Dem Hund das Jagen abgewöhen | tierglueck-Haustierratgeber

Kann man Hunden das Jagen abgewöhnen?

Viele Hundebesitzer, die in der Stadt wohnen, träumen davon, ihren Hund auch einmal von der Leine und frei laufen lassen zu können. Der Vierbeiner kann nach Herzenslust schnüffeln und sich auch mal einige Meter weit von seinen Menschen entfernen. Schließlich ist er seinen Zweibeinern treu ergeben und würde nicht weglaufen. Für viele ist dies eine romantische Vorstellung. Doch der Spaziergang im Wald oder auf Feldern und Wiesen kann auch seine Tücken haben. Eine Bewegung im Dickicht, ein aufspringender Hase auf dem Feld und schon ist der Mensch an seiner Seite vergessen und der Hund auf und davon. Er wird von seinem Jagdtrieb geleitet und will unbedingt Beute machen. Klar, dass dieses Verhalten von Frauchen oder Herrchen unerwünscht ist. Doch was kann man tun? Warum jagen Hunde überhaupt und lässt sich der Jagdtrieb des Vierbeiners unterdrücken oder gar abstellen?


Es gibt zwar Rassen, bei denen der Jagdtrieb größer ausgeprägt ist, als bei anderen, doch ein wenig Jagdhund steckt in jedem unserer Vierbeiner. Schließlich stammen alle Haus- und Familienhunde vom wildlebenden Wolf ab, der jagen muss, damit er nicht verhungert. Zwar muss in Deutschland kein Hund Hunger leiden, da die Näpfe immer gut gefüllt sind, doch der über Jahrtausende entstandene Jagdinstinkt ist immer noch vorhanden. Einige Hundert Jahre der Domestizierung können dies nicht verändern. Zumal nach wie vor Hunderassen zur Jagd und speziellen Aufgaben, wie Fährtenlesen, Verfolgen oder Stellen einer Beute gezüchtet werden.

Warum jagen Hunde eigentlich?

Wer keinen Jagdhund als tierischen Gefährten haben möchte, sollte daher von der Anschaffung gewisser Rassen Abstand nehmen. Darüber hinaus ist es durch intensives Training möglich, den Jagdinstinkt seines Hundes einzudämmen oder im Idealfall sogar vollständig abzustellen. Um diese Aufgabe erfolgreich erfüllen zu können, muss der Halter erst einmal verstehen, warum Hunde überhaupt jagen. Zum einen folgen sie damit, wie ausgeführt, einem angeborenen Instinkt und andererseits haben viele Hunde schlichtweg Spaß beim Jagen, Fangen und Erlegen einer Beute, weil es ihnen sehr schnell ein Erfolgserlebnis bescheren kann. Sie empfinden ganz einfach Glück und Zufriedenheit beim Jagen und vergessen alles andere um sich herum.

Genau genommen greift man also in die Natur ein, wenn man seinem Vierbeiner das Jagen verbieten möchte. Andererseits passt ein jagender und Wild-schlagender Hund nicht in unser modernes Gesellschaftsbild eines domestizierten Haustieres – Hunde, die gezielt zur Jagd eingesetzt werden, sollen hier einmal außen vor bleiben. Viele fragen sich zudem, ob ein jagender Hund irgendwann keinen Unterschied mehr zwischen einem Hasen und einem Huhn macht. Ausgelöst wird der Jagdtrieb übrigens durch ein sich schnell bewegendes Lebewesen. Würde es hingegen bewegungslos auf der Wiese sitzen, wäre der Hund zwar neugierig, doch außer Schnüffeln, Anstoßen oder Ablecken würde nicht viel passieren. Erst wenn das Tier aufspringt und wegläuft, wäre das Signal für eine Verfolgungsjagd gegeben.

Viele Hunde jagen aber auch aus Langeweile oder weil sie nicht ausgelastet sind. Allzu kurze Spaziergänge, nur zum Gassi gehen, bieten den Vierbeinern oftmals keine große Befriedigung. Da kommt jede Abwechslung gerade recht, und wenn es die Katze ist, die auf dem Grundstück herumstreicht oder das Kaninchen auf der Wiese nebenan. Allein aus Frustbewältigung laufen viele Hunde hinter der vermeintlichen Beute her, ohne gezielte Absicht, diese zu töten. Es geht einzig ums Jagen. In einem solchen Fall kann man als Halter ganz schnell Abhilfe schaffen, in dem man den Spaziergang für den Hund interessanter gestaltet – der Hund sollte nicht nur sein Geschäftchen verrichten. Dazu gehören längere Wegstrecken, auch solche, die der Vierbeiner noch gar nicht kennt und beispielsweise Apportier- oder Suchspiele, die man unterwegs integrieren kann.

Welche Rassen sind ausgesprochene Jagdhunde und welche weniger?

Wie eingangs erwähnt, gibt es Hunderassen, die speziell für bestimmte Aufgaben beim Jagen gezüchtet werden. In ihnen steckt also deutlich mehr Jagdhund, als in anderen Rassen. Der Jagdtrieb ist von rassespezifischem Verhalten und Instinkten abhängig. Bei einigen Rassen ist der Bewacher- und Beschützerinstinkt sehr stark ausgebildet, andere besitzen ein sozial geprägtes Rudelverhalten oder sind stark hormonell gesteuert. Rassen, die stark zum Jagen neigen, sind beispielsweise Basset, Dackel, Deutsch Drahthaar, Münsterländer, Podenco, Retriever, Setter oder die meisten Terrier. Diesen und anderen Jagdhunden das Nachstellen abgewöhnen zu wollen, ist selbst für erfahrene Hundetrainer eine nahezu unlösbare Aufgabe. Wer dennoch eine dieser Rassen bevorzugt, sollte sich darauf einstellen, seinen Vierbeiner insbesondere im Wald oder Gelände grundsätzlich an der Leine zu führen.

Weniger Interesse an der Jagd zeigen dagegen zum Beispiel Berner Sennenhund, Boxer, Dalmatiner, Eurasier, Hovawart, Malteser, Schäferhund oder Sheltie. Aus Hundehaltersicht sind vielleicht auch Mischlinge interessant, die trotz eindeutiger Rassemerkmale keinen auffälligen Jagdinstinkt besitzen. Ein Besuch im Tierheim kann sich lohnen oder das Durchsehen von Privatanzeigen zur Hundevermittlung.

Durch ein spezielles Training das Jagen abgewöhnen

Man kann also nicht pauschal jedem Hund das Jagen abgewöhnen. Bei einigen Rassen ist der Jagdtrieb – auch züchtungsbedingt – so stark ausgeprägt, dass jeder Trainingsversuch zum Scheitern verurteilt ist. Das bedeutet nicht, dass diese Vierbeiner nicht generell tolle Gesellschafter sind oder grundsätzlich lernunfähig sind. Allerdings muss man sich auf gewisse Kompromisse beim Gassi- oder Spazierengehen einstellen.

Bei Hunden, die nur gelegentlich Jagen oder die über einen weniger starken Jagdtrieb verfügen, lohnt sich jedoch ein gezieltes Training. Dies erfordert vom Hundehalter aber genaue Kenntnis über das Verhalten seines Vierbeiners in unterschiedlichen Situationen sowie ein konsequentes Handeln. Und vor allem eines: viel Geduld, denn das Anti-Jagdtraining ist ein langwieriger Prozess über viele Wochen oder sogar Monate. Rückfälle sind vor allem in der Anfangsphase möglich. Zudem kann ein professioneller Hundetrainer maßgeblich unterstützen.

Grundvoraussetzung für den Erfolg eines Anti-Jagdtrainings ist, dass der Hund die Basiskommandos befolgt und Gehorsam zeigt. Ein Vierbeiner, der nicht weiß, was Sitz, Platz, Bleib oder Komm bedeutet, wird man nicht das Jagen abgewöhnen können. Hier ist zunächst an der Grundausbildung anzusetzen. Anschließend kann das eigentliche Training beginnen, bei der es vereinfacht ausgedrückt darum geht, seinem Vierbeiner eine Gegenleistung dafür zu erbringen, dass er auf das Hinterherjagen verzichtet. Für den Hund bedeutet dies in der Regel ein enormer Verzicht – wir erinnern uns, es macht in glücklich zu jagen – also muss der Ausgleich entsprechend hochwertig sein.

Das erfolgreiche Resultat seiner Jagd nach einem Reh, einem Hasen oder anderem Wild ist für den Hund in der Regel am Ende die erjagte Mahlzeit. Daher muss der Ausgleich für seinen Verzicht auch eine schmackhafte Belohnung sein, damit er sein Erfolgserlebnis doch noch bekommt. Ein simples Leckerli ist zwar ein guter Anfang, wird ihn auf Dauer aber nicht vom Jagen abhalten, es muss sich für ihn lohnen. Daher kann es für das Training sinnvoll sein, wenn der vierbeinige Lehrling eine seiner täglichen Futterrationen unterwegs bekommt. Vielleicht ist es dann auch mal ein besonderer Leckerbissen, den er nicht alle Tage erhält.

Viele Methoden können zum Ziel führen

Das Training beginnt nicht erst in dem Augenblick, wenn der Hund bereits dem Wild hinterherläuft. Einen Hund, den das Jagdfieber einmal gepackt hat, hält kein Kommando oder Leckerli mehr auf. Wichtig ist, mit dem Training bereits vor dem geplanten Spaziergang zu beginnen, etwa im eigenen Garten oder im umzäunten Grundstück, vorzugsweise dort, wo sich keine wild-+lebenden Tiere aufhalten.

Unterschiedliche Methoden und Vorgehensweisen können dabei zum gewünschten Erfolg führen. Eine Methode, die eigentlich von jedem Hundehalter angewendet werden kann, ist die Fixierung des Hundes auf ein bestimmtes Kommando, das nur für diesen einen Zweck verwendet werden darf. Ziel ist es, den Vierbeiner dazu zu bewegen, dass er sofort sein Herrchen anschaut, wenn er das Kommando hört. Als Schlüsselkommando sucht man sich so etwas wie "Achtung Beute!" oder "Schau da!" aus. Ein ausgestreckter Arm deutet passend auf einen Punkt in der Entfernung. Zunächst muss der Halter allerdings die volle Aufmerksamkeit seines Schülers bekommen. Das erreicht man am besten durch das Kommando Sitz. Die meisten Hunde haben bereits gelernt, dass nach diesem Kommando etwas Besonders folgt, wie beispielsweise ein Lob oder ein Leckerli. Daher wird es gerne befolgt und der Hund schaut sein Herrchen an, in Erwartung, was nun kommt.

Nun folgen das gewählte Schlüsselkommando und die entsprechende Geste. Der Hund schaut dem ausgestreckten Arm seines Herrchens hinterher und läuft vielleicht auch einige Schritte in diese Richtung. Natürlich sieht er dort nichts, kommt zurück und schaut sein Herrchen an. Super, Ziel erreicht! Der Vierbeiner wird gelobt und erhält seine Belohnung. Diese Aktion sollte man einige Male wiederholen, bis der Vierbeiner verstanden hat, dass er auf sein Herrchen zugehen und es anschauen muss, wann immer er das Schlüsselkommando hört. Wichtig ist jedoch, dass er auch jedes Mal Futter bekommt, denn nur wenn er auch dies verinnerlicht hat, wird er das Kommando auch dann befolgen, wenn ein Tier vor ihm davonläuft und er hinterher will. Es empfiehlt sich zudem das Training regelmäßig zu wiederholen, damit es beim Vierbeiner präsent bleibt. Zur Umsetzung kann ein Futterbeutel, ein Klicker oder ein Triggerstab unterstützen. Diese Methode löst überdies bei intelligenten Hunden noch einen zusätzlichen positiven Lerneffekt aus. Hat die Kommandofixierung erfolgreich auch im Ernstfall funktioniert, sprich hat der Hund das Jagen auf Kommando abgebrochen, wird er bald zunächst sein Herrchen anschauen, wenn er ein anderes Tier sieht.

Andere Methoden des Anti-Jagdtrainings sind beispielsweise die Jagdsimulation mit einer Ersatzbeute oder eine andere intensive Beschäftigung des Hundes, wie beispielsweise Apportier- oder Suchspiele. Einen passionierten Jagdhund werden diese Methoden aber allenfalls teilweise von seiner Begeisterung fürs Nachstellen abhalten.


Einem Hund das Jagen ganz oder teilweise abzugewöhnen, bedeutet nicht zwangsweise seine Naturinstinkte zu unterdrücken, denn er bekommt eine angemessene Belohnung für seinen Verzicht. Akzeptieren sollte man jedoch, dass bei einigen Rassen der Jagdtrieb für ein erfolgreiches Training zu ausgeprägt ist. Zur Stressvermeidung für Mensch, Hund und Umfeld bleibt dann immer noch der kontrollierte Spaziergang an der Leine.

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