Zahnprobleme bei Kleintieren | tierglueck-Haustierratgeber

Zahnprobleme bei Kleintieren erkennen und behandeln

Neben ihrem putzigen Aussehen vereint Nagetiere und Hasenähnliche wie Kaninchen, Meerschweinchen, Chinchillas, Ratten oder Hamster vor allem eines: das permanente Wachstum ihrer Zähne. Anders als bei Hunden oder Katzen wachsen die Zähne der Kleintiere ein Leben lang weiter. Dies ist wohl auf eine Laune der Natur zurückzuführen und auf die Anpassungsfähigkeit der kleinen Nager. Denn eigentlich sind ihre Zähne viel zu weich für die überwiegend harte und feste Nahrung, die sie zu sich nehmen. In der Folge schleifen sich die Zähne bei jedem Bissen mehr und mehr ab. Würden sie nicht nachwachsen, kauten die Kleintiere irgendwann nur noch auf dem Zahnfleisch. Zum Glück ist das nicht der Fall. Zumindest bei Tieren mit gesunden Zähnen. Durch Überzüchtungen kommen heute viele Nager mit Zahnfehlstellungen auf die Welt. Viele andere leiden unter Zahnproblemen, die durch eine falsche Fütterung hervorgerufen wurden.


Als Tierhalter ist man im Grunde doch in der angenehmen Pflicht, sich um seine vierbeinigen Hausgenossen zu kümmern und dafür Sorge zu tragen, dass es ihnen gut geht. Dazu gehört neben einer artgerechten Haltung, auch eine bedarfsgerechte Fütterung und Pflege der Nager. Nun hat man in der Regel keine tiermedizinische Ausbildung, um ihren Gesundheitszustand festzustellen. Doch es gehört eigentlich nur ein wenig Beobachtungsgabe und ein guter Verhaltensüberblick dazu, der sich ohnehin sehr bald einstellt, wenn man seine Kleintiere regelmäßig beobachtet. Schnell fallen einem dann Veränderungen auf, die meist ein erstes Indiz für eine Erkrankung sind. Sind es Zahnerkrankungen, können diese auch vom Nicht-Profi erkannt werden. Der Tierarzt kann anschließend eine Diagnose stellen und Maßnahmen ergreifen.

Wenn alles so läuft wie von der Natur vorgesehen

...dann schleifen sich die Zähne ganz normal bei der Nahrungsaufnahme ab. Das trifft auf die Schneidezähne gleichermaßen zu, wie auf die Backenzähne. Heu, trockene Kräuter, Pellets und rohes Gemüse sind die idealen Schleifprodukte für die Zähne, mehr braucht es im Grunde nicht. Auch frische Zweige oder Hölzer von Obstbäumen unterstützen den natürlichen Zahnabrieb. Bei Meerschweinchen und Kaninchen wachsen die Zähne in der Woche um zirka zwei bis drei Millimeter. Das ist für ein Kleintier ein enormes Wachstum, aber bei der Menge an Rohfaser, die täglich verschlungen wird, eher unbedenklich.

Kleintiere verfügen über je zwei Schneidezähne im Ober- und Unterkiefer, die zum Abbeißen maulgerechter Stücke und zum Nagen an Hölzern oder anderen Gegenständen dienen. Die Zunge schiebt das Futter dann weiter in das Maul, wo jeweils eine Reihe von Backenzähnen links und rechts sowie oben und unten sitzen, mit denen die Nahrung zu einem Brei zermahlen wird. Gründliches Kauen ist dabei wichtig, damit der Speisebrei ohne Probleme in den Magen gelangen und dort möglichst leicht verdaulich ist. Dazu sollten die Backenzähne bündig aufeinandertreffen, ohne Lücken zu bilden. Die Schneidezähne müssen ebenfalls in einem optimalen Winkel aufeinandertreffen, wobei das obere Zahnpaar zumeist ein klein wenig mehr nach außen steht, als das untere.

Kleintiere können an unterschiedlichen Zahn- und Kieferproblemen leiden

Das lebenslange Wachstum der Zähne steht ebenfalls in direktem Zusammenhang mit dem teils komplexen Verdauungssystem der Kleintiere. Eigentlich sieht man sie ständig futtern und mümmeln. Das hat den Hintergrund, dass sie über einen Stopfmagen verfügen, der permanent gefüllt sein muss, damit die Verdauung angeschoben werden kann. Es ist quasi ein Kreislauf, bei dem das eine ohne das andere nicht funktionieren würde. Dabei spielen die Zähne eine große Rolle, denn sie sind für das Zerkleinern und Zermahlen der Nahrung zuständig. Funktionieren diese nicht einwandfrei, ist die Nahrungszufuhr eingeschränkt, Futter wird in größeren Brocken hinuntergeschluckt und liegt schwer verdaulich im Magen oder wird sichtbar mit dem Kot ausgeschieden. Fehlender Kieferdruck wird durch Einspeicheln des Futters kompensiert, dass vom Magen erst noch gebunden werden muss.

So passen sich Kleintiere an, wenn es zu Zahnfehlstellungen kommt. Doch das ist nur eine Übergangsphase, die nicht sehr lange anhält. Denn meist wachsen die Zähne unkontrolliert weiter und machen bald eine Nahrungsaufnahme unmöglich. Ein Häufiges Problem, das bei Kaninchen auftritt, sind Schneidezähne, die zu lang und noch dazu sehr unterschiedlich wachsen können. Die Zähne des Unterkiefers können sichtbar nach vorne aus dem Mäulchen herauswachsen, während die Schneidezähne des Oberkiefers sich häufig nach innen kringeln und schnell die gesamte Maulhöhle ausfüllen. Der Zahnabrieb findet nicht mehr statt. Fressen oder Trinken ist nahezu unmöglich, was darüber hinaus zu Verdauungsstörungen führt. Wird nichts gegen den Zahnwuchs unternommen, verhungern die Tiere.

Auch die Backenzähne können durch eine Fehlstellung unkontrolliert wachsen. Dies betrifft häufig auch Meerschweinchen und andere Kleinnager. Im ersten Stadium wachsen die Zähne unterschiedlich hoch und rufen eine Treppenbildung hervor. Auch ein seitliches Abkippen ist möglich. Die Zahnreihen schließen nicht mehr optimal und das Wachstum nutzt die Lücken, um scharfe Spitzen auszubilden, die sich schmerzhaft in Zunge und Zahnfleisch bohren.

Zahnprobleme können unterschiedliche Ursachen haben

Zwei große Verursacher sind für Zahnprobleme bei Kleintieren verantwortlich. Das ist zum einen ein genetischer, also angeborener Defekt, der oftmals durch unkontrollierte Nachzuchten entsteht. Leider achten manche Züchter nicht ausreichend auf ihre Tiere und es kommt zu Paarungen unter Geschwistern oder zwischen der Häsin mit ihren erwachsenen Kindern. Zu diesem Inzuchtverhalten kommt es leider zuweilen, wenn Kleintiere nicht artgerecht gehalten werden – anders als bei den wildlebenden Verwandten. Da die Zahnprobleme bei Jungtieren noch nicht erkennbar sind, werden die Problemfälle ganz normal als gesunde Tiere angeboten. Doch auch spezielle Züchtungen beliebter Rassemerkmale, wie beispielsweise Kaninchen mit eher runden Köpfen, können durch die genetische Kieferveränderung Zahnprobleme hervorrufen.

Der andere Haupauslöser für den Fehlwuchs ist in der Ernährung zu suchen. Besonders Jungtiere, bei denen sich der gesamte Kieferapparat erst noch entwickeln muss, sind anfällig. Von klein auf benötigen insbesondere Kaninchen, Meerschweinchen und Chinchillas reichlich gutes und frisches Heu, das Hauptbestandteil ihrer Ernährung sein sollte. Bei einer Pelletsfütterung ist darauf zu achten, dass es sich um hochwertige Futterbestandteile in einer bedarfsgerechten Zusammensetzung aus Kräutern handelt. Futtermischungen, die hingegen viel Zucker und Kohlehydrate beinhalten, schaden den Zähnen nachhaltig und irreparabel. Den meisten Tieren schmeckt das energiereiche Futter gut, daher wird es gefressen, obwohl es für sie ungesund ist.

Wie kann man Zahnprobleme bei Kleintieren erkennen?

Kleintiere sind wahre Anpassungskünstler. Auch wenn ihre Zähne nicht optimal funktionieren, bemühen sie sich, die Fehlstellung bei der Nahrungsaufnahme zu kompensieren, etwa durch Kauen auf nur einer Seite. Daher werden die wenigsten Tierhalter anfangs einen Unterschied im Fressverhalten der Nager bemerken. Eine regelmäßige Kontrolle, der Schneidezähne kann man ganz gut selbst durchführen, in dem man den Tieren vorsichtig das Maul öffnet. Anders sieht es bei den Backenzähnen aus. Da die Zahnreihen sehr weit hinten im Maul angeordnet sind, müssen Spezial-Instrumente zum Einsatz kommen, wie sie nur der Tierarzt hat und anwenden kann. Jedoch sind tränende Augen oft ein Indiz für Backenzahndefekte. Hält das Tränen an, sollte man einen Tierarzt für eine eingehendere Untersuchung aufsuchen.

Gewichtsabnahme ist ein weites Anzeichen für eine mögliche Zahnerkrankung. Um einen guten Überblick zu erhalten, kann man Kleintiere einmal in der Woche auf einer Haushalts- oder Babywaage wiegen und das Gewicht notieren. Nehmen die Nager ab, spricht dies für eine Veränderung in der Nahrungsaufnahme, der man auf den Grund gehen sollte. Kleintiere, die Probleme mit den Zähnen haben, putzen sich sehr häufig das Mäulchen, da oft vermehrter Speichelfluss im Spiel ist. Feuchte Stellen rund um Nase und Kinn sowie an den Pfoten sind ebenfalls ein Indiz. Kaninchen mit einer Schneidezahn-Fehlstellung schieben oft ihr Futter über den Boden oder durch den Napf, können Brocken aber nicht oder nur unter Schwierigkeiten aufnehmen. Beobachtet man ein solches Szenario ist Eile geboten, denn die Zahnerkrankung ist bereits sehr weit fortgeschritten.

Behandlung von Zahnfehlstellungen und Ernährungsumstellung

Hat der Tierarzt eine Fehlstellung der Schneide- oder Backenzähne festgestellt, folgt die Behandlung, die in den allermeisten Fällen möglich ist. Hierzu werden die zu lang gewachsenen Schneidezähne in der Regel gekürzt. Dies sollte allerdings nur vom Profi und mit den richtigen Instrumenten durchgeführt werden. Der Tierarzt nutzt dazu ein Handgerät mit rotierender Trennscheibe. Sollte er hingegen zur Zange greifen, verhindern Sie das Abkneifen unter allen Umständen! Auch wenn die Zange noch so scharf ist, können durch das Zusammenpressen der Schneidbacken gefährliche Haarrisse in den verbleibenden Zähnen und Wurzeln entstehen, die unheilbare Kieferentzündungen hervorrufen können.

Zwar ist das Kürzen der Schneidezähne noch verhältnismäßig einfach, doch lässt sich die Fehlstellung dadurch nicht korrigieren. Das bedeutet für den Tierhalter, dass er alle drei bis sechs Wochen mit seinem Kleintier zur Behandlung muss, damit es fressen kann. Auf die Dauer ist dies jedoch für Tier und Mensch eine zu hohe Belastung und man sollte in Erwägung ziehen, die Schneidezähne samt Wurzeln operativ entfernen zu lassen. Ohne Schneidezähne kommt ein Kaninchen eigentlich ganz gut zurecht. Man muss lediglich berücksichtigen, dass es sein Futter nicht mehr abbeißen kann. Karotten und anderes Gemüse sollten daher in maulgerechten Stückchen angeboten werden.

Gegen eine Treppenbildung der Backenzähne kann man hingegen nicht viel machen. Eventuell kann der Tierarzt einen weit hervorstehenden Zahn unter Narkose ziehen. Ob dies generell sinnvoll ist, muss der Veterinär im Einzelfall entscheiden. Scharfe Spitzen und Auswüchse an den Backenzähnen werden in der Regel durch ein Raspelinstrument abgeschliffen, so dass sich das Kleintier nicht mehr daran verletzten kann. Zu diesem Zweck setzt der Tierarzt spezielle Maulspreizer ein, die das Mäulchen des Patienten während der Behandlung geöffnet halten. Manche Tiere verhalten sich bei diesem Eingriff so nervös und wehrhaft, dass sie narkotisiert werden müssen. Auch bei dieser Behandlung gibt es keine permanente Heilung, es ist nur eine Abschwächung der Beschwerden.

Grundsätzlich sollte man auf eine artgerechte Ernährung seiner Kleintiere achten. Täglich frisches Heu in unbegrenzter Menge, dazu Grünfutter und Gemüse, ein auf die Tierart optimal abgestimmtes Trockenfutter, das auf Getreide- und Zuckerzusätze verzichtet, helfen Kaninchen, Meerschweinchen und Co. beim gesunden, natürlichen Zahnabrieb.


Leiden Kleintiere unter Zahnproblemen, dann haben sie Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme. Der Tierhalter sollte seine Nager immer gut beobachten und regelmäßig kontrollieren, ob sie normal fressen. Eine artgerechte Fütterung unterstützt den natürlichen Zahnabrieb und beugt Zahnfehlstellungen vor. Bei einer Erkrankung muss schnell und regelmäßig gehandelt werden, damit die Kleinen immer ausreichend fressen können.

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