Kaninchen-Agility: Nager werden zu Spitzensportlern - tierglueck-Haustierratgeber

Kaninchen-Agility: Nager werden zu Spitzensportlern

Kaninchen sind sehr aktive und agile Haustiere. Vorausgesetzt, man bietet ihnen das passende Umfeld, das ihrem natürlichen Bewegungsdrang entgegenkommt. Kaninchen, die immer nur im Käfig gehalten werden, stumpfen ab, ihnen ist langweilig und ihre einzige Beschäftigung ist Futter in sich hineinzustopfen. Das Resultat sind träge, übergewichtige und meist kranke Mümmelmänner, mit denen nichts anzufangen ist. Dabei sind Kaninchen sehr intelligent und in der Lage, Tricks zu lernen und sogar komplexe Hindernisstrecken zu absolvieren. Damit fördert man nicht nur ihren Verstand, sondern schafft ausgeglichene und lebensfrohe Hausgenossen. Doch nicht jedes Kaninchen ist für den Agility-Sport geeignet und auch der Tierhalter muss einige Punkte beachten.

Als Fluchttiere laufen Kaninchen vor ihren Fressfeinden und vor allem, was ihnen nicht geheuer ist, erst einmal davon und flüchten ins nächste Versteck hinein. Dabei sind sie in der Lage, Haken zu schlagen und in Windeseile die Richtung zu ändern, um so ihren Verfolgern zu entkommen. Zwar gibt es bei der Heimtierhaltung normalerweise keine Fressfeinde, die den Kaninchen nachstellen, doch ihre Bewegungsfähig bleibt. Und eben diese leben sie auch in ihrem Gehege aus. Daher ist es wichtig, ihnen immer Möglichkeiten der Beschäftigung zu bieten.

Da wildlebende Kaninchen ihren Bau meist unterirdisch anlegen und über Tunnel erreichbar machen, folgen auch unsere Hauskaninchen diesem Instinkt und lieben es, durch Röhren oder Kanäle zu laufen, darauf zu klettern oder sie zu überspringen. Auch Brücken, terrassenförmig aufgebaute Häuschen oder verschiedene Ebenen in unterschiedlichen Höhen, werden gerne angenommen. Insbesondere bei Jungtieren oder junggebliebenen Kaninchen kann man beobachten, wie sie von Zeit zu Zeit mit atemberaubendem Tempo durch das Gehege rennen, dabei durch Röhren schießen, in Häuser rein und raus oder darüber hinweg und in großen Sätzen gleich mehrere Runden drehen.

Kaninchen Tricks beibringen

Will man seinen Kaninchen etwas Gutes tun, kann man diesen Bewegungsdrang ausnutzen und sie zu weiteren sportlichen Aktivitäten animieren. Ihre naturgegebene Neugierde kann man sich dabei zunutze machen. Dazu ist allerdings ein sehr enges und vertrautes Miteinander zwischen Mensch und Tier erforderlich. Scheuen und ängstlichen Kaninchen bringt man nur schwer etwas bei. Und wichtig ist, dass man seine Hoppler zu nichts zwingt, dass sie alles freiwillig machen oder aber für eine schmackhafte Belohnung. Damit sind artgerechte Futterbrocken oder Nager-Leckerchen gemeint. Schokolade oder andere Süßigkeiten für Menschen sind tabu. Der englische Begriff Agility bedeutet übrigens Wendigkeit – also nicht nur für Hund und Katze, sondern auch im besten Sinne für Kaninchen geeignet.

Um die sportlichen Aktivitäten seiner Kaninchen zu fördern, beginnt man am besten damit, ihnen einfache Tricks beizubringen. Dies liefert die Basis für das Vertrauen zwischen Trainer und Schüler und schafft eine enge Bindung. Geduld ist dabei das erste Gebot und man muss auch akzeptieren, dass Kaninchen zuweilen einfach keine Lust haben. Die Tüte oder Dose mit den Leckerchen sollte immer in Griffweite sein. Was Kaninchen recht leicht erlernen, ist auf Kommando Männchen zu machen oder sich um die eigene Achse zu drehen. Mit einem begehrten Leckerchen in der Hand folgen intelligente Kaninchen den Bewegungen des Halters. Natürlich mit dem Ziel, dieses Leckerchen dann auch zu bekommen. Mit Lob und Streicheleinheiten sollte man auch nicht sparen.

Besonders Jungtiere und solche, die sehr zutraulich und handzahm sind, eignen sich am besten dazu, auch etwas kompliziertere Tricks zu erlernen. Das kann zum Beispiel das Überspringen eines hingehaltenen Stöckchens oder des Unterarms sein und das Durchspringen eines Reifens. Hilfreich ist, das Kaninchen immer bei seinem Namen zu rufen und für die unterschiedlichen Aufgaben eindeutige und wiederkehrende Kommandos zu nutzen. In Verbindung mit entsprechenden Gesten merkt sich das Kaninchen schnell, was es tun soll.

Kaninchen zum Sportler ausbilden

Anhand des Trick-Trainings merkt man recht bald, ob das Talent eines Kaninchens ausreicht, ihn auch zum Sportler auszubilden. In den 1980er Jahren entwickelten skandinavische Tierhalter das sogenannte Kaninhop. Dabei durchlaufen talentierte Langohren einen speziellen Parcours, bei dem sie Hürden, Rampen und andere Hindernisse überwinden müssen. Aber auch wer nicht an professionellen Wettbewerben teilnehmen möchte, kann seine Kaninchen zum Springstar ausbilden. Das macht nicht nur dem Tierhalter Spaß, sondern in erster Linie auch den Kaninchen, die es lieben, immer etwas Neues zu entdecken und gefordert zu werden. Selbst Zwergkaninchen überspringen locker und aus dem Stand heraus Höhen von zirka 40 bis 50 Zentimetern, ohne sich oben auf dem Hindernis nochmals mit den Pfoten abzustützen. Ihre Sprungkraft nehmen sie dabei aus den muskulösen Hinterläufen, die normalerweise für den Schnellspurt eines Kaninchens zuständig sind.

Bei der Wahl der Hindernisse oder des Parcours sind dem Tierhalter kaum Grenzen gesetzt. Für die Kaninchen-Agility sind fertige Hindernisse zum Zusammenbauen in der Zoologie erhältlich, die meist in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden zusammengesteckt sind und aufgebaut werden können. So kann man beispielsweise bei einer Übersprunghürde mit einer sehr niedrigen Höhe beginnen und sich später steigern. Natürlich kann man die Hindernisse auch selbst bauen, zum Beispiel aus zwei Bambusstäben, die mit etwas Abstand senkrecht in die Erde gesteckt und mit einem vertikalen Stab verbunden werden, der die Sprunghöhe markiert. Aus einer flachen rechteckigen Kunststoffwanne, die mit Wasser gefüllt wird, lässt sich ein schöner Weitsprung bauen. Rampen, Brücken und Röhren in verschiedenen Größen vervollständigen die Hindernisstrecke, die man zusätzlich durch kleine kegelförmige Hütchen, so genannte Pylone, aus dem Spielwarenladen erweitern kann, durch die sich das Kaninchen durchschlängeln muss.

Sicherheit geht vor und ein Clicker kann unterstützen

Egal, ob man sich für die gekaufte Variante entscheidet oder für die selbstgebaute, muss man stets darauf achten, dass die Hindernisse stabil verbaut sind und nicht gleich umfallen. Die Kaninchen dürfen keine Angst davor bekommen oder sich gar verletzten können. Und sollte ein Kaninchen vor einem bestimmten Hindernis immer wieder zurückschrecken, aber alle anderen ohne Probleme meistern, sollte man erwägen, es wegzulassen oder durch ein anderes zu ersetzen. Wichtig ist zudem, dass man die kleinen Lehrlinge nicht über die Hindernisse zwingt oder sie antreibt. Solange sie es freiwillig tun, ohne Stress und ganz offensichtlich Spaß empfinden, ist es optimal. Experten raten in diesem Zusammenhang übrigens davon ab, die Kaninchen mittels Geschirr und Leine zu führen. Auch noch so abgeklärte und routinierte Hoppler können sich schon mal mächtig erschrecken und in Panik geraten. Durch den Zickzack-Kurs, den sie dann meist einschlagen, ist ein Verheddern in der Leine möglich und die Verletzungsgefahr groß.

Beim Training kann unterstützend zu den Kommandos auch ein Clicker eingesetzt werden. Das ist ein kleines Trainingsgerät, das der Tierhalter in die Hand nimmt und durch Drücken des integrierten Schalters ein Clickgeräusch auslöst. Es ist ebenfalls in der Zoologie zu bekommen. Clicker sind auch mit Stab erhältlich, wodurch dem Kaninchen eine bestimmte Richtung oder ein Punkt zugewiesen werden kann, auf den es sich zubewegen soll. Das Clickgeräusch muss vom Halter natürlich bewusst eingesetzt werden, beispielsweise als Belohnung, für eine erfolgreiche Aktion. Ein Ersatz für das obligatorische Leckerchen ist der Clicker jedoch nicht, eher eine Ankündigung, das gleich eines folgt.

Kaninchen Agility auch ohne Parcours

Es müssen auch nicht immer die Hürden, Rampen oder Slalomhindernisse sein, denn auch darüber hinaus gibt es viele Möglichkeiten, wie man seine Kaninchen beschäftigen kann, auch wenn man als Tierhalter nicht immer aktiv dabei sein kann. Beispielsweise bringt ein Rascheltunnel mit Verzweigungen und mehreren Ein- und Ausgängen Spaß und Beschäftigung für gleich mehrere Kaninchen. Dieser Tunnel besteht meist aus flexiblen Materialien und lässt sich einfach ins Gehege hineinlegen und unterschiedlich arrangieren. Er muss nicht fester Bestandteil der Gehegeeinrichtung sein, sondern kann von Zeit zu Zeit einfach zum Einsatz kommen, wodurch er immer wieder neu ist.

Außer dem Kleintiertunnel bietet die Zoologie auch intelligentes Spielzeug für Kaninchen an, in denen Futterbröckchen als Anreiz versteckt werden können. Ein Ball mit Öffnungen aus dem hin und wieder etwas Futter oder kleine Leckerchen herausfallen regt die Mümmelmänner immer wieder zum Rollen an. Auch Logikspiele, bei denen es darum geht, Schubladen zu öffnen, Deckel zu heben oder zu verschieben, sind bei Kaninchen sehr beliebt. Insbesondere, wenn sich dabei auch das eine oder andere Leckerchen finden lässt.

Auch eine Tierklappe bietet Beschäftigung

Der Einsatz einer Tierklappe kann nicht nur aus baulichen Gründen erforderlich sein, sondern bietet Kaninchen auch noch zusätzlichen Spiel- und Entdeckerspaß. Möchte man seinen Hoppelmännern die Möglichkeit bieten, allein auf den Balkon oder die Dachterrasse hinauszugehen, ist der Einbau einer Tierklappe, die Ein- und Auslass durch Vor- und Zurückschwingen gewährt, eine gute Lösung. Nachts oder wenn die Kaninchen in der Wohnung bleiben sollen, kann man die Klappe durch eine integrierte Verriegelung verschließen. Und wer glaubt, nur Katzen oder Hunde könnten so eine Tierklappe bedienen, irrt gewaltig. Denn auch Kaninchen haben ganz schnell den Bogen raus und wissen, wie sie auf die andere Seite kommen. Anfangs lässt man die Schwingtür der Klappe einfach auf, damit die Kaninchen sich an den neuen Ausgang gewöhnen können. Kurze Zeit später lockt man sie dann einfach mit einem Leckerchen durch die nur noch leicht geöffnete Tür.

Viele Kaninchen nutzen die Klappe später nicht nur einfach zum Hindurchgehen, sondern machen sich einen Spaß daraus, die Tür immer wieder anzustupsen, weil sie das Geräusch mögen. Tierklappen eignen sich nicht nur, um den Weg nach draußen zu ermöglichen, sondern auch, um verschiedene Gehegebereiche voneinander abzugrenzen oder einfach nur, um den Kaninchen eine Beschäftigung zu geben.

 

Die Zeit, in der Kaninchen ihr Dasein in einem kleinen Käfig gefristet haben, ist zum Glück lange vorbei. Denn unsere kuscheligen Hausgenossen können sehr viel mehr, als nur putzig auszusehen und an Möhren zu knabbern. Ihre Intelligenz steigert sich mit den Aufgaben, die wir ihnen geben. Und sehr viele von ihnen zeigen beim Agility-Sport, was wirklich in ihnen steckt.

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