Kaninchen können stubenrein werden -  tierglueck-Haustierratgeber

Kaninchen können stubenrein werden

Anders als die meisten anderen Nager kann man Kaninchen zur Stubenreinheit erziehen. Das liegt zum einen daran, dass sie Kot und Urin ganz bewusst absetzen und andererseits, daran, dass es sehr reinliche Kleintiere sind, die gerne immer die gleichen Ecken für ihre Geschäftchen aufsuchen. Jedes Jungtier trägt diese guten Eigenschaften bereits in sich. Dies kann sich der Kaninchenhalter zunutze machen und seine Mümmler zu stubenreinen Haustieren erziehen. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn die Kaninchen frei in der Wohnung oder im Haus herumlaufen dürfen. Aber auch etwas ältere Kaninchen, die man beispielsweise aus der Nothilfe oder aus dem Tierheim adoptiert hat, bekommt man mit etwas Geduld und einigen Tricks dazu, eine Kleintiertoilette zu benutzen, auch wenn sie es vorher nicht kannten.

Wildkaninchen graben sich ihre Unterschlüpfe in das Erdreich hinein. Fast drei Meter tief buddeln sie sich mit ihren Vorderpfötchen hinunter und schieben die lose Erde mit den Hinterläufen nach draußen. Manche Bauten erreichen stattliche Längen von knapp 50 Metern. Verzweigungen, Buchten und Tunnel verbinden sich zu einem unterirdischen Heim, in dem ganze Kolonien Zuflucht und Schutz vor Wind und Wetter und den Fressfeinden finden. Damit die Schlafstellen im Bau stets sauber bleiben, nutzen Wildkaninchen immer dieselben Stellen im Tunnelsystem oder auch draußen, um Kot oder Urin abzusetzen. Dieses instinktive Verhalten ist auch bei unseren domestizierten Haus- und Wohnungskaninchen erhalten geblieben.

Wie verhält sich das Hauskaninchen?

Hat man ein Kaninchen angeschafft, kann man beobachten, dass es zunächst neugierig und vorsichtig seine Umgebung erkundet. Dieses Verhalten ist bei Jungtieren noch stärker ausgeprägt. Sein Stall oder sein Käfig ist zunächst sein ganz persönliches Reich, das es zu entdecken und als sein Revier zu vereinnahmen gilt. Dabei probiert das Kaninchen unterschiedliche Plätze zum Ruhen, Fressen oder auch für sein Geschäftchen aus. Was zunächst kein System zu haben scheint, wird bereits nach wenigen Tagen eindeutiger und der Tierhalter kann beobachten, dass sich der Mümmelmann immer an eine bestimmte Stelle im Käfig oder Stall begibt, wenn er sein Geschäft verrichten muss. Meist ist dies auch durch die konzentrierte Anzahl an dunklen Böhnchen ersichtlich. Das Kaninchen hat sich seine Toiliettenecke selbst ausgewählt.

Auch bei Gruppen- oder Paarhaltung kann man dies beobachten – Kaninchen sind keine Einzelgänger und sollten zumindest paarweise gehalten werden. Wobei es sein kann, dass zwei Kaninchen dieselbe Stelle nutzen oder sich eine ganz andere Ecke ausgesucht haben, als der Artgenosse. Beide Verhaltensweisen sind für Kaninchen völlig normal und sprechen für das individuelle Dominanzgehabe oder für ein eher unterwürfiges Gebaren.

Damit Kaninchen sich in einer fremden, neuen Umgebung besser zurechtfinden können, empfiehlt es sich, sie in den ersten Tagen ausschließlich im Käfig oder im Stall zu lassen. Sehr schnell haben die Nager diesen als ihren Bau angenommen und sich mit allem vertraut gemacht.

Der Käfig/ Stall ist Zufluchtsort und Ausgangsbasis gleichermaßen

Wichtig ist zudem, dass man Kaninchen während der ersten Tag nicht aus dem Käfig nimmt, um sie zu streicheln oder ihnen neue Bereiche zu zeigen. Das alles folgt später, wenn sie sich eingewöhnt haben. Wer mit seinen Nagern in Kontakt treten möchte, kann vorsichtig ein Leckerchen durch die Gitterstäbe oder die geöffnete Tür reichen. Kaninchen, die noch nicht handzahm sind, muss man zudem nach und nach an Streicheleinheiten gewöhnen, um sie nicht zu erschrecken.

Lässt man sie weitestgehend in Ruhe, fassen sie jedoch schnell Vertrauen in ihre neue Umgebung und bilden das für Kaninchen so typische Verhalten aus, das die nächsten Schritte hinsichtlich Stubenreinheit ermöglicht. Diese ersten Tage sind insbesondere bei Jungtieren sehr prägend, da Kaninchen Gewohnheitstiere sind. Der Käfig oder der Stall wird schnell zum Zufluchtsort und wird auch später, wenn die Kaninchen ihren Freilauf bekommen – etwa nach fünf bis sieben Tagen – immer wieder die Ausgangsbasis für alle Ausflüge in die Umgebung sein und der Ort an dem sie immer wieder zurückkehren. Ebenso wie der Tunnelbau bei den Wildkaninchen.

Nur nicht schimpfen, wenn man Böhnchen oder Bächlein findet

So ist es nicht verwunderlich, dass man viele Kaninchen gar nicht zur Stubenreinheit erziehen muss, da sie von sich aus ihr Geschäftchen im Stall erledigen. Das ist dann der Idealfall. Und natürlich muss man in den ersten Freilauftagen etwas nachsichtiger sein, wenn dann doch mal einige Böhnchen auf dem Parket liegen oder sich eine blassgelbe Lache auf dem Fliesenboden findet. Mit dem Kaninchen in dieser Situation zu schimpfen, hat allerdings überhaupt keinen Zweck. Das Kaninchen erkennt den Zusammenhang nicht und reagiert allenfalls verschreckt.

Wenn man solche Hinterlassenschaften findet, dann nimmt man den kleinen Übeltäter vorsichtig hoch und setzt ihn in seinen Käfig zurück. Ein Leckerchen und eine Streicheleinheit besetzt diese Aktion positiv und beim nächsten oder übernächsten Mal hat der Mümmelmann in der Regel verstanden, was von ihm erwartet wird.

Eine zusätzliche Kleintiertoilette kann unterstützen

Ist der Freilauf sehr groß oder dürfen die Kaninchen vielleicht sogar in der Wohnung oder im Haus herumhoppeln, kann es Sinn machen, zusätzlich eine spezielle Kleintiertoilette aufzustellen. Hierzu eignet sich eine flache Schale mit etwas saugfähigem Streu, die man zunächst dorthin stellt, wo sich immer wieder eine Köttelansammlung findet. Ein paar aufgefegte Böhnchen, die der Tierhalter ins Streu legt, suggerieren den Kaninchen, dass sie dort schon mal waren. Springen sie dann von sich aus in die Kiste, sollte man sie mit einem Leckerchen belohnen. Schnell ist auch so eine Klokiste positiv besetzt und wird gerne angenommen.

Später, wenn sich die Kiste etabliert hat und immer wieder aufgesucht wird, kann der Tierhalter sie sogar umstellen, an eine für ihn besser geeignete Position im Raum oder Gehege. Denn nun ist nicht mehr der Platz auf dem Parket das Örtchen, sondern die Klokiste – ganz egal, wo diese steht.

Komplett stubenrein wird jedoch kein Kaninchen!

Wer Kaninchen halten möchte, muss auch akzeptieren, dass sich die niedlichen Nager auch durch Duftabsonderungen untereinander verständigen. Mit ihren Kinndrüsen markieren Kaninchen gerne Ecken und Kanten, um ihr Revier zu markieren. Dies ist jedoch weder sichtbar, noch für die menschliche Nase wahrnehmbar. Anders verhält es sich mit Markierungen, die durch Kot oder Urintropfen gesetzt werden. Zu diesen Markierungen kommt es oft bei einer Gruppenhaltung mit mehreren Weibchen. Mit Unsauberkeit hat dies nichts zu tun und auch in diesem Fall wäre schimpfen unangebracht und trifft nur auf Unverständnis. Tierhalter, die damit ein Problem haben, sollten von einem uneingeschränkten Freilauf in der Wohnung absehen und den Kaninchen stattdessen ein separates Gehege zur Verfügung stellen. Wie man einen Freilauf in der Wohnung realisieren kann, können Sie hier nachlesen.

Wer bereits Kaninchen hält, der kennt es schon, dass seine Tiere zuweilen ihre Böhnchen wieder fressen. Hierbei handelt es sich um speziellen Blinddarmkot, den Kaninchen neben ihrem ganz normalen Kot absondern. Er enthält jedoch sehr viele Vitamine, da er einen längeren Verdauungsweg hinter sich hat und ist für Kaninchen sehr gesund. Instinktiv nehmen Kaninchen den Blinddarmkot wieder auf, machen sich jedoch nicht die Mühe, diesen erst in den Stall oder in die Kleintiertoilette zu bringen. Er landet vorzugsweise direkt auf dem Boden, wo sich der Hoppelmann gerade befindet. Allerdings wird er meist sofort vom Ausscheider oder einem Artgenossen gefressen. Manche Tierhalter mögen den Anblick nicht, doch für Kaninchen ist das Kotfressen ein völlig normaler Vorgang.

Mit welchen Tricks bekomme ich meine Kaninchen stubenrein?

Gerade bei Jungtieren, die ihre ersten Ausflüge im Freilauf unternehmen, muss man als Tierhalter anfangs etwas Zeit investieren, um Kaninchen dauerhaft zur Stubenreinheit zu erziehen. Eine gute Beobachtungsgabe hilft. Wenn Kaninchen mal müssen, setzen sie sich meist mit etwas gespreizten Hinterläufen auf den Boden und heben das Schwänzchen, die kleine Blume ein wenig an. Sitzt das Kaninchen in dieser Haltung nicht in seinem Stall oder der Klokiste, sollte man es schnell hochnehmen und in die Kiste setzen. Ist das Geschäftchen dann verrichtet, muss man natürlich loben und ein Leckerchen geben. Meist muss man diese Aktion nur wenige Male wiederholen und das Jungtier hat es verstanden.

Bei erwachsenen Tieren verhält es sich eigentlich ganz genauso, nur, dass man etwas mehr Geduld haben muss. So kann es auch helfen, die Toilette beispielweise auf einen Lieblingsplatz des Kaninchens zu stellen. Und natürlich kann man auch den Umstand ausnutzen, dass Kaninchen für ihr Leben gerne Heu mümmeln. Stellt man die Klokiste direkt neben oder unter die Heuraufe, so können die Nager ihre Geschäftchen direkt beim Futtern verrichten. Das hat große Vorteile, da so mehr Zeit in der Kiste verbracht wird. Gute Erfahrungen kann man auch machen, wenn man seine Kaninchen öfter mit etwas Grünfutter oder einer anderen Leibspeise in den Stall oder die Toilette lockt.

Wird jedes Kaninchen stubenrein?

Die Antwort ist nein, denn es gibt auch Ausnahmen. Zwar ist der Instinkt zur Reinheit bei den Kaninchen immer noch sehr stark ausgeprägt, doch immer extravagantere Züchtungen können schon mal unerwünschte Nebeneffekte produzieren. So kann man bei besonders kleinen Zwergkaninchen oder auffälligen Fellvarianten eine gewisse Lernschwäche beobachten, die sich negativ auf den Stoffwechsel auswirkt.

Auch Kaninchen, die bereits als Jungtiere über lange Zeit sich selbst überlassen wurden und keine Stubenreinheit durch den Halter gefördert wurde, tun sich schwer damit, es als erwachsene Tiere noch zu lernen. Das trifft auch auf Kaninchen zu, die längere Zeit im Tierheim verbringen mussten oder öfter den Besitzer gewechselt haben. Hält man zwei oder mehr Weibchen zusammen, kann es sein, dass eines davon unsauber wird oder bleibt. In einem solchen Fall helfen auch alle Tricks und Leckerchen nicht, das kann man als Tierhalter dann nur akzeptieren.

Die meisten Kaninchen können stubenrein werden und es auch ein Kaninchenleben lang bleiben. Mit ein wenig Geduld und ein paar kleinen Tricks kann der Tierfreund seine Nager zur Reinheit erziehen, sollte aber auch akzeptieren können, dass es auch Ausnahmen gibt. In solchen, eher seltenen Fällen, kann man dann wahre Halterqualitäten beweisen und sich trotzdem liebevoll und mit viel Verständnis kümmern, auch wenn die tägliche Pflege dann etwas aufwändiger ist.

Beitrag jetzt teilen:

Newsletter

Folgt uns auf Facebook

Werde Fan von tierglueck.de auf Facebook und verpasse keine Neuigkeiten mehr.

Jetzt folgen Jetzt folgen