Erstkontakt mit Hunden - tierglueck-Haustierratgeber

Hundebegegnung – Erstkontakt mit Menschen und Artgenossen

Hunde begegnen uns im Allgemeinen freundlich gesinnt. Das liegt daran, dass es Rudeltiere sind, die uns Menschen längst als Mitglied der Gemeinschaft empfinden und akzeptiert haben. Doch warum reagieren viele Nicht-Hundehalter oft verängstigt, wenn sie auf der Straße einem fremden Hund begegnen? Dabei ist es meist unerheblich, ob der Hund angeleint ist oder freiläuft. Aber auch Hundebesitzer verhalten sich in solchen Situationen oft unangemessen. In der Regel liegt dies an der Unkenntnis von beiden. Dabei machen uns die Hunde doch vor wie es geht, beispielsweise, wenn sie einen Artgenossen beim Gassi gehen treffen. Und soll ein Hund angeschafft werden, sind es meist die Vierbeiner, die ihre neuen Herrchen oder Frauchen auswählen – nicht umgekehrt, auch wenn wir das gerne glauben wollen.

Für den Hund sind seine Menschen ganz einfach sein Rudel, dem er treu ergeben ist. Und für den Menschen ist er ganz oft ein vollwertiges Familienmitglied, das beim Einkaufen oder beim Besuch von Freunden ganz selbstverständlich dabei ist. Dass der Familienhund zuweilen aber auch seine Artgenossen braucht, wird deutlich, wenn sich zwei Hunde beim Spaziergang treffen. Dann wird der andere beäugt und beschnüffelt, man geht um einander herum und rauft vielleicht etwas spielerisch miteinander – eben Begrüßung auf Hundeart. Manche Vierbeiner sind sich auf Anhieb sympathisch und würden gerne noch etwas mit dem anderen spielen. In solchen Situationen ist es oft schwer, die beiden neuen Freunde zu trennen und den Spaziergang fortzusetzen. Manchmal ist es einfacher, wenn sich die beiden nicht so gerne mögen und sich nur kurz für den anderen interessieren. Das ist bei uns Menschen auch nicht viel anders, wir mögen auch nicht gleich jeden, dem wir auf der Straße begegnen. Wobei wir in der Regel wortlos aneinander vorbeilaufen oder es bei einem höflichen Gruß belassen. Hunde sind untereinander wesentlich kommunikativer.

Hunde brauchen die Begegnung mit Artgenossen

Regelmäßige Kontakte zu Artgenossen sind für den Hund wichtig, damit er sich als sozialverträgliches Mitglied in die Gemeinschaft integrieren kann. Begegnungen mit anderen Hunden – sei es beim zufälligen Treffen auf der Straße oder beim Freundschaftsbesuch mit anderen Vierbeinern – helfen dem Familienhund das typische Rudelverhalten zu trainieren. Er übt sich darin zu beschwichtigen, Konflikte und Aggressionen beizulegen, sich gegebenenfalls unterzuordnen oder seine Dominanz anzuzeigen. Solche Begegnungen sind meist spielerisch und verlaufen selten wirklich ernst. Auf uns Menschen wirkt dieses Verhalten wie ein ausgelassenes Spiel zweier oder mehrerer Hunde, doch in Wirklichkeit wird so die Rangfolge innerhalb des Rudels bestimmt. Meist behalten Hunde die Kontrolle im eigenen Revier, das sie natürlich verteidigen. Ein Hund der zu Besuch kommt, ist zunächst einmal ein Eindringling im eigenen Revier und hat sich unterzuordnen.

Für Hunde ist dies eine sehr wichtige Erfahrung, die Hundehalter nicht unterdrücken, sondern im eigenen Interesse fördern sollten. Nicht nur, dass die Vierbeiner ihre eigenen Grenzen ausloten können, sie lernen auch den respektvollen Umgang miteinander und Rangfolgen zu akzeptieren. Diese Erfahrungen werden dann auf die Mensch/Hund-Beziehung adaptiert, wodurch eine stärkere Bindung entstehen kann.

Der Mensch bestimmt, wie sich zwei Hunde begegnen dürfen

Es gibt natürlich auch Begegnungen zweier Hunde, die sich so gar nicht leiden mögen. Erkennbar ist dies für den Hundehalter deutlich am aufgestellten Nackenfell, den angelegten Ohren und der steil nach hinten gerichteten Rute. Wobei die zur Schau gestellte Abneigung meist bei einem der beiden Hunde ausgeprägter ist, während der andere sich eher zurückziehen will, als wolle er sagen: wenn du mich nicht magst, mag ich dich auch nicht. Auch dieses Verhalten sollte man als Hundehalter akzeptieren und seine Vierbeiner nicht zum Kontakt zwingen.

Ob sich zwei gut riechen können oder nicht, wird meist durch die Hundeleine beeinflusst, auf die man beim Spaziergang oft nicht verzichten kann. Viele Hundehalter fassen ihre Vierbeiner bewusst an der kurzen Leine, wenn ein anderer Hund den Weg kreuzt. Dies geschieht meist aus Sorge, dass sich die Hunde verletzen könnten. Doch gerade die kurze Leine verhindert, dass sich die beiden Tiere neutral begegnen können. Will sich einer von beiden unterwerfen, weil der andere eben der Dominantere ist, wird er durch die kurze Leine daran gehindert. Es ist ihm nicht möglich, beschwichtigend den Kopf zu senken oder sich auf den Boden zu legen. Der andere Hund fasst dieses Verhalten unter Umständen als Drohgebärde auf und plötzlich entsteht genau das Gerangel, das man eigentlich vermeiden wollte.

Idealerweise sind die beiden Hunde bei einer solchen Begegnung nicht angeleint und die Herrchen stehen etwas abseits. Dies verlangt natürlich ein großes Vertrauen der Hundehalter in ihre Vierbeiner, die auf Zuruf ihre neue Bekanntschaft links liegen lassen müssen, wenn von Herrchen oder Frauchen gewünscht. Doch nur so können sie ihre Kontaktaufnahme artgerecht und ohne ineinander verhedderte Leinen durchführen. Wissen sollte man, dass Hunde von Natur aus nicht aggressiv sind und nicht direkt auf einen Artgenossen losgehen. Hierfür gibt es immer einen Auslöser, der nicht selten im Verhalten des Hundehalters begründet ist. Unsichere Tierhalter sollten solche Situationen in der Hundeschule trainieren.

Begegnung von Mensch und Hund

Warum reagieren manche Menschen verängstigt bei der Begegnung mit einem fremden Hund? Natürlich liest man dann und wann davon, dass ein Spaziergänger von einem Hund belästigt oder sogar angefallen wird. Dies ist aber eher der Ausnahme- und nicht der Regelfall. Hunde sind neugierig und nun mal an allem interessiert, was in ihrem Umfeld so passiert. So auch bei Passanten, die ihren Weg kreuzen. Es wird gerne mal geschnüffelt und geschaut, ob man nicht noch einige zusätzliche Streicheleinheiten bekommen kann. Natürlich ist es verständlich, dass man insbesondere als Nichthundehalter zurückhaltend in solchen Situationen reagiert. Grund zur Beunruhigung besteht jedoch nicht. Auch dann nicht, wenn sich einem ein freilaufender Hund bellend und knurrend nähert. Dann will er im Grunde nur sein Revier verteidigen und anzeigen, dass er gut aufpasst. Ein solches Verhalten kann man oft in Wohngebieten beobachten, wenn davon auszugehen ist, dass sich das Domizil des Hundes in unmittelbarer Nähe befindet.

In einer solchen Situation ist einfach nur Ruhe zu bewahren. Man sollte den Hund nicht direkt anschauen und sich mit hängenden, nicht erhobenen Armen etwas zur Seite drehen. Für den Hund sind dies eindeutige Beschwichtigungsgesten und er weiß sofort, dass der Mensch ihn nicht angreifen oder sein Revier streitig machen will. Normalerweise beruhigt er sich schnell wieder, trottet davon und man kann seinen Weg ganz einfach fortsetzen.

Manche Hunde, die uns begegnen, finden wir auf Anhieb sympathisch oder niedlich und wollen sie unbedingt streicheln. Doch dieser Annäherungsversucht trifft nicht immer auf Gegenliebe. Nicht jeder Hund mag es, von einer ihm fremden Person angefasst zu werden. Und auch der Hundebesitzer findet das nicht unbedingt gut. Besser ist es auf jeden Fall erst einmal den Halter anzusprechen und ihn zu fragen, ob man seinen Hund streicheln darf und ob der das überhaupt mag. Wenn man dann das Okay vom Besitzer bekommen hat, kann man sich dem Hund behutsam nähern, allerdings sollte man nicht einfach so von oben über seinen Kopf oder Rücken streichen, sondern ihn erstmal an der Hand schnuppern lassen. Zieht er sich nicht zurück, ist das ein positives Zeichen und der Tierfreund kann ihn unter dem Kinn oder an der Brust streicheln – also immer im Bereich vor der Hundenase, nicht über oder hinter ihr. Wedelt der Hund freundlich mit der Rute oder legt er sich hin und rollt sich sogar auf den Rücken, ist ihm der Mensch sympathisch und er lässt sich gerne streicheln.

Nicht wir wählen einen Hund aus, der Hund wählt uns aus

Wer beschließt, einen Hund anzuschaffen, sollte wissen, dass Hunde die Menschen zwar mögen und als Rudelführer akzeptiert haben, aber auch ihre Vorlieben oder Abneigungen haben. Bereits im Welpenalter wählt sich der kleine Hund meist seine Menschen aus, auf die er sich prägt. So liebt der Familienhund nicht automatisch alle Mitglieder der Wohngemeinschaft gleich stark, sondern macht feine Unterschiede, die nicht immer sofort ersichtlich sind. Seine Vorlieben können sich im Laufe der Jahre und des Erwachsenwerdens aber auch verändern. Auch reagiert er zuweilen intensiver auf Personen, die sich weniger mit ihm beschäftigen, ganz einfach um ihr Herz zu gewinnen.

Bei einem Besuch im Tierheim wird deutlich, dass es für jeden Topf den passenden Deckel gibt. Oder anders ausgedrückt, es gibt Hunde, die einfach perfekt zu einer Person passen. Ohnehin sollte man nicht auf eine bestimmte Rasse fixiert sein, wenn man einen Hund aus dem Tierheim adoptieren möchte. Meist kommt es sowieso anders, als gedacht. Und nicht selten gibt es Liebe auf den ersten Blick, die öfter als wir denken aber vom Hund ausgeht und der Art, wie er auf uns zugeht. Einfach gesagt: Zeigt uns der Hund seine Sympathie ist bei uns das Eis ganz schnell gebrochen.

 

Der Hund stammt zwar vom Wolf ab, aber er ist kein wildes Tier, das den Menschen des Fleisches wegen angreift. Vielmehr ist der Mensch sein Rudelführer geworden, dem er treu ergeben ist. Daher müssen Spaziergänger auch keine Angst vor fremden Hunden haben. Und Hundehalter sollten berücksichtigen, dass soziale Kontakte mit Artgenossen für ihren Vierbeiner unerlässlich sind und ebenfalls keine Bedrohung darstellen.

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