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Zu zweit ist es schöner: Die Katzenzusammenführung

Dass Katzen Einzelgänger sein sollen, ist ein Gerücht, das sich hartnäckig hält. Tatsächlich leben heute sehr viele Katzen in Einzelhaltung, die sich dank ihrer ausgeprägten Anpassungsfähigkeit mit der Situation arrangiert haben. Vermeintlich geduldig warten sie, bis ihre Menschen vom Einkaufsbummel, der Arbeit oder gar aus dem Urlaub heimkehren. Frauchen und Herrchen werden dann schnurrend und maunzend gegrüßt. Wer glaubt, es ginge den Samtpfoten in solchen Momenten nur ums Futter, irrt sich ein zweites Mal. Und die frischen Kratz- und Beißspuren an der Sofaecke oder der Küchentapete sind weniger Ausdruck ihres Hungers, als mehr von Langeweile und fehlender Ansprache. Denn wie alle Lebewesen brauchen auch Katzen Gesellschaft. Mit einer Zweitkatze kann in jeder Hinsicht Abhilfe geschaffen werden. Doch der geeignete Sozialpartner will mit Bedacht ausgewählt sein. Und das trifft auch auf die sensible Zusammenführung von Katzen zu.

Warum Katzen oft alleine gehalten werden

Die Gründe, warum eine Katze oft allein gehalten wird, sind vielfältig. Viele Tierhalter scheuen den Mehraufwand oder die Mehrkosten. Bei einer zweiten Katze kann man alles etwa mal zwei rechnen: Pflegeaufwand, Kosten für Futter, Streu, Ausstattung und nicht zu vergessen: für den Tierarzt. Letzterer ist meist sogar der größte Posten, wenn nämlich Impfungen anstehen oder Medikamente gekauft werden müssen, aber auch, wenn Krankheiten auftreten. Das alles kann ganz schön ins Geld gehen. Wer ohnehin knapp kalkulieren muss, sollte eine Tierhaltung generell überdenken. Das gleiche gilt ebenfalls für eine reine Wohnungshaltung auf begrenztem Raum. Denn Katzen lieben es, herumzustreifen und die Umgebung zu erkunden.

photo-1455525928928-837c99714248_Unsplash_Katzenzusammenführung.jpgMancher Tierhalter sieht auch von der Anschaffung einer zweiten Katze ab, weil er befürchtet, sein geliebter Stubentiger würde sich dann mehr dem Artgenossen zuwenden, während Frauchen oder Herrchen nur noch die zweite Geige spielen. Auch ist es nicht ganz so leicht, eine Zweitkatze in die bestehende Gemeinschaft von Tier und Mensch zu integrieren. Nicht immer geht eine Zusammenführung gut aus. Wild miteinander kämpfende Katzen mit bösen Verletzungen, gefolgt von der Wiederabschaffung des Zweittieres, ist ein Horrorszenario, das viele Halter abschreckt. Oft ist genau das aber das Resultat einer falsch durchgeführten Vergesellschaftung.

Welche Zweitkatze passt in unsere Gemeinschaft?

Neben der idealen Vorgehensweise bei einer Zusammenführung kann jedoch bereits die Wahl der passenden Zweikatze die Aktion wesentlich unterstützen und positiv beeinflussen. Die erste Katze ist grundsätzlich der Chef oder die Chefin im Haus und wird sich auch immer so verhalten. Auch der Tierhalter muss sie weiterhin bevorzugen, damit sie sich nicht zurückgesetzt fühlt und die "Neue" permanent als Eindringling sieht. Kommt eine Zweitkatze dazu, muss diese sich unterordnen. Das entspricht dem natürlichen Rangverhalten der Katzen, sie fühlen sich dadurch nicht benachteiligt. Entscheidend ist, dass der Neuzugang in Charakter und Temperament zur Erstkatze passt. Rasse, Fellfarbe oder -länge, Größe und Gewicht spielen dabei jedoch keine Rolle. Ebenso wenig ihr Geschlecht. Zwei Kätzinnen können sich ebenso gut vertragen, wie zwei Kater oder ein Pärchen. Katzen sind sehr gesellige Tiere und sprechen mit ihren Artgenossen dieselbe Sprache – darauf kommt es in erster Linie an.

Grundsätzlich ist es von Vorteil, wenn die Katzen, die man zusammenbringen möchte, etwa gleich alt sind, wobei einige Jahre plus oder minus nicht relevant sind. Versucht man dagegen eine junge Katze mit einer Altkatze zu vergesellschaften, löst dies meist Frust auf beiden Seiten aus. Der Junior ist verspielt und aufgedreht, der Senior möchte dagegen eher seine Ruhe haben und kann mit dem kleinen Wildfang in seinem Umfeld in der Regel nicht sehr viel anfangen. Ein mutiger Draufgänger mit großem Ego passt auch nicht unbedingt zum ängstlichen, eher zurückhaltenden Mauerblümchen. Wobei sich auch Gegensätze im Ausnahmefall anziehen können. Doch die Gefahr besteht, dass eine solche Paarung eher nebeneinander her, als miteinander lebt.

Gut miteinander auskommen können beispielsweise ein ausgeglichener Schmusebär und eine schüchterne Kuschelmaus, die sich in ihrem Wesen ergänzen. Beide Charaktere haben keinen ausgeprägten Hang zur Dominanz, sie genießen eher die Gesellschaft des anderen. Dies kann eine sehr harmonische Paarung werden.

Bei einer Zweitkatze aus anderer Haltung, aus dem Tierheim oder Tierschutz können die Vorbesitzer wertvolle Auskünfte über den Charakter des Tieres und seiner Vorgeschichte geben. Anhand dieser Hinweise kann man schon mal abwägen, ob eine Zusammenführung mit der eigenen Katze möglich ist. Das Zusammenpassen ist ein wichtiger Aspekt, den man nicht ignorieren sollte, denn das bislang funktionierende Gefüge könnte nachhaltig gestört werden. Verängstigte, verunsicherte oder plötzlich unsaubere Katzen können das Resultat sein.

Wo finde ich die passende Zweitkatze?

Zu zweit ist es schöner: Die Katzenzusammenführung - kuschelnde Katzenbabys - tierglueck-HaustierratgeberBeim Züchter sind in Regel nur Jungtiere zu bekommen. Wenn man noch keine Katze hat, kann man zwei Geschwister als Paar halten oder zwei Kätzchen, die sich gut verstehen und miteinander spielen – sie wachsen quasi zusammen auf. Sucht man eine erwachsene Katze, die gut zum Alter der eigenen passt, können oft Tierheime oder der Tierschutzbund ein passendes Tier vermitteln. Auch private Tiervermittlungen sind zu empfehlen, zum Beispiel, wenn der bisherige Besitzer die Katzenhaltung aus gesundheitlichen oder sozialen Gründen aufgeben muss. Meist sind die Vorbesitzer glücklich, wenn ihre geliebte Samtpfote ein neues gutes Zuhause gefunden hat.

Auch beim Tierarzt oder in der Zoologie gibt es oft entsprechende Aushänge. Zu guter Letzt bietet auch das Internet zahlreiche Möglichkeiten, um mit Katzenbesitzern in Kontakt zu treten. Kauf oder Übernahme sollten aber in jedem Fall nur persönlich erfolgen.

Tipp: Bei der Besichtigung sollte man nicht nur auf die Katze achten, sondern auch auf ihr bisheriges Umfeld. Ist sie eine reine Wohnungskatze oder ein Freigänger? Nutzt sie eine Katzentoilette oder ist sie unsauber?

Das sensible Zusammenführen zweier Katzen

Katzen reagieren auf Artgenossen genauso wie wir Menschen. Wir mögen auch nicht gleich jeden, den wir auf der Straße begegnen und wollen gleich mit ihm zusammenleben. Man muss sich erst kennenlernen. Auch Katzen muss man daher die Chance geben, sich langsam anzunähern. Der größte Fehler, den man als Tierhalter machen kann ist, den Neuankömmling einfach so in die Wohnung oder das Haus zu lassen, respektive damit in das Revier der Erstkatze, und sich selbst zu überlassen. Eine solche Vorgehensweise ist zum Scheitern verurteilt.

Idealerweise bekommt die Zweitkatze zunächst ihr eigenes Reich und für die Erstkatze ändert sich erst einmal gar nichts. Dieses eigene Reich kann ein separates Zimmer sein, das durch eine Tür verschlossen werden kann, so dass sich die beiden Katzen nicht sehen können. Ihre feinen Nasen haben dabei aber sehr wohl bereits die jeweils andere erschnüffelt und sind neugierig. Mehr braucht es für den Anfang nicht. Der Neuzugang sollte einige Tage in diesem Zimmer verbringen, das mit allen nötigen Katzenutensilien, wie Schlafecke, Toilette, Wasser- und Futternapf, Kratzflächen und Spielzeug ausgestattet ist.

Nach zwei bis drei Tagen, in denen sich die Zweitkatze eingewöhnen kann, tauscht der Tierhalter Spielzeug oder Decken der beiden Katzen miteinander aus. Auf diese Weise können sich beide schon mal ohne direkten Kontakt beschnuppern. Frauchen oder Herrchen haben so auch die Gelegenheit, die neue Katze ungestört kennenzulernen und Kontakt aufzubauen. Dies ist auch von Vorteil, sollte der Neuling krank sein oder durch den Umzug plötzlich zu Durchfall neigen. Ohnehin braucht die neue Katze insbesondere in den ersten Tagen viel Zuwendung durch den Halter, denn für sie ist es eine völlig neue Umgebung und unter Umständen wurde sie gerade von anderen Artgenossen oder ihren Geschwistern getrennt. Die Fürsorge des Halters darf dabei aber nie so weit gehen, dass das Stammtier vernachlässigt wird.

Das erste Aufeinandertreffen

Nach einigen Tagen, wenn man den Eindruck hat, dass sich der Neuling eingelebt hat und gesund ist, kann man einen ersten Versuch wagen, die beiden Katzen zusammen zu bringen. Wichtig ist hierbei, dass man dies nun nicht zu einer großen Aktion macht, sondern eher zufällig geschehen lässt. Etwa durch Auflassen der Tür. Dass sich etwas verändert hat, wird zumindest einer von beiden recht schnell mitbekommen und in der Regel zunächst das Revier des anderen erkunden, bevor die beiden bewusst das erste Mal aufeinandertreffen.

Zu zweit ist es schöner: Die Katzenzusammenführung - Streit zwischen zwei Katzen - tierglueck-HaustierratgeberUnd diese erste Begegnung kann sehr unterschiedlich verlaufen. Fast immer kommt es dabei zu Revierkämpfen, die aber völlig normal sind. Es wird gefaucht und geknurrt, Hiebe werden ausgetauscht und Fellbüschel fliegen. Das alles ist notwendig, um die Rangordnung innerhalb der Gemeinschaft zu klären. Auch wenn man dies als Tierhalter nicht gerne sieht, sollte man nur im Notfall eingreifen. Etwa wenn die Streitereien zu grob werden, wenn blutige Verletzungen entstehen. In diesem Fall sollte der Halter die neue Katze mit Handschuhen von der Erstkatze erst einmal wieder trennen und gegebenenfalls einige Tage später einen neuen Versuch starten. Das ist aber nur der Ernstfall, normalerweise sollte die Zusammenführung der Katzen ohne solche Extreme verlaufen, denn im Grunde sind sie ja neugierig aufeinander.

Die beiden Katzen sollen in dieser ersten Zeit der gegenseitigen Annäherung auf gar keinen Fall allein gelassen werden. Auch kann es erforderlich sein, beide nach der ersten Begegnung zunächst wieder zu trennen und einige Stunden später oder am nächsten Tag erneut zusammenzulassen. Auf diese Weise können sie sich nach und nach aneinander gewöhnen und sich stressfreier kennenlernen.

Eine Katzenzusammenführung erfordert viel Zeit und Geduld von Mensch und Tier. Nur so aber besteht die Chance auf eine dauerhafte Harmonie in der Gemeinschaft. Katzen sind keine Einzelgänger, sondern sehr sozial veranlagt, sie brauchen daher Artgenossen, mit denen sie dieselbe Sprache sprechen können. Herrchen und Frauchen verlieren die Fixierung der Erstkatze nicht, sie gewinnen einen zweiten Schmusetiger hinzu.

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