Was tun, wenn ein Kaninchen krank wird?  -  tierglueck-Haustierratgeber

Was tun, wenn ein Kaninchen krank wird?

Unsere possierlichen Zwergkaninchen erfreuen uns täglich mit ihrem angenehmen, zurückhaltenden Wesen. Sie sind meist etwas ängstlich, aber sehr freundlich. Und gerne begrüßen sie uns neugierig in der Hoffnung, etwas Leckeres abzustauben. Denn Kaninchen mümmeln für ihr Leben gerne – am liebsten den ganzen Tag über. Dabei sind sie nicht etwa verfressen, sondern folgen tatsächlich ihrem Instinkt, denn Kaninchen haben einen Stopfmagen und müssen immer Futter nachschieben, damit sie eine gesunde Verdauung haben. Wenn ein Kaninchen plötzlich deutlich weniger oder gar nichts mehr frisst, ist das für den Tierhalter immer ein Alarmzeichen. Das Kaninchen ist krank und die Nahrungsaufnahme bereitet ihm aus irgendeinem Grund Probleme. Der Tierhalter sollte dies nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn das Darmsystem des Kaninchens wird sehr schnell träge und sogar geschädigt, wenn kein Futter nachkommt. Am Verhalten des kranken Tieres kann der Mensch oft erkennen, was das Problem ist und schnell handeln.

Kaninchen sind ihrem Instinkt folgend Fluchttiere, die ihren Fressfeinden in der freien Natur in der Regel durch Weglaufen in hohem Tempo und wildes Hakenschlagen entkommen. Lebenswichtig ist für sie zudem, keine Schwäche zu zeigen, denn ein krankes Tier ist für den Feind eine leichtere Beute. Dieser Instinkt ist auch bei unseren Hauskaninchen ausgeprägt, was allerdings fatale Auswirkungen haben kann. Denn wenn wir einem Kaninchen seine Krankheit wirklich ansehen, ist diese meist schon weit fortgeschritten. Wichtig für den Tierhalter ist daher, seine Kaninchen immer gut zu beobachten und auch auf eher unbedeutende Kleinigkeiten zu achten.

Die Körperhaltung des Kaninchens ist ein Stimmungsbarometer

Ist ein Kaninchen gerade mal nicht mit dem Mümmeln von Trockenfutter, frischem Gemüse oder Heu beschäftig, legt es meist eine Ruhepause ein, es putzt sich oder erkundet sein Umfeld. Das alles ist völlig normal und unbedenklich. Und spätestens nach zwei bis drei Stunden wird es die nächste Mahlzeit einnehmen. Wenn der Tierhalter ein Kaninchen über viele Stunden schon nicht mehr hat fressen sehen, sollte er genauer nachschauen. Bei einer Gruppenhaltung ist es meist nicht ganz so einfach nachzuhalten, ob auch alle Tiere des Rudels ihren Teil gefressen haben. Zudem haben Kaninchen nicht jeden Tag den gleichen Appetit, mal wird etwas mehr und mal weniger gemümmelt.

Auf den ersten Blick ist ein Kaninchen, dass an Appetitlosigkeit leidet oder gar krank ist, gar nicht so leicht von einem ruhenden Mümmelmann zu unterscheiden. Ein gutes Stimmungsbarometer ist die Art der Körperhaltung, die ein Kaninchen einnimmt. Liegt es entspannt da, hat vielleicht seine Hinterläufe nach hinten oder seitlich weggestreckt, ruht es sich aus und genießt die Pause sichtlich. Ein Kaninchen, dass sich auf die Seite wirft, zeigt damit allerhöchstes Wohlbefinden, erst recht, wenn es sich dabei teilweise auf den Rücken dreht oder kugelt.

Bauchkrämpfe und Atemnot an der Körperhaltung erkennen

Sitzt ein Kaninchen dagegen hoch aufgerichtet, drückt seinen Rücken nach außen oder gar nach innen, quälen es Krämpfe. Bei Durchfall oder Verstopfungen bemüht sich das Kaninchen durch die angespannte Körperhaltung um Linderung, versucht eine Aufgasung oder matschigen Kot durch Pressen loszuwerden. Der erfahrene Tierhalter unterstützt diesen Prozess mit einigen Tropfen Sab Simplex aus der Apotheke, die man auch Babys und Kleinkindern bei Darmproblemen verabreicht. In die Hausapotheke des Kaninchenhalters gehören zudem Kamillen-, Fenchel- und Pfefferminztees sowie eine Rotlicht- oder Wärmelampe.

Kaninchen, die die Vorderpfoten unter den Bauch ziehen und ihr Fell aufplustern, müssen nicht unbedingt krank sein. Durch diese Körperhaltung nutzen sie die eigene Körperwärme, um sich selbst zu wärmen. Oft sieht man eine solche Haltung bei Tieren, die auch bei kühleren Temperaturen draußen sind. Legt ein Kaninchen jedoch dabei den Kopf sehr in den Nacken ist dies unnatürlich und deutet auf eine Atemwegserkrankung hin. Dies geht meist einher mit einer gesteigerten Atemfrequenz, die deutlich sicht- und teilweise auch hörbar ist. In einem solchen Fall sollte man das Kaninchen sofort zum Tierarzt bringen. Das gilt auch, wenn die letzte Mahlzeit des Kaninchens schon zu lange her ist. Es gilt nun der Sache schnell auf den Grund zu gehen und den Anlass für die Appetitlosigkeit herauszufinden.

Lässt sich ein normalerweise eher scheues Kaninchen vom Halter auf einmal streicheln und erscheint sehr anhänglich, ist auch dies ein deutliches Zeichen für eine Erkrankung. Fühlen sich seine Ohrspitzen kühl oder heiß an, spricht dies für eine Untertemperatur beziehungsweise für Fieber.

Wie transportiere ich mein Kaninchen am besten zum Tierarzt?

Anders als Hunde werden Kaninchen nicht an der Leine nach draußen geführt. Sie sitzen während der Autofahrt zum Tierarzt nicht einfach im Kofferraum oder auf dem Beifahrersitz. Auch wenn ein Beifahrer mitfährt, ist es nicht empfehlenswert, das kranke Kaninchen auf dem Schoß sitzend zu transportieren. Die ungewohnte Umgebung, fremde Geräusche oder Lichter, können auch ein ansonsten ruhiges Kaninchen erschrecken und zu einer plötzlichen Bewegung verleiten.

Am besten ist ein Kaninchen in einer verschlossenen Transportbox untergebracht, die mit dem Sicherheitsgurt auf dem Autositz festgeschnallt werden kann. Hierfür eignet sich sehr gut der Griff der Box, durch den man den Gurt ziehen kann. Die Box sollte der Größe des Tieres angepasst nicht zu groß und nicht zu klein sein, so dass es ausgestreckt liegen, aber nicht verschreckt darin umherlaufen kann. Ein Handtuch oder ein Teppichrest auf dem meist glatten Boden der Kiste, bietet dem Kaninchen besseren Halt. Besteht der Verdacht auf eine Erkältung oder gar Lungenentzündung, sollte man das Kaninchen in der Transportbox zudecken, um es vor kalter Zugluft, insbesondere im Winter zu schützen.

Eine Transportbox mit zusätzlicher Öffnung von oben ist besser geeignet

Für den Besuch beim Tierarzt empfiehlt sich grundsätzlich eine Transportbox, die nicht nur von der Seite, sondern auch von oben zu öffnen ist. Das hat den Vorteil, dass man den kleinen Patienten besser von oben aus der Box herausheben kann. Kaninchen, die schon mal in einer Tierarztpraxis waren, haben meist negative Erfahrungen gemacht und ziehen sich bis in die letzte Ecke der Transportbox zurück, machen sich dort ganz klein. Bei einer Box mit Tür nur an der Schmalseite, ist es gar nicht so leicht, das Kaninchen herauszubekommen, wenn es ganz hinten sitzt, da werden die Arme schnell zu kurz, respektive die Öffnung zu eng.

Eine Alternative sind Transportkisten, bei denen man Ober- und Unterheil voneinander lösen kann. Diese Verschlüsse sind bei neuen Boxen allerdings noch sehr streng und lassen sich nicht so einfach lösen. Und nicht selten verschleißen sie dann sehr schnell und halten die Teile nicht mehr so gut zusammen, was aber für den Transport wichtig ist. Besser ist daher die permanente Öffnung von oben.

Was erwartet mein krankes Tier und mich im Wartezimmer der Praxis?

Möchten man seinem kleinen Patienten nicht eine zu lange Wartezeit zumuten und handelt es sich nicht um einen Notfall, sollte der Tierhalter immer zunächst einen Termin ausmachen – sofern die ausgewählte Praxis dies anbietet. Es gibt zwar Tierärzte, die sich auf Kleintiere spezialisiert haben, doch in der Regel werden in der Praxis auch Hunde, Katzen, Vögel und andere Tiere behandelt. Ein krankes Kaninchen ist ohnehin schon durch seinen Zustand und den Transport gestresst. Nun kommt es in die neue, teilweise lebhafte Umgebung eines Wartzimmers, wo nicht selten andere Tierhalter mit ihren Hausgenossen auf die Behandlung warten. Da Kaninchen normalerweise keine Hunde mögen, sollte man die Transportbox während des Wartens nicht auf den Boden stellen, sondern, entweder auf den Sitzplatz neben sich oder auf den Schoß nehmen. Gut ausgestattete Tierpraxen bieten zudem erhöhte Abstellflächen, in die man eine Transportbox stellen kann. Dies hält neugierige Hundenasen fern.

Nicht nur der eigene Patient, auch die Hunde oder Katzen der anderen Tierhalter sind nervös und machen ihrem Unmut durch Bellen oder Maunzen Luft. Diese Geräusche können den kranken Mümmelmann zusätzlich erschrecken. Es hilft, wenn man das Kaninchen durch die geöffnete Klappe streichelt und ein wenig beruhigt. Auch hierfür ist eine Transportbox-Öffnung von oben vorteilhaft.

Die Untersuchung beim Tierarzt

Bei der Untersuchung durch den Tierarzt verhält sich das Kaninchen meist ganz anders als zu Hause. Nach dem Heraussetzen aus der Transportbox auf den Behandlungstisch, sitzt es meist ganz ruhig und geduckt da, so als wäre es eigentlich ein Stofftier. Nur seine schnelle Atmung verrät, wie aufgeregt es tatsächlich ist. Der Tierhalter sollte die Symptome, die er zuvor beobachtet hat, möglichst genau schildern. Der Tierarzt hört die Atemfrequenz des Tieres ab, untersucht mit dem Stethoskop eventuelle Darmgeräusche, fühlt seinen Bauch, misst seine Körpertemperatur oder schaut seine Zähne an.

Unter Umständen kann er keine eindeutige Diagnose stellen und muss zur genaueren Einschätzung ein Röntgenbild erstellen. Da das Kaninchen zu diesem Zweck in eine leichte Narkose versetzt werden muss, damit es beispielsweise auf die Seite gelegt werden kann, muss man gemeinsam mit dem Tierarzt abwägen, ob das Röntgenbild tatsächlich notwendig ist.

Die Behandlung zu Hause

Wenn dann eine Diagnose gestellt ist, beginnt die Behandlung und die Verabreichung von Medikamenten meist direkt in der Praxis. Der Tierhalter bekommt weitere Medikamente mit nach Hause und versorgt das Kaninchen nach Anleitung. Wenn keine ansteckende Krankheit diagnostiziert wird, darf der Patient auch wieder zurück ins Gehege und in sein Rudel, denn die Gesellschaft mit den Artgenossen ist noch immer die beste Medizin. Eine Nachuntersuchung nach einigen Tagen entscheidet dann über die weitere Behandlung.

Mit ein wenig Übung erkennt der Tierhalter bald, wenn sich eines seiner Kaninchen anders verhält als gewohnt, auch wenn eine Erkrankung nicht immer sofort deutlich wird. Wenn ein Kaninchen über einen längeren Tageszeitraum nichts fressen mag, liegt meist ein Problem vor, dem der Tierhalter baldmöglichst gemeinsam mit dem Tierarzt auf den Grund gehen sollte. Wie bei kaum einem anderen Haustier, sind Früherkennung und richtiges Handeln beim Kaninchen der erste Schritt zum Gesundwerden.

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