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Hunde aus dem Ausland adoptieren - Rettung armer Seelen

Hunde sind ehrliche, treue Begleiter durch dick und dünn. Daher entscheiden sich auch heutzutage sehr viele Familien, Paare oder Singles für die Hundehaltung. Bei der Überlegung, einen Vierbeiner anzuschaffen, kommt oft auch eine Adoption aus dem Tierheim in Frage. Dank Internet haben Interessenten heute die Möglichkeit, weiträumig nach ihrem Traumhund zu suchen. Dabei können sogar problemlos die Landesgrenzen überschritten werden und Hunde aus südlichen Ländern, wie Spanien, Rumänien oder Griechenland gefunden werden. Eine Adoption aus dem Ausland stößt jedoch bei vielen Tierfreunden auf Unverständnis, die zurecht der Ansicht sind, dass in den deutschen Tierheimen genug Hunde auf ein neues Zuhause warten. Doch jeder einzelne unserer Hunde hat zehnmal mehr Chancen und Möglichkeiten eine neue Familie zu finden, als die ausländischen Vierbeiner, die auf der Straße leben oder an der Kette gehalten werden, die niemals Zuneigung und Fürsorge erfahren, die Hunger leiden, misshandelt und oftmals verletzt oder krank aufgefunden werden. Wer eine derart arme Seele retten und ihr ein gutes Zuhause schenken möchte, muss bedenken, dass insbesondere die ersten Monate alles andere als einfach für Tier und Mensch sein werden.


Anders als in Deutschland haben Hunde in südlichen Ländern nicht den gleichen Stellenwert. Eine ähnliche Familienanbindung wie hierzulande ist im Ausland eher die Ausnahme. Dort streunen Hunde auf sich gestellt durch die Straßen auf der Suche nach etwas Essbarem und können froh sein, ein- bis zweimal in der Woche etwas zu fressen zu finden. Sie ernähren sich von Abfällen, Aas und anderem Unrat. Zuweilen haben sie das seltene und kurzzeitige Glück, dass Urlauber aus Deutschland sie füttern. Viele sind bis auf die Knochen abgemagert, leiden an hässlichen Tumoren, schleppen sich mit unbehandelten Knochenbrüchen durch die Straßen oder kämpfen mit den Folgen der Misshandlungen, die sie ertragen mussten. Durch unkontrollierte Vermehrung setzt sich das Elend der Straßenhunde kontinuierlich fort.

Etwas besser ergeht es den Wachhunden, die in den Gärten gehalten werden und ihr Dasein an der Kette fristen. Auch sie erhalten nur wenig Futter, von Zuwendung keine Spur. Werden sie krank, müssen sie sich selbst helfen oder sterben ganz einfach und werden auf den Müll geworfen. Von den Einheimischen werden die armen Kreaturen ignoriert, weiteren Misshandlungen ausgesetzt oder eingefangen, um sie in Tötungsanlagen zu beseitigen und um das Straßenbild für die Touristen zu säubern. Einige wenige werden jedoch von dortigen Tierschutzorganisationen aufgegriffen und gerettet.

Ihre einzige Chance: Vermittlung nach Deutschland

Die ausländischen Tierheime und Tierschutzvereine arbeiten zumeist ehrenamtlich und finanzieren sich durch Privatvermögen und Spenden. Die verwahrlosten Streuner werden medizinisch versorgt, erhalten Futter und werden grundgepflegt. Viele von ihnen erfahren zum ersten Mal in ihrem Leben die Fürsorge durch Menschenhand, sie sind scheu, verängstigt und fassen nur schwer Vertrauen.

Da die Hunde im eigenen Land keine Chance auf ein artgerechtes Leben haben, arbeiten viele Organisationen mit deutschen Vermittlern zusammen. Viele Tierheime und Nothilfen unterhalten hierzulande Patenschaften zu ausländischen Vereinen. Auch im Internet tummeln sich unzählige ehrenamtliche Organisationen und Vermittler von ausländischen Hunden. So ist insbesondere in den letzten 10 Jahren eine ständig wachsende Lobby entstanden, die sich um Tiere aus südlichen Ländern kümmert. Bei zahlreichen deutschen Tierheimen hat die Vermittlung ausländischer Hunde tatsächlich Priorität vor deutschen Tieren.

Was ist bei der Adoption eines ausländischen Hundes zu beachten?

Die Rettung eines Hundes aus dem Ausland ist eine ehrenvolle Angelegenheit und in vielen Fällen zugleich eine Lebensaufgabe. Denn in der Regel erhält man ein Überraschungspaket. Zwar geben die vermittelnden Stellen die bestmögliche Auskunft über den Hund, doch über dessen Lebens- und Leidensgeschichte existieren oft nur begrenzte Informationen. Dennoch verbirgt sich zumeist ein wertvoller Charakter unter dem zotteligen Fellkleid, für den sich die Mühe lohnt. Von allzu romantischen Vorstellungen, die Rettung eines ausländischen Hundes betreffend, sollte man sich besser gleich im Vorfeld verabschieden, denn es wartet intensive Arbeit auf den Retter.

Wenn der Wunschhund dann in sein neues Heim einzieht, muss man vor allem eines haben: Geduld! Denn für die meisten Spanier, Portugiesen oder Italiener ist es das erste Mal, dass sie in einem Haus leben und eine Menschenfamilie um sich haben. Fremde Geräusche, Gerüche und das Schockerlebnis des Fluges machen ihnen zu schaffen. Ebenso wenig sind sie mit den Tagesabläufen, den Strukturen oder dem bei uns üblichen Gassigehen vertraut. Menschen machen ihnen eher Angst, haben sie doch teilweise Übles von ihnen erfahren müssen. Daher darf man in der ersten Zeit weder zu viel erwarten, noch den Vierbeiner überfordern. Weicht er vor der Hand, die ihn streicheln will zurück, muss man abwarten, bis er sich von selbst nähert. Es gilt, ihn langsam und Stück für Stück mit seinem neuen Leben und seinem neuen Umfeld vertraut zu machen. Bis er zu seinen Herrchen und Frauchen Vertrauen fasst, vergehen unter Umständen Monate. In dieser Zeit muss er mit viel Liebe und Geduld, aber auch mit konsequenter Strenge erzogen werden. Hundehalter mit wenig Erfahrung oder Einsteiger, sollten baldmöglichst einen erfahrenen Trainer hinzuziehen.

Ernährung und Zeitmanagement erfordern Kompromisse

Die Ernährung eines ehemaligen Streuners zieht in den meisten Fällen die nächsten Probleme nach sich. Der Vierbeiner muss nicht nur langsam an regelmäßige Mahlzeiten gewöhnt werden, sondern auch an eine für ihn ungewohnte Futterzusammensetzung. Die sollte mit dem Tierheim oder noch besser mit dem Tierarzt besprochen werden, da der Hund ganz sicher Mangelerscheinungen hat. Zudem muss man damit rechnen, dass Magen und Darm des Hundes eine Weile brauchen um sich an die Inhaltsstoffe zu gewöhnen, so dass häufiges Erbrechen und Durchfall an der Tagesordnung sind. Möglich ist, dass man nach und nach verschiedene Futtersorten testen muss, bis man eine für den Hund verträgliche gefunden hat.

Neben einem flexiblen Geduldsfaden braucht der Hundehalter viel Zeit für seinen neuen Freund. Geregelte Arbeitszeiten oder geplante Urlaubsreisen können einem da schnell einen Strich durch die Rechnung machen. Zwar sind die Ausländer noch nicht so sehr an Menschen in ihrem Umfeld gewöhnt, doch kann man sie in den ersten Wochen oder Monaten im Grunde nicht allein lassen. Ein Familienmitglied sollte sich immer um den Vierbeiner kümmern können, ihn betreuen, erziehen oder mit ihm spazieren gehen.

Achtung bei kleinen Kindern oder anderen Haustieren

Die meisten Straßenhunde aus südlichen Ländern haben wenig Gutes von Menschen erfahren. Sie wissen nicht, wie es ist, mit ihnen zusammenzuleben und haben keinerlei Erfahrung mit kleinen Kindern. Leben also Babys oder Kleinkinder in Ihrem Zuhause, muss der Vierbeiner aus dem Süden vorsichtig und langsam mit ihnen bekannt gemacht werden. Manchmal kann es ratsam sein, wenn sich zunächst nur die Erwachsenen um ihn kümmern. Zum einen kann ein nervöser Vierbeiner ein Kind schnell aus Unachtsamkeit verletzten. Anders herum besitzen gerade kleine Kinder noch nicht das nötige Feingefühl im Umgang mit Hunden.

Wohnen bereits Katzen oder andere Hunde im selben Haushalt, sollte man bedenken, dass ein Streuner im Umgang mit vierbeinigen Sozialpartnern ebenfalls negativ vorbelastet ist. Hat er sich doch in der Vergangenheit mit seinen Artgenossen um jeden Bissen streiten müssen. Dass immer genug Futter zur Verfügung steht und es ein verträgliches Miteinander geben kann, muss er erst noch erfahren und lernen.

Die Adoption eines Hundes aus dem Ausland erfordert einige Formalitäten

Hat man seinen Traumhund via Internet oder über eine deutsche Vermittlungsstelle gefunden, beginnt ein aufwändiges Prozedere. Von einem Direktkontakt beispielsweise zu einem spanischen Verein, wird allgemein abgeraten. Die meisten von ihnen arbeiten zwar seriös, doch es gibt auch schwarze Schafe, die sich auf Kosten des Tierelends bereichern wollen. Das ausländische Tierheim kümmert sich um den Gesundheitscheck des Hundes, führt notwendige Entwurmungen, Impfungen – insbesondere gegen Mittelmeererkrankungen – und eine Chipimplantierung durch. Rüden werden zudem nach deutschem Tierschutzgesetz zunächst noch kastriert. Nach bestem Wissen wird eine Beschreibung des Hundes auf bestehenden Verhaltensauffälligkeiten erstellt. Sind alle erforderlichen Maßnahmen abgeschlossen, erhält der Vierbeiner noch seinen EU-Heimtierausweis und darf ausreisen.

Welpen dürfen übrigens erst ab einem Alter von 15 Wochen nach Deutschland fliegen, da sie erst mit zirka 12 Wochen, zuzüglich Inkubationszeit, gegen Tollwut geimpft werden dürfen, die für eine Einreise erforderlich ist. Üblicherweise holt man seinen neuen vierbeinigen Hausbewohner nicht selbst aus dem Ausland ab. Darum kümmert sich in der Regel das deutsche Tierheim, das mit sogenannten Flugpaten zusammenarbeitet. Dabei handelt es sich zumeist um ehrenamtlich tätige Touristen, die auf ihrem Rückflug nach Deutschland Hunde mitbringen können. Im Tierheim angekommen, werden die Hunde dann nochmals tiermedizinisch untersucht und können sich von den Flugstrapazen etwas erholen, bevor sie ihren neuen Besitzern übergeben werden.

Genau wie bei der Vermittlung eines deutschen Hundes, wird dann ein Adoptionsvertrag zwischen dem Halter und dem Tierheim geschlossen, Eigentümer des Tieres bleibt jedoch der Schutzverein. Für die Vermittlung eines ausländischen Hundes fallen zwischen 200 und 350 Euro Gebühren an, die einen Teil des Aufwandes decken und dem Tierheim aus dem Heimatland des Hundes zufließen. Mit der Unterschrift unter den Vertrag verpflichtet man sich, den Hund artgerecht zu halten und zu pflegen und stimmt Kontrollbesuchen seitens des Tierschutzvereins zu.


Einen Straßenhund aus dem Ausland zu retten ist eine noble Geste. Erwarten sollte man allerdings nicht, einen unkomplizierten Traumhund zu bekommen. Viel wahrscheinlicher ist, an einen Problemfall zu geraten, um den man sich intensiv und mit viel Einsatz kümmern muss. Die Anstrengung lohnt zwar, aber nur wer dazu auch wirklich bereit ist, sollte sich um die Adoption eines fremdländischen Hundes bemühen, ansonsten wartet sicher bereits der Wunschvierbeiner in einem hiesigen Tierheim.

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