als Bodenbelag kann der bereits vorhandene Vinyl-, Holz- oder Laminatboden genutzt werden. Wobei diese zwar leicht zu reinigen sind, den Fellpfoten der Kaninchen aber wenig Halt bieten. Ausgelegte Handtücher oder ein kurzflooriger Schlingen- oder Sisalteppich können Abhilfe schaffen. Diese Beläge sind auch zumeist einfach zu reinigen und bieten eine Menge Halt zum Gasgeben, Hakenschlagen oder Abbremsen. Achtung bei Teppichkanten, die werden gerne angenagt. Also besser gleich vollflächig auslegen und unter die Fußleiste schieben, die am besten aus Kunststoff bestehen.

Kaninchen lieben alle Naturprodukte, wie Holz oder Papier. Daher sind Tapeten bei ihnen besonders beliebt. Und denken Sie nicht, die wären fest an der Wand verklebt und ohne Nahtstelle – Nagerzähne finden immer eine Möglichkeit. Eine verputzte Wand reicht zumeist aus oder die vorhandenen Wandfliesen. Alternativen sind Wandverkleidungen aus Kunststoff oder mit Kunststoffbeschichtung, wie zum Beispiel Möbelrückwände, die man zirka 60 Zentimeter hoch an die Wand setzt. Eine etwas dickere kratz- und reißfeste Klebefolie mit Naturmotiv, die beispielsweise zum Überkleben von Fliesen geeignet ist, tut es auch und sieht zudem sehr nett aus. Alternativ gibt es auch transparente Folien, die nahezu unsichtbar sind, aber die Wände effektiv schützen und leicht zu reinigen sind.

Welche Einrichtungsgegenstände benötigen meine Kaninchen?

Ein Käfig oder Stall ist bei einem permanent genutzten Kaninchenzimmer eigentlich überflüssig, kann aber ebenfalls genutzt werden. Etwa, als Rückzugsort oder wenn man ein Kaninchen kurzzeitig separieren muss. Ansonsten genügt es, eine oder mehrere Kaninchentoiletten im Raum zu platzieren. Wichtig sind Futterplätze mit Grün- und Frischfutter, Trockenfutter und Heu. Im Fachhandel sind Heuraufen erhältlich, die man separat aufstellen kann oder Häuschen, mit integriertem Heuspender. Für die Wasseraufnahme empfehlen sich entweder Wassernäpfe, die Sie aufstellen können oder Trinkflaschen zum Aufhängen mit Aufstellvorrichtung. Hier und dort können Sie auch ein Gitterelement im Zimmer unterbringen, an dem Trinkflaschen, Heuraufen oder Nagersnacks befestigt werden.

Spieltunnel, Häuschen – am besten immer mit zwei Ein-/Ausgängen – Brücken und Ebenen zum Zurückziehen oder Erkunden, vervollständigen die Einrichtung. Manche Kaninchen buddeln für ihr Leben gerne. Entweder werden die Toiletten umgegraben oder man stellt eine mit Sand gefüllte Buddelkiste aus Holz oder Kunststoff mit oder ohne Streurand auf. Als Besucherplatz eignet sich ein flacher Tritthocker aus Kunststoff oder Holz, der unten hohl ist und den Kaninchen ebenfalls als Unterschlupf dient. Eine stabile Holzkiste ist ebenso eine Alternative.

Zur Aufbewahrung von Trockenfutter, Heu, Einstreu und Leckerchen eignet sich ein älterer Schrank oder ein Wandregal gut. Ein einfacher Tisch bietet dem Tierhalter viel Komfort bei der Vorbereitung des Futters, ohne den Kaninchen Platz wegzunehmen, die sich darunter aufhalten können.

Was ist der Vorteil eines Kaninchenzimmers gegenüber einem Gehege?

Ein Wohnungsgehege ist immer irgendwo ein Kompromiss. Die Begrenzung ist meist durch einen Gitterzaun geschaffen, der mehr oder weniger fest steht und für so manchen aktiven Nager kein Hindernis darstellt. Ein Raum hat seine natürlichen Begrenzungen, die die meisten Kaninchen sehr schnell anerkennen. Ihr Revier ist klar umrissen. Sie toben gerne und können sich ohne Gitter weniger verletzen. Das Kaninchenzimmer ist in der Regel größer als ein Auslauf, wodurch soziale Kontakte artgerechter ablaufen und sich die Kaninchen aus dem Weg gehen können, wenn die Harmonie gerade nicht stimmt oder sie einfach ihre Ruhe haben möchten.

Auch dem Tierhalter bietet das Kaninchenzimmer Vorteile. Will man Zeit mit seinen Kaninchen verbringen, hat man selbst nicht das Gefühl, in einem Käfig zu sein. Begegnung und Kontaktaufnahme zwischen Mensch und Tier sind oft viel unkomplizierter und freier. Vernachlässigen sollten man auch nicht den Reinigungsvorteil, den ein Zimmer mit festen Wänden gegenüber einer Gittertrennung bietet.

Worauf ist sonst noch zu achten?

Auf bodennahe Zimmerpflanzen sollten Sie im Kaninchenspielzimmer besser verzichten, da die meisten von ihnen für die kleinen Nager giftig sind. Ebenso wenig sollten Kabel über den Boden oder in erreichbarer Höhe durch den Raum geführt werden. Auch dicke Kabel sind vor den scharfen Schneidezähnen nicht sicher. Der elektrische Schlag, verursacht durch ein angenagtes oder durchgebissenes Stromkabel, ist meist tödlich für Kaninchen. Türrahmen, Außenecken in der Wand und Fußleisten aus Holz sollten mit einem Kantenschutz aus Kunststoff oder Aluminium in einer Höhe von zirka 60 Zentimetern ausgestattet werden, da sie in der Regel angenagt werden.

Das Vierpfoten-Paradies lässt sich noch steigern, wenn die Kaninchen einen angrenzenden Balkon oder eine eingezäunte Terrasse mitbenutzen dürfen. Diese sollte aber unbedingt Sicherheit vor Fressfeinden aus der Luft und vom Boden bieten, damit weder Raubvögel noch Marder, Hunde oder große Katzen den Kleintieren etwas anhaben können. Der Einbau einer Tierklappe durch Wand oder Tür kann das Ein- und Ausgehen vereinfachen und schützt insbesondre im Winter vor der Zugluft einer offenen Balkontür.


Kaninchenfreunde, die genug Platz in der Wohnung oder dem Haus haben, sollten über die Einrichtung eines eigenen Spielzimmers für die Schnüffelnasen nachdenken. Es lassen sich viel schöne Einrichtungsideen verwirklichen, die in einem Standardgehege nicht möglich sind. Zudem bietet man seinen Kaninchen richtig viel Bewegungsfreiheit ohne sie in einen Käfig zu sperren – und ganz viel Möglichkeiten, mit ihnen soziale Kontakte zu pflegen.

Beitrag jetzt teilen:

Newsletter

Folgt uns auf Facebook

Werde Fan von tierglueck.de auf Facebook und verpasse keine Neuigkeiten mehr.

Jetzt folgen Jetzt folgen