Artgerechte Beschäftigung von Ziervögeln - tierglueck-Haustierratgeber

Nie wieder Langeweile: Artgerechte Beschäftigung von Wellensittichen, Papageien und Co.

Ob Zebrafinken, Wellen- oder Nymphensittiche, Agaporniden oder Papageien, wer einen Ziervogel im Haus hat braucht sich über Langeweile keine Gedanken zu machen. Mit ihrer fröhlichen, munteren Art und ihrem meist sonnigen Wesen bringen die gefiederten Freunde Leben in die Bude. Damit auch die kleinen Flugkünstler sich nicht langweilen, müssen sie artgerecht gehalten und ausreichend beschäftigt werden. Dabei gibt es einiges zu beachten.

Vögel sind muntere Mitbewohner, die nicht nur viel Humor und einigen Grund zum Schmunzeln in den Alltag bringen, sondern auch oft durch ihre Intelligenz überraschen. So stellt ein Vogel dann gerne auch mal die Geduld seines menschlichen Versorgers auf die Probe. Auch laut kann es werden. Vor allem die verschiedenen Papageienarten können die Nachbarschaft ganz schön auf Trab halten.

Frei wie ein Vogel: Wie sich Vögel in freier Wildbahn beschäftigen

In freier Wildbahn sind die meisten Vögel äußerst aktiv. Sie fliegen täglich weite Strecken und setzen ihre Stimme ein, um sich auch über große Entfernungen mit ihren Artgenossen zu verständigen. Im tropischen Regenwald etwa ist der Ruf eines Papageis weit zu hören. Dabei muss er laut sein, da die feuchte Luft und der dichte Bewuchs viele sehr leise Töne verschluckt. Gerade Tiere, die in der Natur im Schwarm leben, dazu gehören die meisten Papageienarten, reden auch untereinander etwas lauter. Schließlich gilt auch hier das Prinzip so mancher Großfamilie: sich Gehör verschaffen. Diese instinktive Art der Kommunikation bringen Papageien oder Wellensittiche dann auch mit ins heimische Wohnzimmer.

Auch sind die meisten Vögel von Natur aus sehr neugierig. Sie erkunden ihre Umgebung, testen Äste auf ihre Tauglichkeit zum darauf schaukeln und haben Spaß daran, alles Neue ausgiebig zu untersuchen. Als Schwarmtiere fühlen sich die meisten Vögel zudem nur in Gesellschaft wohl. Sie sind es gewohnt mit ihren Artgenossen zu kommunizieren, zu spielen, sich einen Ast zum Schlafen zu teilen und durchaus auch zu kuscheln oder sich gegenseitig das Gefieder zu putzen. Viele Wellensittiche etwa finden einen Partner fürs Leben und sind dann nur noch im Doppelpack zu haben. Auch Agaporniden, die Unzertrennlichen genannt, gehen eine regelrechte Ehe ein. Einzelhaltung kommt daher bei Vögeln nicht in Frage, denn es ist für einen Menschen fast unmöglich einem einzelnen Vogel den Partner zu ersetzen. Dies ist ein Vollzeitjob. Besser ist es daher, direkt mehrere Exemplare oder ein Pärchen anzuschaffen, um den Vögeln ausreichend Beschäftigung und vor allem ein glückliches Leben in Gesellschaft zu ermöglichen.

Von guten Freunden und ausreichend Bewegung: Artgerechte Haltung von Ziervögeln

Übrigens werden auch Vögel, die im Schwarm gehalten werden, zahm. Sobald der menschliche Freund, mit etwas Geduld, zuerst einen Vogel von sich überzeugen konnte, schauen sich die anderen Schwarmmitglieder dieses Vertrauensverhalten in der Regel ab. Mehr als einen Vogel zu halten kann sich also auch hier auszahlen. Denn das Gefühl, gleich mehrere der schwatzenden kleinen Gesellen auf dem Arm mit sich herumzutragen, ist unvergleichlich. Auch wird der vertraute Mensch gerne beschmust. Deshalb sollte der Vogelfreund bei der Beschäftigung mit den fliegenden Haustieren darauf achten, Kleidung zu tragen, der ein wenig Knabbern am Saum nichts ausmacht.

Auch Bewegung ist wichtig. Nymphensittiche etwa legen jeden Tag viele Kilometer zurück um nach Futter zu suchen und auch der Alltag freilegender Wellensittiche ist von so mancher Herausforderung geprägt und kann so manche Gefahr mit sich bringen. Die temperamentvollen Flugkünstler sind also durchaus in der Lage, auch stressige Situationen mit Bravour zu meistern. Und genau deshalb sind sie in Gefangenschaft auch ziemlich unterfordert.

Ein ausreichend großer Käfig, oder besser noch eine Voliere ist deshalb bei der Heimtierhaltung wichtig, kann aber trotzdem den ausgeprägten Bewegungsdrang nicht komplett befriedigen. Selbst ein eigenes Vogelzimmer, das Freiflug ermöglicht oder eine große Gutwetter-Voliere im Garten ist für eine vollkommen artgerechte Haltung nicht ausreichend denn nicht alle arttypischen Verhaltensweisen können hier voll ausgelebt werden. Dies kann jedoch ausgeglichen werden, indem die Unterkunft der gefiederten Mitbewohner so abwechslungsreich wie möglich gestaltet wird und dem Vogel regelmäßiger Freiflug in der Wohnung gewährt wird.

Immer neue Herausforderungen: Vögel knabbern für ihr Leben gern

Da Vögel in der Natur immer an irgendetwas knabbern, um ihren Schnabel in Form zu halten, sollte diese Möglichkeit auch im Vogelheim gegeben sein. Einen Ast durchzuknabbern und in zwei Teile zu zerlegen gibt dem Vogel äußerste Befriedigung und das Gefühl, etwas geschafft zu haben. Spielzeug sollte deshalb kaputt gehen dürfen. Wenn sich etwas nicht auseinandernehmen lässt ist es auf Dauer uninteressant. Um einen Ausgleich zu schaffen müssen daher verschiedenste Arten von Spielzeug und Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten werden. Dabei ist Abwechslung das A und O, denn wenn Bewegung und Abwechslung fehlen, kann es leicht zu Verhaltensstörungen kommen.

Eins ist klar: Vögel brauchen Beschäftigung, denn als aktive Gesellschafter sind sie eigentlich ständig unterwegs. Sie lieben es aktiv zu sein und sind von Natur aus neugierig. Wenn aber keine Abwechslung im Alltag vorhanden ist und die Tiere keine Beschäftigung haben, gewöhnen sie sich schnell Unarten an.

Bloß keine Langeweile aufkommen lassen: Welche Auswirkungen Langeweile auf Vögel haben kann

Wenn Vögel den ganzen Tag in einem langweiligen Käfig herumsitzen müssen, beginnen sie negative Verhaltensmuster zu zeigen. So beginnen sie etwa sich die Federn zu rupfen, zu schreien oder mit der Zeit sogar apathisch auf der Stelle hin und her zu wippen. Gerade bei Papageien kann ein gelangweiltes Tier die Ohren sehr strapazieren. Wenn ein Papagei aus Langeweile laut wird, dann sollte umgehend seine Umgebung geprüft und verbessert werden. Schließlich muss er sich mit seiner Stimme beschäftigen, wenn er nichts besseres zu tun hat.

Auch Futter wird gerne umhergeworfen. Dies machen zwar auch gut beschäftigte und rundum glückliche Vögel ab und an - und sei es auch nur um ihren menschlichen Freund etwas zu necken - doch wenn Futter die einzige Beschäftigung für einen Vogel ist, dann nimmt dieses Verhalten ganz andere Ausmaße an. Auch Einrichtungsgegenstände in der menschlichen Wohnung sind vor sich langweilenden Vögeln nicht sicher. Da wird dann gerne mal am Vorhang geschaukelt, die Tapete auseinandergenommen oder die Ecke der Vitrine angeknabbert.

Grundsätzlich kann man allen Vogelarten ansehen, ob sie sich wohlfühlen und glücklich sind. Vögel sind äußerst intelligent und kommunikativ. Wenn ein Vogel apathische Züge aufweist oder gar trübe Augen hat, dann ist akuter Handlungsbedarf angebracht. Stimmen die Rahmenbedingungen, dann sollte ein Gang zum Tierarzt in Betracht gezogen werden.

Auch der Verlust eines gefiederten Partners kann bei Vögeln negative Auswirkungen auf das Verhalten haben. Hier sollte nach einer angemessenen Trauerphase überlegt werden, ob ein neuer Partner angeschafft werden kann. Verantwortungsvolle Züchter bieten oft die Möglichkeit, einen Vogel sozusagen auf Kommission herauszugeben, so dass sichergestellt wird, dass sich die neuen Partner auch mögen. Auch in Foren werden oft neue Partner für die geliebten gefiederten Haustiere gesucht. Diese Möglichkeit hat zudem den Vorteil, dass die Tiere wahrscheinlich eher im gleichen Alter sind. Denn ein Jungvogel vom Züchter bedeutet für ein älteres Tier, dass den Verlust seines geliebten Partners verwinden muss, vielleicht mehr Stress als Unterstützung.

Glückliche Vögel: Tipps zur artgerechten Beschäftigung

Damit im Vogelheim keine Langeweile aufkommt, ist Handeln angesagt. Im Käfig oder in der Voliere selbst sollten ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten werden. Stöcke aus unbehandeltem Holz, Äste ungiftiger Bäume, Kork und Papprollen werden gerne angenommen und ausgiebig bespielt sowie auseinandergenommen.

Auch kleine Spiegel sind, je nach Vogelart, faszinierende Spielzeuge für so manchen kleinen Flugkünstler. Im Zoofachhandel gibt es zudem Leitern und Schaukeln aus Holz oder Sisal, die im Käfig aufgehängt werden können. Je mehr ein Spielzeug sich dreht oder hin und her schaukelt, desto faszinierender ist es für den Vogel. Mit Sisalschnur, durchbohrten Ästen und Papprollen können solche Spielparadiese aber auch Zuhause selbst gebastelt werden. Das hat außerdem den Vorteil, dass das Spielzeug jederzeit verändert werden kann und gleich für Abwechslung gesorgt ist.

Auch Knabbereien jeglicher Art gehören unbedingt zum Inventar des modernen Vogelkäfigs. Denn das Knabbern bietet nicht nur Beschäftigung, es liefert auch Vitamine und Mineralien. Äste von Haselnuss etwa sind beliebt, denn daran kann man sowohl herumkrabbeln als auch darauf schaukeln. Auch Heu oder Stroh, Gritsteine, Knabberstangen oder Hirserispen sorgen für Abwechslung. Gerade bei der sehr energiereichen Zugabe von Hirse sollte jedoch die Futterration angepasst werden, sonst kommt es schnell zu Übergewicht.

Bei den meisten Ziervögeln hoch im Kurs steht außerdem das Baden, denn im flachen Wasser, am besten in der Sonne, vergnügen sich die Tiere für ihr Leben gerne. Je nach Größe des Tieres können Badewännchen entweder innerhalb oder außen am Käfig angebracht werden oder es können Schalen mit Wasser am Boden aufgestellt werden. Das Wasser sollte allerdings täglich gewechselt werden.

Das i-Tüpfelchen für eine gute Freundschaft: Freiflug und Beschäftigung

Um den gefiederten Haustieren ungehinderten Freiflug über mehrere Meter zu ermöglichen und gleichzeitig die eigenen Möbel zu schonen, sollte jeder Vogelhalter zudem geeignete, möglichst freistehende oder ansprechend gestaltete Landeplätze im Raum schaffen. Rund um einen attraktiven Landeplatz mit Knabbermöglichkeiten kann dann der Boden mit Zeitungspapier ausgelegt werden. So bleibt die Wohnung sogar vor einem möglichen Malheur verschont, denn Vögel hinterlassen ihre Kotkleckse gerne direkt vor dem Abflug oder bei der Landung.

Last but not least gilt es zu bedenken, dass die Beschäftigung mit dem gefiederten Freund das größte Geschenk ist, das der Halter seinem Haustier machen kann. Mit dem Vogel zu sprechen fördert nicht nur die Freundschaft sondern kann, je nach Art des Tieres, auch zu einem gewandten Gesprächspartner führen. Dann ist Langeweile für beide Parteien wahrscheinlich ohnehin ausgeschossen.

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