Leinenführigkeit lernen -  tierglueck-Haustierratgeber

Leinenführigkeit lernen - die unsichtbare Leine

Kaum ein anderes Haustier ist dem Menschen so treu ergeben, wie der Hund. Die meisten von ihnen folgen ihren Herrchen oder Frauchen zu Hause auf Schritt und Tritt. Natürlich geht es um die Nähe zum Sozialpartner, aber auch darum, noch eine Extraportion Streicheleinheiten oder Leckerchen zu erhaschen. Anders verhält es sich oft beim Gassi gehen. Viele Hunde sind dann plötzlich so aufgeregt, dass Herrchen Mühe hat, Halsband und Leine anzulegen. Ganz zu schweigen davon, dass sie nach draußen stürmen, sobald die Tür aufgeht und ihre Menschen einfach hinter sich herziehen. Dass dies den Zweibeinern gar nicht gefällt und sie zurückziehen, ist das Resultat. Dabei sollte es ganz anders ablaufen. Mensch und Tier sollten beim Gassi gehen eine Art Partnerschaft eingehen und ein harmonisches Gespann bilden.

Die Leine, die beide miteinander verbindet, ist dabei eigentlich nur Mittel zum Zweck und dient idealerweise nur im Notfall der Sicherung des Hundes. Ein gesunder, ausgeglichener Hund sollte in der Lage sein, innerhalb weniger Wochen zu lernen, wie er bei Fuß geht und dass nicht er, sondern sein Herrchen die Richtung vorgibt. Eine locker durchhängende Leine ist immer ein Zeichen von gegenseitigem Verständnis – sie ist quasi unsichtbar. Ist die Leine hingegen gespannt, ist auch das Verhältnis zwischen Hund und Mensch angespannt. Ein gutes Leinenführungs-Training kann Abhilfe schaffen.

Die meisten Hunde würden natürlich am liebsten immer ohne Leine nach draußen gehen. Und es gibt viele, sehr gut erzogene und gehorchende Hunde, bei denen das ohne Probleme möglich wäre. In sehr belebten Umfeldern ist davon jedoch abzuraten. Zudem herrscht in vielen Städten und Gemeinden eine Anleinpflicht für Hunde. Dazu es gibt viele Menschen, die sehr unsicher reagieren, wenn ihnen ein freilaufender Hund begegnet.

Das Training beginnt bereits im Welpenalter

Was immer man einem Hund beibringen möchte, man kann nicht früh genug damit anfangen. Im Welpenalter lernt sich alles noch am besten. Das trifft insbesondere auf die Leinenführung zu. Im Alter von drei bis vier Wochen bekommt ein Welpe meist bereits die erste Halsbandprobe. Das übernimmt zu diesem frühen Zeitpunkt in der Regel der Züchter. Oft handelt es sich dabei um ein breites, sehr weiches und leichtes Halsband, speziell für Welpen. Ein Geschirr kommt zu diesem Zeitpunkt noch nicht zum Einsatz. Es geht darum, den Junghund grundsätzlich an ein Halsband zu gewöhnen, was zu einem späteren Zeitpunkt deutlich schwieriger wird.

Nach ein bis zwei Wochen beginnt das Leinentraining. Dafür wird eine sehr leichte Leine am Halsband befestigt. Für die ersten Versuche eignen sich auch ein längeres Band oder eine Kordel sehr gut, die keine Schlaufen oder Ösen hat. Denn die Leine soll der Welpe zunächst nur einfach hinter sich herziehen, aber sie sollte sich nicht an Gegenständen verhaken können und so den Bewegungsdrang des Welpen abrupt stoppen. Das übt man am besten im Haus, in der Wohnung oder im abgegrenzten Garten. Wie es sich anfühlt, eine Leine hinter sich herzuziehen, lernt der Welpe zunächst spielerisch – es geht um nichts. Er läuft hinter Futterbröckchen her, spaziert mit Herrchen oder Frauchen durch den Garten oder spielt mit seinem Lieblingspielzeug. Hat sich der Kleine an das lange dünne Ding hinter ihm gewöhnt, geht es zum nächsten Schritt, die Leine wird in die Hand genommen. Dadurch verändern sich der Winkel, in dem die Leine hängt und auch ihr Gewicht. Dabei sollte die Leine immer locker durchhängen. Sobald sie sich spannt, weil der Welpe zieht, lässt man sie los.

Welpentraining mit Brustgeschirr und fixer Leinenbegrenzung

Für das eigentliche, sich anschließende Training ist ein leichtes Brustgeschirr besser geeignet, als ein Halsband. Welpen sind naturgemäß sehr unerfahren und müssen das Gassi- oder Spazierengehen an der Leine erst noch lernen. Anfangs versuchen sie zu ziehen, um auszuloten, wie groß ihr Spielraum ist. Das Brust- oder Rückengeschirr sollte dem Welpen gut passen, also weder zu groß noch zu klein sein. Eine Trainingsleine von zwei bis drei Metern Länge ist ausreichend, dadurch behält Herrchen die Kontrolle und der Junghund hat genug Spielraum.

Eine Leine in einer fixen Länge ist wichtig für den Welpen, denn er soll ja lernen, in Herrchens Nähe zu bleiben und nicht permanent zu ziehen. Ziel ist es, dass sich der Hund seinen Bewegungsradius einprägt. Daher ist es wichtig zumindest in den ersten Wochen immer eine Leine von gleicher Länge zu nutzen. Flex- oder Schleppleinen sollten bei diesem Training nicht zum Einsatz kommen.

Für ein erfolgreiches Training ist es wichtig, dass die Aufmerksamkeit des Hundes immer beim seinem Herrchen bleibt. Das erreicht man durch Ansprache und natürlich durch Leckerlis. Trainiert wird in ruhigen Umgebungen, wie der eigene Garten, die Wiese im Stadtpark oder auf einem großen leeren Parkplatz. Solange der Junghund seinem Menschen brav folgt, wird er gelobt und bekommt einen Futterbrocken zur Belohnung. Verliert der Schüler jedoch die Konzentration und Aufmerksamkeit und beginnt zu ziehen, muss der Ausbilder sofort stehenbleiben und die Richtung wechseln. Diese Vorgehensweise wiederholt man so lange, bis der Hund verstanden hat, was sein Mensch von ihm möchte. Meist begreifen junge Hunde das sehr schnell. Dieses Training wiederholt man in den folgenden Tagen solange, bis der Hund gelernt hat, neben seinem Herrchen herzulaufen, ohne dass die Leine gespannt ist. Auf die gleiche Weise bringt man seinem Hund bei, das Kommando "Sitz" an Kreuzungen oder Ampelüberwegen zu befolgen, bis Herrchen das Signal zum Weitergehen gibt.

Können auch erwachsene Hunde noch die Leinenführigkeit erlernen?

Was Welpen nahezu spielerisch lernen, müssen sich erwachsene Hunde erst noch erarbeiten. Bei einem älteren Hund, der nie eine gute Ausbildung bekommen hat, haben sich meist gewisse Eigenarten eingeschlichen, die oft mühsam abtrainiert werden müssen. Nicht selten sind Herrchen und Frauchen mit dieser Aufgabe überfordert und müssen professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. In der Regel führt aber ein Training bei einem Hundeprofi oder in der Hundeschule zum gewünschten Erfolg und so ganz nebenbei auch zu mehr Ausgeglichenheit des Hundes, sowie zum besseren Verständnis zwischen Mensch und Tier.

Das Training mit dem Senior verläuft dann ebenso wie beim jungen Hund. Herrchen oder Frauchen bestimmen die Richtung und müssen konsequent vorgehen. Lob und Leckerchen bei richtigem Verhalten dürfen natürlich auch nicht fehlen. So fasst der Hund ganz schnell Vertrauen und freut sich auf seine nächsten Aufgaben.

Welche Ausrüstung benötige ich, um meinen Hund zu trainieren?

Neben einer guten Leine von fixer Länge spielt auch die Wahl des Halsbandes oder Geschirrs eine wichtige Rolle. Wie bereits erwähnt eignen sich für Welpen Brust- oder Rückengeschirre besser, da ihre Knochen noch sehr weich und die Muskeln noch zu schwach sind. Die Verletzungsgefahr durch ein Halsband wäre zu groß. Allerdings ist die Führung des Hundes immer etwas eingeschränkt, da die Leine bei einem Geschirr statt im Nacken, weiter hinten im Rücken des Vierbeiners eingehakt wird. Für erwachsene Hunde empfiehlt sich beim Leinentraining daher immer der Einsatz eines Halsbandes – der Hund wird am Kopf gelenkt, nicht am Rücken. Von Würgehalsbändern oder solchen Gurten, die sich zuziehen, sollte man als Hundehalter absehen. Zum einen ist die Verletzungsgefahr sehr hoch und andererseits bekommen nicht selten sogar selbstbewusste Hunde Angst vor dem Anlegen des Halsbandes.

Bei sehr nervösen und agilen Hunden kann dennoch ein Geschirr die bessere Wahl für das Leinentraining sein. Herrchen oder Frauchen sollten dann ein Geschirr auswählen, bei dem die Leine möglichst weit vorne am Nacken eingehakt werden kann. Das kann zum Beispiel ein spezielles Trainingsgeschirr sein, das vereinfacht gesprochen, ein um einen Bauchgurt erweitertes Halsband ist. Dadurch verteilt sich der Druck gleichmäßiger auf Hals, Brust und Beinmuskulatur.

Neben Leckerlis als Belohnung können zudem auch Hundepfeife, Clicker oder Taget-Stick hilfreich sein, die Herrchen allerdings nur unterstützend einsetzen sollte – immer darauf achtend, dass diese Hilfsmittel auch für den Hund positiv besetzt sind. Verhält sich der Hund vorbildlich, wird geklickt und es gibt ein Leckerchen. Niemals sollte man diese Hilfsmittel zum Tadeln einsetzen.

Mein Hund ist immer sehr nervös beim Gassi gehen und zieht – was kann man tun?

Hunde, denen Bewegung fehlt, neigen von Natur aus zum Ziehen, sobald sie vor die Tür kommen. Ebenso können unangenehme Schlüsselerlebnisse aus der Vergangenheit dazu führen, dass sich Hunde beim Gassi gehen sehr nervös verhalten. Es wird dem Hundebesitzer schwerfallen, seinem Hund unter diesen oder ähnlichen Umständen die Leinenführung beizubringen. Es fehlt an Ausgeglichenheit und die muss der Hund erst wiedererlangen. Hier kann oft der Hundeprofi Abhilfe schaffen und Tipps geben, wie der Vierbeiner am besten seine Gelassenheit zurückbekommt. Erst dann kann man mit einem erfolgreichen Training beginnen.

Hündin bringt Welpen die Leinenführigkeit bei

Übrigens, wer schon einen erwachsenen und ausgebildeten Hund hat, kann auch dessen Erfahrungen zur Ausbildung seines Welpen nutzen. Die Hündin gibt ihrem Nachwuchs während der ersten Wochen instinktiv alles mit auf den Weg. Und gehen Hundemutter und Junghund zusammen mit Herrchen spazieren, kann sich der Kleine auch das Verhalten seiner Mutter abschauen und tut es ihr gleich. Das klappt zumeist auch, wenn es sich um Hunde handelt, die nicht miteinander verwandt sind. Vorausgesetzt, der erwachsene Hund mag Welpen.

Damit das Gassi gehen oder der Spaziergang nicht zum Kräftemessen von Mensch und Hund wird, sollte man mit seinem Vierbeiner frühzeitig die Leinenführigkeit trainieren. Der Junghund lernt es noch spielerisch, während es bei einem erwachsenen Hund schon etwas mehr Arbeit ist. Ziel ist die gegenseitige Verständigung durch Körpersprache, die Leine dient nur zur Sicherung. Wenn sie locker durchhängt, ist sie wie unsichtbar und ein Zeichen von Harmonie.

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