Kaninchenpflege – Vom Fellwechsel bis zur Pediküre - tierglueck-Haustierratgeber

Kaninchenpflege – Vom Fellwechsel bis zur Pediküre

Kaninchen bezaubern uns nicht nur durch ihr angenehmes Wesen oder das niedliche Aussehen, sondern auch durch ihr kuscheliges, weiches Fell, das wir nur zu gerne berühren und streicheln mögen. Die possierlichen Hausgenossen hoppeln heutzutage in zahlreichen Fellfarben und Haarlängen durch Wohnung, Gehege oder Garten. Dabei kümmern sie sich überwiegend selbst um Fell- und Augenpflege. Anders als bei den Wildkaninchen benötigen unsere Hauskaninchen je nach Rasse jedoch noch etwas mehr Unterstützung, insbesondere, wenn es um Krallen und Zähne geht.

Kaninchen verbringen einen großen Teil des Tages damit, sich ausgiebig zu putzen. Dabei gehen sie nicht unbedingt systematisch vor, sondern putzen mal hier mal da und irgendwie wird auf diese Art und Weise jedes Körperteil, inklusive des Intimbereichs berücksichtigt. Geputzt oder gewaschen wird meist mit der Zunge, die über die Fell- und Hautpartien streicht. Dabei werden die Schneidezähne zur Hilfe genommen, mit denen Haarknötchen oder Verkrustungen aus dem Fell gelöst werden. Kaninchen sind sehr gelenkig und schaffen es sogar, sich selbst den Rücken zu putzen. Auch die Pfoten kommen zum Einsatz. Das Kaninchen setzt sich auf seine Hinterläufe und befeuchtet seine Vorderpfoten zunächst mit Speichel. Dann wäscht es mit den Pfötchen Augen, Ohren, Nase und Barthaare. Wenn es irgendwo zwickt, nutzt es auch seine Hinterläufe, um sich zu kratzen und dabei das Fall zu reinigen. Anschließend werden die Hinterläufe meist wieder gewaschen – eine Besonderheit bei Kaninchen.

In einer Paar- oder Gruppenhaltung unterstützen sich die Kaninchen bei der Pflege sogar gegenseitig und nicht selten sogar gleichzeitig. Oft sind sie so intensiv mit dem Putzen des Artgenossen beschäftigt, dass viele Minuten vergehen. Ihre Ohren wackeln dabei emsig hin und her.

Zusätzliche Fellpflege ist abhängig von Rasse und Haarlänge

Die zusätzliche Fellpflege durch den Tierhalter beschränkt sich überwiegend auf Rassen mit längerem Fell, wie beispielsweise bei Angora- oder Löwenkopfkaninchen. Diese Rassen haben zwischen 10 und 25 Zentimeter lange Haare, die sich leicht verknoten und verfilzen können. Hier sollte man auf jeden Fall einmal in der Woche durch Kämmen unterstützen, da die Kaninchen sonst zu viele Haare schlucken, die anschließend Verdauungsstörungen hervorrufen können. Fell, das verknotet und verfilzt ist, lockt zudem Parasiten an. Eine Besonderheit stellt das in Deutschland gezüchtete weiße Angorakaninchen da, das keinen natürlichen Fellwechsel hat und stattdessen regelmäßig kurzgeschoren wird.

Sehr langes Deckhaar, das permanent auf dem Boden schleift und Dreck aufsammelt, sollte etwas eingekürzt werden. Auch empfiehlt sich eine generelle Kürzung des Fells in den heißen Sommermonaten.

Bei klassischen Kurzhaarkaninchen, mit drei bis fünf Zentimeter langem Haar, sollte der Tierhalter nur während des Fellwechsels unterstützen. Diese Rassen kommen den Wildkaninchen am nächsten, daher hält sich der Pflegeaufwand in Grenzen. Das gilt auch für Rexkaninchen, die ein sehr kurzes und dichtes Fellkleid von nur ein bis zwei Zentimetern Länge tragen.

Der Fellwechsel und wie kämmt man eigentlich am besten?

Jedes Frühjahr und jeden Herbst, werfen Kaninchen ihr Sommer- beziehungsweise Winterfell ab. Für den Tierhalter ist diese Phase leicht an den lockeren Haarbüscheln zu erkennen, die aus dem Deckhaar herausgucken. Das Fell beginnt sich meist im Nacken des Kaninchens zu lösen und der Wechsel verläuft dann über Bauch und Rücken bis zu den Hinterläufen. In der Regel dauert der komplette Fellwechsel ca. vier bis sechs Wochen.

Fellpflege Kaninchen - tierglueck-HaustierratgeberWer seinen Kaninchen etwas Gutes tun will, sollte sie in dieser Phase je nach Haarauswurf alle paar Tage kämmen oder bürsten. Bei handzahmen Kaninchen, die an Streicheleinheiten vom Menschen gewohnt sind, stellt dies meist kein Problem dar. Bei scheuen Tieren sollte man abwägen, ob man sie tatsächlich dem Stress des Einfangens und Bürstens aussetzen muss. Zur Fellpflege eignen sich am besten Metallkämme oder Fellstriegel mit unterschiedlich weiten Zinken. Anders als Kunststoffkämme vermindern Metallkämme die statische Aufladung der Haare, die für Kaninchen unangenehm ist und das Haar leicht verfilzen lässt.

Um das Fell zu entknoten, beginnt man am besten mit einem groben Kamm oder Striegel. Gekämmt wird dabei grundsätzlich nur in Fellrichtung, nicht entgegengesetzt. Denn dabei stellen sich die Haarwurzeln gegen die Wuchsrichtung auf, was für Kaninchen unangenehm ist. Hartnäckige Verknotungen sollten besser nicht ausgekämmt, sondern mit einer Schere aus dem Fell geschnitten werden, um unnötigen Stress für das Tier zu vermeiden. Nach dem groben Kamm sollte ein zweiter und dritter Durchgang mit feineren Kämmen erfolgen, die in der Regel das lose Haar besser aus dem Fell ziehen.

Auch das Fell an Brust und Bauch sollte in die Fellpflege einbezogen werden. Hierzu legt man das Kaninchen am besten auf den Rücken. Da die meisten Kaninchen das nicht so gerne mögen, kann der Tierhalter einen Trick anwenden. Er nimmt das Kaninchen auf den Arm und setzt sich auf den Boden oder eine andere ebene Fläche. Dann zieht er beide Knie an, so dass eine schräge Auflagefläche zwischen Knien und Oberschenkel entsteht. Die Mulde, zwischen den Beinen eignet sich hervorragend zur Ablage des Kaninchens (Kopf nach oben zu den Knien zeigend), das in dieser Position meist von alleine liegenbleibt, ohne dass man es festhalten muss, da es diese Lage als recht bequem empfindet. Auf diese Weise lässt sich auch das Brust- und Bauchfell kämmen. Für diese empfindliche Körperregion beim Kaninchen empfiehlt sich auch eine weiche Bürste.

Vom Einsatz eines Staubsaugers zum Entfernen der losen Haare direkt am Tierkörper wird allgemein abgeraten. Auch wenn dies für den Tierhalter besonders komfortabel ist, bedeutet es erhöhten Stress für das Kaninchen, das meist vor dem lauten Geräusch und der Saugdüse des Staubsaugers Angst hat.

Kaninchen nur im Notfall baden!

Ein gesundes Kaninchen sollte grundsätzlich nicht gebadet werden. Das dichte, feine Fell nimmt extrem viel Wasser auf und die sich natürlich nachgenerierende Schutzschicht der Kaninchenhaut wird nachhaltig gestört. In seltenen Fällen kann es jedoch notwendig sein, ein Kaninchen ganz oder teilweise zu baden, etwa zur Komplettreinigung nach einem behandelten Parasitenbefall oder einer Durchfallerkrankung mit starken Verkrustungen von Fell und Haut.

Wer sein Kaninchen also aus medizinisch notwendigen Gründen baden muss, sollte eine kleine Kunststoffwanne nutzen, in die das Kaninchen gut hineinpasst. Die Wanne stellt man am besten in die hauseigene Badewanne oder Duschtasse. So hat man eine zusätzliche Sicherung, falls sich der Patient plötzlich aus den Händen löst. Das Wasser sollte lauwarm sein und je nach Größe des Tieres nicht mehr als 6 bis 8 cm hoch eingefüllt werden – etwa bis zur Rückenhöhe. Das Kaninchen wird nur in das Wasser gesetzt, nicht gelegt und sein Kopf nicht runtergedrückt. Je nach Grund für das Bad, sollte das Wasser entweder klar sein oder als Zusatz ein mildes Baby-Shampoo beinhalten. Dadurch lösen sich Verschmutzungen und Verkrustungen leichter. Zum Reinigen eignet sich ein Waschhandschuh oder noch besser, die Hände des Tierhalters. Gummihandschuhe verhindern den direkten Kontakt mit ausgewaschenen Parasiten oder Kotverschmutzungen.

Nach dem Bad muss das Kaninchen sofort sehr gründlich abgetrocknet werden, damit es sich nicht erkältet. Zwei Frotteehandtücher werden benötigt, um die Nässe aus dem Fell zu tupfen. Anschließend sollte das Kaninchen auf einem trockenen Handtuch – idealerweise in der Nähe eines Heizkörpers – nachtrocknen können. Eventuell empfiehlt sich auch der Einsatz einer Rotlicht- oder Wärmelampe, was die meisten Kaninchen mögen. Und natürlich sollte auch das Lieblingsleckerchen zur Versöhnung und Beruhigung bereitliegen.

Krallenpflege – die Pediküre beim Kaninchen

Kaninchen, die viel auf Holz, Stein oder anderen rauen Untergründen laufen, schleifen sich in der Regel ihre Krallen selbst ab. Einige lieben es auch, in Sandkisten zu buddeln und führen so eine natürliche Abnutzung herbei. Wenn sich die Krallen jedoch nicht von selbst abnutzen, muss der Tierhalter ca. zweimal im Jahr mit einer speziellen Tierkrallenschere oder -zange aus der Zoologie nachhelfen. Die Krallen werden dabei nicht gerade, sondern leicht abgeschrägt und nur bis höchstens einen Millimeter vor den beginnenden Blutgefäßen gekürzt. Bei hellen Krallen sind die Blutgefäße deutlich zu erkennen, bei dunklen Krallen kann der Einsatz einer Gegenlichtlampe helfen. Das Krallenschneiden sollte nur von erfahrenen Tierhaltern selbst übernommen werden und nur zu Zweit. Eine Person hält das Kaninchen fest, die andere Person schneidet zügig und ohne zu zögern, um den Stress für das Tier zu minimieren. Wer noch keine Erfahrung hat oder generell unsicher ist, sollte sein Kaninchen lieber zum Tierarzt bringen. Das kostet nicht mehr als 5 oder 10 Euro pro Hoppelmann.

Durch Zahnkontrolle Fehlstellungen erkennen

Ebenso wie die Krallen, wachsen auch die Zähne beim Kaninchen ständig nach. Daher ist es auch wichtig, dass sie immer etwas zu knabbern und zu nagen haben. Kaninchen haben vier Schneidezähne, zwei sitzen im Oberkiefer und zwei im Unterkiefer. Die Backenzähne sind weiter hinten im Mäulchen angeordnet. Im Idealfall stoßen die Schneidezähne perfekt aufeinander und können sich so auf natürlichem Weg abschleifen. Es kann aber auch zu Fehlstellungen kommen, bei denen die Zähne aneinander vorbei wachsen und nicht mehr abschleifen. Dann kringeln sie sich entweder im Mäulchen oder wachsen an den Lippen vorbei nach außen. Unter Umständen kann das Kaninchen keine Nahrung mehr aufnehmen. In diesem Fall müssen die Zähne durch den Tierarzt abgekniffen werden. Sollte sich die Fehlstellung nicht korrigieren, müssen die Schneidezähne alle 4 bis 6 Wochen nachgeschnitten werden. Der Tierhalter sollte die Schneidezähne seiner Kaninchen also regelmäßig kontrollieren. Die zurückliegenden Backenzähne sind nicht so einfach einzusehen. Daher kontrolliert der Tierarzt diese bei den notwendigen Impfungen mit einer speziellen Mundhöhlenlampe auf Beschädigungen oder scharfe Kanten.

Die Kaninchenpflege wirkt zunächst zeitaufwändig. Das ist aber nur der erste Eindruck, denn meist entwickelt sich diese fast spielerisch im ganz normalen alltäglichen Umgang mit den kuscheligen Hausgenossen und bereitet dem Tierhalter so ganz nebenbei auch noch viel Freude.

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