Kaninchen brauchen ihre Artgenossen -  tierglueck-Haustierratgeber

Kaninchen brauchen ihre Artgenossen

Erlebt man Kaninchen in der Gesellschaft ihrer Artgenossen, kann man als Mensch schon mal neidisch werden. Sie putzen sich gegenseitig, kuscheln miteinander, geben sich Wärme, Geborgenheit und Sicherheit. Als Beobachter kann man sehen, wie sie lautlos miteinander kommunizieren, durch ihre Körperhaltung, Gesten oder die Stellung ihrer Ohren. Es ist eine Art Geheimsprache, die nur Kaninchen verstehen – die Bedeutung kann der Mensch größtenteils nur erahnen. Daher ist die Kommunikation zwischen Mensch und Kaninchen eher eingeschränkt. Wir sind es gewohnt, uns mit Worten zu erklären, doch die verstehen die possierlichen Nager nun mal leider nicht. Wer sein Kaninchen artgerecht halten will, sollte ihm daher immer einen Artgenossen zur Gesellschaft geben. Das bedingt zwar etwas mehr an Aufwand, doch muntere und ausgeglichene Kaninchen sind der Mühe wert.

Kaninchen sind ihrer Natur gemäß Rudeltiere. Auf Wiesen und Feldern leben Wildkaninchen meist in größeren Kolonien, bestehend aus Weibchen, Männchen und Jungtieren. Sie graben sich ihre Höhlen in die Erde und genießen die Geborgenheit der Gruppe. Droht Gefahr, trommeln sie mit den Hinterläufen laut auf den Boden und warnen so ihre Artgenossen. Blitzschnell verschwinden sie dann in ihren Höhlen und verstecken sich. Wären sie allein, sind sie für Angreifer eine leichte Beute, das Rudel mit dem ausgeklügelten Warnsystem, bietet ihnen Sicherheit. Diese angeborenen Instinkte sind auch bei den Haus- und Wohnungskaninchen ausgeprägt und blieben über die Evolutionen der Jahrhunderte erhalten.

Kaninchen werden artgerecht niemals allein gehalten!

Im Grunde sind wir Menschen daher Egoisten, wenn wir ein Kaninchen allein halten. Wollen wir doch am liebsten seine ganze Aufmerksamkeit nur für uns haben. Und tatsächlich fixiert sich ein einzelnes Kaninchen zwangsläufig auf den oder die Menschen in seinem Umfeld. Allerdings tut es das notgedrungen, in Ermangelung eines Artgenossen. Kaninchen sind nämlich extrem anpassungsfähig. Fakt ist jedoch auch, dass ein Mensch, so intensiv er auch um sein Kaninchen bemüht ist, ihm keine 24 Stunden täglich als Gesellschaft zur Verfügung stehen kann. Und es bleibt noch das Verständigungsproblem. Unsere Worte können Kaninchen nicht deuten, doch durch die Klangfarbe unser Stimme können wir sie ein wenig für uns einnehmen und sie anlocken. Und wenn ein Leckerchen als Belohnung auf sie wartet, kommen sie meist auch angehoppelt.

Dem Kaninchenhalter sollte jedoch das Wohl des Tieres an erster Stelle stehen. Für eine artgerechte Haltung sollten daher immer mindestens zwei Kaninchen zusammen sein. Dem Halter entgeht dabei eigentlich nichts, denn er bekommt das Erlebnis der Gemeinschaft dazu. Und es sind gleich zwei oder mehr Kaninchen, die seine Aufmerksamkeit benötigen.

Wenn sich zwei Kaninchen so richtig gerne haben, dann machen die beiden alles gemeinsam. Sie teilen sich das Futter aus einem Napf, zupfen Seite an Seite das Heu aus der Raufe, erkunden ihre Umgebung gleichzeitig, betreiben wechselseitig ausgiebige Fell-, Augen- und Ohrenpflege. Und erst recht unzertrennlich sind sie während Ihrer Ruhezeiten. Nicht selten wird der Partner dabei als Kopfkissen genutzt – Kaninchen mögen es gerne kuschelig. Sie genießen sichtlich die Gegenwart des anderen. Angesichts solch einer Harmonie dürfte jedem Kaninchenhalter das Herz aufgehen und er bekommt die Bestätigung, alles richtig gemacht zu haben.

Ausgeglichene Kaninchen haben eine höhere Lebenserwartung

Gesunde Kaninchen werden zwischen 8 und 11 Jahre alt. Als Tierhalter übernimmt man also bei der Anschaffung eine recht hohe Verantwortung über viele Jahre. Wir Menschen genießen die Gesellschaft unserer Familie oder die von Freunden, teilen emotionale Momente mit anderen, egal ob es Freude, Leid oder Krankheit ist. In der Gemeinschaft lässt sich alles viel besser und einfacher erleben. In der Tierwelt im Allgemeinen und insbesondere bei den Kaninchen verhält sich das ganz ähnlich.

Kaninchen sind Fluchttiere, die Meister darin sind, ihre Krankheiten oder andere Unpässlichkeiten zu verbergen. Das hat die Natur so eingerichtet, damit sie keine leichte Beute für Feinde sind. Kaninchen ertragen ihre Pein daher still und zurückgezogen. Wenn wir Menschen bemerken, dass etwas nicht stimmt, ist ihre Krankheit meist schon weit fortgeschritten. In solchen Situationen ist die Gesellschaft eines Artgenossen unverzichtbar und bedeutet eine wesentliche Unterstützung bei der Genesung.

Langeweile sollte bei Kaninchen gar nicht erst aufkommen. Ein Kaninchen in Einzelhaltung neigt dazu, aus Langeweile zu fressen und wird schnell dick, was zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Mümmelmänner, die paarweise oder in Gruppen gehalten werden, haben immer Beschäftigung und Ansprache, von Langeweile keine Spur. Und in artgerechter Haltung überfressen sich Kaninchen auch nicht, egal, wie viel Futter bereit steht. Ihre Lebenserwartung ist ungleich höher als bei Einzelhaltung.

Zweier- oder Gruppenhaltung, was ist die ideale Paarung?

Bei einer Zweierhaltung besteht die ideale Paarung aus einem Weibchen (der Häsin) und einem kastrierten Männchen (dem Rammler oder Böckchen). Wie bei den meisten Tierarten, ist es auch bei Kaninchen wesentlich einfacher, das Männchen kastrieren zu lassen, um einer ungewollten Vermehrung vorzubeugen. Auch bei Gruppenhaltung von drei oder mehr Kaninchen, sollten alle männlichen Tiere kastriert sein.

Andere Paarungen sind möglich, harmonieren aber nicht immer gut miteinander. So können zwei Häsinnen, die zusammen gehalten werden schon mal zickig zueinander sein – auch wenn sie gemeinsam aufgewachsen sind oder es sich um Mutter und Tochter handelt. Die Hormone mischen sich kräftig in die Beziehung ein. Auch zwei unkastrierte Böckchen passen in der Regel nicht so gut zusammen. Da kann es zu heftigen Revierkämpfen kommen. Zwei Kastraten harmonieren dagegen meist sehr gut miteinander. Bei einer Gruppenhaltung ist eine ausgeglichene Anzahl beider Geschlechter von Vorteil, aber nicht zwingend erforderlich. Ein kastrierter Rammler kann beispielsweise auch sehr gut gemeinsam mit zwei oder drei Häsinnen gehalten werden

Hält man lediglich ein Pärchen zusammen und stirbt ein Tier plötzlich, sollte man als Tierhalter so schnell wie möglich einen Ersatz suchen, damit das zurückgebliebene Kaninchen nicht vereinsamt. Wie man zwei sich fremde Kaninchen zusammenführt, welches Tier am besten passt und worauf man sonst noch achten sollte, kann hier nachgelesen werden.

Bedeutet Paarhaltung mehr Aufwand als Einzelhaltung?

Natürlich hat man als Tierfreund mehr Aufwand, wenn man zwei oder mehr Kaninchen hält. Es ist aber nicht so, dass man plötzlich alles doppelt anschaffen muss. Egal ob Futter- oder Wassernapf, Heuraufe, Transportbox oder Kleintiertoilette – dies alles funktioniert unabhängig davon, ob man nun ein, zwei oder drei Kaninchen hält. Diese Tiere sind es gewohnt, die Einrichtungsgegenstände gleich- oder wechselseitig zu nutzen.

Lediglich beim Platzangebot muss der Tierhalter großzügiger sein. Als Faustregel gilt, dass man pro Kaninchen mindestens zwei Quadratmeter an Auslauffläche benötigt. Mehr kann es natürlich immer sein, nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Einrichtungsgegenstände wie Häuschen, Spieltunnel oder Brücken machen jedes Gehege für Kaninchen spannend, bieten Abwechslung und Ausweichmöglichkeiten, wenn sich zwei dann doch mal in die Haare kriegen. Wie eine artgerechte Kaninchenbehausung aussieht und worauf man dabei achten sollte, kann hier nachgelesen werden.

Durch Selbstbauten und eigene Grünfutter-Ernte lässt sich viel Geld sparen

Natürlich lässt es sich nicht vermeiden, dass sich gewisse Kosten durch eine Paar- oder Gruppenhaltung erhöhen. Logisch ist, dass zwei Kaninchen mehr fressen als ein einzelnes und der Tierhalter höhere Futterkosten hat. Andererseits kann er so günstigere Großpackungen kaufen, auf die er aufgrund der Haltbarkeit bei Einzelhaltung verzichten würde. Ebenfalls sind die Kosten für Streu und Heu größer. Auch hier empfehlen sich gegebenenfalls kostengünstigere Großpackungen. Zu vernachlässigen sind auch nicht die jährlichen Impfungen und Routinebesuche beim Tierarzt, die jedes Kaninchen braucht. Mancher Tierarzt lässt jedoch mit sich handeln, wenn regelmäßig gleich mehrere Kaninchen vorgestellt werden.

Wer vor den Anschaffungskosten eines großen, bereits fertigen Auslaufgeheges zurückschreckt, kann das Terrain für seine Kaninchen auch selbst bauen. Holz aus dem Baumarkt, dazu Maschendraht oder Plexiglas machen mit etwas handwerklichem Geschick schnell ein tolles Nagerheim, das sich noch dazu ganz individuell den räumlichen Bedingungen anpassen lässt.

Bei der Futterbeschaffung lässt sich speziell von Frühling bis Herbst viel Geld sparen. Denn Kaninchen sind sehr genügsam, was ihre Ernährung betrifft. Für sie sind Delikatessen, was im Garten oder auf Wiesen als Unkraut wächst. Löwenzahn, Brennnessel oder Kresse finden sich in den warmen Monaten fast überall oder können sogar ohne viel Aufwand selbst im Garten oder im Blumenkasten gezogen werden. Frisches Gras lieben Kaninchen ebenfalls. Solange man darauf achtet, dass das Grün frei von Pestiziden, Verunreinigungen durch Hundekot/Urin ist und nicht direkt am Straßenrand gesammelt wird, wo Autos fahren, spricht nichts gegen die Fütterung mit diesen Speisen der Natur. Denn genau genommen sind dies die hauptsächlichen Ernährungsbestandteile, die Kaninchen als reine Vegetarier benötigen. Auch ein Blick in den Preisvergleich kann Geld sparen. Wie Sie Kaninchen artgerecht füttern, kann in diesem Beitrag nachgelesen werden.

 

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