Was tun, wenn der eingene Hund angegriffen wird?

Was tun, wenn der eigene Hund angegriffen wird?

Gemeinsam mit Herrchen oder Frauchen Gassi oder spazieren zu gehen, ist für Hunde das Größte. Auch als Hundehalter genießt man zumeist den Ausflug mit seinen Vierbeinern. In der Regel verläuft die Gassirunde ohne nennenswerte Vorkommnisse, doch es kann auch Situationen geben, bei denen der Spaziergang buchstäblich zum Albtraum wird. Das kann schnell geschehen, wenn der eigene Vierbeiner von einem fremden Hund angegriffen wird. In solchen Momenten erweist sich dann, ob Hund und Mensch ein eingespieltes Team sind und die Lage meistern können. Dabei kann insbesondere der Hundehalter viele Fehler machen und dadurch nicht nur seinen Vierbeiner, sondern auch sich selbst unnötig in Gefahr bringen.


Dass man unterwegs anderen Hunden begegnet, wird den meisten Hundebesitzern nicht neu sein. Zumeist verlaufen diese Begegnungen harmlos und sind von der Neugier der beiden Vierbeiner gesteuert, die sich beschnuppern und begrüßen wollen. In dieser Situation sind die beiden Kontaktsuchenden angeleint und werden von den jeweiligen Frauchen oder Herrchen geführt, die schnell eingreifen können, wenn Neugier in Abneigung umschlagen sollte. Aber es ist auch ein anderes Szenario möglich, wenn sich plötzlich ein nicht angeleinter Hund dem eigenen Vierbeiner nähert. Für den Hundehalter bedeutet dies, zunächst einmal ganz genau zu beobachten, wie sich der Fremde verhält. Anhand dessen Körpersprache kann der Halter sehr gut erkennen, welche Absichten der andere Hund hat und entsprechend reagieren. Denn es ist in jedem Fall der Mensch, der den Konflikt der Tiere löst, nicht die Hunde unter sich.

Auf welche Signale muss der Hundehalter achten?

Ein freilaufender Hund sollte für den Halter immer eine potenzielle Gefahr darstellen und nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Nun ist nicht jeder sich nähernder Vierbeiner ein aggressiver Beißer, der nur darauf aus ist, den eigenen Liebling anzufallen. Nähert sich der Fremde eher trottend und mit entspannter Körperhaltung, wedelt dazu freundlich mit seiner Rute, geht von ihm sicher keine Gefahr aus und er möchte nur einen vierbeinigen Kumpel begrüßen. Als Halter kann man dann immer noch entscheiden, ob man den Kontakt der beiden Hunde zulässt oder den anderen gegebenenfalls abweist.

Auch ein knurrender oder bellender Hund bedeutet nicht zwangsläufig Gefahr für Leib und Seele des eigenen Vierbeiners. Denn wer vernehmlich meckert, konzentriert seine Energie auf eine lautstarke Machtdemonstration. Dennoch sollte man als Tierhalter auf Nummer sicher gehen und dem vorlauten Kerl deutlich machen, wer hier das Sagen hat. Richtig gefährlich wird es jedoch, wenn sich ein fremder Hund mit eindeutig aggressiver Körpersprache nähert. Dann hält er den Kopf meist geduckt, fixiert sein Gegenüber mit starrem Blick und hat das Nackenfell gesträubt. Seine Rute bewegt sich vor Aufregung hin und her, von Freundlichkeit keine Spur.

Wie soll sich der Hundebesitzer bei einem bevorstehenden Angriff verhalten?

Mancher Hundebesitzer denkt, dass die Tiere ihre Konflikte besser unter sich ausmachen können. Dabei ist es der Mensch, der seinen Verstand und seine Macht einsetzen sollte, um eine Auseinandersetzung zwischen zwei Hunden idealerweise bereits im Keim zu ersticken. Denn schließlich führt der Halter das Mensch-Hund-Gespann durchs Leben und nicht der Hund den Menschen. Dies ist schon mal ein ganz wesentlicher Punkt in der Konfliktlösung. Der eigene Vierbeiner muss seinem Menschen vertrauen und ihm in jeder Situation die Führung des Rudels überlassen können.

Wenn sich also ein freilaufender Hund dem Gespann nähert – ganz egal ob in freundlicher oder böser Absicht – sollte sich der Halter vor seinen Vierbeiner stellen. In der Regel ist der Fremde nur auf den Hund fixiert, nicht aber auf den Menschen. Doch nun muss er sich erst einmal mit dem Zweibeiner auseinandersetzen, was ihn bereits verwirren kann. Als Halter hat man die Aufgabe, den Angreifer bereits in seine Schranken zu verweisen, wenn dieser noch etwas entfernt ist. Es kommt darauf an, Ruhe zu bewahren und keinesfalls in Panik zu geraten. Ziel ist es, weder den eigenen Vierbeiner, noch sich selbst einer unnötigen Gefahr auszusetzen.

Hilfreich ist es, sich besonders groß zu machen, indem man die Arme über den Kopf hält und mit den Händen abwehrend gestikuliert. Kommandos wie "halt!" oder "nein!" sollten laut und deutlich ausgerufen werden. Nützlich ist es auch, Gegenstände in Richtung des Hundes zu werfen, wie beispielsweise ein Schlüsselbund oder einen aufgehobenen Stock oder Stein. Dabei sollte man nicht versuchen, den Angreifer zu treffen, sondern auf den Boden vor seine Pfoten zu zielen. Sinn des Ganzen ist, es, ihn zu verunsichern oder zu verscheuchen. Auch ein aufgespannter Regenschirm kann ein sinnvolles Hilfsmittel sein, weil es den Fremden verwirrt und den eigenen Hund im Wortsinne abschirmen kann.

Zudem können auch laute Geräusche einen fremden Hund abwehren. Beispielsweise der Ton einer Hundepfeife oder ein Bündel Trainingsdiscs aus Metall, die beim Aufschlagen auf den Boden für ein artfremdes Geräusch sorgen.

Wie können Halter kämpfende Hunde voneinander trennen?

Lässt sich eine offene Auseinandersetzung nicht vermeiden, ist es für den Tierhalter nicht einfach, kämpfende Hunde voneinander zu trennen, ohne sich selbst der Verletzungsgefahr auszusetzen. Kleine Hunde könnte man zwar auf den Arm nehmen und so eventuell aus der Gefahrenzone ziehen, doch Experten raten davon ab, da sich die Aufmerksamkeit des fremden Hundes dann unter Umständen auf den Halter konzentriert. Der nächste wichtige Punkt ist, die Leine seines Vierbeiners loszulassen, damit dieser nicht zusätzlich in seinen Bewegungen einschränkt wird.

Trägt der Angreifer ein Halsband, kann man versuchen, dieses im Nacken zu fassen und zu verdrehen, sodass es sich zusammenzieht. Auf diese Weise nimmt man dem Raufbold die Atemluft und es dauert nicht lange, bis er von seinem Opfer ablässt, weil er keine Luft mehr bekommt. Wichtig bei dieser Methode ist, den Griff noch einige Zeit beizubehalten, sonst kann es passieren, dass der Fremde erneut den eigenen Vierbeiner angreift. Unter Umständen muss man sogar abwarten, bis das aggressive Tier bewusstlos ist. Trägt der Angreifer kein Halsband, kann man versuchen, ihm eine Leine oder einen Schal um den Hals zu legen oder sogar dessen Kehle mit beiden Händen zu umspannen. Alternativ können Schläge oder auch Tritte den Angreifer einschüchtern. Das mag brutal klingen, aber Sie retten damit möglicherweise das Leben Ihres Vierbeiners. Beachten sollte man allerdings, bei solchen Aktionen nicht selbst zum Ziel des Angreifers zu werden.

Hunde, die sich ineinander verbissen haben, sind nur mit Mühe zu trennen. Doch auch hier gibt es einen Trick, den der Halter zusammen mit einer anderen Person oder dem Halter des anderen Hundes anwenden kann. Die Hinterläufe beider Hunde werden gepackt und etwas vom Boden angehoben. Das bringt schon einmal den Vorteil, dass sich die Hunde nicht mehr mit den Hinterläufen abstützen können. Um sie nun voneinander zu trennen, müssen beide Halter die Hundekörper kurz aufeinander zu drücken, damit sich der Verbiss lösen kann und im nächsten Moment an den Hinterläufen voneinander wegziehen. Die Vorgehensweise des Aushebelns erfordert natürlich ein beherztes Eingreifen beider Personen und eine gute Verständigung.

Von welchen Maßnahmen sollte man besser absehen?

Wird der eigene Vierbeiner von einem anderen Hund angegriffen, sollte der Tierhalter vor allem einen kühlen Kopf bewahren und sich keinesfalls von Emotionen leiten lassen. Nur eine überlegte Handlungsweise führt zum Ziel. Waffen wie Messer, Elektroschocker oder Abwehrsprays sollte man in dieser Situation besser nicht einsetzen. Die Gefahr, den eigenen Hund oder gar sich selbst zu verletzen, ist im Gerangel viel zu groß. Außerdem steht der Angreifer aller Wahrscheinlichkeit nach unter einer erhöhten Adrenalinausschüttung, die ihn für einen längeren Zeitraum schmerzunempfindlicher macht.

Wie soll man sich nach der Konfliktlösung verhalten?

Sind Konflikt oder Kampf gelöst, sollte der Halter des angegriffenen Hundes die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Die Hunde sollten voneinander getrennt werden und der Streitsüchtige in einiger Entfernung an einen Baum, Zaun oder Laternenpfahl angebunden werden. Die Sorge gilt jetzt zunächst dem eigenen Vierbeiner, der sofern er verletzt ist, sofort zum Tierarzt zur Behandlung gebracht werden sollte. Grundsätzlich empfiehlt es sich, immer eine Notfalltelefonnummer parat zu haben. Auch wer normalerweise das Mobiltelefon nicht zum Gassi gehen einsteckt, sollte darüber nachdenken, es zukünftig mitzunehmen, um im Notfall Hilfe rufen zu können. Die Rufnummern des Haustierarztes oder der nächstgelegenen Tierklinik sollten darin gespeichert sein.

Ist der Halter des fremden Hundes zugegen, sollte man auf jeden Fall dessen Kontaktdaten erfragen. Für die Behandlung des verletzten Hundes muss die Versicherung des Kontrahenten aufkommen. Ist der Halter nicht zugegen, hilft vielleicht auch ein Foto des Hundes und der Halsbandmarke weiter. Auch in diesem Fall ist das Mobiltelefon ein nützliches Hilfsmittel.

Leinenpflicht in Deutschland

Damit es gar nicht erst zu derartigen Übergriffen kommen kann, sollten alle Hundehalter geltende Verhaltensregeln beachten. Sei es nun, weil diese vom Gesetzgeber so vorgeschrieben sind oder weil es ganz einfach der gesunde Menschenverstand diktiert. Berücksichtigen sollte man immer, dass jeder Hund – so gehorsam er auch sein mag – zuweilen seine gute Erziehung vergisst und seinem eigenen Kopf folgt. Dann jagt er eben dem Wildkaninchen hinterher oder läuft auf das Kleinkind zu, das vor Schreck zu weinen beginnt. Auch viele Erwachsene haben Angst vor Hunden. Als Halter sollte man dies uneingeschränkt respektieren und seinen Hund nur da freilaufen lassen, wo dies gefahrlos möglich ist. Beispielsweise im eigenen Garten.

In den meisten deutschen Bundesländern besteht eine gesetzliche Leinen- und Maulkorbpflicht für die Führung von Hunden. Sie ist nicht in allen Städten und Gemeinden gleichlautend und teilweise unterschiedlich zu städtischen oder ländlichen Bereichen. In Berlin und Brandenburg gelten sehr strenge Regeln, auch was die Länge der Leine betrifft, die in Innenstädten beispielsweise sehr kurz sein muss. In Baden-Württemberg sollte man seinen Hund im Wald besser angeleint lassen. Denn in Jagdgebieten darf auf freilaufende Hunde geschossen werden. Auch in Hessen gibt es sehr strenge Bestimmungen. Verstöße werden mit teilweise sehr hohen Bußgeldern von bis zu 5.000 Euro geahndet. Ein freilaufender Hund sollte daher eher ein unbeabsichtigter Ausnahmefall sein.

Hier nochmals die wichtigsten Punkte im Überblick

So sollten Sie vorgehen, wenn Ihr Hund angegriffen wird:

  • Ganz wichtig: Unter allen Umständen Ruhe bewahren und nicht weglaufen.
     
  • Den eigenen Hund hinter sich nehmen.
     
  • Auf die Körpersprache des fremden Hundes achten.
     
  • Den freilaufenden Hund nach Möglichkeit schon aus der Ferne mit Gesten, lauten Geräuschen oder Wurfgegenständen abwehren.
     
  • Miteinander kämpfende Hunde nur ohne eigenes Risiko zu trennen versuchen. Den eigenen Hund nicht durch eine festgehaltene Leine behindern.
     
  • Angreifer mit Würgegriff oder durch Schläge und Tritte einschüchtern, um seinem Vierbeiner das Leben zu retten.
     
  • Waffen wie Messer, Elektroschocker oder Abwehrsprays sind tabu!
     
  • Ineinander verbissene Hunde zusammen mit einer zweiten Person durch Aushebeln trennen.
     
  • Die Kontaktdaten des fremden Hundebesitzers für eventuelle Regressansprüche in Erfahrung bringen und den eigenen Vierbeiner zum Tierarzt befördern.
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