Katzen: so verlieren sie ihre Scheu - tierglueck-Haustierratgeber

Katzen: so verlieren sie ihre Scheu

Katzen werden zumeist als verschmuste und sehr zuneigungsbedürftige Wesen charakterisiert. Doch nicht alle Kätzchen sind von Anfang an zutraulich. Was also tun, wenn die Katze ängstlich oder gar scheu ist? Es gibt die verschiedensten Gründe, warum eine Katze Ängstlichkeit zeigt. Fremde Menschen, neue Umgebungen, Tierarztbesuche oder auch schlechte Erfahrungen können bei Katzen zu Misstrauen und Angst führen. Das deutlichste Körpersignal für Angst ist Fauchen und der typische Katzenbuckel. Aber auch langsame, geduckte und angespannte Bewegungen sind charakteristisch für eine ängstliche Katze. Auf Berührungen wird meist mit aggressivem Abwehrverhalten reagiert. Um der scheuen Samtpfote die Angst zu nehmen, ist es wichtig die Gründe für ihr Verhalten zu kennen.

Natürliche Scheu

Katzen sind von Natur aus mit einer großen Portion Skepsis ausgestattet. Ihr Überlebens- und Fluchtinstinkt rät stets zu Vorsicht und Misstrauen. In einer neuen Umgebung begegnet das Kätzchen vielen fremden Geräuschen, Gerüchen, Lebewesen und Situationen. Sie muss erst lernen, welche Dinge hiervon tatsächlich eine Bedrohung darstellen und welche sich als vertrauenswürdig entpuppen. Auch wenn sich im Zuhause etwas ändert, wird erstmal instinktiv mit Vorsicht agiert. Die Scheu vor neuen Umgebungen ist somit vollkommen natürlich.

Viele Katzen reagieren Scheu auf Menschen, wenn sie den menschlichen Umgang nicht von klein auf gewohnt sind, sondern vielleicht in freier Natur, oder auf einem Bauernhof aufgewachsen sind. Auch hier ist es normal, dass sie Menschen zunächst eher misstrauisch und mit Vorsicht begegnen, da es ihr natürlicher Schutzinstinkt ist.

Bei der natürlichen Scheu vor Menschen und neuen Umgebungen ist vor allem Zeit gefordert. Mit liebevollem und feinfühligem Umgang wird die Katze sehr schnell lernen, dass Menschen ihr nichts Böses wollen. Am Anfang ist es sicherlich ratsam dem Neuling erstmal nur einen Raum zu zeigen, den er in Ruhe erkunden und entdecken kann. Futter, Wasser, eine Katzentoilette und ein kleiner Rückzugsort genügen. Dies sind schon viele neue Dinge, die anders riechen und aussehen als gewohnt. Mit kleinen Spiel- und Streicheleinheiten gewinnt die Samtpfote bald Vertrauen in ihre neue Umgebung und Mitbewohner. Am besten eignen sich Spiele, die eine gewisse Distanz zum Menschen wahren, wie z.B. Spielangeln. So kann die Katze entspannt ihrem Spieltrieb nachgehen, ohne befürchten zu müssen, dass ihr jemand zu nahe kommt. Nach ein paar Tagen sollte die Scheu verflogen sein – und Mieze wird neugierig alles Weitere erkunden.

Frühzeitige Trennung und traumatische Erfahrungen

Nicht bei jeder Katze lässt die natürliche Scheu nach der Eingewöhnung nach. Eine zu frühzeitige Trennung von der Mutter oder traumatische Erfahrungen können zu einem gestörten Bindungsverhalten und Ängstlichkeit führen.

Katzenbabys, wie auch Menschenbabys, bauen in den ersten Wochen (bei Menschen dauert dies einige Monate) eine Bindung zu ihrer Mutter auf. Sie lernen, dass sie in gefährlichen Situationen Schutz und Beruhigung bei ihr finden können. Außerdem versorgt sie sie mit Nahrung und zeigt ihnen grundlegende Verhaltensweisen, wie das Jagen und Putzen. Wenn Katzen zu früh von ihrer Mutter getrennt werden, kann es zu einer Störung des Bindungsverhaltens kommen. Dies kann sich in sowohl sehr ängstlichem als auch unnatürlich zutraulichem Verhalten äußern. Meist benötigen diese Katzen eine ganz große Portion Geduld und sehr viel Liebe.

Bei Katzen, die vorher schon woanders gelebt haben, besteht die Gefahr, dass sie auf Grund schlechter Behandlung ein gesteigertes Misstrauen Menschen gegenüber zeigen. Nicht selten trifft dies bei Katzen aus dem Tierheim zu. Das Bewältigen einer Traumatisierung benötigt viel Zeit, Geduld und Arbeit, denn körperliche und psychische Misshandlungen oder aber auch das (zu) häufige Wechseln der Besitzer können zu einem Vertrauensbruch führen. Nicht selten dauert die Aufarbeitung Jahre, manche Katzen erholen sich auch nie von den Erfahrungen.

Falls in Erfahrung gebracht werden kann, welche negative Situation die Katze (z.B. bei ihrem vorherigen Besitzer) gemacht hat, ist dies sehr hilfreich. Denn oftmals bezieht sich die Angst auch nur auf eine spezifische Situation. So mögen manche Katzen keine Menschen mit tiefer Stimme, haben große Angst vor Hunden oder wehren sich gegen spezielle Berührungen. Sofern dieser Auslöser vermieden werden kann, wäre dies sicherlich das Beste für die Katze.

Grundregeln zum Aufbau einer gesunden Beziehung:

Generell ist es bei ängstlichen Katzen wichtig, ihr einen sicheren Rückzugsort zu geben, in dem sie sich entspannen und wohlfühlen kann. Am besten ist dieser auf einer erhöhten Position oder in einem dunklen Versteck. Oft ist es auch hilfreich, die Katze zunächst einmal in Ruhe zu lassen, vor allem wenn sie die Umgebung noch nicht kennt.  So kann sie sich langsam an den Tagesrhythmus der neuen Besitzer gewöhnen und selbst entscheiden, wann es für sie sicher ist, ihr Versteck z.B. zum Fressen zu verlassen. Mit der Zeit wird dies immer häufiger der Fall sein. Anschließend sollte Schritt für Schritt eine Annäherung erfolgen. Wichtig ist hierbei, dass der erste Schritt immer von der Katze ausgeht. Die ersten Annäherungsversuche sollten auch immer positiv verstärkt werden, z.B. mit Futter oder kleinen Streicheleinheiten (sofern möglich). Leckerlis eignen sich übrigens auch hervorragend, um die scheue Mieze vorsichtig anzulocken. Es wird am besten auf der ruhigen Handfläche angeboten.

Viele Katzen deuten direkten Augenkontakt als Angriffslust und fühlen sich bedroht, ein Blick leicht seitlich an der Katze vorbei vermittelt eine friedlich gestimmte Gesinnung. Um den Größenunterschied zwischen Mensch und Katze zu verringern ist es sinnvoll, auf den Knien oder im Sitzen mit der Katze zu interagieren. Außerdem ist es wichtig, trotz Anwesenheit (z.B. beim Füttern oder Spielen) Distanz zu wahren, sodass sich die Katze zu keinem Zeitpunkt bedroht fühlt. Das geeignete Spielzeug ist hier zentral: Stöckchen oder Schnur, wecken den Spieltrieb und die Neugier, ohne dass man der Katze zu nahe kommen muss. Wenn sich die Samtpfote langsam sicher fühlt, wird sie sich bald die ein oder andere Schmuseeinheit von selbst abholen. Von Bedeutung ist hierbei, dass diese niemals eingefordert wird, außerdem sollten sensible Körperstellen gemieden werden. Denn an Kopf und Bauch gestreichelt zu werden, mögen nicht alle Katzen. Bei ersten Anzeichen von Angst oder Anspannung sollte wieder auf Distanz gegangen werden. Außerdem ist es ratsam die Katze nicht hochzuheben, da man ihr dadurch die Kontrolle und die Möglichkeit zur Flucht nimmt. Laute und fremde Geräusche, wie z.B. ein Staubsauger sollten in der Anfangszeit vermieden werden, oder nicht im selben Raum genutzt werden, in dem sich die Katze aufhält. Pflanzliche Mittel oder Pheromon-Sprays können bei der Eingewöhnung unterstützen. Am besten sollte hierfür der Tierarzt konsultiert werden.

Diese Grundregeln helfen der Samtpfote, eine gute und vertrauensvolle Beziehung zu Frauchen und Herrchen aufzubauen. Eine gesunde Bindung zu Menschen erkennt man im Verhalten der Katze. Sie äußern sich aber nicht durch freudige Jubelrufe, wenn Herrchen oder Frauchen nach Hause kommt. Katzen verhalten sie eher zurückhaltend und leise. Schnurren, Körperkontakt, ein erhobener Schwanz zur Begrüßung und der sogenannte Milchtritt zeigen deutlich die Zuneigung und das Vertrauen einer Katze. Wichtig ist, dass man Katzen zu einer solchen Liebeserklärung nicht zwingen darf und kann. Wenn sie sich nach einer Schmuseeinheit fühlt, wird sie sich diese auch holen. Zuletzt darf Scheu nicht mit einer Berührungsempfindlichkeit verwechselt werden. Manche Katzen mögen einfach keine Berührungen. Dies sollte dann auch akzeptiert werden.

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