Die Haltung von Zwergschweinen | tierglueck-Haustierratgeber

Zwergschweine machen Hund und Katze Konkurrenz

Rüsselnase, gerades Schwänzen, Hängebauch und Stehohren – einfach niedlich! Das sind Minischweine, die allein aufgrund ihrer geringen Körpergröße sogar im Haus leben können. Die Miniaturausführung unserer Hausschweine ist seit einigen Jahren als Haustier sehr beliebt. Trotz ihrer kompakten Größe haben die kleinen Borstentiere einen enormen Bewegungsdrang. Sie lieben die kuschelige Wärme der Wohnung genauso, wie draußen bei Wind und Wetter an der frischen Luft zu sein. Deshalb ist eine reine Innenhaltung nicht zu empfehlen. Wie die meisten Tiere braucht auch ein Zwergschwein einen Artgenossen zur Gesellschaft, auch wenn sich seine Menschen noch so gut um ihn kümmern. Bei Anschaffung und Haltung von Minischweinen gibt es zudem einige Punkte zu beachten.


Zwergschweine stammen nicht etwa von unseren Hausschweinen ab, sondern sind spezielle Züchtungen europäischer und asiatischer Wildschweine. Daher verhalten sich die Miniaturausgaben teilweise anders, als die über Jahrhunderte domestizierten Nutztiere, die in unseren Ställen leben. Dennoch zählen die nur etwa ferkelgroßen Schweinchen vor dem Gesetz ebenfalls als Nutztiere und unterliegen landwirtschaftlichen Richtlinien. Beispielsweise müssen sie beim zuständigen Veterinäramt angemeldet werden und eine Ohrmarke tragen. Eine artgerechte Haltung ist daher notwendig. Da es keine definierten Zuchtvorschriften gibt, haben Minischweine in der Regel stark unterschiedliche Größen, was sogar innerhalb des gleichen Wurfs vorkommen kann. Als Ferkel sind sie in etwa gleich groß, als erwachsene Sau oder Eber können sie zwischen 12 und 60 Kilogramm schwer und circa 60 bis 80 Zentimeter lang werden. Ihre Lebenserwartung liegt etwa bei 15 Jahren.

Welche unterschiedlichen Rassen gibt es?

Weit verbreitet unter den Zwergen ist das Hängebauchschwein. Sein Gesicht ist faltig, und wie der Name schon vermuten lässt, hat es eine deutliche Bauchwölbung nach unten. Hängebauchzwergschweine gelten als gutmütig, ausgeglichen und sehr anhänglich. Dagegen zeichnet sich das Göttinger Minischwein durch einen verhältnismäßig großen Kopf aus. Als Ferkel sind sie besonders klein, wachsen dann bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres und können bis zu 90 Kilogramm schwer werden.

Münchener Minischweine tragen oft ein braunes Fell, können aber auch sehr groß werden. Kleinere Rassevertreter sind das Wiesenauer Miniaturschwein oder der Bergsträsser Knirps, der nur zwischen 12 und 30 Kilogramm auf die Waage bringt. Beliebt ist auch die Rasse der gescheckten Kune-Kune aufgrund der eigenwilligen Fellzeichnung und der Pinselohren. Allerdings zählen sie mit einem Körpergewicht von 70 bis 100 Kilogramm nicht zu den kleinsten Vertretern der Minischweine.

Das Fell der Zwergschweine besteht grundsätzlich aus Borsten. Diese können kurz oder lang, glatt oder gelockt sein. Sie kommen in den Farben Weiß, Rosa, Braun, Schwarz oder auch gescheckt zu Welt.

Wissenswertes zur Haltung

Die drolligen Schweine können zu ihren Menschen eine sehr enge Bindung aufbauen. Genießen sie Familienanschluss, folgen sie ihren Frauchen und Herrchen auf Schritt und Tritt durch die Wohnung oder den Garten, ebenso wie ein Hund. Die anhänglichen Schweinchen sind sehr gelehrig und können sogar ohne großen Aufwand stubenrein werden. Von ihrer Natur aus sind sie keine Nestbeschmutzer und nutzen immer dieselben Ecken für ihre Geschäftchen. Das kann man ausnutzen, indem man flache Katzentoiletten aufstellt und mit Stroh auslegt. Im Grunde reicht es aus, etwas Kot in die Schale zu legen. Die Schweinchen folgen ihrem eigenen Geruch und nehmen die Toilette meist innerhalb weniger Tage an.

Als echte Schweine müssen sie sich auch mal im Matsch suhlen und in der Erde graben dürfen. Ein nicht zu kleines Gehege im Garten bietet sich hierfür an. Der abgegrenzte Bereich sollte seinen Bewohnern auch Rückzugsmöglichkeiten und Schutz gegen Sonne, Wind und Wetter bieten. Hier sollten sie täglich mehrere Stunden verbringen können. Darüber hinaus können sie auch im Haus oder in der Wohnung gehalten werden.

Genau wie ihre großen Vorbilder sind Minipigs Herdentiere, die ihre Rotte brauchen, um sich wohlzufühlen. Weder Menschen noch andere Haustiere können den Sozialpartner ersetzen. Daher sollte man immer mindestens zwei Zwergschweine halten. Wenn keine Zucht geplant ist, sollten Eber grundsätzlich kastriert werden, bei weiblichen Schweinen ist dies nicht erforderlich. Will man zwei Eber zusammenhalten, sind Streitereien um das Revier an der Tagesordnung. Aber auch zwei Säue sind sich oft uneins, insbesondere während ihrer Rausche, die etwa alle drei Wochen für zwei Tage stattfindet. Die beste Paarung besteht daher aus einem kastrierten Eber und einer Sau. Wie bei Schweinen üblich, führt meist das Weibchen die Gemeinschaft an, während sich das Männchen eher unterordnet.

Die ideale Unterbringung von Minipigs im Haus

Um es vorwegzunehmen: Eine klare Empfehlung für die Unterbringung im Wohnbereich gibt es nicht. Denn hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Wie erwähnt müssen die Schweinchen täglich auch nach draußen in ihr Gehege dürfen. Im Grunde würde sich dann anbieten, ihnen im Garten auch einen wetter- und winterfesten Stall oder ein Gartenhaus aufzustellen. Dann leben die Zwergschweine allerdings eher für sich, ohne direkte Familienanbindung.

Sollen die Schweinchen eher im Haus oder in der Wohnung leben, muss der Tierhalter als erstes für ihre Stubenreinheit sorgen, die man wie erwähnt, mit flachen Schalen oder Wannen unterstützen kann. Mit etwas Training kann man ihnen auch beibringen, ihre Geschäftchen komplett draußen zu erledigen. Als Schlaf- und Ruheplatz bietet sich ein etwas größerer Hundekorb mit waschbaren Bezügen an. Die knuffigen Borstentiere machen es sich gerne gemütlich, daher werden sie das Bettchen schnell akzeptieren. Da die Schweinchen sehr gelehrig sind, kann man ihnen auch beibringen, ihre Malzeiten beispielsweise in der Küche einzunehmen. Der meist unempfindliche Fliesenboden ist vorteilhaft, wenn mit dem Schweinebrei schon mal gekleckert wird.

Dies kommt im Prinzip einer Hundehaltung sehr nahe. Wer seine Schweinchen nicht in der gesamten Wohnung herumlaufen lassen möchte, kann auch bestimmte Bereiche absperren. Beispielsweise durch Tür- oder Treppengitter. Ohnehin sollte man Treppenauf- und -abgänge sichern, da Schweine aufgrund ihres Körperbaus nicht die idealen Treppensteiger sind und leicht stützen können. Alternativ kann man zwar auch ein Innengehege aufbauen, dieses sollte dann aber mehrere Quadratmeter groß sein, damit die Zwerge auch umherlaufen können.

Ernährung und Fütterung

Obwohl Schweine gemeinhin als Allesfresser gelten, sollte man bei der Ernährung von Zwergschweinen auf eine gesunde und artgerechte Kost achten. Das klassische Schweinefutter aus dem Landwirtschaftshandel ist für Minischweine nicht geeignet, da es sich in der Regel um Mastfutter handelt, das die Hausschweinchen schnell dick machen würde.

Im gut sortierten Haustier-Fachhandel sind spezielle Trockenmischungen für die Zwerge erhältlich, die genau auf ihre speziellen Bedürfnisse abgestimmt wurden. Grob geschrotetes Getreide, wie Weizen, Hafer, Mais und Gerste sind die Grundbestandteile des Schweinchenfutters. Dazu kommen Vitamine und Mineralienzusätze, Gemüse, Obst und Kleie. Das Futter wird mit Wasser angereichert und als dicklicher Brei gefüttert. Getrocknetes Brot mögen die Schweinchen zwischendurch sehr gerne. Da alle Minischweine zu Übergewicht neigen, sollten sie nicht öfter als zweimal am Tag gefüttert werden. Pro Tag empfiehlt sich eine Menge von 1-2 Prozent des Körpergewichts. Frisches Grünfutter und Gras können von Frühjahr bis Herbst zugefüttert werden.

Küchenabfälle und Fleisch sind für Zwergschweine nicht geeignet und sollten daher nicht verfüttert werden. Das gilt ebenso für süße oder salzige Speisen aus dem Menschenreich. Frisches Brot mögen die Borstentiere zwar gerne, doch klumpt es schnell im Magen zusammen und kann Verdauungsstörungen hervorrufen. Es sollte daher gut getrocknet und einige Tage alt sein.

Pflege und Gesundheitsvorsorge

Die Borsten der Minischweine müssen mehrfach in der Woche von Dreck und losen Haaren befreit werden. Haben sie sich im Dreck gewälzt, empfiehlt sich eine Nassreinigung mit der Bürste. Dabei sollten Augen, Nase und Ohren vorsichtig mit einem feuchten, weichen Tuch ausgewaschen werden.

Zwergschweine benötigen zweimal im Jahr eine Wurmkur. Das Mittel ist beim Tierarzt zu bekommen. Darüber hinaus müssen Schweinchen gegen die Schweinepest, Tetanus, Parvovirose und eventuell gegen Tollwut geimpft werden. Ein Spot-On-Präparat schützt vor einem Parasitenbefall.

Was gibt es bei der Anschaffung von Minischweinen zu beachten?

Bei den Anschaffungskosten schlagen Preise in der Größenordnung von Rassehunden zu Buche. Je nach Schweinchenrasse sind das zwischen 300 und 500 Euro. Dazu kommen Nebenkosten wie Haftpflichtversicherung, Tierseuchenkasse und Impfungen von insgesamt circa 130 Euro im Jahr. Vor der Anschaffung sollte man mit direkten Nachbarn sprechen und klären, ob es Einwände gegen eine Zwergschweinhaltung gibt. Denn so klein wie sie auch sind, können sie sich lauthals bemerkbar machen, insbesondere, wenn sie hungrig sind oder sich fürchten.

Leben Kleinkinder im selben Haushalt, sollte man Schweinchen und Kind nur unter Aufsicht miteinander spielen lassen. Zwergschweine reagieren mitunter eifersüchtig und könnten Kleinkinder als Rivalen ansehen und angreifen. Mit anderen Haustieren wie Hunden oder Katzen können sich Miniaturschweine gut verstehen und harmonisch zusammenleben. Besonders Ferkel gewöhnen sich schnell an die anderen Vierbeiner im Haus.

Schwein ist nicht gleich Schwein, jedes ist verschieden, reagiert anders und hat unterschiedliche Vorlieben. Sie lieben es, wenn man ihnen den Bauch krault, dann sind sie besonders zutraulich, grunzen gemütlich und verdrehen genüsslich die Augen. Die meisten Zwerge besitzen einen ausgeprägten Charakter und sind zuweilen dickköpfig. Bei der Erziehung benötigen sie daher die nötige Konsequenz, auch wenn sie noch so niedlich dreinschauen können, aus ihren runden Kulleraugen mit den langen Wimpern.


Zwergschweine sind besondere Haustiere, die zwar auch in der Wohnung oder im Haus gehalten werden können, aber auch ein Außengehege für eine artgerechte Haltung benötigen. Auch wenn der Mensch ihnen viel Zuneigung schenkt, benötigen die cleveren Minis doch ihre Artgenossen zur Gesellschaft. Wie alle Schweine sind sie sehr verfressen, daher sollte man ihrem Charme nicht erliegen und konsequent bleiben – ihrer Gesundheit zuliebe.

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